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Was den Lehrerinnen und Lehrern in Deutschland im neuen Jahr blüht – eine Vorhersage

Eine Analyse von ANDREJ PRIBOSCHEK.

DÜSSELDORF. Man braucht keine Glaskugel, um vorhersagen zu können: Das kommende Jahr wird ein besonderes für die Lehrerinnen und Lehrer in Deutschland – ein Jahr des Umbruchs. Absehbar ist, dass die vielen Flüchtlingskinder die Schulen an den Rand des Möglichen bringen werden. Allerdings gibt es Zeichen der Hoffnung: Anders als noch bei der Inklusion, die tatsächlich von vielen Politikern als Sparmodell (miss-)verstanden wurde, ist jetzt jedem klar, dass die Schulen mehr Mittel benötigen. Tatsächlich fließt Geld. Und das wird den Unterricht in Deutschland grundlegend verändern.

Was erwartet die Schulen in 2016? Foto: Valerie Everett / flickr (CC BY-SA 2.0)

Was erwartet die Schulen in 2016? Foto:
Valerie Everett / flickr (CC BY-SA 2.0)

Dass es hart werden wird in den Schulen, ließ sich den Worten von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) entnehmen. Er stimmte Lehrer und Eltern im November darauf ein, dass die Standards in der Bildung gesenkt werden müssten. Es bestehe die Notwendigkeit für mehr Improvisation, sagte er. Das bedeute nicht eine „dauerhafte Absenkung von Standards“, sondern sei ein „improvisierter, mit gesundem Menschenverstand“ gewählter Zugang zu Lösungen.

Naheliegend ist folgendes Szenario: Auf die Schnelle sind kaum genügend Lehrkräfte aufzutreiben, um die geschätzt 400.000 Flüchtlingskinder, die wohl 2015 in die Schulen gekommen sind und in den nächsten Wochen und Monaten noch kommen werden, sofort angemessen fördern zu können. Die Klassen werden größer. Manche Eltern werden dafür die Schulen verantwortlich machen. Der Druck wird steigen.

Für Deutschkurse werden überwiegend pensionierte Lehrkräfte herangezogen; wo deren Zahl nicht ausreicht, müssen ehrenamtliche Helfer ohne pädagogische Erfahrung einspringen. Mancherorts wird es auch davon nicht genug geben, sodass so mancher Lehrer Kinder bei sich im Regelunterricht findet, die kein einziges Wort Deutsch sprechen und womöglich sogar (obwohl sie alt genug sind) noch nie eine Schule von innen gesehen haben. Und es wird weitgehend ihm und der Schule überlassen bleiben, ob und wie er diese Kinder integriert bekommt. In den vergangenen Wochen und Monaten haben etliche Kollegien eine Menge an unbezahlten Überstunden am Nachmittag und Abend geleistet, um diesen Kindern Deutsch beizubringen – und ihnen damit überhaupt erst eine Chance zu geben, in diesem Land Fuß zu fassen. Überaus anerkennenswert, wie viel Engagement Lehrerinnen und Lehrer hier gezeigt haben und zeigen.

Hier ist schnelle Hilfe geboten. In absehbarer Zeit werden die Kräfte schwinden. Allerdings ist auch Unterstützung in Sicht: Der Bund hat seine Finanzhilfe für die Bundesländer für 2015 und 2016 um zwei Milliarden Euro aufgestockt, damit diese – auch – in die Schulen investieren können. Immerhin 7.500 Lehrerstellen haben die Bundesländer laut Philologenverband bis jetzt zusätzlich geschaffen, um die schulische Integration der Flüchtlingskinder voranzubringen. Das ist zwar noch nicht genug. Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat aber bereits einen Bedarf von mindestens 20.000 Stellen eingeräumt, um den neuen Schülern gerecht werden zu können. Kommen mehr als die erwarteten 400.000 Kinder – dann mehr. Und: „Mit neuen Lehrerstellen allein ist es nicht getan“, so gab die bisherige KMK-Präsidentin, Sachsens Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU), im September zu Protokoll: „Uns als KMK geht es um mehr, um Mittel für mehr Schulsozialarbeiter und Psychologen, die den traumatisierten Asylkindern helfen können, und um mehr Kapazitäten für die Lehrerausbildung an den Universitäten.“ Das klingt gut.

