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«Nothing to worry» – Elite-Internate profitieren von Wirtschaftslage

ERFURT. Derzeit stehen viele Eltern vor der Frage: Auf welche Schule schicken wir unser Kind? Immer öfter entscheiden sie sich für Privatschulen. Teure Internate profitieren von der Wirtschaftslage. Ein Ortsbesuch.

Wenn David Lucius-Clarke – ein Mann in Tweed-Sacko und Cordhose – spricht, könnte man glatt meinen, man befände sich in Gesellschaft des britischen Adels. Mit einer Mischung aus Deutsch und Oxford-Englisch redet der Internatsleiter über seine Schule, die wie ein Schloss über der thüringischen Kleinstadt Roßleben thront. Sie ist eine der elitärsten privaten Lehranstalten Deutschlands. Lucius-Clarke sagt das so: «Wir sind unter den besten Schulen. Wir haben nothing to worry about.»

Privatschulen in Deutschland boomen seit Jahren. Im Schuljahr 2013/2014 gab es laut statistischem Bundesamt knapp 5700 davon – 76 Prozent mehr als im Jahr 92/93. Trotz gesunkener Geburtenraten wuchs ihre Zahl in den vergangenen Jahren. Und auch die wenigen teuren Internate unter ihnen, die es normalerweise deutlich schwerer auf dem Markt haben, profitieren von der guten Ökonomie.

„Klosterschule Roßleben“ von Michael Sander - Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Klosterschule_Ro%C3%9Fleben.JPG#mediaviewer/File:Klosterschule_Ro%C3%9Fleben.JPG

Das Gebäude der Klosterschule Roßleben in Thüringen. (Foto: Michael Sander/ CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons)

«Es kommt uns Internaten zugute, dass die wirtschaftliche Lage ganz ordentlich ist», sagt Hartmut Ferenschild, Sprecher der Schule Schloss Salem in der Nähe des Bodensees. «Das Interesse ist da», bestätigt auch der Vorsitzende des Stiftungsrats der Klosterschule Roßleben, Christian von Witzleben. Seine Familie führt die Lehranstalt seit 460 Jahren und mit ihm in der 31. Generation.

In von Witzlebens Schule wird der Tagesablauf nicht dem Zufall überlassen. Um 6.30 Uhr werden die Kinder und Jugendlichen geweckt, 7.35 Uhr beginnt der Unterricht nach einem gemeinsamen Frühstück. Natürlich in überschaubarer Klassengröße. Nach der Schule geht es in den sogenannten Gilden weiter: Unter anderem mit Modellbau, Chor, Theater oder Schulgeschichte. Eine «Schüler-Aktiengesellschaft» soll das erfolgreiche Wirtschaften trainieren.

Mehr als ein Dutzend Sportarten werden angeboten – darunter Fußball und Basketball, aber auch Hockey, Ballett oder Lacrosse. Neben dem von Bäumen gesäumten Weg zum Eingang erstreckt sich das Rugbyfeld. Rugby hat der Brite Lucius-Clarke hierher gebracht. Natürlich aber nicht «just for fun». Es gehe um Durchsetzungskraft bei gleichzeitigem Fair Play.

Die Verantwortlichen wissen, dass ein englischer Internatsleiter ein Pfund ist, mit dem man in Deutschland wuchern kann. Experten sehen im Bereich der Elitebildung einen «Englandrun» auf britische Qualitätsschulen. Der Düsseldorfer Bildungsforscher Heiner Barz führt den anhaltenden Trend zu Privatschulen auf eine «Bildungspanik» der Eltern zurück. Diese hätten zunehmend Sorgen, dass ihr Kind auf einer normalen Schule nicht ausreichend gefördert werde.

Dagegen soll alles, was in Roßleben geschieht, die Schüler prägen: «24 Stunden am Tag werden sie geformt», sagt von Witzleben. «Die Schüler kriegen hier ein Selbstbewusstsein.» So wie Lasse-Arvid: «Ich befasse mich gerade spezifisch mit der Zeit der Klosterschule bei Napoleon», erzählt der Achtklässler, der später Arzt werden will. Vielleicht Pulmologe, vielleicht auch Kardiologe. Sein Pullunder mit Schullogo verrät: überzeugter Klosterschüler.

