Die soziale Herkunft entscheidet immer noch über Chancen in der Bildungskarriere – aber: Die Situation bessert sich (langsam)

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BERLIN. Kinder von Nichtakademikern sind an den Unis vergleichsweise selten. Und schon in früheren Jahren zeigen sich deutliche Unterschiede bei den Chancen auf optimale Bildung. Das müsste laut Experten nicht sein. Aber: In Deutschland, das zeigt ein neuer OECD-Bericht, schließt sich die Schere langsam.

Was aus diesem Kind wird, hängt entscheidend vom sozialen Status seines Elternhauses ab. Foto: Shutterstock

Die soziale Herkunft bestimmt in Deutschland in stärkerem Maß über den Schulerfolg als in vielen anderen Ländern. Die Kinder von Eltern mit hohen Abschlüssen erreichen auch deutlich häufiger selbst akademische Zeugnisse als Kinder von Eltern mit geringeren Abschlüssen. Ein neuer Bericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zeigt einmal mehr die soziale Ungleichheit bei der Bildung.

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ABSCHLÜSSE: Nur knapp 15 Prozent der Erwachsenen mit Eltern ohne Abitur erreichen in Deutschland ein abgeschlossenes Hochschulstudium. Im Durchschnitt der meisten OECD-Länder sind es immerhin 21 Prozent. In Neuseeland schließen rund 39 Prozent dieser Menschen ein Studium ab, in Finnland 34 Prozent – in Tschechien dagegen nur 3,6 Prozent. Fast jeder vierte schafft in Deutschland allerdings einen höheren Bildungsabschluss als die Eltern. Im OECD-Durchschnitt sind das mit 41 Prozent deutlich mehr, in Korea sogar 57 Prozent, in Finnland 55 Prozent. Besonders wichtig ist das, weil die Abschlüsse über die Berufschancen entscheiden: Bei den Hochschulabsolventen liegt die Arbeitslosenquote nur bei etwa der Hälfte der ohnehin vergleichsweise geringen Quote in Deutschland.

NACHTEILE: Schon in der Schule kommt es oft nicht zu einer Durchmischung von benachteiligten und weniger benachteiligten jungen Leuten. So zeigt der Bericht, dass 46 Prozent der Schüler mit sozialer und ökonomischer Benachteiligung Schulen besuchen, die viele benachteiligte Schüler versammeln. Im OECD-Schnitt sind es allerdings sogar noch etwas mehr (48 Prozent), etwa in Finnland sind es hingegen nur 40 Prozent. Und diese Durchmischung macht oft den Unterschied: Laut den OECD-Experten erreichen benachteiligte Schüler in nicht benachteiligten Schulen deutlich bessere Leistungen.

VERBESSERUNGEN: Ob beim Lesen, in Mathe oder den Naturwissenschaften – bei den Leistungen sieht man laut OECD in den vergangenen Jahren deutliche Verbesserungen in Deutschland, was die Abhängigkeit vom sozioökonomischen Status anbelangt. Zwar erklären die Bildungsexperten der Organisation etwa bei den Naturwissenschaften immer noch 16 Prozent der Unterschiede der Schülerleistungen mit dem sozialen Hintergrund (Stand 2015). Knapp zehn Jahre zuvor waren es aber noch 4 Prozentpunkte mehr.

WEITERE VERBESSERUNGEN: Auch in früheren OECD-Publikationen zeigten sich auch positive Trends. Seit gut zehn Jahren ist der Anteil der Unter-Drei-Jährigen, die eine Kita oder einen Kindergarten besuchen, um 20 Prozentpunkte gestiegen. In kaum einem anderen Land ist der Anteil sozialschwacher Schüler mit soliden Leistungen so deutlich gewachsen wie in Deutschland – von 25,2 im Jahr 2006 auf 32,3 Prozent 2015. Der Großteil der jungen Erwachsenen hat Abitur oder einen Berufsabschluss.

