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Kultusministerin will wieder mal die Mittelschule (aka Hauptschule) retten – doch: Ist sie nicht schon längst gestorben?

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MÜNCHEN. Der Physiker Erwin Schrödinger stellte 1935 ein Gedankenexperiment vor, das bis heute zu den bekanntesten Bildern der modernen Wissenschaft gehört: Eine Katze sitzt in einer verschlossenen Schachtel. Ihr Schicksal hängt von einem quantenphysikalischen Zufallsprozess ab – solange niemand nachschaut, gilt sie theoretisch zugleich als lebendig und tot. Unser Gastautor Roland Grüttner greift dieses Paradox auf, um den Zustand der Mittelschule (wie in Bayern die Hauptschule heißt) zu beschreiben. Grüttner leitete selbst eine Grund- und Mittelschule sowie später eine Montessorischule in Bayern.

Lebt sie noch? Illustration: News4teachers

Schrödingers Mittelschule

„Lebt sie nun, oder lebt sie nicht?“ Diese Frage stellt sich bei Schrödingers Katze, und sie lässt sich erst entscheiden, wenn man die Schachtel geöffnet hat. Das ist auch bei der bayerischen Mittelschule der Fall: Sie nimmt gleichzeitig zwei Zustände ein, tot und lebendig, ist vielleicht schon dahingeschieden, soll aber mit aller Macht am Leben erhalten werden.

Immer neue lebenserhaltende Maßnahmen

Es gibt wieder einmal eine lebenserhaltende Maßnahme namens „Mittelschulinitiative“ (News4teachers berichtete), ich habe nicht mitgezählt, die wievielte es ist. Die vorletzte wurde noch im vorigen Jahrtausend unter Kultusminister Schneider ins Werk gesetzt, die letzte konzipierte um 2010 herum Dr. Spaenle. Dieser ließ die nicht so vom Volk geliebte Hauptschule zur sprachlichen Aufwertung in „Mittelschule“ umbenennen, schuf zum Erhalt von Standorten Schulverbünde und stärkte die M-Züge, um zu signalisieren, dass man auch an dieser Schulart zu einem „Mittleren Schulabschluss“ gelangen kann, der mithilfe eines Sprachkompromisses zu dem der Realschule „gleichwertig, aber nicht gleichartig“ sein sollte.

All diese Initiativen haben nichts Entscheidendes am unbestimmten Zustand dieser Schulart geändert, so dass Frau Kultusministerin Stolz nun den Eindruck hatte, der Mittelschule wieder neues Leben einhauchen zu müssen. In einer Pressemeldung lässt sie verlauten, wie sie sich das vorstellt: „Im Zentrum stehen die Stärkung von Basiskompetenzen, mehr individuelle Lernzeit, noch mehr Praxisnähe und eine konsequente Ausrichtung auf erfolgreiche Bildungs- und Berufswege.“

Flexibilisierung hier, aber nicht da

Aufgrund unausgeglichener Standpunkte gerät die Ministerin mit sich selbst in Widerspruch. Zunächst erklärt sie, dass die Mittelschule flexibler gestaltet werden soll: „Ein zentraler Baustein ist die Ausweitung des jahrgangsübergreifenden Lernens (JAMI). Dabei werden Schülerinnen und Schüler in den Jahrgangsstufen 5 und 6 gemeinsam unterrichtet und können diese Jahrgangsstufen bei Bedarf in drei Jahren durchlaufen – für mehr Zeit zum Lernen und nachhaltigen Bildungserfolg. „Kinder brauchen Zeit: zum Lernen, zum Wachsen und zur persönlichen Entwicklung“, so die Kultusministerin.“

Da hat sie völlig Recht, die Ministerin: Eine solche Flexibilisierung ist sehr hilfreich, indem sie akzeptiert, dass zum Verstehen manche Schüler:innen länger brauchen und andere schneller vorangehen können.

Der Selbstwiderspruch besteht nun darin, dass sie eine solche Flexibilisierung vor kurzem noch abgelehnt hat. Der Bayerische Lehrerinnen- und Lehrerverband (BLLV) schlug nämlich vor, die Mittelstufe des Gymnasiums zu flexibilisieren (News4teachers berichtete), das Stolzsche Argument: „Kinder brauchen Zeit: zum Lernen, zum Wachsen und zur persönlichen Entwicklung“ gilt doch hier wie da. Oder sind das andere Kinder?

