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Dumping-Abitur? Thüringer Lehrerverband distanziert sich von Josef Kraus

ERFURT. Der Thüringer Lehrerverband hat sich in einer Pressemitteilung gegen die Kritik des Präsidenten des Deutschen Lehrerverbands gewandt, in einigen Bundesländern – darunter Thüringen – seien die Maßstäbe fürs Abitur ins Rutschen geraten. Darin heißt es:

Josef Kraus beklagt „Notendumping“ mancher Bundesländer – und fordert von Bayern, deren Abitur nicht mehr anzuerkennen. GEW ist empört

„In die vom Deutschen Lehrerverband (DL) angeschobene aktuelle Diskussion um die Qualität des Thüringer Abiturs hat sich nun auch der tlv thüringer lehrerverband eingeschaltet. ‚Normalerweise bedarf es bei dieser offensichtlichen Neiddebatte keiner großen Worte‘, erklärte der tlv-Landesvorsitzende Rolf Busch. ‚Aber wir möchten in aller Deutlichkeit darauf hinweisen, dass es sich nicht um den thüringer lehrerverband handelt.‘ Weil auch sein Verband in der Presse immer wieder schlicht als „Lehrerverband“ bezeichnet wird, bestehe hier eine ernsthafte Verwechslungsgefahr. ‚Aber‘, so Busch mit einem Augenzwinkern, ‚wir wollen dieses Paradebeispiel für populistische Stimmungsmache keinesfalls unrechtmäßig für uns beanspruchen. Ehre, wem Ehre gebührt.‘

Der tlv thüringer lehrerverband ist der Landesverband des bundesweit aktiven Verband Bildung und Erziehung (VBE). ‚Außer dem VBE gibt es nur noch eine weitere national und international bedeutsame Interessenvertretung der Lehrer. Und das ist nicht der Deutsche Lehrerverband.‘ Der Begriff Lehrerverband sei jedoch nicht geschützt, weswegen es bereits in der Vergangenheit zu Verwechslungen kam. ‚Ich möchte es unseren Mitgliedern aber ersparen, dass sie nun schief angeschaut werden, weil jemand in Bayern nicht damit klar kommt, dass die Thüringer auch nach nur 12 Jahren hervorragende Abiturleistungen zeigen.‘ Eigentlich, so Busch, sollte es für jeden Lehrer im Freistaat selbstverständlich sein, sich hinter die Thüringer Schüler zu stellen. ‚Denn dass diese bei Leistungsvergleichen gut abschneiden, hat sich in der Vergangenheit bereits mehrfach gezeigt.‘ Auch finde er es mehr als fragwürdig, in Zeiten EU-weit gültiger Studienabschlüsse die Anerkennung des Abiturs zwischen einzelnen Bundesländern anzuzweifeln. Jedem, der Fragen zu den Position des DL habe, rate er, sich bei dessen Thüringer Mitgliedsverbänden zu erkundigen. ‚Aber wir gehören definitiv nicht dazu.'“

9 Kommentare

  1. Das ist eine sehr provinzielle und auch inhaltlich nicht überzeugende Reaktion des Landesverbandes einer Lehrerorganisation.
    Herr Busch geht auf die eigentlich skandalöse Tatsache, dass das Abitur in Deutschland zu unterschiedlichen Preisen zu haben ist, in keiner Weise ein.
    Der Skandal besteht doch darin, dass es für Schulabsolventen in Thüringen eine viel größere Chance gibt, ein Einserabitur hinzulegen als in allen anderen, gleichzeitig aber beim Hochschulzugang so getan wird, als ob die Herkunft des Abiturienten aus einem bestimmten Bundesland keine Rolle spielt.
    Sich jetzt hinzustellen und bei einem Bundesland, das in keiner einzigen IGLU-, TIMSS-, PISA- oder IQB-Kategorie den ersten Tabellenplatz im Landerranking einnimmt, darauf zu verweisen, dass die Thüringer Abiturientinnen und Abiturienten soviel besser als alle anderen sind, ist ein schwaches Bild.
    Auch wenn der TLV-Vorsitzende damit fast das Gleiche sagt, was seine Schulministerin KLauibert vor einigen Monaten als Begründung für die Thüringer Spitzennoten-Flut angeführt hat, macht das die Sache nicht glaubwürdiger.

    Eigentlich müsste jeder Bildungspolitiker laut aufschreien ob der Auswirkungen und der Ungerechtigkeiten, die die unterschiedliche Benotungsmentalität der Bundesländer für unsere Schulabsolventen hat.

