Kinder- und Jugendhilfe: “Die Last der Verantwortung wächst”

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ROSTOCK. Die Kinder- und Jugendhilfe umfasst eine Vielzahl von Aufgaben: Frühe Hilfen in den Familien, Kindertagesförderung oder Hilfen zur Erziehung. Besonders in strukturschwachen Regionen ist das oft schwierig.

Immer wieder gibt es Fälle von brutaler Gewalt gegen Kinder - Symbolbild. Foto: goldsardine / Flickr (CC BY-ND 2.0)
Immer wieder werden Kinder zu Opfern – und damit zu Fällen für die Kinder- und Jugendhilfe. Foto: goldsardine / Flickr (CC BY-ND 2.0)

Das Aufgabenspektrum für die Kinder- und Jugendhilfe und damit auch die Anforderungen und Erwartungen sind nach Ansicht von Mecklenburg-Vorpommerns Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) rasant gewachsen. Dies werde an der Zahl der Beschäftigten in diesem Bereich deutlich. So stieg die Zahl der in der Kinder- und Jugendhilfe tätigen Personen im Land von rund 12.400 im Jahr 2006 auf mittlerweile fast 22.000, wie Drese am Mittwoch beim 4. Kinder- und Jugendhilfekongress in Rostock sagte. Dennoch sei die Last der Verantwortung für die Fachkräfte deutlich spürbar, insbesondere bei komplexen Problemlagen.

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Nach Kritik an zu geringer finanzieller Unterstützung der Jugendarbeit durch das Land erklärte die Ministerin: «Nach über 20-jähriger Stagnation der Landeszuschüsse für die Jugendarbeit der Kommunen haben wir im Entwurf des Landesdoppelhaushalts eine Erhöhung der Pro-Kopf-Beträge um 25 Prozent von 5,11 Euro auf 6,43 Euro vorgenommen.» Dies sei ein wichtiger Schritt zur Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendarbeit im Land. Zusätzlich würden die Pro-Kopf-Sätze jährlich um 2,3 Prozent steigen.

Zuvor hatte die Neubrandenburger Psychologieprofessorin Barbara Bräutigam das finanzielle Engagement der Landesregierung im Bereich der Jugendhilfe und Jugendarbeit als zu niedrig kritisiert. Sie forderte, das Engagement für die vollständige Beitragsfreiheit für Kitas zugunsten der Jugendhilfe zu überdenken.

Kritik kam von den Linken im Landtag. Die vorgesehene Bemessung der Gelder für die Kinder- und Jugendarbeit sei ein Nullsummenspiel, sagte die kinder- und jugendpolitische Sprecherin, Jacqueline Bernhardt. So soll sich die Zuweisung an der Anzahl der 6- bis 21-Jährigen orientieren statt wie bisher an der Zahl der 10- bis 26-Jährigen. Dies sei nicht nachvollziehbar, da das zugrundeliegende Bundesgesetz für 0- bis 26-Jährige gilt. Nur mit einer ausreichenden Ausstattung für alle Bis-zu-26-jährigen könne eine vernünftige Arbeit geleistet werden und weitere Schließungen von Jugendclubs und anderen Einrichtungen verhindert werden.

«Kinder- und Jugendhilfe darf nicht nur als Feuerwehr für Notfälle gesehen werden, sie ist Teil der Gesellschaft und des Sozialstaats», sagte Susanne Braun, Leiterin des Zentrums für Praxis und Theorie der Jugendhilfe Schabernack bei Güstrow und Organisatorin des Kongresses. In der Öffentlichkeit werde Jugendhilfe meist über das Thema Kinderschutz wahrgenommen, doch sie sei viel mehr: Sie leiste Bildung, Betreuung und Erziehung in Kitas und gestalte gleichberechtigt mit den Schulen die Programme zur Ganztagsbetreuung. dpa

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