Tatsächlich aber ist die Großzügigkeit der Länder für ihre Schulen bislang recht unterschiedlich ausgeprägt: Die Hälfte (genau: 3.653) der zusätzlichen Lehrerstellen entfällt auf ein einziges Bundesland, nämlich Nordrhein-Westfalen. Aber andere Länder ziehen nach: Niedersachsen beispielsweise stellt im kommenden Schulhalbjahr 1.600 zusätzliche Pädagogen ein, Bayern schafft zum 1. Januar zusätzliche 1.700 Stellen, Baden-Württemberg immerhin 600, nachdem 900 bereits zu Schuljahresbeginn eingerichtet wurden. Letzteres ist insofern bemerkenswert, weil gerade das Ländle noch vor zwei Jahren 11.600 Lehrerstellen hatte streichen wollen – trotz der bevorstehenden Inklusion. Wie News4teachers durch eine Sichtung der Bundestagsprotokolle von der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention nachweisen konnte, gingen seinerzeit alle Parteien (bis auf die FDP) davon aus, dass die Inklusion nicht nur gratis zu haben sei, sondern am Ende sogar Geld spare. Davon ist in der aktuellen Situation, gottlob, keine Rede mehr.

Was aber passiert, wenn die vielen zusätzlichen Stellen gar nicht besetzt werden können – weil der Arbeitsmarkt gar nicht genug Bewerber hergibt? Der Engpass ist absehbar. „Die Länder stehen vor einer Herausforderung, denn der Markt ist, gerade im Osten, weitgehend leer“, sagte Kurth. Sicher, die üblichen Mechanismen wie die Anwerbung von Seiteneinsteigern werden in Gang gesetzt. Dazu kommt jetzt aber eine ganz neue Perspektive ins Spiel: die Digitalisierung des Unterrichts. Die Flüchtlingskinder können nach Meinung etwa von Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) künftig auch stärker per Computer in deutscher Sprache unterrichtet werden. Er habe sich schon verschiedene Möglichkeiten angeschaut. Das Internet biete neue Möglichkeiten. Dies sollte man nun in die Fläche bringen.

Da trifft es sich gut, dass ohnehin der politische Druck wächst, die bislang stiefmütterlich behandelte digitale Bildung in Deutschland voranzubringen – parteiübergreifend. So forderte der Bundestag unlängst mit einer Entschließung die Länder auf, mehr in die IT-Ausstattung der Schulen zu investieren. Ein „Pakt für Digitale Bildung“ aus Politik, Wirtschaft, Schulen und Hochschulen soll den Unterricht verändern. Die nordrhein-westfälische Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) meinte auch schon: „Gerade mit Blick auf Inklusion bieten digitale Medien neue Möglichkeiten für die individuelle Förderung.“ Und was bei der Inklusion denkbar ist, gilt für Flüchtlingskinder sicher nicht minder.

Ich lege mich fest: 2016 wird das Jahr, an dem die flächendeckende Digitalisierung der Schulen in Deutschland beginnt.

29 Kommentare

  1. Milch der frommen Denkungsart

    Sehr geehrter Herr Priboschek,

    mir als non-digital-native wäre eine mit reicheren Details gesättigte Erläuterung hilfreich, worin denn tatsächlich der Mehrwert des e-learnings bestünde,
    da ich die menschliche Interaktion in jedwedem Unterricht immer noch für zentral und unverzichtbar halte; größtenteils werden es die Schulen nämlich ja mit wortwörtlich bildungsfernen Kindern und Ju- gendlichen zu tun bekommen, die nicht einmal la-teinisch alphabetisiert, geschweige denn einen PC zu bedienen imstande sein werden.
    Ich beurteile jedenfalls das lapidare Diktum von Frau Löhrmann ohne irgendein erklärendes Fun-dament – nicht zuletzt auch die so leichthin be- hauptete thematische Übertragbarkeit – für eine hohle Plattitüde.

    • Sehr geehrte/r Milch,

      ich bewerte in meinem Beitrag digitale Lernmedien ja nicht – ich beschreibe nur die Wahrscheinlichkeit, dass sie ab dem kommenden Jahr flächendeckend in die deutschen Schulen kommen.

