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„Dann fahren wir eben überhaupt nicht mehr!“ Thüringer Lehrer wütend über neue Hürden für Klassenfahrten

ERFURT. Für Unverständnis und Empörung sorgt ein Schreiben des Thüringer Kultusministeriums zur Beantragung von Klassenfahrten für das kommende Schuljahr. „Wir sind maßlos enttäuscht“, kommentiert Rolf Busch, Landesvorsitzender des „tlv thüringer lehrerverband“, die aktuellen Entwicklungen. „Noch vor sechs Wochen wurde die Frage nach einer Budgetierung der Klassenfahrten in der Plenarsitzung im Landtags explizit verneint. Aber was den Schulen jetzt zugemutet wird, ist noch viel schlimmer als alles, was es vorher an Regularien gab.“ Das Thüringer Kultusministerium wies die Darstellung zurück.

Klassenfahrten sind pädagogisch wertvoll - und für Lehrer oft Zusatzarbeit. Foto: gostockholmgoeteborg / (CC BY-NC-SA 2.0)

Klassenfahrten sind pädagogisch wertvoll – und für Lehrer Zusatzarbeit. Foto: gostockholmgoeteborg / (CC BY-NC-SA 2.0)

Vorher, so Busch weiter, bestand das Problem vor allem darin, dass aufgrund der geltenden Budgets und der bürokratischen Hürden beim Abrufen der Gelder die Lehrer oftmals auf eigene Kosten mitreisen mussten. „Aber jetzt ist die Situation noch verschlechtert worden. Viele Kollegen sind wütend und würden am liebsten gar nicht mehr fahren. Ich kann es ihnen nicht verdenken.“ Die erste Hürde bestünde schon darin, dass alle Fahrten für das Schuljahr 2016/17 bis zum 31. März beim zuständigen Schulamt beantragt werden müssen. „Vorher ist zwingend eine Schulkonferenz einzuberufen. Und Ostern liegt dazwischen. Vom 24. März bis zum 2. April sind in Thüringen Ferien. Wie sollen die Kollegen das schaffen?“

Hinzu komme, dass künftig vorrangig Ziele in Thüringen besucht werden müssen. Abschlussfahrten werden gar nicht mehr als Klassenfahrten behandelt, sondern müssen außerhalb der Unterrichtszeiten stattfinden. Für den begleitenden Lehrer werden sie nicht als dienstliche Tätigkeit anerkannt. „Welcher Firmenangestellte würde es akzeptieren, dass er in seiner Urlaubszeit und auf eigene Kosten zur Fachmesse fährt?“, fragt Busch. „Mit diesen Vorschriften schafft die Landesregierung die Klassenfahrten de facto ab. Sie stellt sich damit ein absolutes Armutszeugnis aus.“

Auf Facebook und in den Lehrerzimmern seien bereits heiße Diskussionen entbrannt. Viele Kollegen machten ihrem Unmut Luft und überlegten ernsthaft, ob sie überhaupt noch Klassenfahrten planen sollen. „Aber wenn es tatsächlich soweit kommt, ist zumindest das Problem der Landesregierung gelöst. Denn dann reicht auch das kleinste Budget aus.“

Einschränkungen bei der Wahl der Reiseziele gebe es nicht, stellte hingegen Bildungsministerin Birgit Klaubert (Linke) klar. Politische, kulturelle oder naturkundliche Stätten in Thüringen zu besuchen sei genauso möglich wie ins Ausland zu reisen. Nach Angaben des Ministeriums werden jedoch keine Fahrten «aus rein touristischem Anlass» gefördert. «Es versteht sich von selbst, dass der Bezug zur Schule und zum Lernen gegeben sein muss», erklärte die Ministerin.n4t / mit Material der dpa

 

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