Lehrermangel an Brennpunktschulen: NRW erwägt Bonus – für neue Lehrer

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DÜSSELDORF. Schulen in ökonomisch schwachen Vierteln mit vielen Problemen haben oft große Schwierigkeiten, Lehrerstellen zu besetzen. Hilft Geld? Das will Nordrhein-Westfalen herausfinden. «Wir denken darüber nach, Lehrern, die bereit sind, an Schulen mit dringendem Personalbedarf und schwer besetzbaren Stellen zu gehen, befristete Zuschläge zu zahlen», zitiert die in Düsseldorf erscheinende Tageszeitung «Rheinische Post» Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) in der Montagsausgabe, 22. Juli 2019. «Auf diese Weise können wir den Lehrermangel gezielter angehen.»

Mehr Geld - fordern die Gymnasiallehrer für sich. Foto: S. Hofschlaeger / pixelio.de
Ein Gehaltsbonus soll Lehrkräfte in NRW an Schulen in schwierigen Lagen locken. Foto: S. Hofschlaeger / pixelio.de

Ihr Haus erarbeite derzeit einen «schulscharfen Sozialindex», auf dessen Grundlage Schulen in schwierigen Lagen künftig mehr Lehrerstellen zugewiesen werden sollen. Die Anzahl der Schulen und Stadtteile sowie die Größenordnung der Lehrer-Zulage konnte das Ministerium auf dpa-Anfrage noch nicht quantifizieren. In ihrem Koalitionsvertrag haben CDU und FDP versprochen, «neue Konzepte für beste Bildung in der Abhängigkeit vom jeweiligen Sozialraum» umzusetzen.

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Der Lehrerverband Bildung und Erziehung (VBE) sieht in den Plänen Vor- und Nachteile. Gegen einen Sozialindex hat VBE-Landeschef Stefan Behlau nichts einzuwenden. «Ungleiches muss auch ungleich behandelt werden», sagte er der Zeitung. Skeptisch beurteilte er hingegen die Zuschläge: «Das wäre den Kollegen, die schon seit Jahren eine herausragende Arbeit in diesen Schulen leisten, sehr schwer zu vermitteln.»

Debatte um Zentralabi: größerer Aufgabenpool als Alternative

In der Debatte um eine bessere Vergleichbarkeit des Abiturs in Deutschland forderte Gebauer einen größeren gemeinsamen Aufgabenpool der Länder. Dieser zurzeit aus vier Fächern bestehende Pool könnte auf weitere Fächer ausgedehnt werden, schlug sie vor.

Die Kultusministerkonferenz bemühe sich gegenwärtig darum, die Vergleichbarkeit der Abschlüsse zwischen den Bundesländern zu erhöhen. «Aber das geht sehr schleppend voran, weil man ja nicht nur die Prüfungen anpassen kann, sondern auch den vorangehenden Unterricht in der Oberstufe in den Blick nehmen muss.»

Die Abiprüfungen in den einzelnen Ländern bestehen derzeit aus einer Mischung: Die Schüler bekommen landesspezifische Aufgaben – und in den Kernfächern Deutsch und Mathe sowie Englisch und Französisch Aufgaben aus einem gemeinsamen Pool der Länder.

Über eine weitere Vereinheitlichung beziehungsweise ein Einheitsabitur in Deutschland wird seit Jahren diskutiert. Die Diskussion war im Frühjahr wieder neu aufgeflammt, nachdem Schüler sich über zu schwere Mathe-Aufgaben in den Prüfungen beschwert hatten (wir berichteten). Über die Qualität des «NRW-Abis» im Vergleich zum Bayern-Abitur hatte es vergangene Woche auch Sticheleien zwischen Gebauer und CSU-Generalsekretär Markus Blume gegeben (wir berichteten). dpa/lnw

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29 KOMMENTARE

  1. Kurz gesagt: Kostet Millionen und löst keines der Probleme, unter denen Lehrer an Brennpunktschulen leiden – und Schüler übrigens auch.

  2. Hört auf diesen User, er weiß Bescheid !

    Wäre halt eine Frechheit, wenn diesen Bonus nur neue Lehrer an der jeweiligen Schule bekämen. Dann sind auf jeden Fall die Arbeitsmoral weiter.

    • Es gibt eben keine Gymnasien mit dem Standortfaktor 5. Folglich könnten allenfalls Lehrkräfte mit Lehrbefähigung GY/GE, die an GE oder SekS eingesetzt sind, in den Genuss der Zulage kommen. Dieser generelle Ausschluss von Gymnasiallehrkräften an GY ist als Diskriminierung zu brandmarken.