      Aber wenn Sie mich nach meiner Meinung fragen, ob ich den Einsatz digitaler Medien in der Schule für sinnvoll erachte, nun, dann antworte ich mit: ja, klar. Ich bin mir sehr wohl darüber im Klaren, dass digitaler Unterricht keine Lehrerin und keinen Lehrer ersetzt. Digitale Medien erweitern aber die Palette der methodischen Möglichkeiten und erleichtern, sofern die Ausstattung stimmt, die pädagogische Arbeit.

      Ob Sie als Lehrer in den Naturwissenschaften Versuche langwierig aufbauen müssen oder auch mal gefilmte Sequenzen ohne vorherigen Aufwand nutzen können, ob Sie für den Sprachenunterricht geeignete unsynchronisierte Filmausschnitte erst mühsam besorgen und vorbereiten müssen oder eine sekundenschnelle Kommunikation ihrer Schüler mit einer Partnerklasse im Ausland ermöglichen können, ob Sie in Mathematik Aufgabenbögen kopieren müssen oder geprüfte Lernprogramme für Übungen und Wiederholungen einsetzen können und ob Ihnen in Geschichte nur Bücher zur Verfügung stehen oder Sie schnell auch mal auf eine passende und eindrucksvolle Dokumentation zurückgreifen können – die Palette der neuen Möglichkeiten ist riesig.

      Dazu kommt, dass Schulen ihren Schülern immer stärker Medienkompetenz vermitteln müssen – fraglos eine Schlüsselkompetenz im 21. Jahrhundert, um den Gehalt von Informationen beurteilen zu können. Google, Wikipedia und Co. lassen sich aber nicht mit dem Brockhaus von 1980 auf den Knien erklären; dafür müssen Schüler und Lehrer schon mal gemeinsam ins Internet gehen können.

      Herzliche Grüße
      Andrej Priboschek

      Herausgeber News4teachers

      • Sehr geehrter Herr Priboschek,

        alles, was Sie bezüglich der Belastungen der Schulen durch Inklusion und Migration vorhersagen mag zutreffen. Es wird dann vor allem die Quantität sein, die uns zu schaffen machen wird. Denn ich kenne aus meinem 35jährigen früheren Lehrerdasein Gastarbeiterkinder, die kein Deutsch konnten und für die ein halbes Dutzend mutterprachlicher Lehrer und DfA-Lehrkräfte besorgt werden mussten, außerdem gab es Russlanddeutsche in großen Mengen, die nur Russisch sprachen, Asylbewerber aus Pakistan, die kein Wort Deutsch sprachen und auch nicht lernen wollten, aber das Abitur und Essen wie in Heimat haben wollten.
        Vor der Inklusion, wie sie von den Kultusministerien (leider) gemacht wird, gab es 30 Jahre integration. Auf diesen Erfahrungen wird, zumindest in Hessen, leider nicht aufgebaut. Aber neu ist das Thema zumindest nicht, nur die Bedingungen werden schlechter, weil es jetzt ein Sparmodell ist.

        Das einzige, was mir wirklich Angst macht bei Ihrem Blick in die Zukunft ist die vermutete flächendeckende Digitalisierung.
        Die Beispiele, die Sie für den Segen der Digitalisierungnennen, betreffen vor allem die Unterrichtsvorbereitung und sind sinnvoll. So oder ähnlich habe ich die letzten 15 Jahre gearbeitet (E-Mail-Austausch mit Schülern in Sibirien und den Rocky Mountains, Videoclips von CD-ROMS usw.).
        Bei flächendeckender Digitalisierung aber fällt mir ein ganz andere Dimension ein: Laptops oder Tablets für alle, Selbstlernzentren, MOOC, digitale Lehrbücher…
        Ich verfolge in meinem Blog „Basedow1764“. seit zehn Jahren u. a. die Computerisierung der Schulen. Es gibt punktuell eine ganze Menge Vorteile, gerade bei Schülern mit bestimmten Behinderungen, und ich als Lehrer habe Laptop und Beamer gerne benutzt.
        Mir ist aber keine Untersuchung bekannt, die nachweisen konnte, dass dadurch das Lernen insgesamt wesentlich verbessert wurde. Und es sind trotz der unaufhörlichen Kritik von OECD und IT-Industrie an der Ausstattung der Schulen ja schon Milliarden dafür aufgewendet worden. Ein paar mehr Schulbibliotheken hätten da schon abfallen können.

