GEW und VBE fordern, Diskriminierung von Frauen im Lehrerberuf zu beenden – mit „A13 für alle“

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BERLIN. Mit Blick auf den „Equal Pay Day“ am heutigen Montag (18.3.) mahnt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) die gleiche Bezahlung aller voll ausgebildeten Lehrkräfte an. „JA13 – weil Grundschullehrerinnen und Lehrkräfte in der Sekundarstufe I es verdienen!“, betonte Frauke Gützkow, im GEW-Vorstand für Frauenpolitik verantwortlich. Sie erinnerte damit zugleich an das Motto der GEW-Kampagne für gleiches Gehalt. „Wir fordern, dass alle verbeamteten Lehrkräfte nach A13, alle angestellten nach E13 bezahlt werden – unabhängig von der Schulform“, sagte Gützkow. Darauf am „Equal Pay Day“ aufmerksam zu machen, an dem weltweit Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen thematisiert werden, sei wichtig. „An Grundschulen arbeiten zu 90 Prozent Frauen. Das überkommene Kriterium ‚Kleine Kinder, kleines Geld‘ diskriminiert Frauen und ist verfassungswidrig. Das bestätigen mehrere Rechtsgutachten.“ Der VBE schlägt in die gleiche Kerbe.

Trotz sich angleichender Ausbildungsdauer ungleiche Gehaltstufen? Das ist kaum mehr vermittelbar. Foto: Shutterstock

„Immer mehr Länder ziehen nach und beenden die Farce, Lehrkräfte nach der Schuhgröße der zu unterrichtenden Kinder zu bezahlen“ erklärt der VBE-Bundesvorsitzende Udo Beckmann zum Equal Pay Day 2019. „A13/EG13 für alle Lehrkräfte ist essenziell, um den Beruf attraktiv zu gestalten und im Wettbewerb nicht nur mit anderen Schulformen, sondern auch anderen Bundesländern bestehen zu können. Außerdem ist es ein wichtiger Baustein, strukturelle Diskriminierung abzubauen, denn noch immer sind es zu fast 90 Prozent Frauen, die an Grundschulen arbeiten und damit schlechter bezahlt werden als Lehrkräfte an weiterführenden Schulen. Das Motto des Equal Pay Day 2019 ‘Wertsache Arbeit – Fair ist, wenn Gleiches gleich bewertet wird’ unterstützt diese Forderung.”

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Die Bundessprecherin der VBE Frauenvertretung, Jutta Endrusch, macht auf einen weiteren Umstand aufmerksam: „Aufgrund ihres hohen Anteils an Schulen und anderen Bildungseinrichtungen tragen Frauen maßgeblich zur Leistungsfähigkeit des deutschen Bildungssystems bei – und ohne Bildung kann keine andere wirtschaftliche Tätigkeit ausgeübt werden. Es ist also Zeit, die Arbeit der Kolleginnen entsprechend wertzuschätzen – und zwar sowohl in der Schule als auch in der Familie. Denn viele Lehrerinnen übernehmen neben ihrer Arbeit in der Schule noch Care Arbeit für ihre Kinder, Eltern, Schwiegereltern oder andere Familienangehörige. Um dieses gesellschaftlich wichtige Engagement zu unterstützen, braucht es Arbeitszeitregelungen, die das ermöglichen. Dazu zählt mittelfristig auch die Entwicklung und Erprobung von lebensphasen-orientierten Arbeitszeitmodellen. Aktuell haben wir aber das Problem, dass aufgrund des Lehrermangels Möglichkeiten gesetzlich vorgesehener flexibler Arbeitsformen nicht mehr genehmigt werden. Dazu zählen je nach Bundesland z. B. die voraussetzungslose Teilzeit, Familienpflegezeiten oder Beurlaubung und Sabbatjahr. Es kann nicht sein, dass hier wieder einmal politische Fehlplanungen auf dem Rücken der überwiegend weiblichen Beschäftigten im Bildungsbereich ausgetragen werden.“