Diese Zugehörigkeit hat ihren Preis: Bis zu 22 000 Euro kostet der Internatsbeitrag im Jahr. Das Geld wird nicht nur in Schulessen und Schlosspflege investiert – sondern vor allem in ein Netzwerk. Die Schule lädt regelmäßig Größen aus Kultur, Politik und Wirtschaft ein. Zum Schuljubiläum war Siemens-Boss Joe Kaeser zu Besuch. Roßleben ist Partnerschule des Konzerns.

Der Wert dieser Förderung ist auch Lasse-Arvid bewusst. Er finde deshalb «staatliche Schulen nicht so toll», sagt er. Ein Satz, der Lucius-Clarke nicht wirklich gefällt: «I wouldn’t say so», wirft der Internatsleiter ein. Privatschulen – vor allem Internate – haben mit dem Ruf zu kämpfen, eine Brutstätte des Snobismus zu sein.

«Wir sind normal», sagt von Witzleben deshalb mit Nachdruck. Ganz unrecht hat er damit nicht. Auf dem Flur vor dem Musiksaal tummeln sich Schüler – das wirkt wie in jeder anderen Schule auch.

Für den Geschmack von Lucius-Clarke sind sie dabei ein wenig zu wild. Er bleibt stehen. Die Sechstklässler erstarren. Sie blicken auf. Lucius-Clarke hebt seine Stimme schneidend: «You don’t mess around in my school», bellt er mit der Inbrunst eines US-Armee-Ausbilders. Dann dreht sich der Internatsleiter schmunzelnd um: «Man muss immer aufpassen, dass sie sich benehmen.» Benno Schwinghammer

16 Kommentare

  1. Vorsicht Privatschul-PR!

    So, so. Teure private Internatsschulen wie die Schule Schloss Salem oder die Klosterschule Roßleben profitieren von den guten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Was sagt diese – pünktlich zu den Halbjahreszeugnissen und den entsprechenden Anmeldeterminen wortgleich in zahlreichen Medien gestreute – Nachricht aus?

    Richtig: Gar nichts. Denn wer den Markt und die Werbestrategien der privaten Bildungsindustrie über Jahrzehnte verfolgt hat, wird solchen Aussagen mit größter Skepsis begegnen. Schließlich gehört es zu den banalsten PR-Tricks, schlechte Nachrichten durch Gegenpropaganda zu neutralisieren. Merke: Ein sinkendes Schiff ist nicht nur für die sprichwörtlichen Ratten unattraktiv. Schon eine vermutete wirtschaftliche Schieflage kann den Geschäften schaden. Darum muss die Stammkundschaft beruhigt werden, bevor sie womöglich in die Schweiz oder nach England abwandert (Ja, auch deutsche Nobelinternate leiden unter der Globalisierung!). Und welcher potenzielle Neukunde löst schon ein Billet auf einem Seelenverkäufer, der bereits mit Schlagseite am Kai liegt?

