Warum schafft es die Politik nicht, endlich für saubere Schultoiletten zu sorgen?

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HANNOVER. Schulen in der Region Hannover schitten bei Kontrollen des Gesundheitsamtes katastrophal ab. Auch in anderen Teilen Niedersachsens werde schlecht geputzt, kritisiert der Landeselternrat – ein wohl bundesweites Problem. Seit Jahren.

Auch die aufwändigste Sanierung hilft nur wenig, wenn die Schüler sich nicht für die Sauberkeit ihrer Schultoiletten verantwortlich fühlen. Foto: timbo / pixabay (CC0)
So sieht es in vielen Schulklos in Deutschland aus. Foto: timbo / pixabay (CC0)

Dreckige Fußböden, stinkende Toiletten, fehlende Seifenspender und Papiertücher: Eltern und Kinder klagen vielerorts in Niedersachsen über Hygieneprobleme in der Schule. Vor Einführung des Ganztagsunterrichts ließ sich der Klogang für Schüler noch auf den Mittag verschieben, wenn sie wieder zu Hause waren. Doch inzwischen ziehen sich regulärer Unterricht und Arbeitsgemeinschaften bis 16.00, teilweise bis 17.00 Uhr hin.

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Für den Landeselternrat ist die fehlende Sauberkeit ein Dauerbrenner. «Es scheitert am Geld», kritisiert der Elternratsvorsitzende Mike Finke. Die Schulträger seien nicht bereit zu investieren. Im Moment sei eine Toilette für 40 Schülerinnen und Schüler vorgesehen. «Das ist nicht mehr zeitgemäß», bemängelt er. Der Sanitärbereich müsse auch mittags, nicht nur einmal täglich gereinigt werden.

Kontrolleure des Gesundheitsamtes der Region Hannover haben zwischen Anfang 2016 und Ende 2018 Schulen in der Landeshauptstadt und dem Umland geprüft. Bei 112 Kontrollen wurden Reinigungsmängel in 79 Prozent der Schulen festgestellt. Bei 56 Prozent gab es bauliche Defizite oder gar einen Sanierungsstau. Bei 52 Prozent fehlte der vorgeschriebene Hygieneplan. Das ging aus einer Anfrage der CDU-Fraktion der Region hervor.

Die Mängel wurden nach Behördenangaben inzwischen beseitigt. Aus der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Wennigsen ist indes zu hören, dass immer noch nicht vernünftig geputzt werde. Die Schulleiterin hatte Anfang des Jahres über «unzumutbare hygienische Verhältnisse» geklagt, inzwischen verweist sie bei Medienanfragen an die Landesschulbehörde.

Beim Niedersächsischen Städte- und Gemeindebund war die Schulhygiene bisher kein Thema. «Vereinzelt kann es so etwas geben», sagt Sprecher Thorsten Bullerdiek. Die Landesschulbehörde bekommt laut einer Sprecherin immer mal wieder «Klagen über eine als mangelhaft wahrgenommene Reinigung». Zum Sanierungsbedarf der Schulen zwischen Harz und Nordsee kann das Kultusministerium keine Auskunft geben. Dies sei Aufgabe der Schulträger, sagt ein Sprecher.

An vielen Schulen gibt es Klos, die über 50 Jahre alt sind

Der Landesschülerrat (LSR) hat eine Umfrage unter Schülern gestartet und will beim Kultusministerium Druck machen. Hauptthema seien die Toiletten, aber es gehe auch um Asbest oder Schimmel im Klassenzimmer, sagt LSR-Chef André Brinkmann. «Wir fordern, dass das Land Mittel freimacht.» Es müsse einen Mindeststandard geben, auch in verschuldeten Kommunen.

Der Kreiselternrat Osnabrück zum Beispiel klagt, dass an sehr vielen Schulen die Toiletten schon über 50 Jahre alt seien. Teilweise rieche es dauerhaft übel, auch der Boden müsse erneuert werden. «Durch den Ganztagsbetrieb ist die Frequentierung der Toiletten gestiegen, aber die Putzintervalle wurden nicht angepasst», kritisiert der Stadtelternrat Braunschweig. Der Kreiselternrat Celle berichtet von Problemen mit Reinigungsunternehmen, bei denen häufig das Personal wechselt. Dieses fühle sich zudem nicht in dem Maße verantwortlich wie von der Gemeinde angestellte Putzkräfte.

Allein die Modernisierung der Sanitärräume bringe oft keine Verbesserung auf Dauer, beobachtet Svenja Ksoll von der German Toilet Organization. Die setzt sich weltweit für sauberes Wasser und eine bessere Sanitärversorgung ein. «Der Schlüssel ist mehr Verantwortung für die Schüler*innen», sagt Ksoll. So setzen Grundschulen – auch in Niedersachsen – bereits Schüler als «Toiletten-Wächter» ein. Neben Tafel- oder Klassenbuchdienst gibt es die Aufgabe, in den Pausen Kontrollgänge auf dem stillen Örtchen zu machen.

Die Organisation will in Kürze die Gewinner des zweiten bundesweiten Wettbewerbs «Toiletten machen Schulen» küren. Gewinner der ersten Ausgabe 2013 war die Ernst-Reuter-Schule in Pattensen bei Hannover – Sanitärräume an der Kooperativen Gesamtschule wurden unter anderem mit Hintergrund-Musik und sogar Kunstausstellungen unter dem Motto «CloArt» aufgewertet. Von Christina Sticht, dpa

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

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3 KOMMENTARE

  1. Das Problem ist nicht neu. Vandalismus und Zerstörungswut gehören mittlerweile vielerorts zum Schulalltag. Oft ist das ein Ausdruck von Wut, Langeweile und von fehlender Anerkennung. Die Frage ist: Was tun? Die Vorschläge reichen von der architektonischen Gestaltung über verstärkte Kontrollen und Strafen bis zu Projekten, die eine größere Identifikation mit der Schule ermöglichen. Wir haben dazu ein E-Book zusammengestellt, dass hier kostenlos runergeladen werden kann: http://www.das-macht-schule.net/vandalismus-in-der-schule-eindaemmen. Um Um etwas gegen Vandalismus zu tun, muss man erstmal versuchen die Ursachen zu verstehen. Dieser Blogbeitrag hilft dabei: http://www.das-macht-schule.net/vandalismus-besser-verstehen. Für die Prävention reicht es allerdings nicht, Schülerinnen und Schüler einfach mal die Klos streichen zu lassen. Partizipation muss verstetigt und an Werte und Wertschätzung muss immer wieder erinnert werden. Möglichkeiten dafür sind ebenfalls in dem genannten E-Book beschrieben. Wer möchte, kann auch gern unsere kostenlose Unterstützung bei solchen Projekten in anpruch nehmen: http://www.das-macht-schule.net/hol-dir-unterstuetzung.

  2. Die Politik schafft vieles nicht, nicht den Bau eines Schiffes (Gorch Fock), nicht den Bau eines neuen Bahnhofs (Stuttgart 21) und nicht den Bau des Berliner Flughafens (BER).
    Sie schafft es auch nicht, intakte Regierungsflugzeuge bereitzustellen, und nun schafft sie es noch nicht einmal, für saubere Schultoiletten zu sorgen.
    Dafür schafft sie es aber, für gendergerechte Toiletten zu sorgen!

    • Den sachgerechten Umgang mit Toiletten erlernt man eigentlich zu Hause.
      Aber spätestens auf Autobahntoiletten bekommt man einen Eindruck vom Umgang mit diesen Orten.

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