Religiös diskriminiert? Studentin will sich gegen Verschleierungs-Verbot der Uni wehren

13

KIEL. Der Streit um das Vollverschleierungs-Verbot in Lehrveranstaltungen der Universität Kiel geht voraussichtlich in eine neue Runde. Sie werde «auf alle Fälle» juristisch gegen das Verbot vorgehen, sagte die betroffene Studentin, eine zum Islam konvertierte Deutsche, den «Kieler Nachrichten». Es hätten sich bereits mehrere Anwälte des Falls angenommen. Ein Verein, der sich für religiös Diskriminierte einsetze, unterstütze sie finanziell.

Vollverschleierung ist an der Uni Kiel seit Kurzem verboten. Foto: Justin Hall / flickr / CC BY-SA 2.0

Die Kieler Universität hatte das Verbot damit begründet, dass zu den Mindestvoraussetzungen für die Kommunikation in Forschung, Lehre und Verwaltung nicht nur das gesprochene Wort, sondern auch Mimik und Gestik gehörten. Die Studentin, die ihr Gesicht mit einem Nikab (Gesichtsschleier) verhüllt, nannte die Argumentation «überzogen, symbolisch und argumentativ haltlos». Sie betrachte das Tragen des Nikab «in allererster Linie als Gottesdienst, durch den ich mich Gott nähere».

Anzeige


Das Verbot ist auch ein Fall für Schleswig-Holsteins Anti-Diskriminierungsstelle. «Wir beschäftigen uns mit dem Verbot der Uni», sagte ein Mitarbeiter der Bürgerbeauftragten am Montag im Gespräch. Die Stelle habe bereits die zuständige Vize-Präsidentin der Hochschule um eine Stellungnahme gebeten. Eine muslimische Studentin, die einen Nikab trage, habe sich an die Anti-Diskriminierungsstelle gewandt. dpa

Prien will Vollverschleierung an Schulen verbieten (dabei gibt es keinen einzigen Fall)

Anzeige


13 KOMMENTARE

  1. Unabhängig davon, was ich da gut oder nicht gut finde. Ich würde gerne wissen, was besagte Frau studiert, ich kann mir quasi keinen Studiengang vorstellen, in dem man hinterher einen Job bekommt, in dem man vollverschleiert arbeiten kann.
    Wie soll da ein Bewerbungsgespräch ablaufen? Und wie die Prüfungen in der Uni? Da kann ja jeder drunter stecken.

  2. Auch interessant, im Koran steht höchstens etwas von weiter Kleidung, aber nicht von Vollverschleierung. Hier ist mal wieder eine Tradtion (Der Schutz vor Sonne) in die Religion übernommen worden. Die Rechtsgelehrten der unterschiedlichen Strömungen im Islam streiten über Vollverschleierung noch immer. Einen Umstand, den die Dame übrigens auch selbst an erkennt.
    Interview bei t-online.de zu finden.

  3. Es ist schon lustig. In den arabisch – islamischen Ländern wollen fortschrittliche Frauen (und Männer) keine Verschleierung und selbstbestimmt ihr Leben leben und bei uns ist das umgekehrt. Da soll mit der Verschleierung die Selbstbestimmung durchgezogen werden. Verkehrte Welt! – Und bei uns will man das, was man nicht haben kann um sich gegen die gesellschaftlichen Bräuche aufzulehnen. Das kommt mir bei uns wie eine Trotzreaktion vor.

  4. Wir feiern am Freitag in der Schule Fasching. Wir haben uns darauf geeinigt, im Elternbrief zu schreiben, dass Verkleidungen oder Masken, die das Gesicht verdecken, verboten sind.

    • So ganz verstehe ich das nicht. Ist es tatsächlich sinnvoll, solche Schritte zu unternehmen?
      Von einer anderen Schule habe ich gelesen, dass überlegt werde, den Schülern die beliebte Kostümierung als Indianer zu verbieten, weil dies ein Ausdruck von Rassismus sei. Auch das finde ich überzogen und albern.

      • @Beate S.: Nun, es ist so, dass wir sehr christliche Eltern dabei haben. Man darf keine Hexengeschichte lesen, Hexenbilder malen oder Fasnetmasken töpfern – zumindest bekommt man Bibelbelege gezeigt, bei denen der christliche Glaube so etwas untersagt. Englische rhymes zu Halloween gehen schon mal gar nicht. Die gleichen Eltern schicken ihre Kinder vermummt bis auf die Augen und mit Waffen in der Hand an Fasching in die Schule. Wir wollen wenigstens wissen, wer da vor uns sitzt.

        • Ich kann das bestätigen.
          Theaterbesuch in einem Puppentheater zum Stück “Die kleine Hexe” – Debatten über die Teilnahme einzelner SuS.
          Vampire im Kunstunterricht gebastelt, die zwar lange Zähne hatten, ansonsten aber als solche kaum zu erkennen waren, weil sie kunterbunt waren: Telefonat mit der Bitte, dies im Unterricht zu unterlassen, weil es die Kinder verschrecke.
          An Karneval kommen diese Kinder als Kämpfer unterschiedlichster Ausprägung.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here