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Streit um Akzeptanz sexueller Vielfalt eskaliert: 25 Festnahmen nach Demonstration

STUTTGART. 25 Demonstranten wurden am Sonntag in Stuttgart festgenommen. Ihnen drohen Anzeigen, teils wegen schwerer Körperverletzung, wie die Polizei mitteilte. Bei der „Demo für alle“, die vom Aktionsbündnis „Für Ehe und Familie – Stoppt Gender-Ideologie und Sexualisierung unserer Kinder!“, kam es zu Auseinandersetzungen. Teilnehmer der Gegendemonstration für Vielfalt und Toleranz errichteten Straßenblockaden, um den Marsch zu stoppen. Zweimal setzte die Polizei auch Pfefferspray ein, als Demonstranten Blockaden überstiegen und Teilnehmer der „Demo für alle“ mit Algen abschmeißen wollten. Auch nach der Demonstration musste die Polizei einige Auseinandersetzungen zwischen den beiden Gruppen beenden. Sanitäter berichteten von zahlreichen Platzwunden, die behandelt werden mussten.

Die Polizei sprach im Anschluss von „einzelnen Scharmützeln zwischen Linken und mutmaßlichen Personen, die der rechten Szene zugeordnet werden können“, die teilweise gar nicht zur Demonstration gehörten. „Es gibt Leute, die nur dafür anreisen, und Grund für die Konfrontation suchen“, betonte ein Polizeisprecher.

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32 Kommentare

  1. Bis 16:30 war es auf der „Demo für alle“ friedlich, da wurde die Demo für beendet erklärt. Auf der anderen Seite des Teiches bei den Regenbogenfahnen wateten allerdings bereits Leute ins Wasser, vermutlich um Algen zu holen. Gegen 13:20 hörte ich dort unter den Regenbogenfahnen übrigens die Mahnung einer Rednerin, keine Fotos zu machen, damit die Polizei keine Beweismittel in die Hände bekommen könne.

  2. Hier ein von mir gekürzter Artikel aus der heutigen JF Online:
    „Mutmaßlich linksextreme Täter haben sich zu einem Anschlag auf ein Fahrzeug der „Demo für alle“-Initiatorin Hedwig Freifrau von Beverfoerde in Magdeburg bekannt. Die „Demo für alle“ sei ein „Sammelbecken für das reaktionäre Pack auf den Straßen der Bundesrepublik“, hieß es in einem auf einer linksextremen Internetseite veröffentlichten Schreiben.
    Bei dem Anschlag brannte das Fahrzeug vollständig aus. Ein danebenstehendes Gebäude wurde durch den Brand schwer beschädigt. Der Mobilisierung des „rechten Packs“ müsse entschlossen entgegengetreten werden.
    Von Beverfoerde reagierte entsetzt über die Tat. „Es fällt auf, daß auch dieser Anschlag aus dem linksextremen Milieu nur wenige Tage nach der Premiere des Stücks ‘Fear’ an der Berliner Schaubühne verübt wurde.
    In dem Stück werde gegen die „Demo für alle“ gehetzt und Gabriele Kuby, Beatrix von Storch, Birgit Kelle und sie selbst „auf verleumderische Weise als rechtsextreme, Haßreden schwingende Zombies dargestellt und ‘künstlerisch’ zum Abschuß freigegeben“. „

  3. Soll ich jetzt zu jedem Anschlag ein Bekenntnis ablegen? Mache ich aber gerne: Schlimm. Schlimm war übrigens auch der zur gleichen Zeit geschehene tätliche Angriff eines Rechtsradikalen auf den Tagesspiegel-Redakteur Helmut Schümann, der Pegida und Co. kritisiert hat. Erwähne ich hier aber nicht, um den Anschlag auf das Auto von Frau von Beverfoerde zu relativieren. Soll vielmehr heißen: Wir nähern uns Weimar – Gewalt ersetzt Argumente. Und das ist wirklich eine fürchterliche Entwicklung, der sich alle Demokraten entschieden entgegenstemmen müssen.

    Das Stück kenne ich nicht. Kann ich nichts zu sagen. Der Link funktioniert nicht.

    • Sollen Sie nicht, und richtig: Wir sollten diese Schandtaten nicht gegeneinander aufrechnen.

