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Wissenschaftler widerspricht Mainstream – Bildung ist keine Garantie für Aufstieg

DÜSSELDORF. Um Armut zu bekämpfen, ist gute Bildung zwar ein Weg, aber nicht die alleinige Lösung, sagt der Armutsforscher Professor Christoph Butterwegge und widerspricht damit vielen Mainstream-Experten.

Der Kölner Wissenschaftler, den die Linke aktuell als Kandidat für das Bundespräsidialamt aufgestellt hat, führt in einem Beitrag für die Zeitschrift „nds“ der GEW-NRW aus, dass Bildungsbeteiligung kein Garant für eine materiell gesicherte Existenz ist. Damit widerspricht er der gängigen, allerdings stark pauschalisierenden Auffassung vieler Politiker und Forscher. Seine Thesen dazu, inwiefern Bildung zu sozialer Gleichheit beitragen kann und wo ihre Grenzen sind, im Überblick.

Butterwege findet, das der Staat sich besser um arme Kinder kümmern muss. (Foto: Wolfgang Schmidt)

Butterwege findet, das der Staat sich besser um arme Kinder kümmern muss. (Foto: Wolfgang Schmidt)

1.      Armut führt dazu, dass Kinder aus diesen Familien häufig keine weiterführende Schule besuchen oder sie ohne Abschluss verlassen. Das verhindert zweifellos die Integration in den Arbeitsmarkt.

2.      Bildung taugt als individuelles Aufstiegsrezept, aber nicht als gesellschaftliches. Denn wenn alle Kinder und Jugendlichen mehr Möglichkeiten bekommen, konkurrieren sie immer noch um das gleiche Gut, wenn auch auf einem höheren Niveau.

3.      Die Armen sind zwar häufig ungebildet, die Gebildeten aber nicht automatisch reich. Elf Prozent aller Beschäftigten im Niedriglohnsektor haben einen Hochschulabschluss. Bildung ist daher kein Garant für ein gutes Einkommen.

4.      Dummheit macht nicht arm. Ein schlechter oder fehlender Schulabschluss verringert zwar die Chancen auf einen Arbeitsplatz, wirkt sich aber kaum negativ auf den Wohlstand aus, wenn der Betroffene vermögend ist oder Kapital besitzt.

5.      Verursacher materieller Not sind meist nicht fehlende oder falsche Schulabschlüsse. Diese wirken nur als Verstärker.

6.      Politiker, die Privatschulen fördern, Lernmittelfreiheit beschneiden und Studiengebühren propagieren, erhöhen die Bildungsbarrieren für Kinder aus sozial benachteiligten Familien.

Fazit: Neben einer gerechten Bildungspolitik sind eine Vielzahl anderer Maßnahmen nötig, um Armut zu verringern. Etwa eine gerechtere Steuerpolitik und eine ausgleichendere Sozialpolitik. nin

Mehr Informationen von und über Butterwegge

23 Kommentare

  1. Butterwegge sollte das Problem mal mit russischen, bolivianischen oder kamerunischen Intellektuellen diskutieren.

    • Armut ist in Deutschland wegen des sehr ausgeprägten Sozialsystems verglichen mit Russland, Bolivien oder Kamerun ein Jammern auf sehr hohem Niveau.

  2. Mainstream? Klingt wieder nach sehr seriöser Berichterstattung.

  3. Kandidiert Herr Butterwegge oder Butterwege? nicht bei der Wahl zum Bundespräsidenten für die Linke?

    • @mehrnachdenken
      Ja – und was hat Ihre Bemerkung mit dem Artikel zu tun. Oder mit B.s Thesen/Überlegungen.

      Diese sind – wenn Sie sie denn gelesen hätten/haben/sollten – doch „nachdenkenswert“. (Auch aus einem eher – sehr – konservativen Weltbild zustimmungswürdig oder reflektiert einordbar.)

      • Das überlasse ich Ihrer Fantasie. Ich muss hier ja nicht alles ausplaudern, lach.

      • Jürgen Günther

        Ein Link auf den entsprechenden Artikel wäre sehr hilfreich gewesen. Damit können Missverständnisse, die durch die verkürzte Darstellung auftreten, vermieden werden.
        Deshalb hier der Link: http://www.nds-zeitschrift.de/nds-11-12-2016/bildungs-reichtum-umverteilen.html
        Auch mit diesem Artikel ist das Thema noch nicht erschöpfend behandelt. Ich selbst konnte beobachten, dass der enorme psyschiche Druck, der von Jobcentern im Rahmen der Repressionen des Hartz IV Systems auf arbeitslose Familien ausgeübt wurde, schwerwiegende Folgen bei Kindern und Jugendlichen aus diesen Familien hinterlassen hat. Folgen, mit denen sich dann die viel zu wenigen Sozialpädagogen an den Schulen und die Lehrerinnen und Lehrer auseinandersetzen dürfen.

