Nur eineinhalb Minuten Putzzeit pro Klassenraum? Initiative macht mobil

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BERLIN. Die Initiative «Schule in Not» hat für ihr Bürgerbegehren «Saubere Schulen» in Berlin-Neukölln in den ersten sieben Wochen 5000 Unterschriften gesammelt. Das sagte Initiator Philipp Dehne. Bis Jahresende seien 7000 gültige Unterschriften nötig. Ziel sei es, Reinigungskräfte beim Bezirk anzustellen statt private Anbieter zu beauftragen. An diesem Dienstag sei ab 16.30 Uhr vor dem Rathaus Neukölln eine Kundgebung von Schülern, Lehrern, Eltern, Reinigungskräften und Hausmeistern geplant, so Dehne.

Reinigung ist ein Kostenfaktor, an dem gerne gespart wird. Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

Auch in anderen Bezirken regt sich derzeit Widerstand gegen schmutzige Schulen. Dreck und unzureichende Reinigung seien ein berlinweites Problem, doch seit Jahre passiere nichts, sagte Dehne. Reinigungskräfte hätten mitunter nur eineinhalb Minuten pro Klassenraum Zeit – mit entsprechenden Folgen. In Pankow, Friedrichshain-Kreuzberg, Charlottenburg-Wilmersdorf und Tempelhof-Schöneberg haben inzwischen ebenfalls Unterschriftensammlungen für saubere Schulen begonnen.

Kommen die nötigen Unterschriften zusammen, müssen sich die Bezirksverordnetenversammlungen mit den Begehren beschäftigen. Übernehmen sie die Forderungen nicht, kommt es zum Bürgerentscheid. dpa

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4 KOMMENTARE

  1. Das sind ja letztlich auch nur die Folgen der Sparpolitik, die in den letzten Jahrzehnten zu einem massiven Stellenabbau im ÖD führte und uns unter der Parole „mehr netto vom Brutto“ schmackhaft gemacht wurde. Dann ist eben kein Geld mehr da für genügend häufige und qualitativ akzeptable Schulreinigungen. Man nimmt die billigsten Firmen und die sind doch nicht ohne Grund so billig.

    Mindestens deren Angestellte bezahlen mit weniger Lohn (!!!), was wir als mehr netto vom Brutto im eigenen Portmonee anhäufen und entsprechend wählen ……….. und dann jammern und wehklagen, dass der Staat seine Aufgaben nicht bzw. schlecht erfülle.

      • Sag ich doch, aber dahinter steckt eben auch die mehr-netto-vom-Brutto-Politik, mit der die Parteien ihre Wähler ködern.

      • Das ist nicht wahr. Die Kommunen können – sofern sie nicht in der Haushaltssicherung sind – die Dienstleistung freihändig vergeben.

        Die Vorgaben für die Reinigung sind Bestandteil der jeweiligen Ausschreibung. Und die sieht im Regelfall eine Intervallreinigung vor. D.h. die Klassenräume werden nur jeden zweiten bzw. jeden dritten Tag gereinigt, die Flure und Sanitäranlagen täglich. Klassen- und Fachräume, die nicht von den Schülern zumindest besenrein hinterlassen worden sind, werden gar nicht erst in (Scheuer-)Angriff genommen.

        Am Ende ergibt sich ein rechnerischer Wert von zei Minuten je Klassenraum. Ob die einmalige, tägliche Reinigung der Sanitäranlagen am Ende eines Unterrichtstages sinnvoll ist, ist im Sinne sparsamer Haushaltsführung vollkommen uninteressant. Immerhin sind die Toilettenanlagen von 16:00 Uhr bis ca. 8:00 Uhr des Folgetages einigermaßen – entsprechend der vertraglichen Vorgaben – ordentlich gereinigt. Das sind immerhin annähernd 16 Stunden und somit mindestens 60% der Unterrichtstage. Über ein Schuljahr gerechnet wird dieser Prozentwert dann immer besser, was bei 12 Wochen unterrichtsfreier Zeit sowie den Wochenenden sowie gesetzlichen feiertagen auch nicht weiter verwundert. Schließlich stehen die Toilettenanlagen maximal an rund 200 Unterrichtstagen im Jahr für bis zu acht Stunden für eine potentielle Nutzung bereit. 200 Unterrichtstage zu max 8 Stunden ergibt eine Nutzungszeit von 1600 Stunden. Die nutzungsfreie Zeit sind folglich 3200 Stunden also circa 133 Tage. Dazu kommen mindestens 165 unterrichtsfreie Tage – suma sumarum also rd. 300 Tage. Das wiederum sind rund 7150 Stunden, die die Sanitärräume ungenutzt vor gehalten werden. Die Relation von maximal 1600 möglichen Betriebsstunden 7150 Stunden einer „Nicht-Nutzung“ entspricht rund 22,4%. Die Toiletten sind rechnerisch also während einer Zeit von über 75% in vertragsgemäß gereinigtem Zustand. Wozu also die gesamte Aufregung, es ist doch alles – zumindest rein rechnerisch – in bester Ordnung:(

        Den Reinigungsfirmen ihr Geschäftsgebaren vorzuwerfen ist pure Heuchelei. Die liefern nur, was die Kommunalverwaltungen als Sachaufwandsträger bestellt haben. Üblicherweise wechselt zwar das Unternehmen, das die Ausschreibung gewonnen hat, das Personal wechselt dann vom bisherigen zum neuen Arbeitgeber. Der Stundenlohn bleibt formal derselbe, das Arbeitstempo wird halt erhöht bis der Zweiminutenwert erreicht ist.

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