        Ansonsden: News4teachers gefällt mir gut! Viel Erfolg im neuen Jahr!

  2. Ich wage mal noch eine Prognose: Im Jahr 2016 wird es zu Klagen diverser Lehrerverbände kommen. Die Klage des Philologenverbands in Niedersachsen dürfte andere Verbände ermutigen, insbesondere dann, wenn Kollgegien durch die Inklusion oder Flüchtlinge oder andere Umstände mit immer mehr Aufgaben belastet werden.

    Von zwei Klagen in Vorbereitung habe ich schon gehört und mein Wissen bezieht sich nur auf ein Bundesland.

    • Hoffen wir, dass es was bringt. Auf jeden Fall ist es gut, wenn die Lehrerverbände aufmucken und deutlich machen: So geht es nicht!
      Ich wünsche allen hier, auch der Redaktion von n4t, erst mal ein frohes Weihnachtsfest und danke für die vielen interessanten Artikel und Kommentare des nun zu Ende gehenden Jahres, die ich zum größten Teil gelesen habe.

    • Mir gehts da genau wie Sophia. Da das Streikrecht in diesem Land ja politische Streiks ausschließt und da immer nur um eine sehr begrenzte Anzahl von Dingen gekämpft werden kann, sind Klagen der Gewerkschaften und Verbände meines Erachtens oft der einzige Weg, Verbesserungen durchzusetzen.

      Um eine weitere Klage zu ergänzen: Die GEW kämpft fürs Streikrecht von Beamten. Auch da dürfte sich 2016 so einiges tun und die Idiotie des Streikverbotes und damit das verordnete Duckmäusermaulkorbtum endlich ein Ende haben.

  3. „Es wird hart in den Schulen.“ Die Belastungen durch Inklusion und Flüchtlingskinder nehmen zu – und das mit dem Hintergrund, dass aktuell den Lehrern in Hessen indirekt das Gehalt gekürzt wurde – jeder Beamte zahlt jetzt für die Zusatzleistungen der Beihilfe 18,90€ monatlich. Das ist keine Motivationssteigerung!

  4. Guten Tag,
    als Referendar der gerade das 2. Staatsexamen abgelegt hat blicke ich mit großer Sorge in die Zukunft.
    Die Situation an unserem Studienseminar und in unserem Bundesland stimmt mich mehr als nachdenklich. Alle Welt redet von neu zu besetzeden Lehrerstellen und davon, dass pensionierte Kolleginnen und Kollegen angeschrieben werden.
    Wir Referendare wurden vor kurzem aufgefordert eine DAZ Basisqualifikation zu besuchen, man lege uns dies in Hinsicht auf die Einstellungssituation besonders ans Herz. Eine Stelle hat uns jedoch noch niemand angeboten. Klar zu sein scheint aber auch, dass es für uns nur den Weg in die Beschulung von Seiteneinsteigern zu geben scheint.
    Ich fühle mich ehrlich gesagt von meinen Arbeitgeber erpresst. Entweder DAZ Unterricht oder keine Stelle. Und wir reden hier nicht davon mal ein paar Stunden DAZ zu geben, sondern eventuell sogar ausschließlich und das für die kommenden 5 Jahre.
    Da fragt man sich doch wirklich wozu wir alle auf hohem didaktischen und methodischen Niveau ausgebildet wurden und jetzt für die kommenden Jahre verheizt werden.
    Von den Schülerinnen und Schülern die schon da sind redet mittlerweile auch keiner mehr. Auch diese brauchen eventuell neue Lehrer.

    • Bildungspolitik ist immer ein Spielball der jeweils aktuellen Regierung und aktuellen Mode, wobei der allgemeine Rückgang der Schülerzahlen noch dazu kommt. Den Politikern ist es vollkommen egal, dass die Folgen der Schulpolitik erst nach mindestens 10 Jahre sichtbar werden, unabhängig davon ob sie nach fünf Jahren wiedergewählt werden oder nicht und im Zuge dessen diverse Entscheidungen massiv geändert werden. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen alles Gute für die Zukunft. Je nach Unterrichtsfachkombination ist ein Bundeslandwechsel vielleicht drin, wobei auch anderswo ständig verschlimmbessert wird.