Nur antwortete die Ministerin auf den Vorschlag des BLLV, ein uraltes, abgenutztes Argument ausgrabend, es gäbe „nicht den geringsten Anlass für eine erneute Strukturdebatte“. Dabei wollte der BLLV gar nicht an die Schulstruktur, sondern eben nur die Struktur flexibel füllen.

Flexibilisierung des Mangels

Weiterhin hat die Ministerin die Absicht, die Stundentafel zu flexibilisieren: „Die Flexibilisierung der Stundentafel stärkt die Basiskompetenzen der Schülerinnen und Schüler und ermöglicht es den Lehrkräften, sie gezielt und individuell zu fördern. In den Jahrgangsstufen 5, 6 und 7 können in Eigenverantwortung der Schulen zur individuellen Schwerpunktsetzung und zur Sicherung von Basiskompetenzen künftig bis zu zwei Stunden pro Woche für einzelne Schülerinnen und Schüler, Gruppen oder die gesamte Klasse zur Förderung in Deutsch, Mathematik und Englisch genutzt werden.“

Dazu wird vom Kultusministerium folgendes Beispiel gegeben, das zeigt, was man unter Flexibilisierung zu verstehen hat:

Man kann also den einen Fächern was wegnehmen, um für die anderen Fächer mehr Stunden zu generieren. Es gibt keine Kürzungen in der Stundentafel, und es gibt auch nicht mehr Unterrichtszeit. Vor allem gibt es nicht mehr Lehrer:innen, denn die wachsen immer noch nicht auf den Bäumen. Hier wird der Zustand zwischen Leben und Tod auf andere Weise deutlich: Ich nehme den einen Patienten das Personal weg und gebe es den anderen. Weil: Ich habe ja nicht genug für alle. Das nenne ich dann „Flexibilisierung“. Das Überleben von Schrödingers Katze kann man damit eher nicht sichern.

Re-integrierter M-Zug

In Bayern gibt es seit Dr. Spaenle „M-Züge“, in denen gute Mittelschüler von der 7. bis in die 10. Jahrgangsstufe in möglichst homogenen Klassen den Mittleren Schulabschluss erwerben können sollen. Dazu gibt es jetzt eine teilweise Rücknahme dieser Reform: „Innerhalb des dreijährigen Schulversuchs „Integrierter M-Zug“ wird das M-Angebot an teilnehmenden Mittelschulen in die Regelklassen der Jahrgangsstufen 7 bis 9 integriert.“

Das ist deshalb eine interessante Maßnahme, weil man ja unter Dr. Spaenle die M-Züge noch ausdrücklich rausgenommen hat aus den Klassen 7 bis 9. Es gab in der Folge auch die entsprechenden Lehrwerke (jeweils für M- und R-Klassen), die dann in den integrierten M-Zug-Klassen wohl beide benutzt werden. Spannend ist diese Maßnahme auch aus dem Grund, dass die Verantwortlichen unter der Hand das Prinzip Homogenität aufgeben. Denn „integriert“ heißt: zusammengesetzt aus allen Leistungsniveaus.

Hier wird etwas pädagogisch verbrämt, was in der Praxis für Unmut gesorgt hatte: M-Zweige konnten nur „starke“ Mittelschulstandorte einrichten. Diese haben aus „schwachen“ Standorten gute Schüler:innen abgesaugt, weil diese an ihrer Heimatschule keinen Mittleren Schulabschluss anstreben konnten, und so wurden die kleinen Mittelschulen noch kleiner; eine kontraproduktive Maßnahme halt, die jetzt wieder zurückgenommen wird.

Brauchen Schüler:innen eine Mittelschule?

Kultusministerin Anna Stolz redet die Schüler:innen und Lehrer:innen stark und meint damit, auch die Mittelschule zu legitimieren: „Die Mittelschule sichert Chancen und gestaltet Zukunft. Sie macht stark für jeden Weg. Mit unserem Maßnahmenpaket stärken wir unsere Lehrkräfte und Schulleitungen, die jeden Tag Großartiges leisten. Gleichzeitig investieren wir ganz gezielt in die Zukunft unserer Kinder – in ihre Talente, ihre Motivation und ihre Persönlichkeit. Wir können verdammt stolz auf diese jungen Menschen sein!“

Da hat sie schon wieder Recht, aber das ist nun überhaupt kein Argument für die Mittelschule, denn die Lehrkräfte und Schulleitungen, die Großartiges leisten, würden das auch in einer anderen Struktur, und die Schüler:innen könnten ihre Talente, Motivation und Persönlichkeit auch in anderen Schulen entwickeln. Vielleicht sogar besser. Wetten?!