      Ich stimme Ihnen auch zu, dass wir aufpassen müssen, keine Weimarer Verhältnisse zu bekommen.
      Einen großen Unterschied sehe ich aber noch zu der Zeit: Den Nazis liefen die Leute auch deshalb in Scharen zu, weil es immerhin die Weltwirtschaftskrise mit über sechs Millionen Arbeitslosen allein in Deutschland gab. Entscheidend war m.E. auch, dass die bürgerlichen Parteien die aufkommende Gefahr durch die Nazis offensichtlich unterschätzten. Darüber hinaus bildeten die bürgerlichen Parteien keinen einheitlichen Block gegen die NSDAP. Es herrschte ein großes politisches Chaos mit ständig wechselnden Regierungen.
      Schließlich kam Hitler legal an die Macht und ein Herr Hindenburg machte ihn sogar zum Reichskanzler.
      Sollte sich die momentan gute wirtschaftl. Situation rapide ändern, könnte es heikel werden.

      Ich kann den Link aufrufen.

  4. @Bernd
    Hier kann ich Ihnen voll zustimmen: „Wir nähern uns Weimar – Gewalt ersetzt Argumente. Und das ist wirklich eine fürchterliche Entwicklung, der sich alle Demokraten entschieden entgegenstemmen müssen.“
    Da Gewalt bekanntlich verbal anfängt, sind schrille Töne immer gefährlich – egal aus welchem Lager. Ganz schlimm wird es, wenn Aufwiegelung mal als gut und mal als böse gilt. Deswegen habe ich auch Bedenken gegen einen „Aufstand der Anständigen“, der m. E. bereits mit seinem Namen provoziert und hetzt.
    Hitler ist mit seinen Nationalsozialisten nicht zuletzt deswegen an die Macht gekommen, weil er der bessere Hetzer war und in Goebbels einen „begnadeten“ Helfershelfer hatte.
    Wenn Antifaschismus ernst gemeint ist, gehören Prangermethoden – wie sie typisch für die NS-Zeit waren – selbst an den Pranger. Sie umgehen den Verstand und setzen auf jedermanns Wunsch nach gesellschaftlicher Anerkennung durch Erfüllung bestimmter Meinungsvorgaben.
    Bei den Nazis hieß der Lockruf nach dem verlorenen ersten Weltkrieg und einem anschließend beschämenden Leben in Armut: „Wir sind die bessere Rasse und darum auserwählt zu herrschen. Wir haben das Recht und die Pflicht, unsere ganze Kraft dieser Aufgabe zu widmen und alle, die unserem Volk nicht angehören oder gegen unsere Meinung sind, gnadenlos zu bekämpfen bis hin zur Vernichtung ihrer physischen Existenz.“
    Und heute heißt es sinngemäß: „Wir sind die besseren Menschen, weil …, und haben das Recht und die Pflicht, unkorrekt denkende Verführer mit aller Härte zu bekämpfen, auch wenn es sie die soziale Existenz kostet.“
    Hier wie da sehe ich große Ähnlichkeiten. Heute will zwar jeder aus der Vergangenheit gelernt haben und sich nie mehr über andere Menschen erheben – und doch wird unser Land wieder eingeteilt in gute und böse Menschen, in ehrenwerte und schändliche Meinungen. Da liegen für mich Faschismus und Antifaschismus alarmierend eng beieinander.
    Ich begrüße es, dass Sie sachliche Argumente im politischen Meinungsstreit fordern. Nur so kann und darf es gehen, wenn Weimarer Verhältnisse vermieden werden sollen.

    @mehrnachdenken
    Während meines Schreibens habe ich bemerkt, dass mich nebenher eine kürzlich gestellte Frage von Ihnen bezüglich des verbrecherischen Nazi-Regimes beschäftigte. Wie war es möglich, dass die Bevölkerung so etwas mitmachte? wollten Sie in etwa wissen. Darüber habe ich auch viel nachgedacht und bin immer wieder zu der Erklärung gekommen, die Sie meinen vorangegangenen Zeilen andeutungsweise entnehmen können.

    • Sehr geehrte Frau Prasuhn,

      na, dann haben wir ja eine Diskussionsgrundlage.

