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Englisch lernen wird immer selbstverständlicher – Vier Gründe, warum der Unterricht so erfolgreich ist

DÜSSELDORF. Die schönste Überraschung nach Veröffentlichung der IQB-Länderstudie in der letzten Woche waren die immer besser werdenden Englischkenntnisse der Schülerinnen und Schüler. Aller Schüler. Selbst ein Migrationshintergrund ist kein Hemmnis.

Die Ursachen für den Erfolg des Englischunterrichts liegen in einem veränderten Unterricht und den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen wie Digitalisierung und Globalisierung. Alles zusammen ergänzt sich so gut, dass Schülerinnen und Schüler in diesem Fach in jedem Fall wissen, wofür sie lernen. Ein nicht zu unterschätzender Motivationsschub, sagen Forscher. Die einzelnen Faktoren, die zum Erfolg des Unterrichts führen, haben wir im folgenden zusammengestellt.

1.      Englisch wird früher gelernt
Englischunterricht findet seit 2005 schon in der Grundschule statt. Laut der bisher größten Untersuchung BIG zu diesem Englischunterricht von 2014 können die meisten Schüler am Ende der vierten Klasse englische Fragen stellen und beantworten. Sie hören und verstehen einfache Texte. 80 Prozent der Kinder mögen das Fach. Trotz immer noch fehlender Standards ist der Unterricht damit ein wichtiger Baustein, um die Sprache kennen zu lernen.

2.      Der Unterricht setzt auf freies Sprechen
Worüber Experten anderer Fächer immer wieder streiten, ist im Englischen entschieden: Sprachkompetenz ist das Wichtigste. Stand im traditionellen Englischunterricht die Grammatik im Vordergrund, inklusive Vokabellernen, Literatur und Redewendungen, später ergänzt durch vorgefertigte Wortwechsel und Satzmuster – unter anderem im Sprachlabor. Diese Methoden waren wenig erfolgreich. Wie die DESI-Studie für 2003 feststellte, bestand der Englischunterricht damit gerade einmal zu elf Prozent aus frei formulierten Schüleräußerungen. Das sollte sich ändern, waren sich die meisten Didaktiker einig. So steht im modernen Unterricht das freie Sprechen im Vordergrund. Die Schüler sollen reden, reden, reden. Wenn es gut läuft, reden Schüler so  im modernen Unterricht beispielsweise selbst 20 Minuten in Kleingruppen und die restliche Zeit hören sie Englisch. So beschreibt es die Wochenzeitung „die Zeit“, deren Autor einen vorbildlichen Unterricht beobachtete.

Amused? Was meinen wohl Queen Elizabeth II. und ihr Mann Prince Phillipp (hier auf einer gemeinsamen Kutschfahrt im vergangenen Jahr) zu den Ergebnissen des Englisch-Rankings? Foto: Steve Evans / flickr (CC BY-NC 2.0)

Queen Elizabeth II. und ihr Mann Prince Philip (hier auf einer gemeinsamen Kutschfahrt im vergangenen Jahr) sind sicherlich amused über die stärker werdende Rolle ihrer Sprache. Foto: Steve Evans / flickr (CC BY-NC 2.0)

3.      Das Sprachniveau der Lehrer wird höher
Studien zeigen, dass das Sprachniveau der Deutschen, und damit vermutlich auch das Niveau der deutschen Englischlehrer, sich im Laufe der Jahrzehnte verbessert hat. Nach einem Ranking des privaten Sprachlernanbieters EF liegen die Sprachkenntnisse der Deutschen aktuell auf Platz elf von 70 Ländern.

4.      Die digitalen Medien motivieren
Neben dem Unterricht ist das private Umfeld nicht zu unterschätzen. Onlinewelten, in denen sich die Freizeit vieler Kinde rund Jugendlicher abspielt, sind immer häufiger international. Viele Spiele, die über das Internet gespielt werden, werden gegen Gegner aus anderen Ländern gespielt. Gechattet wird dort selbstverständlich auf Englisch. Unter Kindern und Jugendlichen angesagte Youtuber kommen durchaus nicht nur aus Deutschland, sondern aus allen möglichen Ländern und sprechen häufig Englisch.  Internationale Serien in Originalfassung zu schauen, ist unter Jugendlichen ebenso en vogue. Schöner Nebeneffekt: Für den Unterricht sind die englischsprachigen digitalen Medien im Internet eine Fundgrube an authentischem Material. nin