  5. und dann kommt ein Lehrer aus Afghanistan hier nach D, den lässt man erst mal monatelang nutzlos in einer Turnhalle (unserer Schule…) herumhängen … hachja

    • im Extremfall sogar ein _Deutsch_lehrer aus Afghanistan, der mit entsprechenden Materialien und einem Raum ausgestattet für ein Taschengeld afghanischen Kindern Deutsch beibringen würde …

      • … das aber für ein Taschengeld nicht tun sollte, weil er für die gleiche gute Arbeit auch das gleiche Geld verdienen sollte.

        • Verdienen und bekommen sind aber zweierlei …

          • leider. viele Banker bekommen, aber verdienen nicht. bei krankenpflegern ist es umgekehrt.

          • Ich kenne verdienen als ein Wort, das je nach Kontext eine andere Bedeutung hat.

            In diesem Zusammenhang ist verdienen gleich bekommen, also ohne den Bezug auf das Legitimität.

          • Ändert aber nichts an der Tatsache, dass ich weniger bekomme als ich verdiene.

          • Das wollte ich damit auch nicht zum Ausdruck bringen.

            Aber letztlich ist es doch immer eine Frage der politischen Kräfteverhältnisse. Vorstellungen davon, wie eine Gesellschaft zu sein hat (was sich dann in Gesetze übersetzt) und wie die in und für sie Arbeitenen entlohnt werden sollten.

            Wenn wir als Lehrer*innen (gerade die GS Lehrkräfte) im Vergleich zu Investmentbanker*innen (die ja eigentlich nur Geld am Comupter hin und her schieben) einen Furz bekommen, dann ist die Frage, welchem Wertemaßstab diese Gesellschaft folgt und gering entsprechend der politische Druck ist, um das zu ändern.

            Oder wie gut eben die Investmentbranche organisiert ist und ihre Interessen per Lobbyarbeit in der Politik durchzusetzen weiß.

          • Wie hoch ist denn der Aspekt „Arbeitsplatzsicherheit“ zu bewerten?

            Wie hoch ist der Anteil eines Risikozuschlages für Zeiten der Nichtbeschäftigung in vielen Berufsbereichen, der über die Abzüge zur AV hinausgeht? Boni von Investmentbankern lassen sich anhand der Arbeitsvertragsdetails relativ einfach bestimmen. Woran lässt sich „geschaffene Mehrwert“ bei der Arbeit von GS-Lehrkräften bemesen?

          • Das ist das Problem. Lehrer produzieren im Sinne der freien Wirtschaft nichts und schaffen damit insbesondere keinen Mehrwert. Arbeitsplatzsicherheit kann ich ebenfalls nicht in Euro beziffern.

          • Es ist noch bescheuerter, selbst in der freien Wirtschaft gibt es bestimmte Unternehmensbereiche, die behaupten, dass in der Produktion keine Mehrwerte geschaffen werden. Die geschaffenen Mehrwerte werden durch den Verkauf und den Aufbau und die Pflege einer Marke geschaffen.

            Folglich ist das Marketing von Bildung schlecht und muss in private Hände gelegt werden.

          • ich will aber keine Anzugträger, die mir auf Flipcharts erklären, wie ich meinen Unterricht besser vermarkten (nicht zwingend verbessern) kann. mehr als blabla für viel Geld sondern die nicht ab.

          • Ob Sie die wollen oder nicht, Sie haben Sie längst erhalten. Spätestens seit die Unternehmensberatungen wie Roland B. Einfluss auf die Schulministerien genommen haben.. Die Zertifizierung der Schulen durch Qualitätsagenturen ist ja nicht aus heiterem Himmel gekommen.