      Was die Medien betrifft: Kaufen Sie sich doch noch die „taz“ dazu, dann haben Sie ein wirklich buntes Meinungsbild. Noch bunter ist es sicherlich im Internet – aber genau hier fangen die Probleme an.

      Ich habe geschrieben – und Sie haben dem zugestimmt – dass die Meinungsfreiheit (wie die ganze Demokratie) Spielregeln braucht. Das Internet macht es heutzutage so leicht, zu veröffentlichen, wie noch nie in der Geschichte. War früher ein großer Apparat (Verlag, Druckerein, Sendeanstalt) dafür notwendig, kann heute jeder seinen Senf zu allem und jedem öffentlich machen, ob in Blogs, Foren oder den sozialen Medien. Das ist im Prinzip überaus begrüßenswert und demokratisch, birgt aber eine Gefahr: Lügengeschichten oder Verleumdungen werden über das Internet auch schnell verbreitet. Es ist eine Bühne eben auch für jene, die sich nicht an die Spielregeln halten und dies womöglich gar nicht wollen.

      Umso wichtiger ist es aus meiner Sicht, jungen Menschen – Schülern also – diese Spielregeln zu erklären. „Die Würde des Menschen ist unantastbar“, so heißt es (sprachlich etwas schief) im Artikel 1 unseres Grundgesetzes. Gemeint ist: Die Würde des Menschen darf nicht angetastet werden (unantastbar würde bedeuten, es ginge gar nicht, sie anzutasten – es geht aber leider doch). Wenn jeder das verinnerlicht hätte, hätten wir keine Probleme. Radikale/Extremisten auf beiden Seiten gab es immer schon, und Spinner wird es immer geben. Die Entwicklung der jüngsten Zeit einschließlich des massenhaften Gesudels gegen Flüchtlinge auf Facebook macht meines Erachtens aber augenfällig, dass offenbar weiten Teilen der Bevölkerung die Spielregeln nicht so ganz geläufig sind. Aus diesem Grund teile ich die Einschätzung von Herrn Priboschek, dass es einer Bildungsoffensive hier bedarf. News4teachers hat ja in einem Beitrag sehr schön dargelegt, wie das in einigen Schulen schon jetzt in der Praxis geschieht.

      Sie haben nun eingewandt, dass dieser „Demokratie-Unterricht“ ausgewogen im Sinne von „ideologiefrei“ stattzufinden habe. Und hier möchte ich entgegnen: Nein. Ein solcher Unterricht muss natürlich auf Werte bauen, die nicht verhandelbar sind. Dazu gehören die Menschenrechte genauso wie das Grundgesetz. Und dazu gehören auch einige historische Grundlagen, die zum Fundament des heutigen Deutschland gehören – etwa der Holocaust. Nur weil einige durchgeknallte Rechtsextreme den infrage stellen, muss ich Schüler nicht mit einem Pro und Contra konfrontieren: Hat es den Judenmord gegeben oder nicht? Fakten müssen in der Schule schon Fakten bleiben.

      Mit freundlichem Gruß
      Bernd

      • Sind Menschenrechte oder das Grundgesetz Ideologien?
        Dass Fakten wie der Holocaust in der Schule Fakten bleiben müssen, stellt doch kein Mensch in Frage. Warum also so tun, als ob?

        • Eine Ideologie umfasst – Definition – „bestimmte Grundeinstellungen und Werte, die in einer gesellschaftlichen Schicht oder Gruppe wichtig sind und die zusammen eine Art Weltanschauung bilden“. Also ist eine demokratische Haltung natürlich auch eine Ideologie, genauso wie das Postulat der Menschenrechte, das in anderen Weltgegenden ganz anders gesehen wird als bei uns. Und, nebenbei, auch von einigen Menschen hierzulande ganz anders gesehen wird. Wenn AfD-Funktionäre beispielsweise darüber schwadronieren, dass auf Flüchtlinge „notfalls“ auch geschossen werden müsse, dann haben sie offenbar eine andere Vorstellung von Menschenrechten als die geläufige. Denn zu den Menschenrechten, zu denen sich Deutschland bekennt, gehört auch das Recht auf körperliche Unversehrtheit.

          • Ich möchte den unsäglichen Gedanken „notfalls zu schießen“ keinesfalls verniedlichen, aber bitte schön, nach meiner Information hat das EIN AfD – Funktionär aus NRW gesagt.
            Sie hingegen schreiben „AfD – Funktionäre“. Bitte belegen Sie Ihre Behauptung.