    „Das Titanic-Orchester – Spielen bis zum Untergang“, lautete der Titel eines englischen Spielfilms aus dem Jahr 2012. Er beruht auf der wahren Begebenheit, dass die Kapelle des für unsinkbar gehaltenen einstigen Flaggschiffs der „White Star Line“ weiterspielte, bis das letzte Rettungsboot außer Sichtweite war und das Wasser den tapferen Musikanten buchstäblich bis zum Hals stand. Die Schule Schloss Salem, deren von einem staatlichen Hochbegabteninternat abgeworbener Schulleiter im selben Jahr mit allerlei maritimer Symbolik ins Amt eingeführt wurde, worauf er seine neue Wirkungsstätte in einem ostwestfälischen Provinzblatt prompt zum „Flaggschiff der deutschen Privatschulen“ erklärte, steht keineswegs so gut da, wie die obige Meldung glauben machen will. Das zeigt die Umwandlung des erst zur Jahrtausendwende mit großem Pomp eröffneten Oberstufeninternats „Salem International College“ (nicht zu verwechseln mit dem „Jugend-Kolleg am See“, einer Jugendhilfe-Einrichtung in der Bodensee-Gemeinde Moos-Bankholzen) in eine Art Bewahranstalt für noch nicht volljährige Turbo-Abiturienten und aus verschiedensten Gründen noch nicht Studierfähige, über deren Belegungszahlen (im April 2014 laut FAZ 22 Teilnehmer bei einst über 200 Internatsplätzen), sich die Salemer Leitungsetage vielsagend ausschweigt.
    Die jeweilige Wirtschaftslage ist für die Nachfrage nach preislich exklusiven Wohnschulen übrigens von eher untergeordneter Bedeutung. Der Markt für vermeintliche Eliteschulen funktioniert nach ähnlichen Gesetzen wie der für beliebige andere Luxusgüter. Wenn der Verkauf im Inland stockt, erschließt man eben neue Absatzmärkte. So folgen den Kindern von Adel und vom alten Gelde eben schlimmstenfalls diejenigen von geltungssüchtigen Neureichen, russischen Oligarchen samt Leibwächtern oder korrupten chinesischen Parteikadern. So lange noch irgendwo auf dieser Welt Ressourcen bestehen, die sich plündern lassen, werden die Herren von Witzleben und Ferenschild sich voraussichtlich nicht beim Jobcenter melden müssen.
    Existenzgefährdender ist da vielleicht die wegbrechende Akzeptanz gegenüber Salem & Co in der deutschen Bevölkerung. Denn ohne saftige Finanzspritzen aus den Steuerabzügen des „gemeinen Mannes“ sind solche Nobelschulen, die Kleinotto und Kleinerna Normalverbraucher bestenfalls in geschönten Hofberichten gebührenfinanzierter Sendeanstalten von innen zu sehen kriegen, weil diese ihre Schüler entgegen Art. 7 GG nach den Besitzverhältnissen der Eltern selektieren, derzeit nicht überlebensfähig. Laut einer Studie der FU Berlin, die kürzlich veröffentlicht wurde, breitet sich trotz „stabiler Wirtschaftslage“ mittlerweile eine fundamentale Kritik an der Wirtschaftsordnung unseres Landes aus. Bereits jeder Dritte stimmte der Auffassung zu, der Kapitalismus führe zwangsläufig zu Armut und Hunger. Fast ein Fünftel der Befragten plädiert sogar für eine Revolution, um die notwendige Demokratisierung der politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse herbeizuführen. Ihre Zahl könnte beim nächsten Bankenkrach sprunghaft ansteigen und zu einer Novellierung der staatlichen Ersatzschulfinanzierung führen.

  2. Milch der frommen Denkungsart

    Es ist ja ein quasi klassenkämpferischer Irrglaube, die deutsche Privatschullandschaft beschränke sich etwa auf kostenträchtige Schlossinternate; vielmehr leisten auch konfessionelle, im katholischen Be-reich vielfach von Orden getragene, Anstalten zu vergleichsweise „Dumpingpreisen“ qualitativ sehr gute Arbeit (und nun mag nur ein böswilliger Mensch versuchen, dies im Lichte der fürchterlichen pädophilen oder gewalttätigen Entgleisungen, die nicht kleinzureden sind, zu verbellen !).
    Nicht zufällig erzielen derartige Schulen regional immer wieder Spitzenabiturschnitte, die ihren Titel tatsächlich verdient haben; und ebensowenig ist es ein Zufall, dass die Anmeldezahlen dort exponen-
    tiell in die Höhe schnellen als in gleichem Maße ihre öffentlichen Pendants zu veritablen Augias-
    ställen an bildungspolitischem Mist verkommen.
    Selbstverständlich gibt es noch genug Perlen unter öffentlichen Schulen, doch werden sie leider von immer mehr Säuen teils planvoll zugrundegerichtet.

    • In einem muss ich Ihnen Recht geben: Das mediale Interesse konzentriert sich viel zu sehr auf preislich exklusive Nobel-Wohnschulen, die in keiner Weise repräsentativ sind für den Sektor der Internatsschulen insgesamt. Dass konfessionelle, insbesondere katholische Privatschulen gute Arbeit leisten, will ich nicht bestreiten. Ihr Versuch, diese generalisierend gegenüber dem staatlichen Schulwesen hervorzuheben, wird durch die vergleichende Statistik nicht bestätigt (vgl. http://www.focus.de/familie/schule/schulwahl/privatschulen-sind-nicht-besser-als-staatliche-untersuchung_id_2023697.html). Zudem darf man auch die Bildungsstätten katholischer Träger nicht alle in einen Topf werfen. Reine Tagesschulen ohne Internatsabteilung haben gegenüber Schulen mit angeschlossenem Internat bzw. Heimschulen, die ausschließlich Internatsschüler unterrichten, in aller Regel ein höheres Niveau. Das gilt auch für konfessionelle Einrichtungen. Also nicht Äpfel mit Birnen vergleichen! Und bei den „Spitzenabiturschnitten“ wäre ich mal sehr vorsichtig. Das Zentralabitur taugt wenig als Vergleichsmaßstab, so lange die Vornoten und die Noten der mündlichen Prüfungen nicht denselben Kontrollen unterliegen.