      • @J. Günther
        „(Bildungs-)Reichtum umverteilen“ lautet die Überschrift in dem von Ihnen empfohlenen Artikel. Wie geht das eigentlich? Wie verteile ich um, was ein hellerer und fleißigerer Kopf mehr an Inhalt hat als ein ärmerer?

        „Bezugspunkt für fehlende Bildungschancen ist nicht allein Armut, sondern die stetig wachsende Kluft zwischen Arm und Reich“, ist ein ebenfalls ein Spruch, der durch ständige Wiederholung nicht wahrer wird.
        Für mich ist das, was man bei uns „Armut“ nennt, nicht Ursache für, sondern Folge von mangelnder Bildung. Und mangelnde Bildung hat wiederum viel mit Genen oder auch mangelnder Anstrengungsbereitschaft zu tun.
        Das weitgehende Märchen von der finanziellen Armut der Eltern, die für mangelnde Bildung verantwortlich istl, kommt mir allmählich zum Hals heraus. Mich wundert, dass es überhaupt noch von manchen Menschen geschluckt wird.
        Immer mehr Bildungssozialismus mit abenteuerlichen Begründungen ist das letzte, was wir brauchen. Er beherrscht bereits jetzt die Bildungspolitik in einem Ausmaß, das so manchen nur noch den Kopf schütteln lässt.

        • @PseudoPolitiker:
          statt weiterhin mit ungeklärten Phrasen zu polemisieren, sollten Sie bitte vor allem folgende Punkte vorher klären:
          – unter den in Deutschland gegebenen Möglichkeiten den Begriff der ARMUT
          – die Reichweite von individualisierten, psychologisch und biologisch verkürzten
          Gen-Begabungstheorien in Ihrer Argumentation
          – was BILDUNGSSOZIALISMUS i.e.S. meint und i.w.S. unter zunehmender
          Pluralisierung und Diversität unserer Gesellschaft meinen kann
          – durch wen und mit welcher Macht die Bildungspolitik in Deutschland (z.Zt.)
          führend mitbestimmt wird

          Sollten Sie über eine wissenschaftiche Bildung bzw. Ausbildung verfügen, werden Sie die dringende Notwendigkeit dieser Nachfragen verstehen und sie zu beantworten versuchen. Dafür danke ich

          • Werter Herr „arnulf hopf“, als Polemik empfinden Meinungsgegner immer das, was der andere sagt. Diese Herabsetzung können wir uns also sparen.
            Ebenso können wir uns den Versuch der Meinungsführerschaft sparen durch den fadenscheinigen Anspruch auf persönliche Wissenschaftskenntnis und darum höhere Glaubwürdigkeit.

            Wenn es denn bei Ihnen als „wissenschaftliche Bildung“ gilt, kann ich sagen, dass ich Akademker bin. Ich selbst halte diese Tatsache allerdings für unerheblich und eher als Standesdünkel denn als Beweis meiner besseren Urteilskraft.

          • … was Ihr Post oben belegt, Pseudopolitiker. Unterschiede im Leistungsvermögen der Schüler in Deutschland können eben nicht nur durch Motivation/Leistungsbereitschaft und Gene zurückgeführt werden – sonst wäre es weder erklärbar, dass Schüler mit gleichem Leistungsvermögen auf unterschiedliche Schulformen (und zwar fast immer: die sozial schwächeren unten, die sozial starken oben) verteilt sind, noch dass in anderen Staaten die Leistungsspreizung weit weniger nach sozialen Kritieren ausgeprägt ist als in Deutschland.

            Das ist seit PISA 2000 wissenschaftlicher Konsens in Deutschland, und wer den nicht wahrnehmen will, bei dem ist es in der Tat egal, ob er mal auf einer Hochschule war oder nicht – mit Wissenschaft hat er jedenfalls nichts am Hut.

          • Nun ja, für soziale Stärke und Schwäche sind eben ganz wesentlich die Dinge verantwortlich, die ich bereits um 12:10 nannte. Jedenfalls ist das meine Überzeugung, die Sie mir schwerlich ausreden können, auch nicht mit einem angeblichen „wissenschaftlichen Konsens“.
            Ansonsten ist noch zu sagen, dass Pisa ein Kind der OECD ist, also einer weltweiten Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und nicht für soziale Zusammenarbeit.
            Also können Sie sich mit etwas gutem Willen und weniger Wissenschaftsgläubigkeit an das, was Andreas Schleicher sagt, ausrechnen, welche Interessen bei diesem Verein im Vordergrund stehen.