HINTERGRÜNDE: Mittlerweile ist der PISA-Schock 17 Jahre her. Damals zeigte die OECD, dass die Leistungen der deutschen Schüler unterdurchschnittlich und stark an die soziale Herkunft gekoppelt waren. Und trotz aller Verbesserungen zieht sich Benachteiligung auch heute oft die ganze Bildungslaufbahn durch: So besuchen Kinder mit Müttern mit Spitzenabschlüssen weit häufiger eine Kita als Kinder ohne einen solchen Bildungsstatus.

WAS GETAN WERDEN KANN: OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher sieht viele Ansatzpunkte – im Klassenzimmer, auf der Ebene der Schulen und im Bildungssystem. Frühkindliche Bildung müsste vor allem für Familien etwa mit ausländischen Wurzeln und für Ärmere noch stärker ausgebaut werden. Auch könnten für benachteiligte Schüler und Schulen schlicht mehr Mittel fließen, meint er. Schüler mit sozialen Nachteilen sollten sich seiner Meinung nach auch weniger in bestimmten Schulen konzentrieren. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) forderte bereits seit Längerem eine Förderung von Schulen in Brennpunktbezirken – dort müssten mehr Lehrkräfte eingestellt werden, so dass die einzelnen Lehrer weniger Pflichtstunden unterrichten müssten. GEW-Chefin Marlis Tepe: «Es sind oft Kinder, die zuhause keine Bücher vorgelesen und keinen Zugang etwa zu klassischer Musik bekommen.» Von Basil Wegener, dpa

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40 KOMMENTARE

  1. Die wievielte Wiederholung ist das eigentlich? Wann werden Grundschullehrerinnen endlich dafür gesorgt haben, dass Kinder von Langzeitarbeitslosen genauso viel und gerne lesen wie “Akademikerkinder”?

        • Wieso denn nur den Lehrerinnen und Lehrern? Es geht um das System Schule – es geht um eine gute frühkindliche Förderung in den Kitas, es geht um einen personell vernünftig besetzten Ganztag (nicht wie jetzt: 2 Erzieherinnen auf 25 Kinder!), es geht überhaupt um eine multiprofessionelle Schule, die Förderung leisten kann. Ist denn das so schwer zu verstehen?

          • @ Anna, sicherlich ist da noch Potenzial, aber ansonsten gilt doch vermutlich, was wir an anderer Stelle diskutierten.

            These: Gibt es nicht in einer Gesellschaft immer einen Anteil Menschen, die sehr intelligent und die mittelmäßig intelligent und die nicht sehr intelligent sind?

            Ist es nicht folgerichtig, dass die dann entsprechende Berufe ergreifen (Akademiker und Nicht- Akademiker) und ist es dann nicht folgerichtig, dass Kinder jeweils wieder in gleicher oder ähnlicher Weise sehr intelligent, mittelmäßig intelligent oder nicht intelligent sind und daher sich entsprechend entwickeln?

            Will sagen, wird das nicht folgerichtig immer so sein, dass tendenziell mehr Akademiker-Kinder ans Gymnasium gehen und Kinder von Nicht-Akademikern nicht?
            (Selbst wenn alle immer die gleichen Chancen haben?!?)

          • Sie diskutieren am Thema vorbei, Sofawolf. Natürlich gibt es weniger intelligente Menschen. Der Punkt ist aber, dass es intelligente Kinder gibt, die nicht gefördert werden.

          • @Sofawolf: Ist Ihre Argumentation Sarkasmus oder meinen Sie das so?
            Sprechen Sie von einer Art “Rassentrennung”?
            Intelligente Menschen haben intelligente Kinder und andere nicht.
            Intelligente Menschen schicken ihre Kinder aufs Gymnasium und die Uni, weil sie die DNA dazu haben und die anderen nicht.
            Sind Sie dann auch dafür, dass man das per Bluttest feststellen kann oder sollen die nicht-intelligenten Kinder der nicht-intelligenten Eltern ohne akademischen Abschluss trotzdem eine Chance im Schulsystem haben?