Zwei Klagen von Grundschullehrerinnen

Schon seit langem kämpften Frauen für ihre Rechte, so heißt es bei der GEW. Jetzt klagten sie diese auch ein: „In Nordrhein-Westfalen (NRW) sind mit Unterstützung des GEW-Landesverbands zwei Klagen von Grundschullehrerinnen anhängig“, erklärt Frauke Gützkow (News4teachers berichtete). „Dass Frauen die ungleiche Bezahlung nicht länger akzeptieren, ist ein gutes Zeichen.“ NRW sei eines der Länder, das sich noch nicht auf den Weg zu einer schulstufenunabhängigen Bezahlung gemacht hat: In dem bevölkerungsreichsten Bundesland würden nicht nur Grundschul-, sondern auch Sekundarlehrkräfte nach A12/E11 bezahlt. „Das ist nicht vermittelbar“, unterstreicht Gützkow. „Warum sollte der Mathematikunterricht mit lernstarken Schülerinnen und Schülern am Gymnasium besser bezahlt werden als jener an Hauptschulen?“ Auch in dem großen Bundesland Niedersachsen würden Sekundarlehrkräfte nach A12/E11 bezahlt: „Niedersachsen und NRW haben die Lehrkräfteausbildung reformiert und unabhängig von der Schulform gleich lange Studiengänge eingeführt. Nun müssen sie sich auch bei der Bezahlung bewegen. A12 an Grundschulen und in der Sekundarstufe I ist ein Auslaufmodell“, stellt die Frauenpolitikerin fest.

Mit ihrer „JA13-Kampagne“ mobilisiere die GEW gegen eine ungleiche Bezahlung gleichwertiger Arbeit in der Schule. Zum „Equal Pay Day“ macht die Gewerkschaft darauf aufmerksam, dass bereits einiges erreicht sei. „In fünf Bundesländern gibt es A13/E13 für Grundschullehrkräfte bzw. ist dies verbindlich angekündigt“, sagt Gützkow. „Fast ein Drittel des Weges ist geschafft – auch auf Druck der GEW.“ Die bessere Bezahlung der Grundschullehrkräfte leiste einen wichtigen Beitrag gegen den dramatischen Lehrkräftemangel. „Wir müssen wieder mehr junge Menschen dafür gewinnen, sich für den Lehrkräfteberuf zu entscheiden“, unterstreicht das GEW-Vorstandsmitglied.

Zurzeit bewege sich Thüringen. „Hier hat das Kabinett den Weg für A13/E13 für die Regelschullehrkräfte ab 1. Januar 2020 freigemacht“, betont Gützkow. „Zudem hat Kultusminister Helmut Holter (Linke) angekündigt, nach den Wahlen auch die Grundschullehrkräfte hochzustufen. Das begrüßt die GEW – auch wenn bedauerlich ist, dass er nicht bereits die aktuelle Legislatur für einen größeren Schritt genutzt hat.“ Die Gewerkschafterin hob zudem hervor, dass sich Holter 2018 als Präsident der Kultusministerkonferenz für eine durchlässigere Lehrkräftebildung ausgesprochen habe. „Den Weg zu einer einheitlich langen Lehrkräftebildung haben bereits acht Bundesländer eingeschlagen, es ist höchste Zeit für Reformen in weiteren Ländern“, sagt Gützkow. News4teachers

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

Ein Leser schreibt auf der Facebook-Seite von News4teachers unter anderem:

Hintergrund

Der „Equal Pay Day“ (EPD) ist der internationale Aktionstag für Entgeltgleichheit zwischen Männern und Frauen. Er markiert symbolisch die geschlechtsspezifische Lohnlücke: Berücksichtigt man den sogenannten „Gender Pay Gap“, haben Frauen rechnerisch 77 Tage umsonst gearbeitet: bis zum 18. März, während Männer bereits seit Neujahr bezahlt werden. Weitere Informationen: www.equalpayday.de.

Mit Berlin, Brandenburg und Sachsen haben drei Länder A13/E13 für Grundschullehrkräfte eingeführt; Bremen wird bis 2021 folgen, Schleswig-Holstein bis 2026. In allen anderen Ländern bekommen Grundschullehrkräfte A12/E11. Sechs Länder bezahlen auch die Lehrkräfte in der Sekundarstufe I nach A12/E11: Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz.

Informationen zur GEW-Kampagne „JA13 – weil Grundschullehrerinnen es verdienen“: www.gew.de/ja13.

Hier finden sich auch die Rechtsgutachten zur mittelbaren Diskriminierung von Frauen: www.gew.de/ja13/gutachten/.

Nach Beschluss von Bremen, Lehrer finanziell gleichzustellen: Druck auf Weil steigt, „A13 für alle“ auch in Niedersachsen einzuführen – SPD ist schon dafür

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14 KOMMENTARE

  1. Gleiches Grundgehalt (Besoldungsstufe) meinetwegen, aber dann eine Zulage je nach Schulart.

    Das wird früher oder später kommen, wenn keiner mehr Gymnasiallehrer werden will.

    Warum wartet man jetzt eigentlich nicht das Urteil aus NRW ab?