            Bitte halten Sie sich an Ihr formuliertes Selbstverständnis der politischen Korrektheit in diesen Diskussionen.

          • Das stimmt nicht. Es war nicht „ein“ Funktionär, sondern der nordrhein-westfälische Landesvorsitzende der AfD, Marcus Pretzell. Und bestätigt hat diese Position der stellvertretende Bundesvorsitzende der AfD, Alexander Gauland.

            http://www.spiegel.de/politik/deutschland/afd-auch-gauland-fuer-schusswaffengebrauch-gegen-fluechtlinge-a-1060718.html

          • @Bernd
            „Ich sehe das ganz genauso“, sagte Gauland dem „Handelsblatt“. „Unsere Grenzen müssen effizient gesichert werden. Alles andere macht keinen Sinn.“

            Sollte es stimmen, ist das natürlich in aller Form zu verurteilen. Danke für Ihren Hinweis.

            So nebenbei: Ich habe nun keine Zeit, mich täglich durch viele verschiedene Zeitungen zu „kämpfen“.
            Es ist doch prima, wenn es so aufmerksame Menschen wie Sie gibt, die dieses Forum ggf. weiter informieren.

          • Lieber mehrnachdenken,

            aber wenn Sie „die“ Medien gar nicht so gut kennen, können Sie sie doch auch nicht pauschal kritisieren, oder?

          • @Bernd
            keine Sorge, ich kenne die Medien so gut, dass ich mir schon eine Meinung bilden kann.

            Sorry, Sie schreiben zwar immer davon, jegliche Gewalt, ob nun von rechts oder von links zu verurteilen, aber so ganz glaube ich Ihren Worten nicht.

            Wo ist Ihre glaubwürdige Verurteilung des Stückes „Fear“, in dem zum Mord an engagierten Frauen aufgerufen wird, die sich z.B. für traditionelle Familienwerte und gegen Gendermainstreaming einsetzen? Eine Haltung, die ich eindeutig unterstütze!!

            Wo ist Ihre glaubwürdige Verurteilung der Gewalt chaotischer linker Gruppen, die offenbar einfach nicht ertragen können, dass es in diesem Land auch noch mutige Menschen gibt, die sich gegen eine bestimmte Familien- und Bildungspolitik wehren?

          • Jetzt bin ich langsam aber doch genervt. Soll ich zu allem und jedem, was Ihnen empörend erscheint, ein Bekenntnis ablegen? Ich kenne das Stück nicht und habe, ehrlich gesagt, auch keine Lust, mich mit jedem Quatsch zu beschäftigen und darüber aufzuregen. Die Frage, ob „die“ Medien sich darüber mehr empören würden, wenn’s von Rechten inszeniert worden wäre, ist ebenso leicht zu beantworten wie banal: manche ja, manche nein. Es gibt andererseits ja auch Bands wie die „Bösen Onkelz“, „Freiwild“ oder „Faustrecht“, die mit rechtsradikalem Gehabe provozieren. Und trotzdem auszuhalten sind. Es gilt halt auch eine Kunstfreiheit hierzulande.

          • @Bernd
            Wird in den von Ihnen genannten Bands auch zum Mord aufgerufen??
            Ich bin der Meinung, dass Sie zwar Gewalt von rechts und von links ablehnen, für die linke Seite dennoch mehr durchgehen lassen. Das ist an sich in Ordnung, aber dann sollten Sie hier nicht so hohe moralische Maßstäbe setzen.

          • Wird in dem Stück denn zum Mord aufgerufen?

            Wenn ja, dann ist das ein Fall für den Staatsanwalt.

  5. Hallo Frau Prasuhn,

    wo fangen denn Meinungen an, für Sie problematisch zu werden, also der demokratischen Gleichwertigkeit von Menschen zu widersprechen?

    Ich lesen von Ihnen immer den Ruf nach Meinungsfreiheit, aber bin bisher noch über keine Grenzziehung ihrerseits gestolpert, aber wann Meinungen und deren Inhalte undemokratisch werden – also andere Menschen uzulässig abwerten und ihnen die Gleichwertigkeit absprechen – und auch als solche benannt und gebrandmarkt werden müssen.