      • Milch der frommen Denkungsart

        @Ulrich Lange:

        Sie werden verstehen, dass ich einer Erhebung der Friedrich-Ebert-Stiftung a priori mit Vorsicht begegne, da ja in linker Bildungspolitik allzu oft nicht sein kann, was nicht sein darf. Ansonsten hatte ich durchaus konzediert, dass es auch (noch) niveaugesättigte staatliche Schulen gibt.

        • Also, Frau oder Herr Milch…. Die Qualität einer Untersuchung beurteilt man gewöhnlich nach ihrer Methode und nicht danach, in wessen Auftrag sie erstellt oder von wem sie veröffentlicht wurde. Sie neigen leider zu Vor- (= a priori) und Pauschalurteilen. Der Grad Ihrer Inobjektivität und intellektuellen Unaufgeklärtheit lässt sich daran ablesen, dass Ihnen gar nicht auffällt, dass die genannte Untersuchung eine Aussage über die Gesamtheit der öffentlichen Schulen und die Gesamtheit der privaten Schulen trifft. Wie „niveaugesättigt“ einzelne staatliche oder katholische Schulen auch sein mögen – statistisch ist dies für den Gesamtvergleich vollkommen irrelevant. Denn es geht ja um eine Beurteilung, die gerade von subjektiven Einschätzungen und individuellen Erfahrungen abstrahieren soll, um einen objektiven Vergleich zu ermöglichen. Und dann outen Sie sich auch noch als Mitarbeiter(in) eines privaten Ordensgymnasiums. Was meinen Sie, mit welcher Vorsicht ich erst Ihren von Eigenlob triefenden Einschätzungen begegne. Steht das Trommeln für den eigenen Brötchengeber und das Herabsetzen der staatlichen Mitbewerber, die nach Ihrer Aussage mit Ausnahme einiger „Perlen“ zu „Augiasställen an bildungspolitischem Mist verkommen“, eigentlich in Ihrem Arbeitsvertrag? Oder gibt es zu Ostern und Weihnachten eine Pöbelprämie für besonders „engagierte“ Kommentare?

  3. Die Klosterschule Roßleben hat etwa 120-150 Internatsplätze, die restlichen Schüler kommen aus der Umgebung – die Gebühren für letztere übernimmt der Landkreis. Die Wertevermittlung durch den Internatsleiter ist hervorragend, dabei übertreibt der PR-Artikel in der Tat nicht. Das Essen ist sehr gut, im Gegensatz zu vielen anderen Schulen wird an der Klosterschule jeden Tag frisch gekocht und keine Teilfertigpulvergerichte im Dampfgarer erhitzt. Das Niveau in den Klassen lässt sich durchaus mit dem anderer Schulen mit vergleichbaren (ländlichen) Einzugsgebieten vergleichen.

    • Dass private Internatsschulen mit einem hohen Anteil externer Tagesschüler sich hinter öffentlichen Lehranstalten desselben Schultyps nicht zu verstecken brauchen, ist auch meine Beobachtung. Dennoch sollte man mit dem Prädikat „Eliteschule“ gerade bei hochpreisigen Instituten sehr vorsichtig sein. Elite heißt Auswahl der Besten. Da reicht es keinesfalls aus, nicht schlechter zu sein als der Durchschnitt öffentlicher Schulen, in denen man das Abitur „für umme“ erwirbt. Und die „Internen“ sind nicht gerade diejenigen an einer Schule mit angeschlossenem Internat, die das Leistungsniveau heben. Nach wie vor gilt der Insiderspruch: Je teurer das Internat, desto niedriger das Niveau. Da hilft auch das ganze Getue mit der Wertevermittlung und Charakterbildung nichts.