Es sind nicht die Schülerinnen und Schüler, die die Mittelschule brauchen, die kämen auch in Schulen mit mehreren Bildungsgängen (SmB) klar. Es ist wohl hauptsächlich Tradition, gewürzt mit einer gehörigen Portion Ideologie, die in Frau Stolz das Wort ergreift.

Warum nur verzichtet der Rest der Welt auf eine Sortierung der Kinder in drei getrennte Schularten?

Sind die dumm (also die Regierungen)? Nein, PISA zeigt, dass die auch funktionieren, teilweise sogar besser als Bayern. Allerdings demonstriert PISA – wie überhaupt die allgemeine Bildungsforschung – auch, und das mit unschöner Regelmäßigkeit, dass eine frühe Sortierung Chancen verhindert, Wege versperrt und eine gesellschaftliche Spaltung nicht nur nicht verhindert, sondern teilweise sogar befördert.

Warum achtet das vom bayerischen Ministerpräsidenten gelenkte Kultusministerium nicht auf den Hinweis des Aktionsrates Bildung – eines von der vbw (Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft) eingesetzten Expertenrates? Diese Bildungswissenschaftler haben bereits vor fast 20 Jahren die Ansage gemacht: „Der Sekundarbereich I wird zweigliedrig (Sekundarschule und Gymnasium) angeboten.“

Warum erkennt man am Münchner Salvatorplatz und in der Bayerischen Staatskanzlei nicht die Zeichen der Zeit, die diese Entwicklung erkennen lassen:

Eigenes Diagramm nach Zahlen von Destatis

Seit Jahrzehnten befinden sich bundesweit die Hauptschulen im Sinkflug, sind also am Absterben, während die so genannte „2. Säule“, eine integrierte Sekundarstufe für alle Schüler:innen, einem klaren Aufwärtstrend folgt. Und nein, das ist nicht Ideologie, sondern pädagogische Vernunft! Und sie verhindert nebenbei, dass die Gesellschaft weiter separiert wird.

Wer mir nicht glaubt, der höre wenigstens auf John Hattie, der in Visible Learning – The Sequel über die Sortierung in Leistungskursen sagt: „Tracking has minimal effects on learning outcomes; no one profits… Why do we persist with a failed intervention? Who benefits? Not the students.“ (S. 187)

Wenn also die Kultusministerin nun erklärt: „Bayerns Mittelschulen sind stark für jeden Weg“, dann hat das den Charakter einer Beschwörungsformel und bewirkt auch genauso viel. Man muss nicht erst die Schachtel aufmachen, um zu sehen, in welchem Zustand sich Schrödingers Katze befindet. Wer Augen hat zu sehen, der sehe! News4teachers 

Roland Grüttner betreibt den Blog paedagokick.de.

FDP: Hauptschule wiederbeleben (um Kinder auf spätere Arbeit in Mangelberufen vorzubereiten)!

 

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72 Kommentare
ed840
28 Tage zuvor

Nein, PISA zeigt, dass die auch funktionieren, teilweise sogar besser als Bayern.

Stimmt.

Wenn man z.B. PISA-2022 und IQB-2024 Mathematik als Maßstab nimmt, gibt es Länder in Fernost, in denen SuS höhere Punktzahlen erzielen als in Bayern.

Das allein erscheint mir als Beweis aber ebensowenig tauglich, wie die Vielzahl der Länder in Europa und Amerika als Gegenbeweis , in denen die Punktzahlen niedriger liegen.

Innerhalb Deutschlands gibt es m.W. kein Bundesland mit Gemeinschaftsschulen / IGS etc,, in dem bei IQB-2024 die Punktzahlen der SuS ohne / mit Migrationshintergrund und die der SuS aus der oberen/unteren Schicht ähnlich weit über dem Bundesschnitt lagen wie in Bayern.

Rainer Zufall
27 Tage zuvor
Antwortet  ed840

„Das allein erscheint mir als Beweis aber ebensowenig tauglich, wie die Vielzahl der Länder in Europa und Amerika als Gegenbeweis , in denen die Punktzahlen niedriger liegen.“
Dann sollten Sie einen besseren Vergleich wählen oder nachfragen, welchen der Autor im Hinterkopf hatte 😉

ed840
28 Tage zuvor

der höre wenigstens auf John Hattie, „

Der wurde allerdings hier auf n4t zum Thema Gymnasium so zitiert, dass alle Kinder die Chance haben müssten ihre Leistungen zu verbessern, nicht nur ein Bruchteil.