      • @ dickebank: “Es gibt eben keine Gymnasien mit dem Standortfaktor 5.”
        Mich ärgern in diesem und anderen Blogs immer wieder leichtfertig behauptete falsche Aussagen.
        Laut VERA 8 in NRW von 2015 gibt es 44 Gymnasien mit dem Standorttyp 5 und 97 vom Standorttyp 4.
        Schon komisch in Ihrer Argumentation ist, dass immer dann von Diskriminierung von Gymnasiallehrern gesprochen wird, wenn sie an berechtigten “Vorteilen” nicht beteiligt sind. Klassischer Lobbyismus!

          • Alles, Standortfaktoren sind hierzu geschaffen worden, um faire Vergleiche zwischen den Schulen im Rahmen von VERA in NRW zu ermöglichen.
            Sorry, Dickebank, Sie stehen leider nicht im Stoffen und stellen trotzdem haltlose Behauptungen auf.

          • Falsch, die Standortfaktoren sind geschaffen worden, um schwache Schülerleistungen aufgrund von bildungsferner Arbeitsmoral, teilweise kulturell bedingt oder wegen Perspektivlosigkeit durch z.B. Hartz IV, schön zu reden.

          • 2011 waren 8% der GY dem Standorttyp 5 zugeordnet bzw. haben sich selbst entsprechend taxiert.

            DA es zu dieser Zeit ja bereits das G8 gab, ist die Frage erlaubt, welche Jahrgansstufe der GY denn dann an den Lernstandserhebungen (LSE 8) teilgenommen hat.

            Ferner würde mich interessieren, wo diese GY in NRW liegen, die diese Merkmale erfüllen:

            “Standorttyp der Stufe 5
            • Der Anteil an Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund (unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit) liegt bei den Schulen dieses Typs im Durchschnitt bei 61% und beträgt nur bei einem Viertel der Schulen weniger als 50%.
            • Für die Mehrzahl der Schülerinnen und Schüler gilt, dass die elterlichen Wohnungen in Wohngebieten liegen,
            o deren Einwohnerinnen und Einwohner ein stark unterdurchschnittliches Einkommen aufweisen (bezogen auf den Landesdurchschnitt), oin denen der Anteil der Personen mit Bezug von SGB-II-Leistungen im Durchschnitt bei 20% liegt und die Hälfte der Wohngebiete eine SGB-II-Quote zwischen 15% und 25% aufweisen,
            o in denen im Durchschnitt nur ein Fünftel der Haushalte in Ein- bis Zwei-Familienhäusern leben und
            o welche einen stark überdurchschnittlichen Anteil an Personen mit Migrationshintergrund aufweisen (bezogen auf den Landesdurchschnitt)
            http://www.schulentwicklung.nrw.de/lernstand8/lehrerinformationen/hintergrund/standorttypen/index.html

    • @ xxx: Mir geht Ihre unsachliche Besserwisserei ehrlich gesagt ziemlich auf den Geist: einfach ohne Kenntnis der Hintergründe sachfremde Behauptungen in die Welt zu setzen. Ein rationaler Diskurs sieht anders aus.
      Durch den Vergleich mit Schulen mit ähnlichen Ausgangsbedingungen haben Schulen die Möglichkeit ihren Entwicklungsstand besser einzuschätzen und sich ggfs. daran zu orientieren, was die erfolgreicheren Schulen besser machen.

      • Der Hintergrund ist doch meistens die Klientel. Auch die besten Lehrer können aus Wasser keinen Wein machen. Ich finde es sehr schade, dass Sie warum auch immer die Wahrheit nicht schonungslos beim Namen nennen wollen, sondern hinter Wortkonstrukten oder statistischen Taschenspielertricks verstecken.

        Ich bleibe auch so lange dabei, bis Sie mir eine Schule mit Standortfaktor 1 oder 2 und trotzdem vergleichbaren Leistungen einer anderen Schule mit Standortfaktor 4 oder 5 präsentieren.

        • Nur noch ein letztes Wort zu diesem Punkt: Ich habe als Insider am Konstruktionsprozess der Standorttypen die Fakten genannt. Aber wie soll man einem die Wahrheit näher bringen, der seine eigene Wahrheit faktenfrei definiert bzw. fabuliert.

