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Die Politik hat sich verrechnet – demographische Rendite wird Bildungsreformen nicht finanzieren

Eine Analyse von NINA BRAUN

DÜSSELDORF. Die Schülerzahlen gehen nicht wie erwartet zurück. Damit ist die Hoffnung, Bildungsreformen zu finanzieren, indem man freiwerdende Mittel durch weniger nachkommende Kinder nutzt, tot.

Wie der Bildungsforscher Professor Klaus Klemm nachgerechnet hat, werden in Deutschland mehr Kinder geboren als erwartet. Hinzu rechnen muss man außerdem die Flüchtlingskinder. In der Zeitschrift NDS der GEW NRW von Mai schreibt der Wissenschaftler: „In den kommenden Jahren sind Mitteleinsparungen aus einem demografisch verursachten Rückgang der Schülerzahlen kaum mehr zu erwarten.“ Nach den Berechnungen des Wissenschaftlers lag schon 2014 die Zahl der Geburten bundesweit um fast 33 000 höher als 2013. Die Zahlen für 2015 sind zwar noch nicht bekannt. Erste Hinweise ließen jedoch erwarten, dass auch 2015 die Zahl der Geburten zumindest auf gleichbleibenden Niveau verharrt.

Zwei Drittel der vom Deutschen Kinderhilfswerk befragten Kinder und Jugendlichen wollen mehr draußen spielen. Foto: guilherme jofili / flickr (CC BY 2.0)

Die Kinderzahlen gehen doch nicht so weit herunter, wie erwartet. Foto: guilherme jofili / flickr (CC BY 2.0)

Damit hat sich die Bildungspolitik in eine Sackgasse manövriert. Denn sie hatte mit der sogenannten demographischen Rendite gerechnet. Die ist kaum noch nutzbar. Doch der Mehr-Bedarf an Pädagogen, etwa für die Umsetzung der Inklusion, für den Ausbau der Ganztagsschulen und für den Ausbau der Krippenangebote für unter Dreijährige, bleibt bestehen.

Das diese Lücke kaum geschlossen werden kann, liegt daran, dass das Bildungssystem in Deutschland unterfinanziert ist. Laut aktuellem OECD Bericht „Bildung auf einen Blick“ beträgt der Anteil der öffentlichen und privaten Bildungsausgaben gerade einmal 5,2 Prozent, während er im EU-Durchschnitt bei 6,1 des Bruttoinlandsprodukts liegt (Zahlen von 2012). Zur Erinnerung: Kanzlerin Angela Merkel hatte zusammen mit den Ministerpräsidenten auf dem Bildungsgipfel 2008 verkündet, dass die Bildungsausgaben bis 2015 auf sieben Prozent steigen sollen.

Welchen Ausweg kann es also aus dieser Sackgasse geben? Die Gewerkschaft GEW hat ein Steuerkonzept vorgelegt, in der sie eine staatliche Einnahmensicherung aus Lohn- und Einkommensteuer, Körperschafts- und Gemeindewirtschaftssteuer, Vermögenssteuer und Finanzproduktesteuer vorschlägt.

Nicht ganz so weit geht der Vorschlag von Professor Axel Plünnecke vom Institut der Deutschen Wirtschaft Köln. Er schlägt in der Zeitschrift NDS vor, den Bund stärker zu beteiligen. Vor allem in Fragen der Fachkräftesicherung und der Migration sieht Plünnecke eine Verantwortung des Bundes. „Der Bedarf a

4 Kommentare

  1. Schade, dass die sündhaft teuren Flipchartbeschmutzer im Nadelstreifenanzug für ihre falsche Prognose nicht haftbar gemacht werden können …

    Die Politik könnte andererseits auch froh sein, dass durch die zusätzlichen Kinder mit etwas Glück auch zukünftige Sozialabgabenzahler werden.

    • Da haftet keiner, denn Prognosen sind schwierig – vor allem dann, wenn sie die Zukunft betreffen:)

      • Darauf, also die Nichthaftung, basiert ja auch das Geschäftsmodell der Unternehmensberatungen.

        • Und – was hat sich seit dem Orakel von Delphi Gravierendes in den mehr als 2000 Jahren verändert? Koinzidenz, Korrelation und Kausalität sind den meisten Empirikern ohnehin nicht zu vermitteln. Reicht also aus, das die Oguren in den Eingeweiden lesen, dass sie LRS haben ist ein Grund für einen Nachteilsausgleich, nicht aber für eine haftungsfrage.