Männliche Erzieher? Mangelware! Für die Kinder wären sie jedoch eine Bereicherung

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ERFURT. In Deutschlands Kitas sollen mehr Männer arbeiten. Trotz einiger Initiativen bleibt deren Anteil beim pädagogischen Personal jedoch gering. Aus Sicht einer Soziologin profitieren Kinder von mehr Männern unter den Erziehern.

Kinder braughen auch männliche Bezugspersonen.                                                               Foto: zhrefch / flickr / CC BY 2.0

Beispiel Thüringen: hier hat sich der Anteil männlicher Erzieher in den vergangenen sechs Jahren zwar fast verdoppelt – bleibt aber trotzdem auf einem niedrigen Niveau. Das geht aus Zahlen des Statistischen Landesamts hervor. Demnach stieg die Zahl des männlichen pädagogischen Personals in den Kindertagesstätten auf 630 im Jahr 2017. Sechs Jahre zuvor Waren es nur 297.

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Doch der Männeranteil an den 13.951 Erziehern in Thüringen ist weiterhin gering: Mit 4,52 Prozent lag er im vergangenen Jahr unter dem Bundesdurchschnitt von 5,75 Prozent und noch weit unter den von der EU empfohlenen 20 Prozent Männeranteil in Kitas.

In den Statistiken werden nicht nur Männer aufgeführt, die eine Erzieher-Ausbildung haben, sondern auch anderes pädagogisches Personal wie Kinderpfleger oder Sozialpädagogen. Im bundesweiten Vergleich liegt Thüringen beim Männeranteil auf dem drittletzten Platz. Nur in Bayern (4,11 Prozent) und im Saarland (4,47 Prozent) gibt es anteilig noch weniger männliche Pädagogen in den Kitas.

«Wir wollen langfristig den Anteil von männlichen Erziehern weiter erhöhen», sagte Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke). Er wolle Schulabsolventen ermuntern, sich für eine Erzieherausbildung zu entscheiden. «Kinder – Jungen und Mädchen gleichermaßen – sollen in der frühkindlichen Bildung weibliche und männliche Rollenvorbilder und Bezugspersonen haben», sagte Holter.

Geschlechtsspezifische Erziehung

Nach Einschätzung der Jenaer Soziologin Sylka Scholz könne ein höherer Anteil männlicher Erzieher helfen, Stereotype über Geschlechter abzubauen. «Kinder sehen, dass dieser Beruf von beiden Geschlechtern ausgeübt wird und dass Männer Gefühle zeigen können», sagte Scholz. Immer noch gelte die Arbeit in den Kitas als weibliches Berufsfeld. «Dabei machen Männer oft gute Erfahrungen in dem Beruf.»

Für ein studentisches Forschungsprojekt führte ein Team um Scholz Interviews mit Männern, die in Kitas arbeiten. Diese erlebten, dass ihnen oft schnell bestimmte Rollen zugewiesen wurden. Man habe von den männlichen Kollegen erwartet, dass sie zum Beispiel für das Raufen oder Fußballspielen zuständig sein müssten. «Dabei wollen diese Männer Kinder gar nicht geschlechtsspezifisch erziehen», erklärt Scholz.

In den vergangenen Jahren hatte es mehrere Initiativen vom Bund, der EU und dem Land Thüringen gegeben, um den Anteil männlicher Erzieher zu erhöhen – die meisten davon sind aber bereits ausgelaufen. Geschlechterfragen spielen aber laut Bildungsministerium unter anderem im Startprojekt Thüringer Nachhaltigkeitsstrategie «Entwicklung innovativer Lernumgebungen» und im Thüringer Bildungsplan eine Rolle. dpa

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1 KOMMENTAR

  1. Solche Artikel sind immer wieder lustig, weil sie zwar aussagen, dass man sich männliche Erzieher wünsche, aber die Gründe gegen die Wahl für diesen Beruf nicht beleuchten.
    Natürlich mag man wieder die Frage des Geldes aufwerfen, aber es sind auch andere zu Berücksichtigen.
    Mir fällt dabei immer die Diskriminierung ein, die einem männlichen Erzieher begegnet.
    Nimmt man zum Beispiel den Artikel
    http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/familie/australische-fluglinien-der-mann-als-gefahrgut-11857996.html
    , so sollte man begreifen, dass alle nach Gleichberechtigung rufen, aber viele Eltern trauen Männern nicht, wenn es um ihre eigenen Kinder geht. Ich erinnere mich an diverse Artikel zum Thema, dass spätestens beim Toilettenbesuch eine Erzieherin verlangt wird.
    Leider liegt mir momentan nur dieser Erfahrungsbericht vor:
    https://www.huffingtonpost.de/holger-haas/manner-erzieher-belastigung_b_17865024.html

    Zum diesem Thema zitiere ich Anne Jentner (damals Mitglied des Geschäftsführenden Vorstands der GEW):
    “Eine ernsthaft geführte Debatte über den Beitrag von Schule bei der Zuweisung oder gar Verfesti-
    gung von Rollenstereotypen ist überfällig. Besonders der Ruf nach mehr männlichen Vorbildern in
    Schule lässt die Frage aufkommen, ob nicht gerade die gesellschaftlich anerkannte Norm von Männ-
    lichkeit für den schulischen Misserfolg bestimmter Jungen mitverantwortlich ist.”
    https://www.schulentwicklung.nrw.de/q/upload/Gender/GEW_Bildung_von_Geschlecht_Jungenbenachteil.pdf

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