IQB-Studie: 15-Jährige sind besser in Englisch und Rechtschreibung als erwartet – vor allem in Schleswig-Holstein

6 Kommentare

  1. man stelle sich nur mal vor, wenn auf synchronisiertes Fernsehen verzichtet werden würde …

    • Das wurde vor Jahren als das Erfolgsrezept der Finnen genannt, wollte aber in D keiner nachmachen. Und die Finnen sind ja auch abgestürzt, nachdem die modernen Unterrichtsmethoden zu wirken begannen.
      Nun ist das mit den Erfolgen so eine Sache, es kommt ja darauf an, was man den Schülern als Test vorlegt. Ich stelle jedenfalls fest, dass sie in Klasse 11 keine englischen Texte ins Deutsche übersetzen können. Ja, ich weiß: übersetzen können wird auch gar nicht angestrebt …

      • ich beziehe mich eher auf die Niederlande: Mein Opa (Jahrgang 1918) hatte in der Schule nie ein Wort Englisch, Deutsch oder Französisch. Aufgrund des Fernsehens (seit immer OmU abgesehen von Kleinkindersendungen; Disney-Zeichentrick wurde schon untertitelt) konnte er es nicht sprechen, aber er verstand aber alles.

  2. Hier scheint mir mal wieder etwas suggeriert zu werden, was nicht ist, nämlich „erfolgreicher Unterricht“ in Englisch. Hauptsache ein bildungspolitisches Konzept wird bestätigt durch Tests, die dafür geeignet und gestaltet sind.
    Den Erfolg durch frühes Lernen im Grundschulbereich, wie er hier beschrieben wird und die Vorstellung des Lesers beflügeln soll, kann ich aus Erfahrung nicht annähernd bestätigen.
    Mich erstaunen immer wieder Erfolgsmeldungen von außen. An uns Lehrern scheinen viele der bildungspolitischen Höhenflüge vorbei zu gehen. Dabei müssten wir sie doch besser kennen als die Außenwelt mit ihren fachkundigen Testbastlern.

  3. „…. können die meisten Schüler am Ende der vierten Klasse englische Fragen stellen und beantworten. Sie hören und verstehen einfache Texte. 80 Prozent der Kinder mögen das Fach. “
    Dies bestätigt meine Erfahrungen. Wir arbeiten nach einem Lehrwerk (Sally), das oben genannte Fähigkeiten fördert. Das machen übrigens die meisten Lehrwerke, die auf dem Markt sind. In meinem Bundesland wird Englisch in Klasse 3 und 4 zweistündig unterrichtet.
    Meiner Ansicht nach liegt inzwischen derjenige falsch, der meint, es reicht, im Englischunterricht der Grundschule den Kindern englische Kitabücher vorzulesen und englische Lieder zu singen. Da gehört schon mehr dazu. Nicht dazu gehört stures Vokabel- und Grammatiklernen – das ist das andere Extrem.
    Ob Englisch in der Grundschule richtig ist, das sollen andere entscheiden. In meinen Augen fördert der frühe Beginn das Verständnis der Sprache und vor allem oben im Artikel genannte Fähigkeiten. In wie weit es auf Kosten des Deutschunterrichts geht, das bleibt nachzuprüfen – in Bayern fiel ab dem Jahr der Einführung eine Wochenstunde Deutsch weg. Da in Bayern 3 Stunden Religion gegeben werden, könnte man gut, in anderen Bundesländern gibt es auch nur 2 Stunden Religion, dort eine Stunde wegnehmen und die Stunde dem Fach Mathematik (5 Stunden in der Woche finde ich zu wenig) oder Deutsch (hat im Augenblick 6 Stunden) geben.

  4. Ich denke, 4. ist der Hauptgrund – wenn nicht sogar der einzige.

    Man schaue auf andere Sprachen, die doch mit der gleichen „modernen“ Methodik unterrichtet werden. Es fehlen vor allem die Anwendungsmöglichkeiten bzw. sie sind einfach weitaus geringer als bei Englisch, das uns tagtäglich „um die Ohren fliegt“ und ja schon „Teil des Deutschen“ ist.

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