Klingt für mich jetzt nicht so als ob er den anderen Schularten in DE zutraut, Kinder zu Leistungsverbesserungen zu führen.

Rainer Zufall
27 Tage zuvor
Antwortet  ed840

Fast so, als gebe es Handlungsbedarf im Bildungsbereich, wer hätte es gedacht…

ed840
27 Tage zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Wenn Sie alles unkritisch glauben wollen, was manche Bildungswissenschaftler von sich geben, kann ich das schon tolerieren.

Rainer Zufall
27 Tage zuvor
Antwortet  ed840

Während Sie sich mit einem verwechseln? Oder kommt da noch ein fachliches Argument aus der Forschung, auf das Sie Ihre Meinung stützen können?

ed840
27 Tage zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Glauben Sie nun das Zitat oder nicht?

Oder kommt da noch ein fachliches Argument aus der Forschung,

Stimmt. Ich warte schon seit längerem, dass Sie endlich mal einen wissenschaftlichen Beleg dafür erbringen, dass Kinder mit ähnlichen Ausgangskompetenzen in der 5. und 6. Klasse Gymnasium keine höheren Leistungszuwächse erbringen als an anderen Schularten.

Ich gebe offen zu, dass ich bisher keine solchen Belege finden konnte, nur Studien die zu gegenteiligen Ergebnissen kamen.

Rainer Zufall
26 Tage zuvor
Antwortet  ed840

„Ich gebe offen zu, dass ich bisher keine solchen Belege finden konnte, nur Studien die zu gegenteiligen Ergebnissen kamen.“
Gerne teilen – wenn Ihre Quellen stimmen 😉

ed840
26 Tage zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Über eine dieser Studien wurde unlängst hier auf n4t berichtet.

Man muss solche Dinge aber natürlich auch wahrnehmen wollen.

Gerne teilen – wenn Ihre Quellen stimmen „

Ein Quelle, dass es in deutschen Bundesländern keine Vorteile bringen soll wäre hier nachzulesen:

https://www.news4teachers.de/2026/05/lehrerverband-kritisiert-uebertritt-wir-glauben-nicht-dass-man-zehnjaehrige-kinder-valide-auf-drei-schularten-aufteilen-kann/#comment-804847

Ob man das allerdings für glaubwürdig halten will, ist aber natürlich individuelle Ansichtssache.

Rainer Zufall
25 Tage zuvor
Antwortet  ed840

Danke für die Antwort.
Die verlinkten Ergebnisse beziehen sich ja nicht auf die frühere Trennung nach vier Jahren, den Erfolg interpretieren Sie – soweit ich das sehe – im Nachhinein.
Dem würde ich entgegensetzen, dass die Bildungsgewinner*innen NOCH besser abschneiden würden, wenn sie länger gemeinsam lernen und wir weniger Nachrichten über radikalisierte, unangepasste, straffällige Kinder lesen (wenn wir schon dabei sind, ohne Belege Wirkungsweisen zu projezieren 😉 )

ed840
25 Tage zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Gerne.

 „den Erfolg interpretieren Sie

Nein.

Lesen Sie einfach mal nach, wer in dem verlinkten Post wortwörtlich geschrieben hat:

Da es in anderen Bundesländern keine Vorteile brachte,

Ist aber natürlich Ihre Entscheidung, ob Sie diese Behauptung als Autoritätsbeweis anerkennen wollen oder nicht.

Rainer Zufall
24 Tage zuvor
Antwortet  ed840

Ein verlinkter Post ist jetzt nicht ganz die Art von Quelle, die ich suche. Aber wenn es Ihnen gereicht, will ich Ihnen da keine Mühe bereiten, wissenschaftliche Quellen zum Thema zu suchen

ed840
23 Tage zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Glauben Sie denn, dass man besser nichts auf die Behauptungen der Person geben sollte, von der das Zitat stammt:

Da es in anderen Bundesländern keine Vorteile brachte,“

Rainer Zufall
23 Tage zuvor
Antwortet  ed840

Was soll ich auf IHRE Aussage geben, Sie hätten (mehrere) Quellen zu dem Thema? 🙁

rfalio
27 Tage zuvor

Typisch deutsch!
Eine funktionierende unm d funktionsfähige Schulart schlechtreden statt sie zu loben!
Nicht jeder Schüler kann das Abitur erreichen. Bei uns auf dem Land machen Mittelschüler ihren Weg, weil die Schulart geachtet wird!
rfalio

ed840
27 Tage zuvor
Antwortet  rfalio

Aber immerhin niemand aus dem Elfenbeinturm.