            Wer glaubt, dass Intelligenz ausschließlich für den Bildungserfolg verantwortlich und hauptverantwortlich durch Vererbung erworben wird, diskreditiert sich und den Beruf der Lehrkraft.

          • @ Anna, das bestreite ich nicht. Ich frage mich nur, ob nicht – wenn alle Möglichkeiten der Herstellung von Chancengleichheit vollzogen sind und genutzt werden (wofür noch allerhand getan werden muss) – es doch so sein wird, dass Studien feststellen, dass Kinder von Akadamikern eher wieder Akademiker werden als Kinder von Nicht-Akademikern?!? Weil es ja einfach auch Gründe gibt, warum jemand Akademiker geworden ist und warum nicht, die nicht nur im Schulwesen begründet liegen, da ja alle das gleiche Schulwesen durchlaufen, mindestens bis Klasse 4 und wir es doch nicht schaffen, so sehr wir uns mühen und fördern und fordern, dass am Ende alle Kinder nur 1-en und 2-en auf dem Zeugnis erreichen.

            Wer das bestreitet, müsste ja davon ausgehen, dass jedes Kind ein leistungsstarker Schüler sein könnte, wenn es nur entsprechend gefördert und gefordert werden würde. Früher glaubte ich das tatsächlich. Die Erfahrung spricht aber eher dagegen – so wie ja auch nicht jeder zu Hochleistungen im sportlichen, künstlerischen, musischen Bereich fähig ist, was ich völlig wertungsfrei sage.

            Haben diese Höchstleistungen im sportlichen, künstlerischen und musischen Bereich nichts mit den “Anlagen” zu tun, die jemand mitbringt? Wäre also jeder dazu fähig, wenn er nur die entsprechende Förderung und Forderung bekäme?

          • Naja, scheint zumindest auch in der Wissenschaft recht umstritten zu sein.

            Auszug: “Intelligenz. Woher kommt sie? Wie entwickelt sie sich? Ist sie gewissermaßen gottgegeben oder das Ergebnis von Genen oder sogar der Erziehung? Diese und viele ähnliche Fragen beschäftigen Eltern wie Nicht-Eltern gleichermaßen. Und die Antworten darauf liegen teils im Verborgenen, teils ganz offen auf dem Tisch. Eine neue Studie hat sich nun mit der Intelligenz und der Vaterrolle beschäftigt. Und kommt zu interessanten Ergebnissen.”

            https://www.vaterfreuden.de/vaterschaft/vater-sein/studie-v%C3%A4ter-haben-gro%C3%9Fen-einfluss-auf-intelligenz-ihrer-kinder

            (und viele andere Links mehr)

          • Cavalieri 23. Oktober 2018 at 22:40

            Elsbeth Stern (ETH Zürich) sieht das etwa so: Als Potenzial ist die Intelligenz im Prinzip angeboren, aber sie kann — speziell in den ersten Lebensjahren — verkümmern. Wenn niemand mit einem Kind spricht, wird es die Sprache nicht lernen, wenn niemand seine Fragen beantwortet, wird es abgestumpft zurückgelassen, wenn niemand mit ihm bastelt, wird es keine Geschicklichkeit mit Schere und Papier entwickeln, wenn niemand mit ihm singt, wird die Musikalität nicht entwickelt, wenn niemand mit ihm Ball spielt, wird die Motorik nicht entwickelt, wenn niemand mit ihm Würfelspiele spielt, wird es die Zahlen nicht gut begreifen usw.

