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Eltern müssen draußen bleiben: Immer mehr Schulen wehren sich gegen klammernde Väter und Mütter

BERLIN. „Helikopter-Eltern? Nein danke.“ Das könnte auf den Schildern stehen, die an den Eingangspforten von immer mehr Grundschulen in Deutschland zu finden sind. Steht da aber – natürlich – nicht. Zumindest nicht so. „Ab hier kann ich alleine gehen“, so lautet vielmehr der Text, mit dem sich die Primarstufe vor Vätern und Müttern schützen will, die ihre Kinder offenbar am liebsten ins Klassenzimmer tragen wollen.

Immer mehr Schulen hängen Schilder auf: "Liebe Eltern, ab hier schaffen wir das llein." Foto: Andreas Hermsdorf / pixelio.de

Immer mehr Schulen hängen Schilder auf: „Liebe Eltern, ab hier schaffen wir das llein.“ Foto: Andreas Hermsdorf / pixelio.de

Aktuell liegen Medienberichte aus Bayern, Brandenburg und Hamburg vor, nach denen die Grundschulen zunehmend dazu übergehen, Eltern per Hinweis hinauszukomplimentieren – oder besser: gar nicht erst hereinzulassen. „Wir bitten Sie, liebe Eltern, sich von ihrem Kind vor der Schule zu verabschieden und es auch davor abzuholen. Für eine gute Entwicklung der Kinder gehört nun mal das Selbständigwerden dazu, das mit einem Loslassen und Vertrauen schenken verbunden ist. Diesen Schritt müssen Sie als Eltern gehen“, so heißt es in einem Elternbrief, den eine Brandenburger Grundschule an die Väter und Mütter der Erstklässler verschickt hat. Und weiter: „Unterstützen Sie ihr Kind im selbstständig werden. Bringen Sie Ihr Kind nicht bis in den Klassenraum!“ Am besten auch gar nicht bis zur Schule: „Je älter das Kind ist, umso eher sollte es seinen Schulweg alleine mit Mitschülern und ohne Eltern gehen.“

Offenbar immer seltener eine Selbstverständlichkeit. „Wenn wir es nicht einschränken würden, würden bestimmt die Hälfte der Eltern mit den Kindern bis zum Platz gehen“, so zitiert der „Nordbayerische Kurier“ die Leiterin einer Volksschule, in der ein Stopp-Schild für Eltern an der Eingangspforte hängt. „Manche Eltern können schwer loslassen.“ Die Folge sei, dass den Kindern die Tasche bis an den Platz getragen und die Jacke an den Haken gehängt werde. Eltern müssten lernen, die Kinder auch einfach einmal machen zu lassen. „In den ersten Tagen an der Schule, hat ja niemand etwas dagegen“, wenn den Erstklässlern geholfen werde, sich in der Schule zurecht zu finden, meint sie. Wenn nach vier Wochen aber immer noch Eltern mit ins Klassenzimmer gehen, sei dies ja auch störend. Außerdem würden Kinder so in die Hilflosigkeit gedrängt werden, Erziehung zur Selbstständigkeit finde so nicht statt. Ergebnis: „Solche Kinder fallen ja auch auf.“

Im vergangenen Jahr war einem baden-württembergischen Schulleiter der Kragen geplatzt – und er hatte einen Brandbrief an die Elternschaft seiner Schule geschickt. „So erleben wir täglich, wie viele Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen, verkehrswidrig und häufig gefährlich an der Kreuzung vor dem Haupteingang der Schule parken, Kind und Schulranzen ausladen, den Ranzen teilweise bis ins Klassenzimmer tragen, dem Sohn oder der Tochter die Jacke abnehmen, helfen die Hausschuhe anzuziehen und dann noch die Gelegenheit nützen, die unterschiedlichsten Dinge mit der Klassenlehrerin zu besprechen. Und all dies nicht selten nach Beginn des Unterrichts um 7.45 Uhr“, so stand darin zu lesen.

Und weiter: „Neben der fehlenden Selbstständigkeit der Kinder kommt es durch die große Zahl der im Haus befindlichen Eltern auch immer wieder zu Störungen des Unterrichts“, kritisiert der Rektor in dem Brief – etwa durch Elterngespräche vor Unterrichtsende im Flur oder winkende Eltern an Fenstern.

Anders ausgedrückt: Helikopter-Eltern? Nein danke. News4teachers

Zum Bericht: Überfürsorgliche Eltern – Schulleiter platzt der Kragen und schreibt einen Brandbrief

12 Kommentare

  1. Ganz toll geschrieben und auf den Punkt gebracht!

    No-fly-area für Helikopter-Eltern: eine dringende Notwendigkeit.
    Ist schon schlimm, dass das so weit kommen konnte!

  2. Richtig so. Die Stellung des Lehrers muss wieder gestärkt werden (ohne dass Lehrer glauben, sie dürfen alles und keiner kann ihnen was!).