    Für rassistische, homophobe und nazistische Äußerungen Meinungsfreiheit zu fordern kann doch auch nicht in Ihrem Sinn sein, wenn Sie vor den Zuständen von Weimar warnen.

    Und genau daran schließt sich auch meine Frage nach der Notwendigkeit und Ausformung von Bildung gegen Hass, Diskriminierung, Mord und Totschlag von Minderheiten an Schulen an, auf die Sie mir immer noch keine Antwort gegeben haben.

  6. Sehr geehrte Frau Prasuhn,

    ich stolpere immer wieder über den Punkt, dass Andersdenkende hierzulande „mit aller Härte“ bekämpft würden, „auch wenn es sie die soziale Existenz kostet“. Es mag ja sein, dass in der Hitze der Debatte – auf beiden Seiten! – mit überzogenen Vorhaltungen gearbeitet wird. Die „Nazi-Keule“ – besser: die „Radikalen-Keule“ – trifft sicher auch viele zu Unrecht. Nur: Wen kostet das denn hier „die soziale Existenz“? Und: War das mit dem Gegendruck jemals anders?

    Ich erinnere mich noch gut an friedliche Protestmärsche Anfang der 80er Jahre gegen amerikanische Atomraketen – auf heutiger Sicht aberwitzig, die Teilnehmer als „Radikalinskis“ zu bezeichnen, die doch „nach drüben“ gehen sollen, wenn es ihnen „hier“ (also in Westdeutschland) nicht passt. War damals normal, als Demonstrationsteilnehmer von Passanten oder von Teilen der Presse (Springer) beschimpft zu werden. Ja und? Ein bisschen Haltung und etwas Mut, eine politische Position in der Öffentlichkeit zu vertreten, gehört schon dazu. Ähnlich ging’s mit der Anti-Atomkraft-Bewegung. Und was ist seitdem passiert? Die Demonstranten von damals haben sich politisch/parlamentarisch engagiert (Die Grünen) – und heute sind deren damalige Positionen weitgehend Regierungshandeln.

    Was mich ärgert, das gebe ich zu, ist die Gleichsetzung von überzogenen Äußerungen Einzelner („Nazi“, „Linksradikaler“) mit staatlichem Handeln – dieser Staat ist keine Diktatur, und viele Menschen haben dafür gekämpft (Ostdeutschland), in diesem Staat leben zu können, und setzen sich dafür ein, dass die Demokratie in diesem Staat sich mit Leben füllt. Das heißt nicht, dass wir hier in einem Paradies leben. Kritik ist erlaubt, sogar erwünscht, muss sich aber an Spielregeln halten. Und wer sich nicht an Spielregeln hält, muss eben auch die Konsequenzen tragen – das können juristische Konsequenzen sein, aber auch „soziale“.

    Verantwortung, darum geht es im Kern. Jeder ist verantwortlich für die Folgen seiner öffentlichen Äußerungen. Wenn ich beispielsweise für ein Unternehmen arbeite, kann ich nicht hingehen, und über dessen Produkte in der Öffentlichkeit schlecht reden – das würde mich den Job kosten. Und wenn ich für ein Unternehmen arbeite, das viele Kunden im Ausland hat, kann ich nicht hingehen, und über Ausländer schlecht reden. Da hilft das Pochen auf Meinungsfreiheit auch nichts; der Arbeitgeber hat ja auch einen Anspruch auf die Loyalität seiner Mitarbeiter. Insofern ist es natürlich denkbar, dass die Äußerung von Meinungen soziale Konsequenzen hat. Nur: Dass mein Handeln (= Arbeit) und mein Reden (= Meinung) zusammenpassen, das liegt schon in meiner eigenen Verantwortung. Daran muss ich mich messen lassen.

