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Philologenverband attestiert dem OECD-Bildungsbericht eine „verengte Perspektive“

BERLIN. Eine imponierende Auflistung an Daten, aber auch eine auf ökonomische Kriterien und den naturwissenschaftlichen Bereich verengte Perspektive und wenig zielführende Handlungsperspektiven attestiert der Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbandes dem OECD-Bildungsbericht „The ABC of Gender Equality in Education“ in einer Pressemitteilung.

Immer weniger junge Menschen möchten Mathe-Lehrer werden. Foto: Jörg Willecke / pixelio.de

Laut dem OECD-Bildungsbericht glauben Mädchen häufiger als Jungen, sie seien nicht gut in Mathe. Foto: Jörg Willecke / pixelio.de

Der Bundesvorsitzende Heinz-Peter Meidinger kritisiert konkret, dass sich der Bericht fast ausschließlich auf die Unterschiede zwischen den Geschlechtern im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich und deren volkswirtschaftliche Auswirkungen konzentriere und die Defizite vieler Jungen im sprachlichen Bereich lediglich eine Randrolle spielten. „Es führt weder bei der Analyse noch bei den Zielperspektiven weiter, wenn man bei der Klage über ein zu geringes Interesse von Mädchen an naturwissenschaftlichen Studiengängen und Berufen bei den von Eltern geprägten Einstellungsmustern stehenbleibt. Wenn der OECD-Bericht feststellt, dass sich Jungen bei der Berufswahl stärker an der Höhe des späteren Verdienstes orientieren als Mädchen, während diese nach anderen Erhebungen bei der Berufswahl stärker an Kriterien wie der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie den eigenen Neigungen und Selbstverwirklichung interessiert sind, dann ist die Gemengelage komplizierter als der Bericht glauben machen will“, so Meidinger.

Der Verbandschef macht zudem die eher auf Männer ausgerichteten Arbeitsplätze im technologisch-naturwissenschaftlichen Berufssektor dafür verantwortlich, dass so wenig Mädchen solche Berufe anstreben. „Bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf hat die Industrie trotz gewisser Fortschritte noch eine große Bringschuld in Deutschland!“ Laut Meidinger seien zudem im schulischen Bereich sowohl bei der Förderung von Mädchen in den Naturwissenschaften als auch bei der Leseförderung von Jungen verstärkte Anstrengungen der Länder notwendig. „Die Struktur der gymnasialen Oberstufe in vielen Bundesländern ermöglicht nur sehr eingeschränkt Schwerpunktsetzungen im naturwissenschaftlichen Bereich, die mangelnde Stundenausstattung des Deutschunterrichts wiederum erschwert die gerade für viele Jungen eminent wichtige intensivere Lese- und Sprachförderung!“

Zum Beitrag: Studie: Geringere Aussichten für Mädchen bei der Ausbildungssuche
Zum Beitrag: In der Schule sind die Mädchen vorne – im Beruf hinken sie dann hinterher

Ein Kommentar

  1. Wie hoch ist denn der Frauenanteil an den Arbeitsplätzen der OECD? Mir sind in Hinblick auf Veröffentlichungen der OECD jedenfalls so gut wie keine Protagonistinnen namentlich in Erinnerung. Von Schleicher spricht jeder, von einer Schleicherin keiner.

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