            Andererseits sagt Frau Stern auch, dass niemand sein Potenzial überschreiten kann. Da helfen noch so gut gemeinte Förderungen nichts. Also können auch nicht alle gleich erfolgreich sein, weil die Intelligenz eben doch mit der sozialen Schicht korreliert. Aber gegen das Verkümmern der Intelligenz könnte man was machen, z.B. so wie PeterPan das oben beschreibt: den Einfluss der Eltern praktisch ausschalten. Solange aber die Kinder den Eltern gehören und nicht dem Staat, muss man eben auch negative Einflüsse der Eltern auf die Kinder hinnehmen und darf dann nicht jammern. Das betrifft besonders sprachliche Defizite, von denen hier oft die Rede war.

            Hier findet man etwas über Elsbeth Stern: https://de.wikipedia.org/wiki/Elsbeth_Stern

          • ” 2 Seiten einer Medaille”
            Ich weiß nicht, was Sie meinen, aber ich beziehe mir auf das Buch von Elsbeth Stern (und Ko-Autor) mit dem Titel “Intelligenz”, DVA 2013. Dort wird sogar das Beispiel von vernachlässigten Kindern aus rumänischen Kinderheimen genannt. Mit 1 Jahr könnten die sich noch normal gemäß ihrem Potenzial entwickeln, wenn sie in eine andere, bildungsnahe Umgebung kommen, mit 3 oder 4 Jahren aber nicht mehr. Dann ist das “Verkümmern” unumkehrbar.

  2. Die Artikel mit diesem Thema beschreiben immer die gleiche Problematik:
    Kinder haben je nach Herkunft einen Nachteil – hier werden weniger die Verwendung der deutschen Sprache sondern vorranging soziale Herkunft, Bildungsnähe/-ferne und soziale Durchmischung genannt.

    Man kann dem gerne abhelfen:
    Nehmt die Kinder nach ihrer Geburt den Eltern weg und steckt sie in Erziehungseinrichtungen. Dann hat man die Dikussionen um Vor- und Nachteile einfach nicht mehr.
    Dann gibt es keine Nachhilfe für die Kinder von Besserverdienern.
    Dann gibt es keine Hilfe für die Kinder durch bildungsnahe Eltern.
    Dann gibt es keine Brennpunktschulen mehr.
    Dann bekommt jeder Verantwortungsbewusstsein, Selbstdisziplin und Empathie auf kompetenzorientiertem Weg anerzogen.

    Dann muss man sich auch nicht jedes Jahr die gleichen hohlen Phrasen anhören – Allgemeinplätze von Experten und Idealisten, die mit der Realität abgeschlossen haben.
    Wenn man selbst in einer Brennpunktschule arbeitet, sieht man die Probleme und muss damit ohne schlaue Ratschläge umgehen. Da gibt es Kindsvernachlässigung, die das Jugendamt nicht beachtet, weil es ja nicht so schlimm ist. Da sind die Kinder dann halt von morgens bis abends allein zu Hause, weil Mama und/oder Papa arbeiten. Da haben die Kinder dann keine Hefte, keine Hausaufgaben oder keinerlei Pünktlichkeit, weil Mama und/oder Papa das nicht interessiert. Da telefoniert und schreibt man sich die Finger wund, um die Eltern mit ins Boot zu holen und läuft dabei ins Leere.
    Natürlich gibt man trotzdem immer 120% und hofft auf das ein oder andere kleine Wunder, muss aber auch immer wieder mit den Rückschlägen klar kommen, die dann in Vorwürfen enden, weil man ja mehr hätte machen können/müssen. Da arbeitet man an einem Gymnasium und verfolgt trotzdem das Ziel, dass die Abgänger wenigstens eine feste Ausbilduns-/Arbeitsstelle finden, weil der Abschluss “Abitur” weder aufgrund der Befähigung noch der Perspektive nach zum Studium führt.

    Also ganz ehrlich: Wer hört denn noch auf PISA oder die OECD, für die Kinder nur “Humankapital” sind und die alle Länder ungeachtet der Systeme “gleich machen” wollen?

    • Mein Gott, ziehen Sie sich den Schuh doch nicht persönlich an. Sind Sie das System?