Nach meinen Informationen hat der Autor selber einen Hauptschulabschluss erworben , eine Berufsausbildung gemacht und als Leiter einer Grund- und Mittelschule auch praktische Erfahrung.

Rainer Zufall
27 Tage zuvor
Antwortet  rfalio

„Nicht jeder Schüler kann das Abitur erreichen.“
Fordert meines Wissens uneingeschränkt niemand.

447
27 Tage zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

„Offen“, Sie haben das Wort „offen“ vergessen.

Natürlich fordert das OFFEN niemand.

Beim Abiturniveau und dessen Verfall war es auch so.

Mittlerweile habe ich den ersten OS-Kurs, in dem (ganz offiziell über Sondererlaubnisse der entspr. Dezernenten) LRSler Nachteilsausgleiche kriegen.
Sprich: Das werden dann wortwörtlich Abiturinhaber, die offiziell zertifiziert nicht richtig lesen/schreiben können.

Die Salamischeibchentaktik ist doch immer die gleiche:
Zuerst fängt man mit tatsächlich berechtigten Sonderfällen an oder mit Missständen, die jeder einsehen muss – paar Jahre Pause – „institutionalusierung“ der Sonderfälle – bissl Pause – Antragsregelung – bissl Pause – „ist doch schon bei X so, dann steht es Y auch zu“ – bissl Pause – „was für Y gilt, muss doch auch A gelten…und B und C“…

…nicht das Einzelargument ist das Problem – die Gesamtrichtung ist es.

Zwischenstand 2026: Faktisch jeder zweite ist ausweislich gewisser Papierdruckerzeugnisse geeignet, Arzt, Anwalt, Lehrer, Richter, Architekt zu werden.
Einfach mal an den nächsten Hbf oder in die Innenstadt stellen und zählen: „Eins, der wird dein Arzt…zwei…drei, Anwalt…vier…Lehrer…“

Läuft.

Darum sage ich mittlerweile ganz unironisch: „Abitur“ (Schulbesuchsbescheinigung) für alle.

Wenn das so gewollt ist – bitte sehr, sparen wir uns doch den Affentanz und Arbeitsaufwand.

Rainer Zufall
27 Tage zuvor
Antwortet  447

Achso, alles klar. Welch Glück, dass Sie da in den inneren Kreisen verkehren, welche die unausgesprochene Agenda verfolgen (augenroll)

„Faktisch jeder zweite ist ausweislich gewisser Papierdruckerzeugnisse geeignet, Arzt, Anwalt, Lehrer, Richter, Architekt zu werden.“
Und trotzdem haben wir Lehrkräfte-, Richter*- und Ärzt*innenmangel. Sachen gibts (in ihrem Kopf…)

Unfassbar
26 Tage zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

50% Abiturquote haben Sie wohl nicht verstanden

dickebank
26 Tage zuvor
Antwortet  Unfassbar

Wie, nur ein halbes Abitur? Haben SuS jetzt auch schon Teilzeit?

dickebank
25 Tage zuvor
Antwortet  ed840

… und nicht zu verwechseln mit Quotenabitur.
Aber gehen Sie ruhig weiterhin zum Lachen in den Keller.

Meiomei
25 Tage zuvor
Antwortet  dickebank

Gefühlt bei uns schon!

dickebank
25 Tage zuvor
Antwortet  Meiomei

NRW – wir sind nicht besser aber mehr.
Und wie der Volksmund schon richtig erkannt hat:
Einer allein kann gar nicht so blöd sein.

Neuerdings wird das Schwarmintelligenz genannt

Rainer Zufall
25 Tage zuvor
Antwortet  Unfassbar

Spannend, was lässt Sie glauben, dass dahinter nicht der Anspruch steht, Förderung zu verbessern und Potenziale zu entfalten?