  2. Bis dahin wird noch sehr, sehr viel den Main, Rhein und die Elbe und Donau runterfließen… bis keiner mehr Gymnasiallehrer werden und lieber die Nerven und seinen niedrigen Blutdruck in der Haupt- und Real/Ober- oder Gesamtschule lassen möchte. Sehr viel Wasser. Auch mit einem gleichen A vor der Besoldung… Gymnasialmenschen gehen nur unter Zwang (Abordungen, zu schlechtes Examen) in die Hauptobergesamtrealschulen… Für nen anderes Studium mit Prestige und sicherer Kohle wie z.B. Medizin reicht dann der NC nur selten. Wenn man die gymnasiale Prestige nun kastratiert, indem alle dasselbe A bekommen, da sie sich mindestens genauso den Allerwertesten aufreißen und wir das Denken aus dem
    19. Jahrhundert in diesem Punkt einfach mal hinter uns lassen, da das schon ganz ganz lange her ist und die Verhältnisse ein bisschen anders geworden sind- ja oh weh! Dann muss man am Ende noch die angenehmere Arbeit für die gleiche Besoldung machen, wie die Idealisten, die sich heute noch mit Hauptrealgesamtundoberschülerin – ach und eben ja – ES und Lern- und ganz vielen verschiedenen Arten von Förderschülern- und vor allem deren Eltern auseinandersetzen und exotisch noch Sek I studieren… wäre ja noch schöner… hab ich mich doch für Gymie entschieden, wie die große Masse, weil ich mir davon bisschen netteren Arneitsalltag erhoffe. Gezeichnet eine Gymnasiallehrin, die an einer Gesamtschule unterrichtet und die entsprechenden Pappenheimer an Uni und Schule kennengelernt hat. „Mach doch Gymie, verdienste mehr und hast nicht die nervigen Schüler und primitiven Eltern“ – Grundtenor vor und nach dem Studium. Bravo!

    • Ich denke das könnte uns früher erwarten als bisher angenommen wird. Vermutlich werden viele immer noch für Sek-II studieren, weil man annimmt die besseren Arbeitsbedingungen am Gymnasium vorzufinden. Dennoch werden Lücken an Grundschulen und Sek-I-Schulen geringfügig reduziert. Andersherum wird man damit rechnen müssen, dass an der zukünftigen Einheitsschule “Gymnasium” nicht mehr genügend Lehrkräfte in den Mangelfächern zur Verfügung stehen. Bei allem Respekt, aber erklären Sie mal jemanden, warum man Mathematik und Physik auf Sek-II studieren soll, damit man genauso viel verdient wie eine Grundschullehrkraft. Das ist nicht erklärbar und das größte Problem des Beamtentum. Deshalb kann mittlerweile jeder Hinz und Kunz über einen Seiteneinstieg in den Mangelfächern unterrichten, da der Nachwuchs sich einfach veräppelt vorkommt und die Wirtschaft einem mit offenen Armen empfängt.

      • Den Mint- Mangel gibt es schon jetzt- weil gerade im Mintbereich die Bezahlung der Wirtschaft besser ist
        Insgesamt gibt es jedoch zu viele Gym-Lehrer, weil in den meisten anderen Fächer die Studienanforderungen nicht so exorbitant hoch sind.
        Wie man diesem Mangel gegegnen soll? Keine Ahnung…

        • “Wie man diesem Mangel gegegnen soll? Keine Ahnung…”

          1. Die Polizei als Vorbild nehmen und ein duales, bezahltes Studium über 3 Jahre anbieten.

          Wir verlieren genug Interessenten an dem langjährigen und theoretischem Studium.

          2. Über die Notwendigkeit der Verbeamtung nachdenken. Andere Länder haben dies auch gemacht. Muss ein Lehrer verbeamtet werden?

          Der Vorteil wäre ganz einfach. Man könnte flexibler auf Mangel an bestimmten Schulformen oder in bestimmten Fächern reagieren. Zudem könnte man sich dann auch mit der Wirtschaft messen.

          Meine persönliche Vorstellung sähe wie folgt aus:
          1. Ausbildung: Duales Studium über 3-4 Jahre, bezahlt.
          2. Einstieg mit E9. Zusätzliche Aufgaben an der Schule werden bis E13 bezahlt. Zudem könnten Zulagen, je nach Bedarf oder Arbeitsaufwand, an Lehrkräfte für bestimmte Schulformen oder Fächer gezahlt werden.

          Beispiele: Es mangelt an Grundschullehrkräten oder Informatiklehrkräften? Dann gibt es entsprechend Zulagen. Die Korrektur von Abiprüfungen in Deutsch ist arbeitsintensiver als die Korrektur von Mathearbeiten in Klasse 6? Dann gibt es Zulagen.