      Gerade wenn Sie 120 % geben, sollten Sie ein Interesse daran haben, dass die Rahmenbedingungen verbessert werden – und 100 % ihres Engagements reichen. Nochmal: Es funktioniert ja, wenn entsprechende Ressourcen bereitgestellt werden, wie die Verbesserungen belegen.

      Und was hat es damit zu tun, Systeme “gleich” zu machen, wenn’s um erkennbare Verbesserungsmöglichkeiten geht? Schlecht ausgestattete Schulen sind doch keine kulturelle Errungenschaft, die es zu verteidigen gilt.

    • Elsbeth Stern (ETH Zürich) sieht das etwa so: Als Potenzial ist die Intelligenz im Prinzip angeboren, aber sie kann — speziell in den ersten Lebensjahren — verkümmern. Wenn niemand mit einem Kind spricht, wird es die Sprache nicht lernen, wenn niemand seine Fragen beantwortet, wird es abgestumpft zurückgelassen, wenn niemand mit ihm bastelt, wird es keine Geschicklichkeit mit Schere und Papier entwickeln, wenn niemand mit ihm singt, wird die Musikalität nicht entwickelt, wenn niemand mit ihm Ball spielt, wird die Motorik nicht entwickelt, wenn niemand mit ihm Würfelspiele spielt, wird es die Zahlen nicht gut begreifen usw.
      Andererseits sagt Frau Stern auch, dass niemand sein Potenzial überschreiten kann. Da helfen noch so gut gemeinte Förderungen nichts. Also können auch nicht alle gleich erfolgreich sein, weil die Intelligenz eben doch mit der sozialen Schicht korreliert. Aber gegen das Verkümmern der Intelligenz könnte man was machen, z.B. so wie PeterPan das oben beschreibt: den Einfluss der Eltern praktisch ausschalten. Solange aber die Kinder den Eltern gehören und nicht dem Staat, muss man eben auch negative Einflüsse der Eltern auf die Kinder hinnehmen und darf dann nicht jammern. Das betrifft besonders sprachliche Defizite, von denen hier oft die Rede war.

      • Und das sind dann genau die kahlköpfigen Glatzen, die auf Neonazi-Rockkonzerten Lieder der Gruppe “Frontlinie”, “Stahlgewitter” und anderen Müll schreiend mitgröhlen und dabei den rechten Arm nach rechts oben streckend, ihrem Hass freien Lauf lassen.
        Wie viele von denen sich dabei selbständig beflecken ist unbekannt.
        Das kann man sich gerne einmal im Internet unter ARD “Rechtsrockland” ansehen.
        Vielleicht stellt das noch einmal jemand rein. Alles “arisch-reine Deutsche” in ungewöhnlichen Posen und mit “außergewöhnlichen” Tätowierungen, wie der 88, “Blood and Honor” und ähhlichen Kennzeichen, die einem sofort sagen, dass man hier falsch ist oder einem Vorort der Hölle auf Erden. Alles “sehr verträgliche” Zeitgenossen, die ob der Abwanderung der weiblichen Bevölkerung ihr gemeinsames Alleinseim feiern. Aber die Volksaufklärer schreiben doch immer so nette Sachen über diese Jungs.

        • Früher hatten Sie mal was Vernünftiges zu “Zeitfenstern” in der Entwicklung von Kindern geschrieben, heute haben Sie wohl nur noch den “Kampf gegen rechts” im Kopf und schreiben mehr und mehr wirr. Übrigens: “grölen” schreibt man ohne “h”.

          • @Cavalieri
            Mal ernst Cavalieri, das mit den Zeitfenstern stimmt schon, aber ich erwarte auch von jedem , dass er ein kritisches Verhältnis zu eigenen festgefahrenen Positionen einnimmt und sich selbst auf die uns gelehrten Grundwerte der Eltern besinnt und seinen eigenen Verstand einsetzt, denn wir sind alle auf einander angewiesen, alle und damit schließe ich alle ein und grenze niemanden aus, denn wir stammen alle von den Selben ab.