    Mit freundlichem Gruß
    Bernd

  7. @Bernd
    Danke für Ihre sachlichen und begründeten Argumente. Es gibt keinen Punkt, an dem ich Ihnen, so wie Sie ihn darlegen, widersprechen möchte.
    Was uns beide vermutlich trennt, ist eine unterschiedliche Wahrnehmung unseres politischen und medialen Klimas. Im Gegensatz zu Ihnen sehe ich da eine Kopflastigkeit, die Widerspruch schwer macht, weil reflexartig der Vorwurf „rechts“ in allen möglichen Variationen kommt. Das wäre nicht weiter schlimm, wenn dieser einstmals neutrale Begriff nicht mit dem neuen Inhalt „Nazi“ gefüllt worden wäre, so dass er heute für jeden im öffentlichen Leben stehenden Menschen eine Gefahr darstellt, wenn er quer denkt und redet anstatt stromlinienförmig.
    Auch die Quellen der Meinungsbildung sind mit moralischen Urteilen belegt – nicht gesetzlich, aber ebenfalls durch die Rechts-Keule. Wer sagt: „Das habe ich bei Kopp gelesen oder der Jungen Freiheit, setzt sich Angriffen der „Anständigen“ aus. Ich lese z. B. gern die Junge Freiheit. Ohne sie käme ich mir zu einseitig informiert vor. Wenn ich den Spiegel lese, was ich ebenfalls tue, brauche ich kein anderes sog. Leitmedium mehr. Ich weiß, was mir alle sagen wollen, weil die Unterschiede gering sind. Nur das Internet bietet eine wunderbare Informations- und Meinungsvielfalt. Möge das so bleiben.
    Zum Abschluss passt ein Zitat aus der Jungen Freiheit ganz gut, das meine Wahrnehmung des Zeitgeistes gut trifft. Vor längerer Zeit habe ich es schon einmal verwendet:
    „Geht man vom Idealfall aus, dann müssten ja in einer Demokratie alle politischen Positionen eine ähnliche Ausgangssituation haben. Und sie müssten über gleiche Chancen verfügen, sich artikulieren zu können. Das ist aber nicht so. Tatsächlich wird man sich mit einer linken Position weder in der Schule noch auf der Straße isolieren. Mit einer ‚rechten’ garantiert…Man gerät sofort in den Verdacht, ‚Rechtsextremist’ oder ‚Nationalist’ zu sein.“

    • Frau Prasuhn, den letzten Absatz halte ich in der Diskussion für ganz entscheidend.
      Es herrscht zwar keine Meinungsdiktatur, aber Positionen aus einem bestimmten politischen Lager stehen vor allem die Mainstream – Medien wohlwollender gegenüber als z.B. eher konservativen.
      Der Anschlag auf das Auto von Frau von Beverfoerde und die Berichtersattung darüber ist dafür ein aktuelles Beispiel.
      In der Mitteldeutschen Zeitung wird zwar sachlich darüber berichtet, aber wesentliche Informationen werden unterschlagen.

      Um wen handelt es sich bei Frau v. Beverfoerde? Sie gehört nicht zu Pegida oder der AfD, sondern sie tritt lediglich für ein bestimmtes traditionelles Familienbild ein und wehrt sich mit ihrer Organisation gegen den Sexualkundeunterricht in Form der „Sexuellen Vielfalt“. Dafür wird in Stuttgart immer wieder friedlich demonstriert. Gewalt kommt aus den Reihen der Gegendemonstranten.
      Wie wird aber immer wieder falsch und einseitig über die Demos berichtet? Ich erinnere an die tendenzielle Berichterstattung in den Stuttgarter Nachrichten oder der dpa.
      Steht Frau v. Beverfoerde politisch rechts oder vertritt sie lediglich konservative Positionen? Das reicht aber in unserem Land offenbar schon, um von bestimmten politischen Gruppen in übelster Weise diffamiert zu werden (sh. auch das Bühenstück „Fear“ in der Berliner Schaubühne). Nun kam es zur nächsten Eskalation, und ihr Auto wurde angezündet.

      • Lesenswerter Kommentar zu den Gewaltakten und das Bühnenstück „Fear“:

        http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/helldeutsche_wirklichkeit_hass_hetze_brand

        • Dieses Bühnenstück kann ich nur als widerwärtig bezeichnen.
          Wieso ermittelt die Staatsanwaltschaft nicht gegen den Autor?

          Wir stellten in diesem Forum bereits fest, dass Gewalt von rechts und von links zu verurteilen ist und nicht gegeneinander aufgerechnet werden darf.

          Allerdings beschleicht mich immer mehr das Gefühl, dass sich die Mainstream – Presse vor allem mit der rechten Gewalt beschäftigt und dabei die linken Brandstifter und Chaoten kaum erwähnt. So geht es auch nicht!

