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Statt Fachzeitschriften zu wälzen – Uni München bietet neue Serviceplattform für Pädagogen an

MÜNCHEN. Die Technische Universität München (TUM) hat eine Onlineplattform gestartet, das den aktuellen Stand der Bildungsforschung verständlich und übersichtlich zusammenfasst. Das „Clearing House Unterricht“ soll dabei helfen, die Lehrerausbildung und den Schulunterricht nach wissenschaftlichen Erkenntnissen zu gestalten. Beantwortet werden konkrete Fragen aus dem Schulalltag.

Sind Jugendliche motivierter, wenn sie in der Schule Computerspiele nutzen können? Lernen Schülerinnen und Schüler in Kleingruppen besser als alleine? Bekommen Mädchen tatsächlich bessere Noten als Jungen? Vor solchen und Dutzenden weiteren Fragen stehen Lehrerinnen und Lehrer, wenn sie ihren Unterricht gestalten. Wollen sie sich nicht nur auf ihr Bauchgefühl oder individuelle Erfahrungen verlassen, sind sie auf wissenschaftliche Erkenntnisse angewiesen. Doch die Forschungslage ist nur schwer zu durchschauen: Wo finde ich Studien zu meinem Problem? Sind diese oder jene Ergebnisse noch aktuell? Was bedeuten die Fachbegriffe?

Service nach dem Vorbild der Medizin

Solche Fragen beantwortet ab sofort die Onlineplattform „Clearing House Unterricht“ der TUM School of Education, der Fakultät für Bildungsforschung und Lehrerbildung der TU München. Ein Team aus fünf Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sichtet die aktuellsten Metastudien, also übergreifende Untersuchungen, die alle relevanten Einzelstudien zu einer bestimmten Frage auswerten. Diesen Stand der Forschung erklärt das Team dann auf der Webseite verständlich in einem kurzen Text und zieht ein Fazit für die Unterrichtspraxis.

„In der Medizin gibt es solche ,Clearing Houses’ schon längst. Denn im stressigen Berufsalltag schafft es kaum jemand, nebenbei einen Stapel Fachzeitschriften durchzulesen“, sagt Prof. Tina Seidel, Projektleiterin des „Clearing House Unterricht“. „Wenn aber wissenschaftliche Erkenntnisse nicht in der Schulpraxis ankommen, vergeben wir die Chance, den Unterricht für unsere Kinder weiter zu verbessern.“

Die Forschungslage zum Nutzen von Hausaufgaben präsentiert sich alles andere als eindeutig. Foto: chrismetcalfTV / flickr (CC BY 2.0)

Die Forschungslage zu unterrichtsrelevanten Themen ist häufig alles andere als eindeutig. Foto: chrismetcalfTV / flickr (CC BY 2.0)

Kostenfreies Material für die Ausbildung

12 „Kurzreviews“ stehen im „Clearing House Unterricht“ bereits online, zahlreiche weitere sollen folgen. Dabei richtet sich TUM School of Education nach den Fragen, die in den Schulen am meisten diskutiert werden und gleichzeitig am besten untersucht sind. Dem Profil der Fakultät entsprechend, konzentriert sich das Portal auf die Sekundarstufe und auf den MINT-Unterricht, das heißt, auf die Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.

Ergänzt werden soll die Webseite künftig mit kostenfreien Materialien, die die praktische Umsetzung von Forschungsergebnissen veranschaulichen und in der Lehrerbildung eingesetzt werden können. Dort sieht Tina Seidel auch die Hauptzielgruppe des Portals: „Natürlich freuen wir uns, wenn sich viele Lehrerinnen und Lehrer Anregungen holen. Im ersten Schritt aber ist uns am wichtigsten, dass diejenigen, die Lehramtsstudierende und Referendare unterrichten oder Lehrkräfte weiterbilden, auf einem festen evidenzbasierten Fundament stehen.“

Streng empirische Forschung an der TUM School of Education

Das „Clearing House Unterricht“ ist Teil des Konzepts „Teach@TUM“ mit dem die TUM School of Education 2015 bei der Qualitätsoffensive Lehrerbildung von Bund und Ländern erfolgreich war. Die 2009 gegründete Fakultät sieht es als ihre Aufgabe, empirisch gewonnene Erkenntnisse für Schulen und Hochschulen zu generieren. Mit der Organisation des Lehramtsstudiums an der TUM hat sie neue Maßstäbe gesetzt, weil sie als erste deutsche Fakultät die fächerübergreifende Verantwortung für alle Lehramtsstudierenden übernehmen konnte. So können die fachwissenschaftlichen und die didaktisch-pädagogischen Teile des Studiums systematischer aufeinander abgestimmt werden.

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