          • Stimmt, ich habe die QA selbst erlebt. War für die Lehrer sehr viel Arbeit mit ziemlich überschaubarem Ertrag. Weil die QA für meine Schule so früh kam, gingen Gerüchte um, dass die damalige stellvertretende Schulleiterin sie anleierte, um sich für eine Schulleitung zu empfehlen (die sie tatsächlich einige Jahre später auch bekommen hatte). Sie hinterließ sehr viele offene Projekte und einige sehr schmeichelhafte Beförderungen auf OStR …

        • Lieber arbeitslos rumhocken,Trübsal blasen und sich überflüssig fühlen? „Gleiches Geld für gleiche Arbeit“ ist zwar prinzipiell richtig, kann aber auch zu kurz gedacht sein.
          Zu kurz gedacht wird fast immmer bei Überlegungen, die sich um nur eine Seite der Sache drehen und diese als allein wichtig darstellen.
          Wenn das der Fall ist, können Moral- und Gerechtigkeitsaspekte den Menschen mehr schaden als nützen.

          • Gleicher Lohn für gleiche Arbeit. – Ist nicht schwer zu verstehen. Ob es für Einsteiger oder Wiedereinsteiger in einen Job Zuschüsse gibt ist eine andere Tatsache.

            Lebensalter kann aber auch kein Grund sein in eine höhere Eingruppierung zu gelangen. Der 15-jährige Berufsanfänger erfült die gleichen Voraussetzungen wie der 25-jährige.

            Die Abschaffung der beitragsfinanzierten AlHi zugunsten des steuerfinanzierten ALGII ist aus AN-Sicht, der Beiträge zahlt, vollkommen gerecht. Aus Sicht des ehemaligen AN der jetzt Kunde der ARGE ist, ist es eine Zumutung.

            Die unterschiedliche Eingruppierung von Lehrkräften, die ja alle über ein Erstes StEx oder einen Masterabschluss und ein 2. StEx verfügen, ist eben ein Unding, das angeprangert gehört. Hier wird nämlich der Grundsatz gleiches Geld für gleiche Arbeit verletzt.

          • Ich dachte an den „Deutschlehrer aus Afghanistan“, von dem es hieß, das er für die gleiche „Arbeit auch das gleiche Geld verdienen sollte“.
            Dieser wäre vermutlich froh, wenn er erst einmal überhaupt unterrichten und beruflich Fuß fassen dürfte.

          • Der war allenfalls „Sprachmittler“ bei der BW. Ist er ausgebildeter Gemanist einer afghanischen Hochschuleinrichtung, wird er sich seinen Abschluss erst einmal anerkennen lassen müssen, bevor er hier DAF/DAZ unterrichten darf. Gleiche arbeit setzt nämlich gleichwertige Abschlüsse voraus.

  6. Und ich frage mich, was ist mit den vielen jungen Leuten, die ein Lehramtsstudium erfolgreich abgeschlossen haben und jetzt ewig warten müssen um überhaupt einen Referendariatsplatz zu kriegen? Davon gibt es in ganz Deutschland wirklich viele. Ich selbst gehöre auch dazu. Ich habe zwar die Möglichkeit hin und wieder als Vertretungslehrkraft zu arbeiten, aber ich finde es einfach nur schlimm, dass mir und meinen Mitstreitern nicht die Möglichkeit gegeben wird als Lehrer tätig zu sein und stattdessen pensionierte Lehrer wieder eingestellt werden. Gebt uns doch eine Chance! Wir sind ausgebildet worden um in der heutigen Zeit unterrichten zu können, wir wissen, wie man Medien im Unterricht einsetzen kann etc.! Mir kann keiner erzählen, dass es nicht genug Anwärter gibt, die gibt es in ganz Deutschland! Fast jeden Tag hört man von jungen Menschen, die ihr Studium bereits vor längerer Zeit (mitunter sogar vor über 1 Jahr!) abgeschlossen haben und immer noch keinen Platz für den Vorbereitungsdienst haben. In was für einem System leben wir eigentlich?

    • In welchem Bundesland gibt es sowas denn? Bei uns in NRW laufen gerade die ZfsL leer, weil kaum noch Studenten abschließen.
      Zumindest ist das im Grundschulkapitel so…mag mit der Bezahlung zusammen hängen. Aber die personelle Katastrophe steht hier schon im Wohnzimmer – nicht mehr nur vor der Tür.

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