          Stellen wir uns nur mal einen Moment vor, so ein abscheuliches Bühnestück wäre von einem politisch rechts stehenden Autor inszeniert worden. Unschwer auszumalen, wie sich die versammelten Medien sowie viele Politiker auf ihn gestürzt hätten.

          • So ist es! Die versammelten Politiker und Medien wären aus ihrer Empörung und Angriffslust gar nicht mehr herausgekommen.
            Was bei uns abgeht, ist langsam nicht mehr zu fassen.

          • Unglaublich, dieses „Bühnenstück“ erhält auch noch Fördergelder vom Berliner Senat.
            Richtig, es ist nicht zu fassen!!!!!!!!!!!!!!!!

          • Jetzt, sehr geehrter mehrnachdenken, muss ich aber doch mal gegenhalten: Wo haben Sie denn ihre Informationen her, wenn nicht aus den Medien – auch aus den sogenannten „Mainstream“-Medien? Der erste Link zum Stück, den Sie hier gepostet habe, stammt vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk Berlin-Brandenburg, ein Beitrag, in dem das Stück verrissen wird. „Die Mainstream-Medien“, welche sind denn das? Alle die, die Ihnen politisch nicht behagen?

            Frau Prasuhn hat berichtet, dass sie gerne die „Junge Freiheit“ liest. Sie können ja mal die „taz“ dagegenhalten und vergleichen. Dann lesen sie die „Süddeutsche“ und dann die „Welt“. Dann gibt es Medien wie News4teachers. Und nun erklären Sie mir mal, was davon „Mainstream“ ist. Tut mir leid, „die Medien“ tun dies, „die Politiker“ tun das und „die Lehrer“ sind alle soundso – für mich sind das billige Ettiketten für Menschen, die sich nicht die Mühe machen (wollen), genauer hinzugucken.

          • @Bernd
            Richtig, der Link stammt vom RBB. Schrieben Sie nicht, Sie könnten ihn nicht öffnen?

            Ja, aber ansonsten hält sich die Medienlandschaft in Bezug auf dieses so genannte Bühnenstück doch „vornehm“ zurück, oder sehen Sie es anders?
            In diesem Zusammenhang verweise ich gerne noch einmal auf den letzten Absatz in meinem Beitrag vom 05. 11./ 15 h.

            Zudem würde mich Ihre Meinung zu dem so genannten Bühnenstück durchaus interessieren.

    • Hallo Frau Prasuhn,

      so, ich gebe es offiziell auf, Sie um eine Klarstellung zu bitten, da Sie ganz offensichtlich einer Klärung meiner wiederhholten Nachfrage aus dem Weg gehen.

      Bitte beklagen Sie sich in Zukunft nicht, wenn ich genau das als Zeichen werte, dass Sie an gewaltvermeidender und demokratieorientierender Bildung in Schulen nicht interessiert sind.

      Für mich heißt das in letzter Konsequenz auch, dass Ihnen Demokratie genau an dem Punkt aufhört wichtig zu sein, wo es nicht mehr um IHRE Meinung und deren ja ach so eingeschränkten Freiheit sondern um Gewaltlosigkeit und den grungesetzlichen Schutz von Minderheiten geht.

      Und da schneidet sich Ihre Haltung meiner Wahrnehmung nach auch ganz wunderbar mit der von PEGIDA und seinen Jüngern, mit denen Sie ja – wenn ich mich an eine ihrer Aussagen in einer Diskussion unter einem früheren Beitrag – auch sympathisieren.

      Mit kopfschüttelnden Grüßen,
      Georg

    • Sorry, Frau Prasuhn – ich habe meinen Beitrag eben unter den falschen Beitrag von Ihnen gepostet. Das, was oben steht, soll hier stehen.

  8. @Bernd 6. November 2015 um 12:00
    So, so, jetzt sind „langsam, aber doch genervt“. Können Sie sich vorstellen, wie genervt andere sind, wenn sie Ihre Doppelzüngigkeit wahrnehmen? Seien Sie dankbar, wenn Ihnen in so rücksichtsvoller Weise und homöopathischer Dosis Kritik zugemutet wird.

  9. Ah, jetzt gehen die Beleidigungen wieder los.

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