    • “Ich war als Leiter des Statistikreferats in NRW …”
      Herr Möller: Wenn das stimmt, dann können Sie uns doch gewiss erklären, was Sie mit der empirischen (statistischen) Feststellung von Chancen(un)gleichheit, Chancen(un)gerechtigkeit meinen bzw. damit, dass Kinder aus unteren Schichten wegen des dreigliedrigen Schulsystems ganz schlechte Bildungschancen haben, dass PISA das erwiesen habe usw.
      Soweit ich weiß, messen alle Schulvergleichsstudien immer nur Kompetenzen und dann Korrelationen mit bestimmen Merkmalen. Die wirklichen Chancen, die ein Kind mal hatte oder auch nicht und die wahrgenommen wurden oder auch nicht, kann PISA gar nicht erfassen, das kann allenfalls eine Langzeitstudie.
      Die Friedrich-Ebert-Stiftung hat 2017 eine Studie herausgegeben (leicht zu erreichen unter dem Stichwort “Das Ende des Frontalunterrichts”). Darin steht auf Seite 62 unter Bezugnahme auf IQB-Tests der Satz: “Im Jahr 2015 ließen sich rund 10% der Kompetenzunterschiede in Deutsch und Englisch auf die soziale Herkunft der Schüler_innen zurückführen, wobei der Zusammenhang zwischen Kompetenzen und Herkunft in den Bundesländern unterschiedlich stark war.”
      Wie bitte? Nur 10% im Mittel, und in einigen Bundesländern weniger? Und da regen sich alle auf? Was ist denn mit den anderen 90% ? Deutet das wirklich auf die große soziale Ungerechtigkeit hin? Wieviel wäre denn Ihrer Meinung nach tolerabel, vielleicht 1% ?
      Herr Möller: Wie groß mag wohl der Einfluss des Parteibuchs auf die Gerechtigkeit bei der Beförderung von Ministerialbeamten sein? Weniger als 10% ?

      • @ Carsten60: “Herr Möller: Wie groß mag wohl der Einfluss des Parteibuchs auf die Gerechtigkeit bei der Beförderung von Ministerialbeamten sein? Weniger als 10% ?”

        Wenn nichts mehr hilft, dann argumentiert unterhalb der Gürtellinie?

        Der Platz hier reicht nicht aus, um ernsthaft auf Ihre Unterstellung und Fragen einzugehen. Ich beziehe mich keineswegs nur auf PISA.
        Daher hier ein link zu einem Artikel von mir:

        https://www.researchgate.net/publication/279715240_Herkunftsbedingte_Benachteiligung_beim_Ubergang_in_die_weiterfuhrenden_Schulen

        • Sie schrieben, dass rund 1/3 der Schüler am Gymnasium eine unterdurchschnittliche Lesekompetenz, 1/3 der Schüler an Stadtteilschulen u.ä. eine überdurchschnittliche Lesekompetenz hatten.

          Fragen:
          – Wie waren die restlichen Kompetenzen dieser Schüler?
          – Waren diese Schüler zwei Jahre später noch immer auf derselben Schulform?
          – Wie war die Schulformempfehlung für diese Schüler?
          – Haben sich die Eltern an die Empfehlung gehalten? Warum bzw. warum nicht?

          Zweifellos haben Sie diverse Korrelationen aufgezählt, daraus aber Kausalitäten zu machen, finde ich gewagt, zumal Sie aus ihrer bildungspolitischen Richtung auch in dem Artikel keinen Hehl machen. Sie haben zum Beispiel die Begriffe Gerechtigkeit, Chancen, Gleichheit usw. nicht sauber definiert.

        • Ich hatte schlicht gefragt, ob 10% Einfluss der sozialen Herkunft auf Kompetenzunterschiede das ganze Tamtam darum rechtfertigen. Sie verweisen stattdessen auf den Übergang auf weiterführende Schulen (der in der IQB-Studie ja mit eingepreist ist, weil man alle testet). Es wird immer vergessen, dass entscheidende Prägungen vor Schulanfang erfolgen. Die Ungerechtigkeiten dabei (gewiss gibt’s die) darf man nicht einfach dem Schulsystem anlasten. Das kann – grob gesagt – davon kommen, dass gerade intelligente kleine Kinder viel fragen. Die einen Eltern antworten dann und erklären, und andere sagen genervt: “Halt’s Maul, sonst kriegste eine gescheuert.” Davon ist nie die Rede, man lastet die resultierenden Unterschiede der Schule an. Aber keine Schulreform wird das je beseitigen.

          Und ob Kinder in einem bestimmten Alter Chancen hatten, kann keine empirische Studie später noch durch Korrelationen feststellen. Das Wort “Chance” ist nicht mit dem Wort “Erfolg” gleichzusetzen. Auch bei Vorhandensein von Chancen kann der Erfolg ausbleiben, das ist doch eine Binsenweisheit. Chancen müssen genutzt werden.