          • Statt mit qualitativen Argumenten kommen Sie mit einer dahin geraunten Verschwörungstheorie. Die OECD ist kein ökonomischer Geheimclub, sondern eine Staatengemeinschaft, der auch Deutschland angehört und die die wirtschaftliche Entwicklung mit wissenschaftlichen Erkenntnissen voranbringen soll – und Bildung ist dabei unzweifelhaft ein Faktor.

            Der starke Zusammenhang von sozialer Herkunft und Schulleistung ist Deutschland ist auch nicht allein durch PISA dokumentiert, sondern durch alle großskaligen empirischen Bildungsstudien, ob TIMSS oder IGLU.

            Zwischen „Wissenschaftsgläubigkeit“ und der von Ihnen demonstrierten Ignoranz gibt’s schon auch noch einen seriösen Umgang mit wissenschaftlichen Erkenntnissen. Der setzt allerdings voraus, dass man sich mit den Dingen auseinandersetzt – und nicht nur ideologisches Zeug dahinplappert.

          • Wer hat bei der OECD von einem „ökonomischen Geheimclub“ geredet? Betreiben Sie mal wieder Kaffesatzleserei bei Ihren Meinungsgegnern?
            Und wenn Sie denen eine „Verschwörungstheorie“ oder „Ideologie“ unterstellen, drängt sich der Endruck auf: Und täglich grüßt das Murmeltier.
            Bei dem Verweis auf „wissenschaftliche Erkenntnissen“ und der Mahnung zu einem seriösen Umgang damit verhält es sich genauso.

            Bernd, auf Dauer zieht die Masche nicht und mir geht jetzt einfach die Lust aus, mich mit dem täglich grüßenden Murmeltier zu beschäftigen.

          • Sie haben doch selber gerade in den Raum gestellt, dass die OECD mit PISA etwas anderes bezwecke als Bildungsfoschung zu betreiben. (Natürlich ohne zu erklären, was genau Sie damit meinen.)

            Was ist denn das anderes als eine Verschwörungstheorie?

            Und Menschen wie Sie, die wissenschaftliche Arbeiten ignorieren, aber aber Ihrer abweichenden Meinung beharren, kann man doch wirklich nur Ideologen nennen. Oder dumm …

          • Vielleicht lesen Sie die Kommentare Ihres gemeinsamen Meinungsgegners noch einmal, um doch noch so zu verstehen und nicht auf angewöhnte Eigenarten im Interpretieren hereinzufallen.

          • Vielleicht schreibt „Pseudopolitiker“ einfach mal klipp und klar, was er meint, statt irgendetwas verdruckst anzudeuten – dann muss man nicht interpretieren. Also, was will denn die OECD Ihrer Meinung nach, Pseudopolitiker? Und was hat das mit der sozialen Ungleichheit im Bildungswesen zu tun?

            Und nochmal zur Klärung: Wer in Deutschland sozial schwach ist – kurz: arm -, ist Ihrer Meinung nach dumm oder faul oder beides und die Kinder (wegen der Gene) gleich mit. Richtig verstanden?

          • Nein, auch bei mir falsch verstanden.
            Ich habe übrigens keine Probleme damit, Pseudo Politiker zu verstehen, und finde auch nicht, dass er nur verdruckst andeutet oder das sagt, was Sie und Bernd in seine Worte hineinlegen.

  4. In Wirklichkeit sind alle seine Thesen nur Banalitäten, die einem auch der gesunde Menschenverstand sagt.

  5. These 3 spielt mit unterschiedlichen Begriffen von Armut; überhaupt sind Prof. Butterwegges Sätze davon geprägt, dass der Begriff „Armut“ schwammig und undefiniert bleibt. Das ist essentiell für linke Politiker, denn nur so kann die emotionale Betroffenheit genutzt werden, während zugleich die Definition „Als arm gilt, wer weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens hat“ (siehe https://www.tagesschau.de/inland/armutsbericht-109.html) als Basis statistischer Aussagen verwendet wird. (Nach dieser Definition ist z.B. die Armut in Frankreich gesunken, als der reiche Gérard Depardieu Frankreich verließ.)
    differenzierte Betrachtung von Armut: https://de.wikipedia.org/wiki/Armut

  6. Wenn 11 % mit Hochschulabschlüssen im Niedrigsektor beschäftigt sind, sollte dazu benannt werden, wieviel Bechäftigte OHNE Hochshculabschluss es in den hohen Einkommensklassen gibt. Kennt jemand diesen Anteil ?

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