    • Richtig so. Die Stellung der Eltern muss wieder geschwächt werden. Besonders von denen, die glauben sie bzw. ihr Kind dürfen alles und der Lehrer kann sie mal.

      • @sofawolf @xxx
        Ihre Kommentare kann ich gut verstehen. Trotzdem finde ich es schade, dass sich Eltern und Lehrer oft so misstrauisch gegenüber stehen, obwohl es doch die Politik ist, die mit ihrem ständigen Ausbau der Elternrechte einen Keil zwischen Lehrer und Eltern getrieben hat.
        Mit den Elternrechten ist für Eltern das Gefühl verbunden, sie müssten die Lehrer zum Schutz ihrer Kinder überwachen, sonst gäbe es diese Rechte ja nicht. Bei den Lehrern hat sich der Eindruck gebildet, Eltern seien unverschämt und benähmen sich ihnen gegenüber wie Vorgesetzte.
        Bei dem inzwischen bestehenden Ungleichgewicht der Kräfte hätte die GEW längst etwas für die Lehrer tun können, wenn sie sich wirklich als Gewerkschaft verstünde und nicht lieber Schattenregierung mit linken Bildungszielen spielte.
        So aber schaut sie gelassen zu und unterstützt damit eher Eltern- als Lehrerpositionen.

        • Nur ist das nicht Aufgabe einer Gewerkschaft. Dies ist Aufgabe der Hauptpersonalräte und der Personalräte bei den Bezirksregierungen.

          Die Eltern müssen wieder daran gewöhnt werden, dass sie in schulischen Angelegenheiten nur ein Mitspracherecht über die Elterngremien haben.

          Eltern steht es ebenfalls nicht zu, Lehrer anzugehen, wenn diese Fachkonferenz beschlüsse umsetzen und für die methodische und didaktische Vorgehensweise in ihrem Unterricht einen vom Dienstherren zugestandenen pädagogischen Freiraum nutzen.

          Eltern sind ebenso wie andere während des Unterichtsbetriebes Schulfremde, die in der „Behörde“ nichts zu suchen haben. Ausnahme ist, wenn sie einen Termin mit einem lehrer oder der Schulleitung vereinbart haben.

          Schulleitungen müssen aber auch das Gesäß in der Hose haben und die Eltern über die bestehenden Möglichkeiten des Gebrauchs des Hausrechtes zu informieren.

  3. Ich finde es ja richtig die Kinder nicht bis ins Klassenzimmer zubringen aber ich würde meine Kinder wenn sie soweit sind das schule kommen bis zur schule hinbringen.schon alleine in der heutigen zeit wo man liest und hört wie viele Kinder entführt werden vor der Schule und die Lehrer passen ja auch nicht wirklich immer auf die kinder auf . Hab Sohn der geht 6 Klasse wird jede Tag gemoppt auf Schulhof vollgespuckt und auf Bode getreten was mache die Lehrer nix stehe da und halten ihren Tratsch .

  4. Ich bin so eine Mutter, die ihr Kind – wenn es nicht anders geht – bis zum Klassenzimmer bringt.
    Und ich schäme mich dabei. Denn ich tue es nicht, weil ich eine Helikopter-Mutter bin.
    Sondern weil meine Tochter sich nicht von mir lösen kann. Sie ist erst 5 Jahre alt, seit 6 Wochen eingeschult und relativ schüchtern, hat nicht genug Mut, den Weg selbstbewusst allein zu gehen, ohne dass jemand Bekanntes dabei ist.
    Das bedeutet: Wenn eine ihrer Freundinnen zufällig des Weges kommen, ist es für mich kein Problem zu gehen. Ist dies nicht der Fall, kann ich sie nicht „abschütteln“, obwohl ich genau dies manchmal wirklich gerne tun würde.
    Ich möchte betonen, dass ich die Lehrerin noch NIE angequatscht habe, geschweige denn sie gar privat angerufen. Ich bin keine aufdringliche Person, die jede noch so kleine Nichtigkeit besprechen muss oder sich sonstwie heftig in die Angelegenheiten des Kindes einmischt und die für es regelt. (Da gibt es ganz andere, die bereits wenige Tage nach Schulbeginn schon zum wiederholten Male spät abends bei der Klassenlehrerin anrufen.)
    Aber ich habe nun mal das Pech (?), dass meine -leider recht schüchterne- Tochter mit ihren 5 Jahren noch nicht so viel Selbstvertrauen hat, den Weg allein reinzumarschieren.
    Es wäre schön, wenn wenigstens ein klein wenig differenziert geschaut wird, wieso dasjenige Elternteil evtl. das Kind bringt und wie der/diejenige denn eigentlich so drauf ist und nicht bei allen sofort der Stempel „Helikopter-Mom/Dad“ gedanklich auf der Stirn prangt.

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