          Übrigens: Mein Vater (parteilos) war Beamter in einem Ministerium und hat so manches erzählt. Die Kollegen sprachen ungeniert etwa so: “Ach, warum ist der XY denn so schnell befördert worden? Na, der ist doch in der Partei.” Es war ein langjährig SPD-regiertes Bundesland. Auch außerhalb der Schule gibt es Ungerechtigkeiten, aber von denen darf man hier offenbar nicht sprechen. Die Väter des Grundgesetzes hatten sich diese Parteien-Herrschaft so nicht vorgestellt, das sieht man klar am Text des Grundgesetzes.

  3. Fakt ist: wenn es die Zulage nur für Neueinstellungen gibt, obwohl ich schon Jahre an nem Brennpunkt arbeite, dann kann mich Schwarz/Gelb mal so richtig!
    Mit mehr Geld wäre ich allerdings besänftigt.

    • @ Reisinger850, hoffentlich bekommen Sie es nicht! Sie werden eh nie zufrieden sein, denn mehr ist immer möglich. Spätestens nach einem halben Jahr werden Sie wieder neu über die schlechte Bezahlung der Lehrer klagen. Wetten?

      Leute, die nur nach mehr Geld schielen und die nur Lehrer geworden sind, weil man da (fast) unkündbar ist, viel Geld verdient und ‘ne fette Pension bekommt, möchte ich am liebsten nicht als Lehrer haben – sag’ ich’s mal so (ja, die Sympathie ist sicher gegenseitig). 🙂

      Diese Zulage hat in Berlin auch Millionen gekostet und nur neuen Unmut hervorgerufen. Eine Schule, die nur 79% Hartz-IV-Kinder hat, bekommt die Zulage nämlich nicht. Die gibt es erst ab 80%. Auch sollen Seiteneinsteiger, die bevorzugt an solchen Schulen arbeiten (weil die anderen trotz Zulage eher flüchten von dort), sie nicht bekommen. . Vertretungskräfte vermutlich auch nicht. Also ganz viele nicht, nicht, nicht …….. (vermutlich wäre Ihnen das aber egal, Hauptsache, Sie bekommen sie?!). Ganz viele unzufriedene Kollegen und kein einziges Problem ist gelöst!

      Das ist auch Fakt!

  4. Sie haben ja viel Ahnung! In Wahrheit wissen sie nix, und dürfen sich auch nicht erlauben hier für alle zu sprechen, da sie mit A13 ja ohnehin aus allem raus sind! Kann Ihnen ja egal sein! Wäre es mir wohl auch…

    In Berlin ist, soweit wie ich das verfolgt habe, noch kein Cent geflossen! Was können sie dann schon von Problemen wissen?
    Fakt ist: wenn ein Kollege an meine Schule kommt, weil er da eine Zulage bekommt, sehe ich nicht ein, gleichwertige Arbeit weiterhin zu machen, da ich da seit Jahren bereits den Allerwertesten hinhalte bei 90% Hartz 4 und Eltern, die sich nicht kümmern und kein Deutsch können!

    Und ganz zu schweigen davon, dass jeder SekI oder Grundschullehrer dringend jetzt in NRW A13/E13 erhalten muss, sonst bricht das ganze System bald zusammen. Die Zulage ist eiglt ein Witz von schwarz/gelb, da das eigentliche Wahlversprechen im Bereich Bildung A13 hieß !

    • @ dickebank
      hier finden Sie als Antwort der Landesregierung zu einer Kleinen Anfrage von 2016 der FDP u.a. auch Standorttypenzuordnung einzelner Schulen.
      Die Selbsteinschätzung der Schulen gibt es seit 2011 nicht mehr

    • @ Reisinger,

      ach Quatsch. Sie arbeiten auch an der gleichen Schule und bekommen unterschiedliches Gehalt aufgrund Anstellungsart (Beamter/Angestellter, wenn es das bei Ihnen gibt) und Erfahrungsstufe …

      Sie können einfach den Hals nicht voll kriegen. Es geht Ihnen nur um sich selbst. Aber Sie haben auch teilweise Recht, für Kollegen wie Sie spreche ich natürlich nicht. Das ist klar.

    • Also wenn nicht alle A13 bekommen, bricht das System zusammen? Hm. Wie ist das in anderen Ländern, die nicht so reich sind wie D?

      • Da wird regelmäßig gestreikt. Wenn du nicht der Meinung bist, dass das System dann zusammenbricht, dann gehe doch mal an eine Hauptschule/Realschule nach NRW.

  5. “In dem Maße, wie der Wille und die Fähigkeit zur Selbstkritik steigen, hebt sich auch das Niveau der Kritik an anderen.”

    Christian Morgenstern

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