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Über 10.000 Erzieherinnen im Warnstreik – Bsirske fordert „mehr Wertschätzung“

STUTTGART. Viel Arbeit, wenig Geld – dieser Meinung sind tausende Erzieherinnen, die gestern in Baden-Württemberg in einen Warnstreik traten und demonstrierten. Arbeitgeber und Gewerkschaften ringen um Annäherung. Aber Verdi-Chef Bsirske droht auch damit, die Tarifverhandlungen platzen zu lassen.

Gibt sich kämpferisch: Verdi-Chef Bsirske (Archivbild). Foto: hellercom / flickr (CC BY 2.0)

Gibt sich kämpferisch: Verdi-Chef Bsirske (Archivbild). Foto: hellercom / flickr (CC BY 2.0)

Mehr als 10 000 Erzieherinnen und Sozialpädagogen haben am Montag in Baden-Württemberg ihre Arbeit niedergelegt und für ein Gehaltsplus demonstriert. Viele hundert kommunale Kitas blieben geschlossen, Eltern mussten eine alternative Betreuung finden. Verdi-Bundeschef Frank Bsirske sagte bei der Kundgebung in Stuttgart: «Mehr Wertschätzung ist, was die Erzieherinnen und Sozialpädagogen brauchen – und Wertschätzung drückt sich nun mal eben auch im Gehalt aus.» Auf dem Deutschen Kitaleitungskongress in Dortmund vergangene Woche war eine Studie vorgestellt worden, nach der 76 Prozent der Kita-Beschäftigten der Meinung sind, dass das Vorurteil vom reinen Spielen und Basteln in der Kita immer noch in der Gesellschaft vorherrscht.

Die Gewerkschaft organisierte am Montag eine der bislang größten Warnstreik-Kundgebungen im laufenden Tarifkonflikt für Erzieher und Sozialpädagogen. Die Demonstranten zogen mit Trillerpfeifen und Transparenten durch die Landeshauptstadt. Rund 11.000 Menschen – viele von ihnen auch aus Bayern – nahmen laut Polizei an der Kundgebung teil. Verdi sprach von mehr als 12.000 Demonstranten.

Die Gewerkschaft hatte zu dem Warnstreik aufgerufen, um Druck auf die kommunalen Arbeitgeber für die fünfte Verhandlungsrunde am selben Tag in Offenbach (Hessen) zu erhöhen. Auch die GEW beteiligte sich. Die Gewerkschaften fordern eine höhere Eingruppierung für die bundesweit rund 240.000 Beschäftigten, die zu Einkommensverbesserungen von durchschnittlich zehn Prozent führen würde. Bundesweit schlossen mehr als Tausend Kindertagesstätten am Montag die Türen, in Baden-Württemberg waren es laut Verdi mehr als 700.

«Die Arbeitgeber leugnen bis jetzt jeglichen generellen Handlungsbedarf. Wenn sie weiter so agieren, provozieren sie einen Arbeitskampf», sagte Verdi-Chef Bsirske. Sollte es kein substanzielles Angebot geben, drohe das Scheitern der Verhandlungen. Auch in anderen Bundesländern kamen Tausende zu Warnstreik-Kundgebungen zusammen.

«Früher waren Erzieherinnen „Basteltanten“, heute sind wir Bildungsexperten», sagte Erzieherin Regina Gitschier, die bei der Warnstreik-Kundgebung in Stuttgart dabei war. Individuelle Bildungspläne für die Kinder und schriftliche Dokumentationen zur Entwicklung machten den Beruf deutlich anspruchsvoller und aufwendiger.

«In den letzten Jahren sind die Ansprüche enorm gestiegen», sagte Bsirske in Stuttgart. Daher sei die Aufwertung des Berufs der Erzieher und Sozialpädagogen längst fällig. Von einer angemessenen Bezahlung in den wichtigen sozialpädagogischen Berufen kann derzeit keine Rede mehr sein, sagte auch GEW-Landesvorsitzende Doro Moritz.

Die Arbeitgeber halten die Forderungen für nicht bezahlbar und werfen der Gewerkschaft Kompromisslosigkeit vor. «Wir haben kein Verständnis dafür, dass der Warnstreik auf den Rücken der Eltern und Kinder ausgetragen wird», sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Kommunalen Arbeitgeberverbandes (KAV) Baden-Württemberg, Andreas Stein. Es sei auch nicht auszuschließen, dass eine höhere Eingruppierung der Berufe zu einem Anstieg der Gebühren für Eltern führen könnte.

Doch Eltern haben laut Erzieherin Gitschier Verständnis für den Warnstreik. «Bei den Eltern wird unser Job wertgeschätzt», sagte die 55-Jährige. In Reutlingen etwa, wo Gitschier arbeitet, war am Montag kaum eine der 59 Kitas offen. Der Gesamtelternbeirat habe sich selbst um die Unterbringung der Kinder gekümmert, schilderte die Erzieherin.

In Stuttgart blieben zum Wochenbeginn nach Angaben der Stadt 161 von 187 Kindertageseinrichtungen geschlossen. Auch in Konstanz, Pforzheim, Mannheim, Freiburg, Tübingen und Heilbronn gab es Warnstreiks. In der zweitgrößten baden-württembergischen Stadt Karlsruhe blieben am Montag 21 von 40 Kitas und Horten geschlossen, wie ein Sprecher der Stadt mitteilte. In einigen Kitas hätten Lehrkräfte einer Ganztagsschule die Vertretung übernommen. dpa

Zum Bericht: “Ihr spielt und bastelt doch nur!” – Kita-Fachpersonal fühlt sich kaum anerkannt

Ein Kommentar

  1. Bedeutet mehr Wertschätzung einfach nur mehr Geld?

    Und wer soll / kann / darf denn dann weniger wertgeschätzt werden, wenn andere mehr wertgeschätzt werden sollen?

    Und woher nehmen wir das Mehr-Geld, wenn wir doch alle gleichzeitig möglichst immer weniger Steuern zahlen wollen? Kürzen wir dann bei den Sozialleistungen? Oder im Straßenbau? Oder im Unterhalt öffentlicher Gebäude (Schulen, Kindergärten)?

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