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Mangelnde Finanzkompetenz bei Schülern – eine Wissenslücke mit Folgen

Die PISA-Studie von 2012 bescheinigt: Jeder siebte Schüler hat Probleme mit dem alltäglichen Finanzwissen. Zwar hat Deutschland an dem Test nicht teilgenommen, doch auch hierzulande sind die Defizite seit längerer Zeit bekannt und zeigen sich vor allem in der steigenden Jugendverschuldung. Zuletzt bekam das Thema alltagsnahe Wissensvermittlung nahezu stürmische Aufmerksamkeit wegen des Tweets einer Schülerin:

„Ich bin fast 18 und hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann ‘ne Gedichtsanalyse schreiben. In 4 Sprachen.“

Doch das Problem ist nicht nur akut, es droht auch, in die nächste Generation verschleppt zu werden. Kinder orientieren sich in ihrem späteren Lebensstil erfahrungsgemäß häufig an ihrem Elternhaus. Wird einem fehlenden Finanz-Grundwissen in jungen Jahren also nicht begegnet, ist die Gefahr groß, dass Kinder und Jugendliche später als Eltern ihrem Nachwuchs ebenfalls nicht die notwendigen Grundlagen vermitteln können.

Immer mehr Jugendliche sind verschuldet

Fehlende Finanzkompetenz wird noch immer als Hauptgrund für die steigende Jugendverschuldung genannt – und diese steigt seit Jahren, wie die Ergebnisse einer Umfrage des Bundesverbandes Deutscher Inkassounternehmen in diesem Beitrag zeigen.

Pixabay © AlexanderStein (CC0 1.0)

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Insbesondere über Internet und Smartphone geben Kinder und Jugendliche oft weit mehr Geld aus, als ihnen zur Verfügung steht, da hier der Bezug zu realem Geld fehlt und die Hürden niedrig sind. Teilweise reichen wenige Knopfdrücke aus, um zahlungspflichtige Aktionen auszulösen; beispielsweise bei Online-Spielen.

Hinzu kommt, dass jedes Kind dazugehören möchte und bei Freunden und Mitschülern mitreden will. Oft geht dies mit einem bestimmten Konsumverhalten einher, wie beispielsweise dem Tragen von Markenkleidung oder dem Besitz aktueller technischer Geräte wie iPod und ähnlicher Prestigeprodukte.

Eine Verschuldung im jungen Alter kann auch in der Zukunft noch negative Folgen haben, die gesellschaftliche Teilhabe einschränken und psychische Probleme sowie Schamgefühle hervorrufen.

Präventionsarbeit schon in der Schule leisten

Mathematisches Verständnis allein reicht häufig nicht aus, damit Schüler eine klare Vorstellung vom Umgang mit Finanzen bekommen. Oft fehlt der unmittelbare Bezug von beispielsweise Prozentrechnung zum Alltag und Lehrinhalte über Wirtschaft werden zwar für den Unterricht abgearbeitet, aber anschließend auch schon wieder vergessen. Eltern wiederum geben ihrem Nachwuchs im Schulalter meist nur relativ wenig Vorwissen mit. Zwar bekommen die meisten Kinder Taschengeld, besitzen ein Sparbuch und lernen den grundsätzlichen Umgang mit Geld, doch Wissen etwa über Kredite oder zum Thema Steuern fehlt häufig. Nach der KidsVerbraucherAnalyse steht Kindern zwischen vier und 13 Jahren monatlich ein durchschnittliches Taschengeld von 27,56 Euro zur Verfügung.

Die Schule kann hier regulierend eingreifen und Finanzwissen fächerübergreifend vermitteln, beispielweise durch die Verzahnung von Wirtschaft und Mathematik.

 

  1. Alltägliche Begrifflichkeiten eingängig vermitteln

Begriffe aus der Finanzwelt umgeben Kinder und Jugendliche täglich. Sie hören davon in den Nachrichten, im Fernsehen oder bei Gesprächen der Eltern. Damit Kinder ein Interesse an Finanzthemen entwickeln können, müssen diese Begriffe für sie verständlich erklärt und in Bezug zueinander gesetzt werden. Viele Schüler erleben beim Wechsel von der Schule in den Beruf nahezu einen Kulturschock, wenn Wissen um Steuern, Kredite und Versicherungen auf einen Schlag akut ist und sie sich selbst darum kümmern müssen. Viele Berufsanfänger sind in der Anfangsphase schlicht überfordert und verunsichert. Unbedingt vermittelt werden sollten daher Begrifflichkeiten wie:

Brutto/Netto

Insbesondere, wenn das Thema Berufswahl für Kinder interessant wird, stellt sich auch die Frage nach dem Gehalt. Hier ist es unabdingbar, dass Schüler bereits im Vorfeld wissen, was Brutto und Netto bedeuten. Der Unterschied wird bei hilfreich.de anhand eines Rechenbeispiels erklärt.

