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Bertelsmann-Studie: Insgesamt mehr Personal in Kitas, aber große Unterschiede je nach Region

GÜTERSLOH. Gute Nachrichten für Eltern: Kommt der Nachwuchs in die Kita, teilt er sich den Erzieher oder die Erzieherin rein rechnerisch mit weniger Kindern als vor einigen Jahren. Allerdings gibt es große Unterschiede zwischen den Bundesländern und sogar innerhalb der Länder.

Wie die heute veröffentlichte Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt, verbessert sich die Betreuungssituation in Kitas und Kindergärten. Im März 2016 kümmerte sich ein Erzieher im Schnitt um 4,3 Krippenkinder, also um Nachwuchs unter drei Jahren. Zum Vergleich: Vier Jahre zuvor beaufsichtigte ein Mitarbeiter in der Krippe fast fünf Kinder (4,8). Eine Verbesserung gibt es auch in den Kindergärten: Dort musste ein Mitarbeiter 2016 rein rechnerisch 9,2 Kinder im Blick haben – 2012 waren es fast zehn (9,8).

Wechseln ihre Kinder von der Kita zur Grundschule, bekommen viele Eltern ein Betreuungsproblem. Foto: Regenwolke0 / pixabay (CC 0)

Die Betreuungssituation in den Kitas hat sich verbessert – aber es gibt große regionale Unterschiede, wie die Bertelsmannstudie zeigt. Foto: Regenwolke0 / pixabay (CC 0)

Es gibt dabei allerdings deutliche Unterschiede je nach Bundesland: Am besten ist die Betreuungsrelation in Baden-Württemberg. Dort kommen in der Krippe im Schnitt drei Kinder (3,0) auf einen Betreuer. Beim Schlusslicht Sachsen sind es mehr als doppelt so viele (6,5). Bei den Kindergärten schneidet erneut Baden-Württemberg gut ab, mit 7,2 Kinder auf einen Betreuer. Schlusslicht ist hier Mecklenburg-Vorpommern mit fast doppelt so vielen Kindern (13,7).

Unterschiede auch innerhalb der Bundesländer

Liegt ein Bundesland gut oder schlecht beim Betreuungsverhältnis, können Eltern vor Ort trotzdem eine ganz andere Situation vorfinden. Denn auch innerhalb der Bundesländer gibt es zum Teil noch einmal deutliche Unterschiede. Ein Beispiel: In Hessen kommen im Kindergarten in einem Kreis auf eine Fachkraft 7,6 Kinder – im Nachbarkreis können es schon 11,9 sein. Insgesamt ist das Betreuungsverhältnis in Westen in der Regel besser als im Osten.

Trotz der Fortschritte erreicht den laut Bertelsmann-Stiftung für Kinder idealen Betreuungsschlüssel bislang nur Baden-Württemberg. Nach Auffassung der Experten sollte er in der Krippe bei 1:3 und im Kindergarten bei 1:7,5 liegen.

Die Stiftung fordert, für einen weiteren Kita-Ausbau rund 4,9 Milliarden Euro jährlich bereitzustellen. Zudem würden 107 200 zusätzliche Fachkräfte benötigt. „Die Bildungschancen von Kindern hängen heute erheblich von ihrem Wohnort ab“, sagte Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung. Von einer raschen Befreiung der Beitragspflicht für Eltern zur Kita rät er ab: „Erst wenn die Qualität stimmt […], können wir die Beitragsfreiheit angehen.“

Bei den Kindern unter drei Jahren ist im Osten rund jedes zweite (52 Prozent) in einer Krippe, im Westen ist es etwas mehr als jedes vierte Kind (28 Prozent). Unmittelbar vor der Schule werden fast alle Kinder außerhalb der Familie betreut (96 Prozent).

Reaktionen auf die Studie

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt, erklärte: „Es kann nicht sein, dass es in Deutschland vom Wohnort abhängt, wie gut Kinder in einer Kita betreut werden.“ Nötig sei ein gesetzlicher Mindeststandard für ausreichendes und gut qualifiziertes Personal. Eine Erzieherin oder ein Erzieher sollte künftig höchstens drei Kinder unter drei Jahren betreuen. In höherem Alter sollten es höchstens zehn Kinder sein.

Familienministerin Katarina Barley (SPD) will bundesweit mehr Qualität in der Kindertagesbetreuung erreichen. Ein Schlüssel dazu sind ihrer Ansicht nach mehr und besser ausgebildete Fachkräfte. „Gute Bildung in der frühen Kindheit bringt jedem einzelnen Kind bessere Chancen, Entwicklungs- und Entfaltungsmöglichkeiten ein Leben lang“, betonte sie.

