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Kolumne: Ferien! – Frau Weh entwirft ein „pädagogisches Raumkonzept“

DÜSSELDORF. Also um das mal klarzustellen: Ich habe mitnichten gestern nur so ein bisschen geräumt und Kaffee getrunken. Natürlich habe ich das auch getan. Aber in erster Linie habe ich – wie fast jedes Jahr – mal eben ein neues pädagogisches Raumkonzept entworfen. Wir wissen doch alle, wieviel Einfluss beispielsweise die Sitzordnung für den Lernerfolg eines Schülers ausmacht. Oder das Vorhandensein bestimmter Lernecken. Der Forschertisch! Die Leseecke! Die Farbe der Vorhänge! Das ist reines Feng Shui fürs Klassenzimmer.

Teppiche, Kissen oder Vorhänge können die Akustik eines Raumes verbessern. (Foto: Thomas Favre-Bulle/Flickr CC BY-NC 2.0)

Wenn das Klassenzimmer leer ist, lässt sich gut planen. (Foto: Thomas Favre-Bulle/Flickr CC BY-NC 2.0)

Natürlich kann ich das nicht alles alleine machen (ich könnte schon, aber ich bin ja nicht mehr Mitte 20), da ist es gut, wenn das Verhältnis zum Hausmeister stimmt. Überhaupt, der Hausmeister! Liebe Referendare, liebe junge Kolleginnen, hier ein mütterlicher Rat: Knüpft eure Beziehungen Richtung Hausmeisterbüro und Sekretariat! Kolleginnen kommen und gehen, Chefinnen können so sein oder so. Die wirklich wichtigen Freundschaften sind die zu Hausmeister und Sekretärin. Un-be-zahl-bar! Ganz bescheiden darf ich an dieser Stelle darauf hinweisen, dass ich die erste an unserer Schule war, der der Hausmeister das DU, HEINZ, DU angeboten hat*. Zwar fiel mir vor Schreck die Kaffeetasse aus der Hand, aber das schmälerte die Erhabenheit des Momentes nicht. Im Hausmeisterbüro findet sich immer ein Wischlappen. DU, HEINZ, DU und ich sind jedensfalls ganz dicke. Das erklärt auch, dass er bereits ohne weitere Aufforderung die Tische und Stühle in der Klasse gegen größere ausgetauscht, ein Regal ab-, ein weiteres aufgebaut, meine Pflanzen gegossen und die Pinnwände neu gestrichen hat. Und das alles für ein grantiges “Wat machst du denn schon widda he?” Boah!

Die kleine My ist das digitale Ich von Frau Weh. (Foto: Privat)

Die kleine My ist das digitale Ich von Frau Weh. (Foto: Privat)

Da war es dann auch ein leichtes für mich, den Rest des Klassenraumes den Bedürfnissen eines 3. Schuljahres anzupassen. Klassenraumgestaltung ist ja tatsächlich eine wichtige Sache in der Grundschule. Und da wir das unermessliche Glück eines festen Raumes haben, können wir uns da auch richtig ausleben. Natürlich nicht so, wie das unsere geschätzten amerikanischen Kollegen tun. Wusstet ihr, dass es in den USA einen Berufszweig gibt, der Klassenräume nach Mottos einrichtet und umgestaltet? Passend zu Halloween, 100th day of school, Valentinstag und so weiter. Verrückt. Andererseits auch faszinierend für jemanden wie mich, der sein Klassenzimmer recht clean einrichtet. In meiner Klasse erfüllt alles einen Zweck, da gibt es nichts, was reine Deko wäre. Keine Bärchen, keine Mäuschen, keine Herzchen. Und dann surfe ich auf die Seite Schoolgirl Style und denke, ja, so eine Tikibar… warum eigentlich nicht?

Der Hausmeister lässt sich derweil ein Brett auf den dicken Zeh fallen und teilt mir lautstark mit, dass ich ja wohl einen Knall hätte. Und offensichtlich kein Zuhause. Und überhaupt wäre es doch mal langsam Zeit für einen Kaffee!

Glück gehabt, ihr Drittklässler, gerade noch so an der Happy Honeybee Collection vorbeigekommen.

*Kniggeerfahrene mögen jetzt einwenden, dass dieser Ablauf mitnichten von gutem Stil geprägt sei. Schließlich müsse doch die Dame zuerst…? Das gilt aber definitiv nicht für Hausmeister. Die stehen über allem. Immer.

Witz, Charme und einen tiefen Blick in die Seele einer Grundschullehrerin erlaubt Frau Weh auf ihrem Blog “Kuschelpädagogik” und auf www.news4teachers.de. Frau Weh heißt im wahren Leben nicht Frau Weh, aber ihre Texte sind häufig so realitätsnah, dass sie lieber unter Pseudonym schreibt.