        • Cavalieri schrieb: “Aber gegen das Verkümmern der Intelligenz könnte man was machen, z.B. so wie PeterPan das oben beschreibt: den Einfluss der Eltern praktisch ausschalten.”

          Das beschreibt übrigens selbst Richard David Precht, der “linke Salon-Philosoph” (Zitat Konrad Paul Liessmann), mit fast denselben Worten:

          “Wer Bildungsgerechtigkeit […] ernst nimmt, kommt nicht umhin, den schädlichen Einfluss mancher Elternhäuser auf den Lernerfolg zu verringern.”
          (Precht, Richard David: Anna, die Schule und der liebe Gott. München: Wilhelm Goldmann Verlag 2013)

      • Wenn Intelligenz verkümmern kann, dann kann sie sich auch entwickeln. Offenbar gelingt das in Deutschland schlechter als in anderen Ländern. Waeum? Ein Grund: dass in Deutschland selbst aus Selbstverständlichkeiten eine ideologische Debatte gemacht wird, Cavalieri. Niemand muss Kinder ihren Eltern ” wegnehmen” – das passiert in anderen Staaten, die besser fördern, ja auch nicht.

        • @ Anna / Cavalieri, wenn man den Aussagen von Elsbeth Stern folgt (man kann das ja auch bestreiten), dann ist eben nicht allen alles möglich, was gleichzeitig nicht ausschließt, dass (derzeit noch lange) nicht bei jedem ausgereizt/ausgeschöpft ist, was ihm möglich wäre.

          @ Cavalieri, das meine ich auch mit den beiden Seiten einer Medaille.

          So werden aber, meine These, Kinder von Akademikern eben doch immer eher wieder Akademiker als Kinder von Nicht-Akademikern (selbst bei größtmöglicher Chancengleichheit). Für mich bedeutet dies vor allem, jeden nach seinen Fähigkeiten (!) bestmöglich zu fördern. (Aber diese Fähigkeiten sind eben nicht gleich und sie sind auch nicht “gleichmachbar”.)

        • Richtig, Selbstverständlichkeiten werden zu oft von Ideologie überlagert und bestritten. Dabei wird immer geglaubt, die Tatsachen und Selbstverständlichkeiten gäben nur einem selbst Recht, während die anderen im ideologischen Irrgarten wandelten.
          Intelligenz ist eine Sache sowohl von Vererbung als auch Umwelteinflüssen. Und Schulleistungen beruhen nur zum Teil auf der Intelligenz.
          Große Wirkung haben auch die sog. Sekundärtugenden wie Anstrengungsbereitschaft, Selbstdisziplin oder Sorgfalt. Kurz gesagt: jene Tugenden, die in den letzten Jahrzehnten zu Unrecht (als “Nazi-Tugenden”) verachtet und in den Dreck gezogen wurden.
          In der schulischen und späteren beruflichen Arbeitswelt beruht Erfolg ganz wesentlich auf diesen Sekundärtugenden. Intelligenz ist nicht alles.
          Wer das bestreitet, wandelt für mich im Irrgarten der Realitätsverweigerung.

          • Selbstverständlich beruht Erfolg nicht nur auf Intelligenz, sondern auch auf dem Gedächtnis, auf Beharrlichkeit, auf Sekundärtugenden etc. Dennoch ist in der Statistik (also als Korrelation) der IQ ein guter Prädiktor für den schulischen Erfolg, und dieser ist ein guter Prädiktor für den beruflichen Erfolg. Das kann man überall nachlesen. Es gibt sogar Leute, die sagen, die Mathematiknote in Klasse 9 ist ein guter (oder sogar der beste) Prädiktor für den weiteren Erfolg. Aber nur statistisch, nicht für ein einzelnes Individuum.