      • Es ist doch Fakt, dass Privatschulen boomen und interessierte Eltern um freie Plätze Schlange stehen. Warum das, werter Herr Lange? Weil alle nur doof sind und keine Ahnung haben vom „wertvollen“ staatlichen Schulsytem?
        Sie flüchten vor ihm und suchen für ihre Kinder bessere Bildungschancen.
        Die Einheitsschule (genannt Gemeinschaftsschule) und die Inklusion werden den Privatschulen noch mehr Nachfrage bescheren.

        • Tja, werte Frau Sabine… Da haben wir ein Problem. Frage: Was sagt die Tatsache, dass bestimmte Angebote boomen und viele Menschen danach Schlange stehen, über die Qualität dieser Angebote aus? Sind diese allein deshalb besser als andere, weil die Nachfrage so groß ist?

          Wie Sie sich erinnern werden, stand man in den neuen Bundesländern massenhaft nach Bananen an. Beweist das, dass Bananen besser sind als Äpfel?

          „Filmfans übernachten vor Ticketschaltern“ berichtete N24 von der Berlinale (siehe http://www.n24.de/n24/Mediathek/videos/d/6100126/filmfans-uebernachten-vor-ticketschaltern.html). Ist deshalb Kino besser als Fußball? Oder die Bienale besser als die Viennale?

          Absurde Argumentation, oder?

          Ihr Erklärungsversuch: Die Eltern flüchten vor dem staatlichen Schulsystem und suchen für ihre Kinder bessere Bildungschancen. Weil sie ja nicht doof sind und genau wissen, dass das staatliche Schulsystem nichts taugt.
          Aber das bleibt so lange scheinrational wie die Prämisse dieser Erklärung nicht bestätigt ist. D.h. es müsste erst einmal bewiesen werden, dass Privatschulen tatsächlich bessere Bildungschancen eröffnen und die Qualität ihres Unterrichts tatsächlich deutlich höher ist als diejenige vergleichbarer staatlicher Lehranstalten. Lässt sich dies nicht nachweisen, dann sind die Privatschulkunden tatsächlich „alle nur doof“. Denn sie bezahlen für die Bildung ihrer Kinder doppelt: Als Steuerzahler für ein kostenloses staatliches Schulangebot, das sie nicht nutzen. Und als Privatschulkunden zusätzlich für eine Leistung, die es anderswo umsonst gibt. Mann, sind die blöd!

          Welche Anhaltspunkte haben Sie denn nun für die Belastbarkeit dieser Prämisse?
          Fragen wir doch mal Frau Google:

          http://www.spiegel.de/schulspiegel/bildungsstudie-warum-privatschulen-schlechter-sind-als-ihr-ruf-a-744226.html

          http://magazin.sofatutor.com/eltern/2013/10/21/privatschule-%e2%88%92-bessere-alternative-zur-staatlichen-schule/

          http://www.bild.de/ratgeber/job-karriere/kinder/in-privatschule-klueger-5397410.bild.html

          http://zfi.beepworld.de/abi-de-luxe—schule-als-erlebnisevent.htm

          Fakt ist, werte Frau Sabine, dass die Kritik an den „schlechten“ staatlichen Schulen häufig nur ein Tarnmotiv darstellt. Eltern flüchten vor allem dann zu den privaten Anbietern, wenn das eigene Kind Lern- und Erziehungsdefizite aufweist oder förderschulähnliche Betreuung braucht. Und die Abstiegsängste der Mittelschicht machen diese empfänglich für die Werbeparolen der privaten Bildungsindustrie und den gesteuerten Kampagnenjournalismus der Medien, der ihnen seit Jahrzehnten einredet, die staatlichen Schulen seien schlecht.

          • Sie können es drehen und wenden, wie Sie wollen. Sie können auch die Privatschulkunden alle doof nennen, weil sie für etwas bezahlen, was es „anderswo umsonst gibt“.
            Das Dumme ist nur, dass die staatliche Gratis-Leistung von vielen als minderwertig angesehen wird. Da nützt auch keine Beschimpfung der Kunden und keine Schönmalerei des öffentlichen Schulsystems. Reformen mit sozialtherapeutischen Motiven richten es seit Jahrzehnten zugrunde.