Warum sollte es ausgeschlossen sein, dass mehr Menschen das Abitur machen können – wenn sie dazu befähigt werden, es nicht geschenkt bekommen?
Kommen Sie als Nächstes mit einer Koppellung von IQ und Gymnasien? 😛

ed840
25 Tage zuvor
Antwortet  Unfassbar

Wie hoch die Abiturquote ist, spielt m.M. weniger eine Rolle als die die Quote der Absolvent*innen eines Jahrgangs, die ein Studium aufnehmen.

Das waren laut Statistischem Bundesamt zuletzt 63,6% weiblich / 53,3% männlich.

Es gibt aber auch Stimmen, die trotzdem die Meinung vertreten, dass es für junge Menschen heutzutage schwieriger wäre Fähigkeiten und Talente zu entwickeln als vor 40 Jahren.

dickebank
25 Tage zuvor
Antwortet  ed840

Allein die Tatsache, dass deutlich mehr junge Frauen die AHR erwerben hat Folgen für die Entwicklung der Talente. Dazu sind die Interessen zu sehr geschlechtstypisch.

ed840
25 Tage zuvor
Antwortet  dickebank

Ich bin trotzdem sehr skeptisch, dass es junge Frauen vor 40 Jahren tatsächlich wesentlich leichter gehabt haben sollen ihre Fähigkeiten und Talente zu entwickeln.

Rainer Zufall
24 Tage zuvor
Antwortet  ed840

„Es gibt aber auch Stimmen, die trotzdem die Meinung vertreten, dass es für junge Menschen heutzutage schwieriger wäre Fähigkeiten und Talente zu entwickeln als vor 40 Jahren.“
Katze?

ed840
24 Tage zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Nein. Wenn Sie Artikel auch lesen würden, die hier auf n4t veröffentlicht werden, bräuchten Sie keine solchen Fragen stellen.

447
26 Tage zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Die Abiturquote können Sie googeln.

Falls es dann doch 45,4256%, 48, 8525% oder 51,001654% waren – erfolgreicher Faktencheck ihrerseits.

Rainer Zufall
24 Tage zuvor
Antwortet  447

Schlimmschlimm. Sie sollten nie mehr zum Arzt gehen, nicht dass dies einer von „Diesen“ ist 😉

ed840
26 Tage zuvor
Antwortet  447

Das werden dann wortwörtlich Abiturinhaber, die offiziell zertifiziert nicht richtig lesen/schreiben können.

Wird das dann im Zeugnis vermerkt oder wäre diese Information unzulässig?

447
26 Tage zuvor
Antwortet  ed840

Sie dürfen drei mal raten…

Lateinlehrer
23 Tage zuvor
Antwortet  447

Bei uns im Bayern wird Abiturienten mit Neurodivergenzen wie LRS und Autismus mittlerweile auch ein Nachteilsausgleich in Form von einer Zeitverlängerung gewährt. Diese kann teilweise beträchtlich ausfallen. Wenn man allerdings so einen NTA genutzt hat, wird das im zwingend Abiturzeugnis vermerkt, was für die betreffende Person später gegebenenfalls von Nachteil sein kann. Darum entscheiden sich manche Schüler am Ende doch gegen einen NTA.

Rainer Zufall
27 Tage zuvor

„Stolzsche Argument: „Kinder brauchen Zeit: zum Lernen, zum Wachsen und zur persönlichen Entwicklung“ gilt doch hier wie da. Oder sind das andere Kinder?“
Jup, um die eine Gruppe schert man sich. Gult aber für (zu) viele Bundesländer 🙁

Durchschaut
27 Tage zuvor

Die Änderungen für die Mittelschule sollen doch nur den Lehrermangel besser in den Griff bekommen.

Keine M-Klassen bedeutet, dass man dafür auch keine Lehrer braucht und die Regelklassen stärker aufgefüllt werden. Unter dem Strich werden die Regelklasse dadurch größer, aber man braucht in vielen Fällen dafür nicht mehr Lehrer.

Ein flexibler Stundenplan bedeutet, dass ich Fächer mit Lehrermangel zusammenstreichen kann. Beispiel: Wenn ich keinen Informatik- oder Musiklehrer mehr habe, wird das Fach auf 0 gesetzt und Deutsch um +1 oder +2 erhöht. Das darf dann fast jeder unterrichten.