        • Die eine bezieht sich auf internationale Vergleiche und eine große Studie, an der Dutzende von Bildungsforschern gearbeitet haben – der andere behauptet mal eben eine (steile) These.

          Ratespiel: Welcher von beiden argumentiert wohl ideologisch?

          Lustig, wie die Rechtsaußen-Fraktion hier immer wieder versucht, durch das willkürliche Vertauschen von Begrifflichkeiten so viel Verwirrung zu stiften, dass jeder Blödsinn plötzlich als ernstzunehmendes Argument daherkommt. Dazu wird dann noch bestritten, was überhaupt niemand behauptet – fertig ist das selbstgezimmerte Weltbild.

        • Anna: “Wenn Intelligenz verkümmern kann, dann kann sie sich auch entwickeln. Offenbar gelingt das in Deutschland schlechter als in anderen Ländern.”
          Woher wissen Sie die Aussage Ihres zweiten Satzes? Bei IQ-Tests liegt Deutschland da, wo die europäischen Nachbarn auch sind.
          Und Ihren ersten Satz haben Sie missverstanden, daher hier ein Kurztext zu dem Buch von E.Stern über Intelligenz:
          https://www.randomhouse.de/Buch/Intelligenz-Grosse-Unterschiede-und-ihre-Folgen/Elsbeth-Stern/DVA-Sachbuch/e388866.rhd
          Die Entwicklung der Intelligenz ist als das Gegenteil des Verkümmerns gemeint, nicht als die Möglichkeit der beliebigen Steigerung. Jede(r) einzelne hat dabei eine individuelle vorgegebene “Schallgrenze”, die nicht überschritten werden kann. Sagt E.Stern.

  3. @Anna: Man muss sich den Schuh immer wieder anziehen. Das System drückt nämlich und das kriegt man immer mehr zu spüren. Jedes Jahr gibt es Gespräche wegen den Abiturergebnissen, wegen den zentralen Klausuren und den Lernstandserhebungen. Jedes Jahr wird man stärker dazu gedrängt bessere Ergebnisse zu erzielen und jedes Jahr muss man sich mit den anderen Schulen vergleichen.
    (Die Alternative ist natürlich, dass man die Ergebnisse schönt, aber sowas macht ja keine Schule oder?)
    Die Mehrbelastung nimmt immer weiter zu – die Betreuung der Kinder und Eltern, der Unterricht und die zusätzlichen Aufgaben.

    Ich fühle mich dann natürlich auf den Schlips getreten, wenn man mir weiß machen möchte, dass Finnland oder welches Land auch immer es besser macht.
    Natürlich sind es die Rahmenbedingungen und die Ressourcen, aber alles andere auch.
    Unser System möchte zum Beispiel alle gleich behandeln, aber eine Klasse mit 30 Kindern in einem Brennpunkt ist zum Beispiel höchstwahrscheinlich nicht das gleiche wie eine Klasse mit 30 Kindern aus einem wohlhabenden Viertel.

    Und umso mehr finde ich solche Artikel über Studien lachhaft, die von Verbesserung sprechen, während man eher den Negativtrend beobachtet.
    Haben Sie nicht zum Beispiel auch Inklusion und Integration mitbekommen?
    Die Schere geht bald nicht mehr soweit auseinander, ist bei den großen Herausforderungen ehr ziemlich zynisch – vor allen Dingen, weil man immer wieder das gleiche hört, aber keine spürbaren Verbessungen in Form von Ressourcen oder Entlastungen bemerkt.