Kritik aus Bayern

Bayerns Familienministerin Emilia Müller (CSU) hat der Bertelsmann-Stiftung nach Veröffentlichung der Studie eine unseriöse Arbeitsweise bei ihrem Ländermonitoring zur frühkindlichen Bildung vorgeworfen. „Das reine Aufzählen von Personalschlüsseln und die stets negative Bewertung dieser Zahlen wird der komplexen, verantwortungsvollen Aufgabe der Kinderbetreuung und dem Engagement der Betreuerinnen und Betreuer nicht gerecht“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in München.

Müller reagierte damit auf das schlechte Abschneiden des Freistaats im aktuellen Ländermonitoring der Stiftung. Demnach gibt es in Bayern die größten regionalen Qualitätsunterschiede in der Kinderbetreuung. Die Autoren der Studie leiten dies an den unterdurchschnittlichen Personalschlüsseln und an der Ausbildung der Fachkräfte ab.
„Die Studie der Bertelsmann Stiftung ist sicher gut für eine Schlagzeile – für eine fachliche Beurteilung der frühkindlichen Bildung taugt sie aber nicht“, sagte Müller. Den Autoren warf sie vor, mit ihrer Studie nur schlechte Stimmung verbreiten zu wollen.

Grundlage des jährlich aktualisierten Ländermonitorings Frühkindliche Bildungssysteme sind Auswertungen von Daten der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder aus der Kinder- und Jugendhilfestatistik und weiteren amtlichen Statistiken. Stichtag für die Datenerhebung war der 1. März 2016. Die Berechnungen haben der Forschungsverbund Deutsches Jugendinstitut/Technische Universität Dortmund und die Bertelsmann-Stiftung durchgeführt. dpa

Hier geht es zum Länderreport Frühkindliche Bildungssysteme 2017 der Bertelsmann-Stiftung

Probleme für junge Eltern: Bundesweit fehlen fast 300.000 Krippenplätze

 

 

 

4 Kommentare

  1. Kristina Schröeder, ehemalige Famlienministerin, aktuell im Focus:

    „Ich finde dieses ganze Gerede von frühkindlicher Bildung und Förderung unglaublich anmaßend. Denn es unterstellt, dass Eltern nicht in der Lage sind, ihre Ein- und Zweijährigen (!) adäquat zu fördern und zu bilden. Natürlich weiß ich, dass dies in rund zehn Prozent der Familien wirklich nicht der Fall ist. Aber in den restlichen 90 Prozent eben doch. Dort wird sich unglaublich liebevoll um die Kinder gekümmert. Egal, ob sie eine Krippe besuchen oder nicht. Und daher war es auch so eine bodenlose Arroganz, als in der Debatte ums Betreuungsgeld von „Herdprämie“ und „Verdummungsprämie“ die Rede war.
    Als ob in Familien, die sich in den ersten drei Jahren für eine Betreuung zu Hause entscheiden, Mutti nur frustriert am Herd steht und ihr Kind dabei vor dem Fernseher verblödet (wenn Vati das macht, überschlagen sich übrigens alle in Bewunderung für den „modernen Mann“). Und auch der übliche Sound in der Familienpolitik, der von „überholten Rollenmodellen“ und „Müttern, die in der Teilzeitfalle verharren, weil sie traditionelle Rollenklischees nicht aufbrechen können“ spricht, ist vom gleichen überheblichen Geist gegenüber den freien Entscheidungen von Familien geprägt.“

    http://www.focus.de/politik/experten/der-standpunkt-von-kristina-schroeder-ich-finde-dieses-ganze-gerede-von-fruehkindlicher-bildung-und-foerderung-anmassend_id_7562244.html

    • und ein erfüllter Betreuungsschlüssel sagt ja noch nichts darüber aus, von welchen Leuten und in welcher Qualität die „frühkindliche Bildung“ dann ausgeübt wird.

      • Ich hörte, der „Markt“ für Erzieher und Erzieherinnen sei praktisch leergefegt – will heißen, das Kinderhaus nimmt, wen es kriegen kann.

    • Diese politisch inkorrekte Aussage Kristina Schröders finde ich auch noch bemerkenswert:

      „Denn im medialen und politischen Diskurs wird so getan, als ob eine Betreuung der Ein- und Zweijährigen in der Kita generell besser sei als die Betreuung zu Hause. „Kinder in der Kita: Je früher, desto schlauer“ weiß das Hamburger Abendblatt, „Warum ihr eure Kinder in die Kita schicken solltet, statt sie zuhause zu betreuen“, so die Huffington Post, „Kinderkrippen machen schlau und reich“, freut sich das Handelsblatt.

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