Förderschullehrer sind Mangelware – viel Nachwuchs ist nicht in Sicht

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Die VBE meldet einen eklatanten Mangel an Förderschullehrern und fordert Änderungen in der Ausbildung. Angesichts dieses großen Bedarfs an Förderschullehrern streiten Gewerkschaften und rheinland-pfälzische Landesregierung um den richtigen Kurs in der Schulpolitik. In einem Punkt sind sich Regierung und Gewerkschaft einig: Es gibt nicht genug Förderschullehrer auf dem Markt. Doch wie mit dem Mangel umgehen? Darüber gehen die Meinungen deutlich auseinander.

Eine Lese-Rechtschreibschwäche schon vor dem Beginn des Lesenlernens zu erkennen kann wichtige Vorteile bei der Förderung bringen. Foto. info-graz / flickr (CC BY 2.0)
Wer möchte heutzutage noch Förderschullehrer werden?      Foto. info-graz / flickr (CC BY 2.0)

An den Förderschulen in Rheinland-Pfalz fehlen 200 voll ausgebildete Förderschullehrkräfte, betonte heute der VBE-Landesverband mit Blick auf die Situation dort. Weitere 100 seien landesweit an Grund- und weiterführenden Schulen der Sekundarstufe mit inklusivem Unterricht nötig.

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VBE-Landeschef Gerhard Bold betonte heute, die von der Landesregierung genannte Unterrichtsversorgung von 95,1 Prozent an Förderschulen sei angesichts dieser Zahlen «völlige Utopie». Planstellen an Förderschulen könnten nicht besetzt werden, es fehle an Nachwuchs. Und der sei auch künftig nur begrenzt in Sicht: Nur ein Teil der verfügbaren Plätze für die Ausbildung seine am Studienseminar besetzt worden.

Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) nannte die VBE-Zahlen statistisch weder nachvollziehbar noch belegt und verweist auf zahlreiche Initiativen der Landesregierung. Das Bildungsministerium hatte kürzlich verkündet, von Februar an seien keine Lehrerstelle im Land mehr unbesetzt. Die letzten 14 offenen Stellen – alle an Förderschulen – seien dann vergeben. Dem hatte schon die GEW widersprochen und ebenfalls auf Probleme verwiesen.

Die bildungspolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, Anke Beilstein, sprach gar von «organisiertem Bildungsabbau» der Regierung. Die Probleme an den Förderschulen gälten auch für andere Schulen. Es würden zu wenig Planstellen für Lehrer bereitgestellt.

Dem widersprach Hubig deutlich. Rheinland-Pfalz habe mit 98,6 Prozent im aktuellen Schuljahr eine der besten Unterrichtsversorgungen der vergangenen Jahre erreicht. Freie Lehrerstellen seien bereits zum Schuljahresbeginn besetzt worden, mit Ausnahme der an Förderschulen. Mittlerweile seien auch für diese freien Stellen Vorabzusagen erteilt worden – und zwar für angehende Lehrer vor Ende ihres Referendariats. Dass die Versorgung an Förderschulen bislang niedriger als an anderen Schulen ist, liegt Hubig zufolge daran, dass es wie überall in Deutschland nicht ausreichend Förderschullehrkräfte gebe.

Unzufrieden ist der VBE auch mit der sogenannten Inklusionsquote in Rheinland-Pfalz – dem Anteil an Schülern mit Förderbedarf, die an allgemeinen Schulen unterrichtet werden. Der Gewerkschaft VBE zufolge liegt diese Quote im laufenden Schuljahr bei 33 Prozent, das sei deutlich weniger als der Bundesschnitt von 41 Prozent.

Hubig sagte mit Blick auf die Quote: «In Rheinland-Pfalz gilt das Elternwahlrecht.» Eltern von Kindern mit Förderbedarf könnten frei entscheiden, ob ihre Kinder an einer Schwerpunkt- oder einer Förderschule unterrichtet werden sollen. «Das Ausbautempo der Inklusion wird also durch die Eltern und ihre Kinder bestimmt und das ist auch richtig und gut so.» Eine von oben verordnete Inklusion helfe letztlich keinem.

Laut VBE braucht es mehr Studenten, auch um Pensionierungen von Lehrern auszugleichen. Es müsse an Schulen und Unis für das Förderschullehramt geworben werden, Ausbildungskapazitäten müssten erhöht werden. Zudem sollten förderpädagogische Inhalte zum Pflichtbestandteil in allen Lehramtsstudiengängen werden. dpa

Wenn Förderschüler eine ganze Schule tyrannisieren… Krasser Fall wirft die Frage auf: Wo sind die Grenzen der Inklusion?

 

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3 KOMMENTARE

  1. Gehaltserhöhung !!! Um den Beruf wieder attraktiver zu machen.

    Soll ja in anderen Fällen auch die beste Lösung sein. 😉

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