Bienensterben: Schüler wissen nur wenig über Hummeln

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MAINZ. Hummeln fliegen auch dann noch aus, wenn es für andere Bienen zu kalt oder zu windig ist. Gerade im Frühling zählen sie zu den ersten Insekten, die sich auf die Suche nach Nektar und Pollen begeben und nebenbei für die Kirsch- oder Apfelernte des Jahres sorgen. Doch Schüler wissen offenbar nur wenig über die wichtigen Blütenbestäuber.

In einer Umfrage von Biologiedidaktikern der Johannes Gutenberg-Universität Mainz unter fast 900 Gymnasiasten konnten die Schüler durchschnittlich weniger als die Hälfte aller Fragen zu Hummeln korrekt beantworten. Neben Aussehen und Körperbau widmete sich der Fragebogen auch ihrer Lebensweise sowie der Rolle von Hummeln in der Natur.

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Fleißiges Bienchen: Die Hummel. Foto: lppicture / pixabay (CC0)
Fleißiges Bienchen: Die Hummel. Foto: lppicture / pixabay (CC0)

„Wir waren schon etwas überrascht, dass weniger als ein Drittel der Fragen zum Körperbau der Hummeln und ihrem Kolonieleben korrekt beantwortet wurden, und das obwohl die Befragten Hummeln gut von anderen Insekten unterscheiden konnten“, erläutert Anne-Kathrin Sieg, von der AG Didaktik der Biologie, die die Befragung durchgeführt hat. Sie nennt als Beispiel, dass weniger als drei Prozent der Schüler die Position der Beinpaare korrekt in einen Hummelkörper einzeichnen konnten. „Immerhin wussten aber etwas mehr als zwei Drittel der Befragten, dass Hummeln als Insekten drei Beinpaare haben!“, so Sieg weiter. Ähnlich verhielt es sich mit einem hartnäckigen Gerücht, dass Hummeln im Unterschied zu Honigbienen nicht stechen können. Dies glaubten nahezu drei Viertel der Schüler zu wissen. Nur ein knappes Viertel wählte die richtige Antwort aus, dass Hummeln sehr wohl in der Lage sind zu stechen.

Bei Fragen zur Ökologie und solchen, die die Lebensmittelproduktion betreffen, lagen die Schüler etwas besser. Mit durchschnittlich 55 Prozent wurden diese Fragen korrekt beantwortet. „Das Schicksal von Wildbienen und allen voran unseren einheimischen Hummelarten kann uns als Biologen nicht gleichgültig sein“, erläutert AG-Leiter Daniel Dreesmann. Etwa drei Viertel der Nutzpflanzen seien von der Bestäubung abhängig. Der weltweite Wert der Bestäubung für die kommerzielle Nahrungsmittelproduktion wird auf etwa 350 Milliarden US-Dollar pro Jahr geschätzt.

Forschungsprojekt: Tausende Schüler kämpfen gegen das Bienensterben

Den Rückgang von Insekten und damit auch von Bestäubern bezeichnen die Biologiedidaktiker als derzeit alarmierend. Neben dem Verschwinden der Artenvielfalt habe der Rückgang dramatische ökologische Folgen. Für Dreesmann ist für ein Verständnis des Insekten- und vor allem des Bienensterbens das Wissen über den Nutzen von Bestäubern wie Hummeln unverzichtbar. Dieses sollte nach seiner Ansicht bereits in der Schule vermittelt werden.

In einem auf drei Jahre angelegten Projekt mit dem Titel „Hallo Hummel“ möchte Anne-Kathrin Sieg nun die Ergebnisse der Studie in die Entwicklung von neuen Konzepten und Materialien für den Biologieunterricht einfließen lassen. „Nur was man kennt, das kann auch als schützenswert wahrgenommen werden“, fasst sie die Projektidee zusammen. Bei Hallo Hummel sollen Schüler grundlegende Kenntnisse von Bestäubern wie Hummeln erwerben und dabei auch erfahren, wie sich ihr eigenes Verhalten auf die Umwelt auswirken kann. (zab, pm)

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