    • … ist einfach so! Thüringen ist eben besser.
      (Und in den verschiedenen Rankings immer mit ganz vorn.)

      Alles mit G8 – wer hätte das ged“acht“.

      • Bernhard Färber

        Wenn ein (rot-rot-regiertes) Land als bildungspolitisch vorbildlich (Thüringen ist eben besser!) gilt, das seine Lehrkräfte nicht verbeamtet und mit niederdotierten Angestelltenverträgen abspeist, in dem es für Lehrerinnen und Lehrer kaum berufliche Aufstiegschancen gibt und das jenen überdies mit die höchsten Stundendeputate zuweist, dann ist das eine Ermunterung für alle Länderfinanzminister, bei ihren eigenen Bildungsetats genauso wie Thüringen auf Kosten der Lehrkräfte zu sparen.

    • Kein Wunder, dass sich der Thüringer Lehrerverband distanziert. Wahrscheinlich fühlt er sich indirekt mitkritisiert, weil er in der Vergangenheit nichts getan hat, um der Inflationierung der Zensuren entgegenzutreten.

  2. Das Gute ist, dass sich der „tlv thüringer lehrerverband“ durch die Kleinschreibung bereits eindeutig charakterisiert. Form und Inhalt stimmen hervorragend überein.

    • Bernhard Färber

      Wer sich verbandspolitisch auskennt, weiß, dass der jetzt vom tlv, einem Landesverband des VBE, kritisierte Deutsche Lehrerverband 1969 von dem späteren langjährigen VBE-Vorsitzenden Wilhelm Ebert mitgegründet worden ist. Ende der 70-er Jahre ist der VBE dann aus dem DL ausgetreten, weil er für seine Gesamtschulpläne und die Einheitsbezahlung aller Lehrkräfte dort keine Mehrheit fand. Insofern spielt bei aller Kritik von VBE-Gliederungen am DL immer ein bisschen Vergangenheitsbewältigung, um nicht zu sagen Rachsucht mit.

  3. In Thüringen bekommen über 3% aller Abiturienten eine 1,0 im Abschlusszeugnis. Das ist grob gesagt einer pro Schulklasse!
    Ganz offenbar wird in Thüringen das Top-Abitur zum Schleuderpreis angeboten. Da ist doch klar, dass der Thüringische Verband die Wahrheiten, die Kraus formuliert, nicht so prickelnd findet.

    • Wi ist der Aufreger – abgesehen von Herrn Kraus als Vorsitzendem der DL.
      Um die Allgemeine Hochschulreife (AHR) zu erlangenmuss man als Abiturient im Minimum jede Leistung mit mindestens 4 Punkten abschließen. Die maximal erreichbare Leistung sind 15 Punkte, die rein rechnerisch zur Durchschnittsnote 0,7 führen würde, wenn die maximalen 15 Punkte durch die Bank in allen Fächern erreicht worden ist.

      Gehen wir einmal, um es einfach zu machen, von einer GOSt mit 100 SuS aus. ebenso wie es 3% mit einem Notendurchschnitt von 1,0 und besser gibt, gibt es 3%, die gar nicht erst zum Abitur zugelassen werden. Bleiben also noch 94 Abiturienten für die Notenstufen von 4,0 bis 1,0 übrig. Selbst bei linearer Zuordnung sind das dann noch ca. 12 Abiturienten je Notenstufe bzw. 3 je Dezimale.
      Entspricht die Verteilung der Durchschnittsnoten einer Glockenkurve, wo von auszugehen ist, müsste es eine Häufung der Notendurchschnitte im Abitur bei 2,35 ergeben.
      Die Hälfte einer Abiturientia muss zwangsläufig oberhalb dieses Notendurchschnittes liegen, oberhalb von 1,7 müsste dem zu Folge dein Drittel der Abiturienten im Schnitt liegen. Genauso wie ein Drittel schlechter als 2,9 im Schnitt erreichen muss.

      Bei der geringen Bandbreite des Notenspektrums wäre es vollkommen contaproduktiv die Vergabe von Noten oberhalb der 12 Punkte stark einzuschränken. Wenn individuelle Leistungen erheblich über den erwartbaren Leistungen des Durchschnittes aller Prüflinge gem. Erwartungshorizont liegen, dann sind diese auch mit maximaler Punktzahl zu bewerten.

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