Mit anderen Dingen oder Studien hat die Änderung sehr wenig zu tun. So einfach ist das… Leider…

Delfinchen
26 Tage zuvor
Antwortet  Durchschaut

Exakt!
Und JAMI erfüllt sein Übriges. Kann man an kleinen Mittelschulen aus zwei Klasse à 15 Schülern eine Mischklasse mit 30 bilden.
Lehrermangel kurzfristig behoben, bis die wenigen, die noch da sind, im Burnout landen.

Ulla
27 Tage zuvor

Es stimmt, dass es in anderen Ländern, vor allem in Skandinavien, in der Bildung besser läuft. Allerdings kann ich hier nur zum wiederholten Mal sagen, dass man nicht Äpfel mit Birnen vergleichen kann. In Skandinavien sind die Klassen im Durchschnitt wesentlich kleiner, und es gibt zusätzlich zum Lehrer mehrere pädagogische Mitarbeitende im Klassenraum.

dickebank
27 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

… fiskalpolitische Entscheidungen …

ed840
27 Tage zuvor
Antwortet  dickebank

In welchen Bundesländern die jährlichen Bildungsausgaben pro SuS besonders hoch und besonders niedrig sind, ist in der Tat leicht nachzulesen.

dickebank
26 Tage zuvor
Antwortet  ed840

Aber wir wissen doch alle,
„Geld schießt keine Tore.“

ed840
26 Tage zuvor
Antwortet  dickebank

Aber ob das der Grund ist, dass die Bildungsausgaben pro SuS in NRW sogar noch niedriger sind als z.B. in BW oder SH?

dickebank
26 Tage zuvor
Antwortet  ed840

Und, wie viele Erst- und Zweitliga Fußballvereine hat BaWü oder Hedwig-Schlossstein?
NRW – Quantität vor Qualität. Hauptsache es reicht für gute Bilder, die der Staatskanzlei nutzen können.

ed840
25 Tage zuvor
Antwortet  dickebank

Und, wie viele Erst- und Zweitliga Fußballvereine hat BaWü oder Hedwig-Schlossstein?

Dazu sollten wie wohl eher die websites der DFL oder des Kicker etc. konsultieren.

Rainer Zufall
24 Tage zuvor
Antwortet  ed840

Ich will hier weder dickebank noch Ihnen zustimmen, auch (hier) nicht auf den Schlips treten, aber der Vergleich hinkt möglicherweise, da es in der Schule darum geht, das Beste aus allen herauszuholen…

Ulla
27 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Richtig. Aber solange nicht mehr Gelder und mehr Personal zur Verfügung stehen (Stichwort Lehrermangel) braucht man auch nicht darüber zu reden, was man von skandinavischen Ländern lernen kann.

Mika BB
26 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Wenn man davon ausgeht, dass die Hälfte der dort beschäftigten Ärztinnen und Ärzte weiblich ist: erheblich höher als jetzt. ;-D

dickebank
26 Tage zuvor
Antwortet  Mika BB

Wie, Ärztinnen sind weiblich? Für die Erkenntnis ist ein Studium ausnahmsweise echt hilfreich..

ed840
26 Tage zuvor
Antwortet  Ulla

 „braucht man auch nicht darüber zu reden, was man von skandinavischen Ländern lernen kann.

Man könnte aber ggf. darüber reden, was man von diesen Ländern nicht lernen sollte.

Zum Beispiel sehe ich bei PISA die im Vergleich zu DE-16 deutlich höheren geschlechtsbezogenen und zuwanderungsbezogenen Disparitäten, insbesondere auch im Bereich Lesen, eher als Abschreckung, denn als Vorbild. Ebenso die deutlich höheren Quoten der SuS, die angeben sich an ihrer Schule nicht wohl / fehl Platz und /oder als Außenseiter / von Dingen ausgeschlossen zu fühlen.

Rainer Zufall
24 Tage zuvor
Antwortet  ed840

Dann nehmen Sie ein anderes skandinavisches Land, dass Sie nicht abschreckt 😉

ed840
24 Tage zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Halten Sie denn die oben genannten Dinge für erstrebenswert und würden an Schulen in DE gerne ähnliche Werte erzielen?

Rainer Zufall
23 Tage zuvor
Antwortet  ed840

Sie wählten diese Länder aus. Wählen Sie doch erstmal welche, denen Sie selbst zustimmen, bevor Sie andere fragen.
Oder fragen Sie, weil Sie selbst keine Idee haben? 😉

Arno Handke
27 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

reden wir über eine gutfunktionierende Wirtschaft?

dickebank
27 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Den armen Arbeitskräften mit kleiner Dienstwagenregelung muss doch auch geholfen werden.

ed840
27 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

„Wir reden über einen Staat, 

Man sollte m.M. besser über die zuständigen 16 BL reden, deren Bildungsausgaben pro SuS sich ja absolut und relativ ganz erheblich unterscheiden.