  4. Milch der frommen Denkungsart

    @Sabine:

    Sie haben völlig recht: jedes Jahr rennen „uns“ – ich selbst arbeite an einem privaten Ordensgymnasium – aufs Neu‘ nahezu dreimal soviele Eltern die Türen ein als „wir“ an deren Kindern überhaupt aufnehmen können;
    und dies, obwohl unsere Niveauanforderungen regional als höher gelten als jene der meisten unserer staatlichen
    Mitbewerber. Daß dies etwa nicht den offenbaren Defiziten der öffentlichen Bildungslandschaft geschuldet ist, kann doch nur ein Träumer bezweifeln.

  5. @ Milch der frommen Denkungsart
    Danke für Ihre Bestätigung, obwohl für jeden, der sehen und sich nicht blind stellt, diese Dinge schon seit mindestens seit 2 bis 3 Jahrzehnten klar sein müssten, denn seitdem verzeichnen die Privatschulen einen beispiellosen Zulauf.
    Umso mehr rechne ich Ihnen Ihr ständiges Plädoyer für eine Leistungssteigerung der öffentlichen Schulen an, die ja quasi Konkurrenz sind. Es geht Ihnen offenbar ohne jedes Konkurrenzdenken um das Wohl und Wehe unserer Kinder, das auch m. E. bedroht ist von einseitiger Sozialtromantik. Dass diese inzwischen so weit gediehen ist, dass von Seiten der Schulpolitik kein Mensch mehr an die lernstarken und -freudigen Schüler denkt, sondern alle Reformen nur noch ausgehen von dem, was die Schwachen angeblich brauchen, ist eine Pervertierung der Begriffe „sozialle Gerechtigkeit“ und „Chancengleichheit“.
    Pervertierung in besonderem Maße, da bei diesem Denken noch nicht einmal die Schwachen profitieren, sondern in ähnlichem Maß wie die Starken im Stich gelassen werden. Einheitsschulen, genannt Gemeinschaftsschulen, werden keinem Schüler mehr gerecht. Auch die Schwachen werden im Stich gelassen, weil ihre Bedürfnisse mehr verlangen als „Hauptsache, nicht mehr an einer Schulform zu sein, die weniger angesehen ist als andere“.

  6. Milch der frommen Denkungsart

    @ Ulrich Lange

    „Alt und wahr erweist sich das Sprichwort: Feindes Mund frommt selten“ –

    oder: „Getroffene Hunde bellen.“

    Wer nämlich, um im Bild zu bleiben, mit solch pitbullartiger Wut rast, indem er Diskutanten billig der sklavischen
    Lohnschreiberei verdächtigt, sie süffisant gleichsam wie einen Paria an den Pranger stellt, seine Tiraden nur
    mit einem Schwall an Internetlinks stützen zu können glaubt (als würde schiere Quantität per se schon über-
    zeugen) und dabei noch die Entenhausener Sprechblase zum Stil der Auseinandersetzung erhebt, disqualifiziert sich bemitleidenswert selbst. Freilich setzt sich jeder den Hut auf, der ihm paßt.

    Auf Wiedersehen ? Das muß nun wirklich nicht sein …

    • @MdfD

      Paulus sprach zu den Korinthern, manches lässt sich nicht verhintern. Aber keine Angst! Ich werde mich nicht auf Ihr Ordensschul-Niveau herab begeben. Nur so viel:

      Ich war einmal so frei, Ihre und Ihrer Mitstreiterin Sabine Aussagen zu einem geschlossenen Text-Zitat zu verdichten und der abstrusen Logik Ihrer beider „Überlegungen“ nachzuspüren. Ihre Wahrnehmung: Ich rase in pitbullartiger Wut und und erhebe die Entenhausener Sprechblase zum Stil der Auseinandersetzung, wodurch ich mich in bemitleidenswerter Weise selbst disqualifiziere.

      In der Tat, Sie Freundin alter Sprichwörter: „Getroffene Hunde bellen“. Nur wer ist hier der getroffene Hund?
      Und: „Jeder setzt sich den Hut auf, der ihm passt.“ Aber nicht unbedingt jeden Hut, der ihm v e r – passt wird!

      Und wie Ihr abschreckendes Beispiel zeigt, gibt es auch Leute, die eine so falsche Vorstellung von den Abmessungen des eigenen Kopfes haben, dass sie immer versuchen, sich den allergrößten Hut aufzusetzen. Tut mir ja leid für Sie, werte Dame, aber der Hut des „Diskutanten“ rutscht Ihnen deutlich über die Ohren. Zu einer sachlichen Diskussion sind Sie weder bereit noch in der Lage.