Weitere Texte von Frau Weh auf news4teachers.de:

Ich kann Ferien – oder?

Inklusion – Welche Chance hat Frau Wehs verhaltensauffälliger Schüler

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Pädagogische Inkontinenz

5 Kommentare

  1. Ja, zu Hausmeistern (gibt es eigentlich auch Hausmeisterinnen?) und zu Reinemachefrauen (ich sagte bewusst vor den Sch nicht „Putzfrauen“) versuchte ich während meiner Dienstjahre ebenfalls ein gutes partnerschaftliches Verhältnis aufzubauen. Warum gibt es keine Reinemachemänner?? Wo bleibt da die Gleichberechtigung?
    Deren Einsatz für eine funktionierende Schule ist fast unbezahlbar!!

    „Klassenraumgestaltung ist ja tatsächlich eine wichtige Sache in der Grundschule.“
    Dieser Aussage möchte ich voll beipflichten, kann mich aber manchmal des Eindrucks nicht erwehren, dass es in einigen Klassenräumen von GS einfach zu überfrachtet und „unruhig“ aussieht.

    Schließlich legte ich auch in der Unterstufe (5./6.) noch großen Wert auf einen freundlich gestalteten Klassenraum, der nicht unerheblich zu einer guten Lernatmosphäre beitragen kann.
    Das soll sogar noch für ältere Schuljahre gelten. Ich glaube nämlich nicht, dass Klassenräume, die eher einer kahlen Bahnhofsvorhalle ähneln, das Lernen besonders anregen.

    • Die Reinigungskräfte sind echt nicht zu beneiden. Sie haben einen Sch…job, der zum Einen mieß bezahlt und zum Anderen in der bezahlten Zeit nicht vernünftig machbar ist — streng genommen noch nicht einmal unvernünftig. Das kommt aber davon, wenn die Kommunen so gut wie pleite sind und bei Ausschreibungen das beste — sprich billigste — Angebot annehmen _müssen_.

      Gleichberechtigung gibt es auch bei Verbrechern jeglicher Art (Betrüger, Einbrecher, Mörder, Räuber usw.) selten bis nie. Da haben die Genderisten noch ein weites Feld vor sich.

  2. Liebe Redaktion,
    mir ist fällt auf, dass bei Bildunterschriften manchmal die alte Rechtschreibung verwendet wird, wie oben „läßt“ statt „lässt“.

  3. Der beste Rat von meinem Seminarleiter im Referendariat:
    Am ersten Tag dem Hausmeister eine Flasche Cognac und der Sekretärin eine Schachtel Pralinen mitbringen.
    Dann hast du ein Heimspiel.
    Und wenn du dann noch der Putzfrau etwas zukommen lässt => a gmahte Wiesn, wie es auf bayrisch heißt.
    rfalio

    • Wenn das jetzt kein Witz sein soll, bin ich zuerst einmal ziemlich perplex!
      Was für ein „kluger“ Rat auch noch von einem Seminarleiter!! Sind derlei Sachgeschenke überhaupt erlaubt?
      Bei L ist bei Geschenken jedenfalls größte Vorsicht geboten.

      Ich frage mich gerade, wie überrascht bis entgeistert ich wohl als „Hausmeister“ oder „Sekretätin“ bzw. „Reinemachefrau“ geschaut hätte, wenn mir „einfach so“ von einer mir evtl. sogar noch fast unbekannten Person plötzlich eine Fl. Cognac bzw. eine Schachtel Pralinen überreicht worden wäre.
      Geht es nicht auch eine Nummer unaufdringlicher und weniger peinlich?

      Aus meiner Sicht kommt es vor allem darauf an, die mehr als wertvolle Arbeit dieser Personengruppe zu würdigen.
      Zunächst stellte ich mich freundlich vor. An machen Schulen gibt es eine offizielle Vorstellungsrunde mit der Schulleitung.
      Selbstverständlich grüßte ich die Sekräterin/den Haumeister/die Reinemachefrau zuerst.
      Zurückhaltend und bescheiden auftreten, kommt bei diesem Personenkreis immer gut an.
      Natürlich ist es klar, sich für Hilfeleistungen aller Art freundlich zu bedanken. Bitte aber nicht mit einer Fl. Cognac oder einer Schachtel Pralinen, lach.

      Ob sich daraus so ein persönliches Verhältnis entwickelt wie von Frau Weh beschrieben, weiß niemand im Voraus. Es ergibt sich oder auch nicht. Dazu beitragen könnte jedoch auch, ab und zu mit den genannten Personen ein kurzes persönliches „Schwätzchen“ zu halten und bei den kleinen und größeren Sorgen Empathie zu zeigen, ohne neugierig und aufdringlich zu wirken.

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