Rainer Zufall
26 Tage zuvor
Antwortet  ed840

Also Bilungsföderalismus abschaffen, um allen Schüler*innen in Deutschland gute Bildungschancen zu ermöglichen? 😛

Kleiner Scherz, aber wenn Sie meinen, es hänge primär von den Bildungsausgaben ab, welches Bundesland schwebt Ihnen da vor?

ed840
26 Tage zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Es gibt keinen eindeutig messbaren Zusammenhang zwischen der Höhe der Bildungsausgaben pro Sus in den BL und den Bildungserfolgen der dortigen SuS.

Sonst müssten ja Berlin und HH bei den Bildungsvergleichsstudien mit Abstand vorne liegen.

Ob das einer der Gründe ist , dass der €-Betrag in „The Länd“ deutlich unter dem Bundesschnitt liegt, weiß ich nicht.

Rainer Zufall
25 Tage zuvor
Antwortet  ed840

Dann bezog ich mich wohl eher da drauf 😉
„Man sollte m.M. besser über die zuständigen 16 BL reden, deren Bildungsausgaben pro SuS sich ja absolut und relativ ganz erheblich unterscheiden.“

ed840
25 Tage zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Eben. Wie sind Sie also mit den absoluten und relativen Bildungsausgaben in dem BL zufrieden, aus dem Sie angeben zu kommen?

Rainer Zufall
24 Tage zuvor
Antwortet  ed840

Ich komme nicht aus BaWü, behauptete ich nie.
Schätze, das las jemand meine phantastischen Beiträge nur halbherzig 🙁

ed840
24 Tage zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

in dem BL zufrieden, aus dem Sie angeben zu kommen?“

Kommen Sie denn aus keinem BL?

Sie müssen die Frage aber nicht beantworten, wenn es nicht wissen oder nicht wollen.

Rainer Zufall
23 Tage zuvor
Antwortet  ed840

Achso ein Missverständnis.
Aus welchem BL komme ich? 🙂

ed840
22 Tage zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Im Zweifel schauen Sie mal in Ihrer Geburtsurkunde nach, da sollte auch der Geburtsort vermerkt sein.

Rainer Zufall
22 Tage zuvor
Antwortet  ed840

Sie haben also keine Idee, wo ich aufgewachsen bin und fragten dementsprechend völlig ziellos danach, welche Bildungsausgaben es dort gebe bzw. wie zufrieden ich sei, um nicht auf die Frage antworten zu müssen, was Ihre ausgängliche Aussage bedeuten sollte, dass „Bildungsausgaben pro SuS sich ja absolut und relativ ganz erheblich unterscheiden.“
aber es „keinen eindeutig messbaren Zusammenhang zwischen der Höhe der Bildungsausgaben pro Sus in den BL und den Bildungserfolgen der dortigen SuS [gibt].“?

Aber WENN Sie etwas aussagen wollten, würde ich mich sehr um eine konkrete Antwort freuen, die nichts damit zu tun hat, dass Sie nichts über mich wissen 😉

dickebank
27 Tage zuvor
Antwortet  Arno Handke

Systemgastronomie

ed840
27 Tage zuvor
Antwortet  Ulla

Wie definieren Sie „besser läuft“?

Müssten dann in Skandinavien z.B. die PISA-Punktzahlen der verschiedenen Stichprobengruppen nicht deutlich höher sein als im Schnitt der DE-16?
Von Vergleichen mit den Pendants aus Sachsen oder Bayern mal ganz zu schweigen.

Nach meinem Verständnis von „besser“ dürften dann in Skandinavien bei PISA auch nicht so viel mehr SuS als in DE angeben sich an der Schule nicht wohl/fehl am Platz zu fühlen und als Außenseiter/von Dingen ausgeschlossen.

Omg
24 Tage zuvor

Die Hauptschule ist nur zu retten, wenn sie von den Ressourcen her die privilegierteste Schulform wäre. Dafür müsste man umsteuern (recht einfach) und eine Hausspitze haben, die den A***** in der Hise hat, dass Herrn Dr. Und Fr Prof. Zu erklären. Dazu wird es nicht kommen.