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Malen im Deutsch-Unterricht: Hochstaplerin arbeitete 20 Jahre als Lehrerin – Geständnis unter Tränen

KIEL. Eine heute 50-Jährige narrte als falsche Deutsch- und Politiklehrerin Behörden, Eltern und Schüler. Kollegen und einem Schulleiter fielen ihre schlechten Leistungen auf. Aber erst nach 20 Jahren kam der Betrug ans Licht. Jetzt räumte sie vor Gericht unter Tränen die Fälschung von Hochschulabschlüssen und Diplomen ein.

Gewerbsmäßiger Betrug, so lautet die Anklage. Foto: Carlo Schrodt / pixelio.de

Gewerbsmäßiger Betrug, so lautet die Anklage. Foto: Carlo Schrodt / pixelio.de

Mit gefälschten Zeugnissen hatte sie sich als Lehrerin den Zugang zum Schuldienst erschlichen, jetzt gestand die ehemalige Beamtin in Kiel den Betrug. Vor dem Amtsgericht räumte die 50-Jährige aus Wismar am Mittwoch ein, dass sie sich nach der Wende mit falschen Zeugnissen und Staatsexamina für das Lehramt beworben hatte. Die Anklage legt ihr gewerbsmäßigen Betrug und Urkundenfälschung zur Last.

Angeblich hatte sie 1990 einen DDR-Abschluss in Staatsbürgerkunde gemacht. Sie habe mit dem Propagandafach kaum Chancen auf Anstellung gehabt, machte die Angeklagte deutlich. «Es war eine Zeit, in der Vergangenheiten gelöscht wurden. So war es auch bei mir.» Unter Tränen zeigte sie sich reuig und bat um Entschuldigung. Sie habe schon seit ihrer Kindheit Lehrerin werden wollen, sagte sie.

Laut Anklage verfügt die 50-jährige weder über einen gültigen Hochschulabschluss, noch über ein Diplom oder über Staatsexamina. Ihre Lehrerlaufbahn startete sie dennoch Anfang der 1990er Jahre in Wolgast – nachdem sie sich die fehlenden Zeugnisse in einer Druckerei hatte fertigen lassen. Von Wolgast aus wechselte sie nach Brandenburg und dann nach Berlin, wo sie auch verbeamtet wurde. Von 2008 bis Anfang 2013 erschlich sie sich ihre Verbeamtung in Schleswig-Holstein.

Die Unstimmigkeiten in ihren Unterlagen fielen im Bildungsministerium in Kiel erst auf, als ein Möllner Schulleiter 2010 wegen mangelnder Leistungen der Frau die Schulaufsicht einschaltete. Wie der NDR berichtet, sei die vermeintliche Deutschlehrerin im Kollegenkreis wegen fachlicher Ungereimtheiten und Fehlern an der Tafel sowie in Klassenarbeiten aufgefallen. Nachdem sich auch Schüler über schlechten Unterricht beschwerten – Malen im Deutschunterricht, Pokerspiele in Wirtschaftspolitik -, reagierte der Schulleiter und setzte sie in die Schulbibliothek. Bei Nachforschungen flog der Betrug dann auf.

Eine Vertreterin des Ministeriums meinte nun als Zeugin vor Gericht, inzwischen bezweifle sie sogar die Echtheit des vorgelegten Abiturzeugnisses der gelernten Krankenschwester.

Die Angeklagte wurde Ende 2012 vom Bildungsministerium in Kiel suspendiert. Anfang 2013 wurde ihr der Beamtenstatus aberkannt. Da ermittelte die Staatsanwaltschaft längst. Dennoch bewarb sie sich 2013 noch einmal an einer Schule bei Schwerin – wieder mit falschen Papieren, wie sie zugab. Schleswig-Holstein fordere rund 133.000 Euro von ihr zurück, sagte die Frau. Auch aus anderen Bundesländern gebe es noch Rückzahlungsforderungen. Viele ihrer ehemaligen Schüler mussten den fehlenden Stoff nacharbeiten, heißt es. Einige erinnerten sich, dass sie mal in der Klasse gesagt hatte: Man komme ohne Schummeln doch nicht durchs Leben. Damals habe sich aber keiner der Jugendlichen etwas dabei gedacht. dpa

Zum Bericht: Hochstaplerin vor Gericht: Mit gefälschten Papieren 20 Jahre als Lehrerin im Schuldienst

Ein Kommentar

  1. Mit schlechten Leistungen jahrelang Lehrer sein, bis der Betrug endlich auffliegt?
    Ja, auch bei uns wäre das möglich. Und man fragt sich, warum das sein kann.

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