      Und denken Sie nur: Es gibt eine Gesetzmäßigkeit, nach der Quantität in Qualität umschlägt bzw. die bloße Quantität bereits eine Qualität darstellt, wenn nämlich zum Beispiel ein naturwissenschaftliches Phänomen durch eine große Zahl von in derselben Versuchsanordnung wiederholten Experimenten die Qualität einer Gesetzmäßigkeit erhält. Und wenn Sie behaupten, die Überlegenheit der Privatschulen sei allgemein anerkannt und über einen langen Zeitraum vielfältig belegt, und es wird im Gegenzug nachgewiesen, dass es eine große Zahl von Untersuchungen und Pressebeiträgen gibt, die das genaue Gegenteil behaupten, dann muss Ihre These als falsifiziert gelten. Mal ganz abgesehen von dem Verstoß gegen die allgemeinen Denkgesetze, der darin besteht, dass Sie der „schieren Quantität“ nur dann die Beweiskraft absprechen, wenn sie Auffassungen stützt, die Sie nicht teilen. Im umgekehrten Falle jedoch berufen Sie sich ganz selbstverständlich auf die große Nachfrage als Qualitätskriterium.

      Vielleicht ist das einer der großen Unterschiede zwischen Ihrem katholischen Ordensgymnasium und einer x-beliebigen Staatsschule: In Letzterer arbeitet man wissenschaftspropädeutisch und kennt die Gesetze der Logik. Im Erstgenannten arbeiten Sie.

      Bevor Sie jetzt wieder Schaum vor Mund bekommen und von vorn anfangen: Nein, hier bellt nicht der getretene Hund und der setzt sich auch keinen Hut auf. Nein, hier wird nicht die Entenhausener Sprechblase zum Stil der Auseinandersetzung erhoben. Nein, ich rase nicht in pitbullartiger Wut, ich bin verwundert über die sich hier darstellenden Spiuelarten der Spezies „Mensch“. Nein, ich stelle Sie auch nicht süffisant wie einen Paria an den Pranger (das besorgen Sie schon selbst). Nein, ich glaube meine Tiraden nicht mit einem Schwall an Internetlinks stützen zu können. Nein, ich verdächtige Diskutanten nicht billig der sklavischen Lohnschreiberei. Ich prüfe nur ganz kühl und sachlich die Behauptungen nach, die aus Ihrem Augiasstall dringen. Vorsichtshalber habe ich mir eine äußerst passgenaue Gasmaske über den ebenfalls ausgezeichnet passenden Hut gezogen.

  7. Noch ein kleiner Nachtrag:

    Die wirtschaftliche Lage vermeintlicher Eliteinternate scheint doch nicht so gut zu sein wie in der dpa-Imagekampagne behauptet.

    Beispiel Schule Schloss Salem: Nach der Schließung des „Salem International College“ in Überlingen, die als „Nzutzungsänderung“ (Salem Kolleg) kaschiert wurde, folgt jetzt womöglich die Schließung des Unterstufeninternats Burg Hohenfels. Siehe folgende Pressemeldung: http://www.suedkurier.de/region/bodenseekreis-oberschwaben/salem/Burg-Hohenfels-Ziehen-Unterstufenschueler-nach-Salem;art372491,7688740

    Natürlich wird sofort beteuert, die Schließungspläne beruhten auf rein pädagogischen Erwägungen und erfolgten nicht aus wirtschaftlicher Not. Nahahahein, wer wollte denn an sowas denken? Allerdings ist man von Salem & Co. Falschmeldungen zur gezielten Desinformation der Öffentlichkeit hinlänglich gewohnt. Ich denke nur an die Kampagne, die einen angeblichen „Imagewandel“ der Internate von der Notlösung für Schulversager und Erziehungsschwierige zur „Alternative“ für Hochleister und die zukünftige Elite behauptete. Hat auch nicht gestimmt, wie jeder Insider weiß, und wurde durch die Enthüllungen zahlreicher Fälle von sexuellem Missbrauch und Gewalt in sogenannten Eliteinternaten jäh beendet, die bis heute nicht aufgearbeitet sind. Auch hierzu ein Link als Beleg: http://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/detailansicht/aktuell/fuenf-jahre-danach-missbrauch-nicht-aufgearbeitet-90851/

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