          3. Für Aufgaben der Schulleitung, Stufenkoordination, etc. bedarf es einer Weiterbildung (ähnlich zur Polizei mit ihrem Masterstudiengang) als berufsbegleitendes Masterstudium. Dann könnten diese Personen nach E14-E15/E16 bezahlt werden.

          So könnte man flexible auf Mangel reagieren, Arbeit fair entlohnen und die Arbeitsbedingungen massiv verbessern. So könnte man allen Schulformen und allen Schulfächern gerecht werden. Zudem gäbe es für Lehrer auch einen gewissen Anreiz sich weiterzuentwickeln und für ihre Arbeit entsprechend entlohnt zu werden. In Bezug zu anderen Ausbildungen und Gehaltsentwicklungen wären die Gehälter dann auch mehr als fair.

          • Ich finde auch, dass man Lehrer über ein bezahltes duales Studium ausbilden sollte. Man muss ja Lehrer nicht zu potenziellen Professoren heranziehen, dann würde auch die enorme Durchfallrate in den Mint-Fächern für Lehrer entfallen.

      • Erklären Sie mir doch mal, warum die Arbeitsbedingungen am Gymnasium schlechter werden, wenn eine andere Berufsgruppe das Gleiche verdient?

        Die harte Drecksarbeit an der Basis machen ja andere, die meisten Gymnasiallehrer haben das Studium gewählt, weil sie zu großen Respekt für die Arbeit an einer anderen Schulform haben, deshalb will auch kaum einer von denen hinterher an eine Gesamtschule.

        • “Erklären Sie mir doch mal, warum die Arbeitsbedingungen am Gymnasium schlechter werden, wenn eine andere Berufsgruppe das Gleiche verdient?”

          Wo soll ich das gesagt haben? Ich habe gesagt, dass sich gerade in den Mangelfächern weniger Lehrkräfte finden lassen werden, wenn alle Lehrkräfte gleich viel verdienen. Dazu gibt es 2 Gründe:
          1. Man studiert dann z.B. Mathe lieber für die Sek I statt für die Sek II. Ist halt einfacher. Warum sollte man mehr machen, wenn man nicht mehr verdient?
          2. Mehr Personen entscheiden sich gegen den Beruf, da das ein deutliches Signal ist: es ist ein symbolischer Mittelfinger. Man muss sich mit den Fachkollegen aus der Wirtschaft messen. Dort erhalten sie als Mathematiker, Informatiker, etc. eine finanzielle Anerkennung. In der Schule heißt es “Sorry, aber eure Arbeit ist uns nicht mehr Wert, nur weil die Wirtschaft das so sieht”. Wer da keine Anerkennung erfährt, überlegt sich zweimal, ob er den Beruf ergreifen möchte.

          Im Übrigen teile ich nicht ihre Aussage mit der Drecksarbeit.
          1. Das ist keine Drecksarbeit.
          2. Auch Gymnasiallehrer gehören zur Basis. Bei Abiturquoten von 60% und bald 80%, findet man am Gymnasium alles. Selektion gibt es da nicht mehr. Je nach Einzugsgebiet ist das einzige was noch ein Gymnasium ausmacht der Name am Eingang.

  3. PS: Rechtschreib- und Satzzeichenfehler bitte ich zu entschuldigen. Habe spontan vom Mobiltelefon in der S-Bahn geschrieben… Danke

  4. Ich halte E9 für alle für sinnvoller. Dann kann man mehr Lehramtsstudienplätze finanzieren und auch mehr Lehrer einstellen.

  5. Ich meine mich ja an einen Bericht hier zu erinnern, dass 3/4 der Lehrer Frauen seien und auch an Gymnasien mittleweile um die 2/3 Frauen seien. Es ist also nett mit einer Statistik um sich zu werfen, das eine hat aber mit dem anderen nichts zu tun in diesem Fall.

    Ich bekomme selber auch nur A12, trotzdem finde ich es auch beschämend, dass man so ein Totschlagargument auspackt, wenn man nicht mehr weiter weiß, als nächstes dann bitte noch andere “Minderheiten” wie die Migranten oder Behinderte mit in die Argumente packen!

    Wie gesagt, ich fände es selber gut, wenn meine Arbeit entsprechend geschätzt würde, aber dann bitte nicht über dieses Argument, außerdem wird auch immer vergessen, dass in manchen Bundesländern auch viele andere Schulformen nur A12 erhalten, dann greift das Argument sowieso schon mal nicht.

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