Pixabay © Gaertringen (CC0 1.0)

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Steuern

Auch der Begriff der Steuern ist elementar, wenn es um Beruf und Wirtschaft geht. Das Finanzministerium von Brandenburg hat beispielsweise die Seite kinderleicht.brandenburg.de ins Leben gerufen, auf der komplexe Sachverhalte wie Steuern einfach erklärt werden.

EZB

Die Aufgaben der Europäischen Zentralbank werden beispielsweise auf verivox.de anschaulich erklärt und sinnvoll gegliedert. Um die Definition auch für Kinder zugänglich zu machen, würde sich je nach Altersstufe eine Übertragung in einfachere Sprache anbieten.

Börse, Aktien, DAX

Zur Erklärung von komplizierten Zusammenhängen wie rund um das Thema Börse kann es auch helfen, Videos und Bilder zur Veranschaulichung zu benutzen, wie es beispielsweise bei geo.de gemacht wird.

Auch die Erklärung von Krediten oder Zinsen darf nicht fehlen. Je größer das Verständnis von Schülern zu diesen Themen, desto geringer die Gefahr, dass sie schon in jungen Jahren in die Schuldenfalle geraten. Zudem gibt ihnen das Wissen um diese Begriffe die Möglichkeit, sich auch selbstständig zu bilden und beispielsweise aktuelle Themen dazu im Internet nachzuschlagen.

 

  1. Kooperation mit Banken und Versicherungen

Banken und Versicherungen bieten oft an, Mitarbeiter als Tutoren für Schulveranstaltungen zur Verfügung zu stellen. Diese kommen dann zu vereinbarten Zeiten in den Unterricht, beantworten Fragen der Schüler und stellen beispielweise unterschiedliche Bezahlmethoden vor. Wenn eine solche Kooperation eingegangen wird, sollten Schule und Lehrkräfte allerdings gleichermaßen darauf achten, dass die jeweiligen Institutionen den Unterricht nicht zu Werbezwecken nutzen und beispielsweise ihre persönlichen Produkte in den Vordergrund stellen. Ansonsten kann die Zusammenarbeit sehr lohnend sein, da hier Experten aus der Wirtschaft unmittelbar daran beteiligt sind, entsprechende Unterlagen für den Unterricht zu erstellen. Themen wie etwa die Vorsicht beim Online-Banking oder der Umgang mit Kreditkarten-Daten können mit anderen Unterrichtseinheiten zur Medienkompetenz verknüpft werden.

 

  1. Alltagsnahe Rechenbeispiele und Anschauungsprojekte

Projekte wie das Planspiel Börse der Sparkasse oder das Börsenspiel der FAZ lassen Kinder und Jugendliche ihr erworbenes Finanzwissen praktisch anwenden und vertiefen. Beim Planspiel Börse bekommen Schüler virtuelles Kapital an die Hand, mit dem sie anschließend an einer Börsensimulation Wertpapiere handeln können. Die Gruppe, die innerhalb eines festgelegten Zeitraumes den höchsten Gewinn erwirtschaften konnte, wird mit Preisen belohnt. Auch das Börsenspiel der FAZ ist eine risikolose Möglichkeit für Jugendliche, die Funktionsweise der Börse zu verstehen.

Auch im Unterricht vermittelte Textaufgaben, die realistische Szenarien darstellen (beispielsweise über die laufenden Kosten eines Handyvertrages), lassen sich von Schülern im Alltag unmittelbar umsetzen. Für jüngere Kinder bietet sich auch zum Beispiel das Veranschaulichen solcher Aufgaben mit Spielgeld und Schaubildern an.

Das aus München stammende Projekt „Schulschwein“ setzt auf die möglichst frühe Gelderziehung. Bei diesem Projekt bekommen jede Klasse und jedes Kind ein eigenes Sparschwein, in das Geld mit den Zielen Sparen, Ausgeben, Investieren und gute Tat geworfen werden kann. Zusätzlich werden Unterrichtsmaterialien ausgegeben, die auch die Eltern ins Boot holen und dazu anregen, Finanzgeschäfte zu Hause mit den Kindern zu üben.

 

Bilder:
Pixabay © AlexanderStein (CC0 1.0)
Pixabay © Gaertringen (CC0 1.0)

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