  4. Unabhängig von allen anderen Einflussfaktoren ist wohl die familiäre Umgebung der entscheidendste Faktor, der die Entwicklung eines Menschen prägt. Wer zu Hause soziale Deprivation erfahren hat, fehlende Reizzuführungen über das Ohr erfahren musste, eine Kreuzdominanz im optischen-motorischen Erfassen angelegt hat, chromosomale Veränderungen hat , vernachlässigt wird, hat natürlich ungleich schlechtere Voraussetzungen für einen negativen Verlauf in der persönlichen Entwicklung.
    Deshalb ist es um so wichtiger mit Hilfe strukturierter Lernhilfen diese Defizite anzugleichen und nicht etwa durch eine Absenkung des Niveaus alle auf einen gleich schlechten Ausgangszustand zurückzuführen.
    Insofern stimme ich den Vorkommentatoren zu.
    Oh Gott, im Moment ist der Fliegen-Karl im ZDF one of the masters of Desasters of the SPD. Er ist wirklich kein Arzt, hat nicht das AIP abgeschlossen und keinerlei Kenntnisse über angewandte Medizin.
    One of the good lucks.

    • Bei diesem Herrn stimme ich Cavalieri und XXX ausdrücklich zu. Er hat nie als Arzt praktisch gearbeitet und ist neben Frau Nahles und Herr Schröder ein “Erfolgsgarant ” für die SPD, meine alte Liebe.

      • Nur hat “Fliegen-Karl” nichts mit dem obigen Thema zu tun, und ich habe zu ihm nie was geschrieben (allenfalls zur Bürgerversicherung). Also doch wieder ein wirrer Text. Man sollte nicht schneller schreiben als man denkt.

    • Übrigens gibt es nicht nur negative, sondern auch positive Einflüsse von Elternhäusern. Das Haus Bonhoeffer hat z.B. zur Prägung von Dietrich entscheidend mitgewirkt. Das gibt es auch heute noch. Trägt zur sozialen Ungleichheit bei, weil einige sich nach oben entwickeln, andere aber nicht.

      • @Pälzer
        Ich stimme mit Ihnen vollkommen überein, denn es gilt natürlich im Umkehrschluss für eine positive Entwicklung der Kinder, die von Hause aus gefördert und bestärkt werden , weil eine Übernahme humanistisch oder religiös geprägter Wertesysteme, wie z.B. ein christliches, hinduistisches etc., die Emanzipation des Menschen fördert und ihn in seiner freien Entscheidungsfähigkeit bestärkt, Positives zu bewirken und sich selbst zu verwirklichen und zu entfalten.

  5. Irgenwie scheint mir das, was ich hier lese, auch übertragbar auf das Wettern über mangelnde Chancengleichheit (auch wenn da noch einiges zu tun ist!).

    “Wenn Gleichheit aber die Interessen der Geschlechter auseinanderdriften lässt, wird sich dies zum Beispiel in der Wahl von Berufen oder Studienfächern niederschlagen. Das wird zahlenmäßige Ungleichheiten verstärken, was wiederum als weiterer Beleg für Unterdrückung gewertet werden wird. Es wäre Zeit, ernsthaft darüber zu debattieren, dass Gleichheit von Chancen nicht automatisch dazu führen wird, dass Frauen und Männer überall in gleicher Zahl repräsentiert sind. Doch so eine Diskussion taugt dummerweise nicht für den emotionalen Empörungspopulismus unserer Zeit.”

    https://www.sueddeutsche.de/wissen/gleichberechtigung-teufelskreis-der-geschlechter-1.4173842

    So wird eben auch maximale Chancengleich womöglich nie dazu führen, dass nicht mehr mehr Kinder von Akademikern wieder Akademiker werden.

    • Gleichberechtigung und Gleichstellung war noch nie äquivalent, was aber von den Genderologen, führend im Empörungspopulismus, nicht verstanden wird. Vielleicht könnte Deutschland es auch mal Ungarn gleich tun und den Gender Studies die staatliche Förderung so lange entziehen, bis sie die wissenschaftliche Relevanz nach anerkannten wissenschaftlichen Kriterien nachgewiesen hat. Die derzeitigen Gender-Professuren werden umgewidmet in andere Fachgebiete. Wer es bis zur Lebenszeit-Professur geschafft hat, sollte sich auch in andere Fachgebiete fundiert einarbeiten können.

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