Eltern fordern mehr Psychologen für die Schulen, um gegen Mobbing vorzugehen

1

BERLIN. Gewalt unter Schülern ist ein wachsendes Problem – weltweit. Darauf hat das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, Unicef, hingewiesen. Neben körperlichen Angriffen rückt ein Phänomen zunehmend in den Fokus: Mobbing. Die sozialen Medien verschärfen die Situation für die Betroffenen dramatisch. Eltern fordern mehr Prävention in der Schule.

Die Grenzen zwischen Sexting und Cybermobbing sind fließend. Foto: ©Pro Juventute / flickr (CC BY 2.0)
Cybermobbing ist ein sich ausbreitendes Phänomen. Foto: ©Pro Juventute / flickr (CC BY 2.0)

Dem UN-Kinderhilfswerk Unicef zufolge hat rund die Hälfte aller Kinder und Jugendlichen weltweit bereits Gewalt oder Mobbing durch Mitschüler erlebt. Jeder zweite Teenager zwischen 13 und 15 Jahren habe im vergangenen Monat in der Schule beziehungsweise in deren Nähe Mobbing erlebt oder sei im vergangenen Jahr in eine Schlägerei verwickelt gewesen, hieß es in dem in der Nacht zum Donnerstag in New York veröffentlichten Bericht. Betroffen seien somit insgesamt 150 Millionen Teenager.

Anzeige


Wie sich die Situation in Deutschland darstellt, ist laut Deutschem Kinderschutzbund unklar: «Untersuchungen zeigen, dass die Gewalt an Schulen seit den 90er Jahren gesunken sei, andere Statistiken weisen eine Steigerung in einigen Bundesländern aus», sagte Geschäftsführerin Cordula Lasner-Tietze. Unicef-Chefin Henrietta Fore wies darauf hin, dass Gewalt die Bildung der Teenager behindere. «Kurzfristig stört es das Lernen, langfristig kann es zu Depression, Ängsten und sogar Suiziden führen.» Unicef rief Schulen auf der ganzen Welt dazu auf, Schüler unter anderem mit mehr Präventionsmaßnahmen besser vor Gewalt und Mobbing zu schützen.

In Deutschland gibt es laut Kinderschutzbund jedoch auch positive Tendenzen. «Kinder sind mitunter heute sorgsamer im Umgang mit persönlichen Daten», sagte Lasner-Tietze. Dennoch bräuchten sie von Beginn an die Unterstützung ihrer Eltern, damit sie erst gar keine persönlichen Daten weitergeben. Der Kinderschutzbund verweist auf Zahlen, wonach 34 Prozent der Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren bereits mitbekommen haben, wie Menschen in ihrem Bekanntenkreis im Internet oder per Handy fertiggemacht wurden.

Mehr Unterstützung für Lehrer

Der Landeselternbeirat Baden-Württemberg sieht durch die neuesten Zahlen über Mobbing-Opfer weltweit seine Forderung nach mehr Unterstützung der Schulen bestätigt. «Wir brauchen mehr Schulpsychologen, Sozialarbeiter und mehr Erzieher – das Drumherum ist bei uns nur mickrig ausgebildet», sagte Verbandschef Carsten Rees. Rees konnte keine Zahlen für den Südwesten nennen, betonte aber: «Selbst wenn nur jedes vierte Kind betroffen wäre, wäre das eine Zahl, die zum Handeln mahnt.» Kommunen und Land seien in der Pflicht. Länder, die in PISA-Studien gut abschneiden, hätten ein ausgebautes Hilfesystem.

Das Mobbing sei nicht zwingend mehr geworden, aber wegen der sozialen Medien anders, sagte Rees. «Die große Verbreitung solcher Fälle durch die Täter ist viel schmerzhafter für die Opfer als Grenzüberschreitungen ausschließlich im Klassenverband.» Schüler teilten nicht immer den Eltern ihre Probleme mit – manchmal aus Angst, selber Schuld zu sein, erläuterte der Elternvertreter. Erster Ansprechpartner für Eltern von Mobbingopfern sei deren Klassenlehrer. Sei das nicht erfolgreich, gebe es Vereine, die helfen könnten. dpa

Kein harmloser Lausbubenstreich – Cybermobbing setzt immer mehr Lehrern zu

Anzeige


1 KOMMENTAR

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here