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Ausstellung in Münster: Schulmumie mit bewegter Geschichte

MÜNSTER. Fast 40 Jahre ruhte die Mumie der Mülheimer Konrad-Ziegler-Schule im Depot des Archäologischen Museums der Universität Münster. Jetzt wurde sie aufwändig restauriert und erlebt als „Münster-Mumie“ ihre Auferstehung. Besonders die letzten rund 200 Jahre haben dem Leichnam zugesetzt. Ob Schüler mit der Mumie Schabernack getrieben haben konnten die Experten allerdings nicht eindeutig sagen.

Ihr echter Kopf ist nicht mehr dort, wo er mal hingehörte. Und doch ist das kleine Archäologische Museum der Universität Münster stolz, endlich seine lang im Verborgenen schlummernde Mumie präsentieren zu können. Die aufwendig restaurierte Münster-Mumie ist das Herzstück einer am Samstag öffnenden Ausstellung rund um das Thema Tod und Mumifizierung. Viel weiß man nicht über den Toten, der vor rund 2700 Jahren für die Ewigkeit ausgenommen, balsamiert und bandagiert worden war. Und doch erzählt seine Reise aus Ägypten über eine Schule im Ruhrgebiet bis nach Münster eine Menge.

In der Kolonialzeit gab es einen regelrechten Mumienmarkt, besonders im 19. Jahrhundert florierte das Geschäft. (Das Foto zeigt Mumien in der Ausstellung der Philadelphia Academy of Natural Sciences). Foto: Smallbones/Wikimedia Commons

In der Kolonialzeit gab es einen regelrechten Mumienmarkt, besonders im 19. Jahrhundert florierte das Geschäft. (Das Foto zeigt Mumien in der Ausstellung der Philadelphia Academy of Natural Sciences). Foto: Smallbones/Wikimedia Commons

Die Untersuchungen im Computertomographen zeigten ein fast vollständiges Skelett mit wenig Verschleißerscheinungen: «Es war ein Mann um die Dreißig, der ein gelenkschonendes Leben geführt hat», sagt die zuständige Ägyptologin des Museums, Angelika Lohwasser. Um nach seinem Tod den Körper zu erhalten und der Seele dauerhaft Platz zu geben, wurde er wie viele seiner Zeitgenossen mumifiziert.

Doch sein «Mumienleben» war keineswegs immer so würdevoll, wie der Tod es sein sollte: Das zeigt sich schon darin, dass der scheinbar dazugehörige Sarg rund 250 Jahre älter ist. «Vielleicht haben erst Händler Mumie und Sarg zusammengebracht, um für das Ensemble mehr Geld zu bekommen», sagt Lohwasser. Denn im 19. Jahrhundert florierte das Mumiengeschäft. Ausgräber der Kolonialzeit brachten sie massenhaft auf den Markt, finanzierten so ihre weitere Arbeit, wie die Expertin erzählt.

Lange hatte sie vermutet, dass es auch Händler waren, durch die der echte Kopf der Münster-Mumie abhanden gekommen war: Vielfach seien Einzelteile abgetrennt und verkauft worden. Doch der Restaurator fand Schädelfragmente im Sarg und glaubt daher, dass der Kopf zerfiel beim Versuch neugieriger Forscher, ihn auszuwickeln.

Auf unbekannten Wegen gelangte die Mumie schließlich an ein Gymnasium in Mülheim. «Vielleicht war es eine Schenkung für eine Lehrsammlung», mutmaßt Lohwasser. 1978 gab die Konrad-Ziegler-Schule die Mumie als Dauerleihgabe an die Experten. Von dort ging es wegen des schlechten Zustandes schon wenige Jahre später gut verpackt ins Depot – bis schließlich das Uni-Exzellenzcluster «Religion und Politik» 15 000 Euro für die Restaurierung von Sarg und Mumie stiftete.

Der renommierte Mumien-Restaurator Jens Klocke aus Hildesheim machte sich an die mühsame Arbeit. Er stellte eine Reihe zurückgelassener Spuren im Sarg sicher: Ein Stück Brotrinde etwa, ein Zigarrenstummel und ein Zwetschgenkern sind weitere Indizien für ein bewegtes Mumiendasein. «Wir wissen nicht, ob Schüler hier Schabernack getrieben haben oder ob die Mumie Gast auf Schulparty war oder so. Das können immer nur Hypothesen sein», sagt Lohwasser.

Kopflos ist die ab Samstag ausgestellte Mumie nun jedoch nicht mehr: Schon aus dem alten Ägypten seien Fälle von ersetzten Gliedmaßen dokumentiert, hinzugefügt damit der Geist trotzdem Ruhe finden könne. So ist für die Münstermumie ein Schädel nachgebaut und bandagiert worden. «Wir können ja keine Mumie ohne Kopf zeigen», sagt Lohwasser. (Florentine Dame, dpa)

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