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Mehr Entlastung, mehr Teamwork, mehr Geld: Was der Deutsche Schulleiterkongress gegen den Mangel an Führungsnachwuchs fordert

DÜSSELDORF. Mehr Leitungszeit, mehr Gehalt, mehr Teamarbeit, das sind die Rezepte, die die Teilnehmer des Deutschen Schulleiterkongresses gegen den Leitungsmangel an vielen Schulen empfehlen. Vor allem kleine Grundschulen sind betroffen.

Von links: Die Moderatorin, Fernsehjournalistin Nina Ruge, Wolters Kluwer-Geschäftsführer Michael Gloss, VBE-Chef Udo Beckmann und der Radiojournalist Lothar Guckeisen auf der Hauptbühne des Deutschen Schulleiterkongresses. Foto: News4teachers

Von links: Die Moderatorin, Fernsehjournalistin Nina Ruge, Wolters Kluwer-Geschäftsführer Michael Gloss, VBE-Chef Udo Beckmann und der Moderator und Radiojournalist Lothar Guckeisen auf der Hauptbühne des Deutschen Schulleiterkongresses. Foto: News4teachers

Die Teilnehmer des Deutschen Schulleiterkongress 2016 haben im Vorfeld des Kongress online darüber abgestimmt, mit welchen Maßnahmen der Beruf Schulleitung wieder attraktiv für den Nachwuchs werden kann. Laut Online-Umfrage unter den Teilnehmern sollte jede Schule eine Mindestleitungszeit von 16 Stunden haben. Das halten 80 Prozent für sehr wichtig. Bisher ist die Leitungszeit stark abhängig von der Anzahl der Schüler, kleine oder auslaufende Schulen sind damit im Nachteil.

Zudem sollten Schulleitungen von Grund- und Hauptschulen besser besoldet werden. Das halten 75 Prozent der Schulleiter ebenfalls für sehr wichtig. Zurzeit werden Schulleitungen dieser Schulformen deutlich geringer entlohnt als Schulleiter an Gymnasien, Berufskollegs und Gesamtschulen. Je nach bisheriger Einstufung bedeutet dies für die Rektoren und Konrektoren eine Erhöhung um bis zu 700 Euro.

Jede Schule sollte, unabhängig von der Schülerzahl, einen Konrektor bekommen. Das ist für 73 Prozent der Befragten sehr wichtig. Bisher mussten Schulleiter von Schulen mit weniger als 180 Schülern alle Aufgaben allein bewältigen.
Nicht ganz so eindeutig ist das Bild bei der Frage nach einer erweiterten Schulleitung. 48 Prozent halten es für sehr wichtig, dass eine erweiterte Schulleitung in allen Schulformen möglich wird. Klar definierte Leitungsaufgaben, etwa Evaluationsaufgaben, sollen auch von Lehrkräften wahrgenommen werden, die nicht der Schulleitung angehören. Bisher ist das nur in weiterführenden Schulen vorgesehen. Das hängt vor allem damit zusammen, dass etwa an Grundschulen keine Beförderungsstellen für Lehrkräfte vorgesehen sind.

Für weniger entscheidend halten die Befragten die Frage nach Jobsharing: 43 Prozent halten das Modell, dass es zwei teilzeitbeschäftigten Lehrkräften ermöglicht, die Leitungsfunktion gleichberechtigt wahrzunehmen, für weniger wichtig. Nur 9,75 Prozent halten es für sehr wichtig.

Die diskutierten Maßnahmen beruhen auf Vorschlägen einer Expertengruppe, die dem nordrhein-westfälischen Landtag zur Entscheidung vorliegen. Veranstaltet wird der Deutsche Schulleiterkongress (DSLK) vom Informationsdienstleister Wolters Kluwer Deutschland (WKD) und dem Verband Bildung und Erziehung (VBE). Der VBE-Vorsitzende Udo Beckmann sagt über die Ergebnisse der Befragung: „Bessere Besoldung, mehr Delegationsmöglichkeiten und mehr Leitungszeit: Die Ergebnisse bestätigen unsere Rezepte, die wir seit Jahren gegen den Schulleitermangel empfehlen.“ Allein in Nordrhein-Westfalen fehlten rund 2000 Schulleitungen beziehungsweise ihre Stellvertretungen. Der VBE erwarte vom Landtag eine zügige Umsetzung der Empfehlungen des Expertenentwurfs. Wenn einer Schule die Leitung fehle, sei das ein Problem in vielfacher Hinsicht. Für Eltern leide die Attraktivität des Standorts, dem Kollegium fehle ein Ansprechpartner, etwa für die Schulentwicklung.

Michael Gloss, Geschäftsführer bei Wolters Kluwer Deutschland, sagt: „Ein solcher Mangel an Führung wie in Schulen wäre in Unternehmen undenkbar. Die Qualitätsverluste, etwa in der Produktion, wären zu gravierend und würden schnell dafür sorgen, dass das Unternehmen vom Markt verschwindet.“

An der Online-Umfrage nahmen 449 Besucher des Deutschen Schulleiterkongresses teil, die vorab angeschrieben wurden. Rund 2.000 Schulleiterinnen und Schulleiter aus Deutschland und dem deutschsprachigen Ausland nehmen seit gestern am DSLK teil. N4t

Zum Bericht: Precht fordert auf dem Schulleiterkongress eine radikale Schulreform – wegen der Flüchtlingskinder

2 Kommentare

  1. Wichtige Forderungen:
    Geschäftsführende Beamten! Jede größere Behörde hat einen geschäftsführer, der dem Leiter der Behörde so Sachen wie Einkauf, Inventar, Haushalt, Geschäftsverteilung, Dienstplan etc. abnimmt.
    Ein Schulleiter sollte sich auf die Aufgabe, die Schule zu leiten, konzentrieren können (und damit auf sein Kerngeschäft) und nicht dauernd die Portokasse nachrechnen müssen.
    Die Schulsekretärin (falls vorhanden) ist jedenfalls nicht dafür da und meist auch nicht dafür ausgebildet.
    Also: Packt mal beim nichtpädagogischen Personal ein bisschen drauf, nehmt dem Schulleiter (und auch den Lehrern) Arbeit ab, die nichts mit ihrem gelernten Beruf zu tun haben (warum sollte nicht eine Lehrersekretärin Konferenzen protokollieren, Gelder einsammeln …?).
    Und das ist sogar weitgehend kostenneutral, denn dieses Personal wird etlichen Erkrankungen vorbeugen.
    rfalio

  2. Das ist doch der Knackpunkt, so lange sich die Politik nicht über die Zusammenlegung von äußerer und innerer Schule verständigt, werden wir zwischen den Zuständigkeitsbeeichen von Land und Kommune zerrieben.

    Was nutzt die Forderung nach modernen Präsentationsmöglichkeiten, wenn die Kommunen sie nicht liefern. Für das, was auf die Tafel geschrieben wird, ist der vom Land ernannte Lehrer verantwortlich, für die Zurverfügungstellung der Tafel ist die Kommune zuständig.

    Aber warum über Unterrichtsmöglichkeiten diskutieren, die Smartboards für zeitgemäßen Unterricht bieten könnten, wenn die Sanierung der Schultoiletten nicht gesichert ist, da sich die Gemeinde in der Haushaltsicherung befindet oder versucht, diese abzuwenden.

    Leute wie Precht, die unter Visionen leiden, sollten sich an den Ratschlag des unlängst verstorbenen Altbundeskanzler halten. Ansonsten kann man nur den gut gemeinten Ratschlag von Dieter Nuhr an die Adresse von Hernn Precht weitergeben.

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