Wow! Beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten gab’s so viele Teilnehmer wie nie!

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BERLIN. Beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten hat sich der junge Berliner Anton Höffer mit dem Märkischen Viertel beschäftigt. Die Recherche war zeitraubend, aber lohnend: Sie hat ihm einen der fünf ersten Preise eingebracht. Auch der Wettbewerb selbst war ein voller Erfolg. Die Initiatoren melden einen Teilnehmerrekord.

Gruppenbild mit Bundespräsident. Foto: Körber Stiftung

Monatelang hat Anton Höffer gleich nach der Schule entweder im Archiv oder am Schreibtisch gesessen. An so manchem Wochenende hat er durchgearbeitet, fürs Privatleben blieb wenig Zeit. Der 18-Jährige hat recherchiert, was die Gründe für den linken Widerstand gegen das Bauprojekt Märkisches Viertel in Reinickendorf Ende der 1960er Jahre waren. Rund 60 Seiten hat er darüber geschrieben. Sein Beitrag zum Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten ist am Dienstag im Schloss Bellevue mit einem der fünf ersten Preise ausgezeichnet worden. Mit 5627 Teilnehmern und 1992 eingereichten Arbeiten war die Beteiligung diesmal so groß wie nie zuvor.

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Forschungsthema: Schülerproteste in der DDR

Fluchterfahrungen von Hugenotten und Waldensern im 17. Jahrhundert, Schülerproteste in der DDR oder die Integration vietnamesischer ›Boatpeople‹ in Deutschland: Zu Themen wie diesen haben Schülerinnen und Schüler aus Berlin, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Sachsen-Anhalt geforscht, die sich im Rahmen des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten für die ersten Preise qualifiziert haben. Die fünf mit je 2.000 Euro dotierten ersten Preise überreichte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Schloss Bellevue.

Das Thema Linksterrorismus habe ihn schon vorher interessiert, sagte Preisträger Höffer, der inzwischen am Bertha-von-Suttner-Gymnasium Abitur gemacht und sein Jurastudium in Münster begonnen hat. Aber die Zusammenhänge mit dem Protesten im Märkischen Viertel in Reinickendorf kannte er nicht. Bei seinen Recherchen hat er Hunderte von Zeitungen durchgeschaut, Dokumente in Archiven gesichtet, Zeitzeugen-Interviews geführt und so auch die Rolle der späteren RAF-Terroristin Ulrike Meinhof bei den Protesten gegen das Neubauviertel beleuchtet.

Aus Sicht von Steinmeier ist die Rekordzahl der Beiträge zum Wettbewerb, der sich diesmal dem Thema «So geht’s nicht weiter. Krise, Umbruch, Aufbruch» widmete, ein Zeichen dafür, dass von mangelndem Interesse an Geschichte keine Rede sein könne. «Eine ebenso schöne wie beruhigende Erkenntnis.» Ihn stimme das zuversichtlich, denn es zeige, dass es besonders unter den Jungen im Land viele gebe, die sich Krisen und Problemen stellten.

Die Schülerinnen und Schüler stellten Bezüge zur Gegenwart her

Viele der eingereichten Beiträge beschäftigen sich mit der Einführung des Frauenwahlrechts, den Revolutionen von 1848 und 1918/19, dem Zweiten Weltkrieg und den damit verbundenen Zwangsmigrationen oder mit dem politischen Umbruch 1989. Ausgehend von der historischen Analyse stellten die Teilnehmer auch Bezüge zur Gegenwart her: »Das Wettbewerbsthema hat unter den Jugendlichen offensichtlich einen Nerv getroffen. Krisen, Umbrüche und Aufbrüche der Vergangenheit haben junge Menschen aus dem gesamten Bundesgebiet dazu inspiriert, kritisch über ihr aktuelles Lebensumfeld und über das Miteinander in unserer heutigen Gesellschaft nachzudenken«, so Gabriele Woidelko, Leiterin des Bereichs Geschichte und Politik der Körber-Stiftung.

Den Geschichtswettbewerb richten die Körber-Stiftung in Hamburg und das Bundespräsidialamt seit 1973 aus. Ausgeschrieben wird er alle zwei Jahre. Insgesamt gab es nach Angaben der Stiftung bereits mehr als 147.000 Teilnehmer.

Die fünf Erstpreisbeiträge in der Übersicht

Arnd-Cedric Edel, Charlene Korn, Dorothea Ecker, Jan Stötzner, Konstantin Jahn, Lisa Nolde, Magnus Türpisch, Max Geiger
5. und 6. Klasse, CJD Christophorusschule Droyßig, Sachsen-Anhalt
»Gehören die Bären nach Droyßig? Die Tradition der Droyßiger Bärenhaltung. Krise oder Aufbruch?«
Tutorin: Ines Schneider

Floria Herget
10. Klasse, Romain-Rolland-Gymnasium, Dresden, Sachsen
»Réfugiés Bienvenue? Integration und Assimilation von Hugenotten und Waldensern in Hessen-Kassel im 17. und 18. Jahrhundert«
Tutor: Tommy Sitte

Anton Höffer
12. Klasse, Europäisches Gymnasium Bertha-von-Suttner, Berlin
»Sie liebten die Krise. Linke Agitation in einem West-Berliner Neubauviertel im zeitlichen Rahmen der 68er-Bewegung«
Tutor: Thorsten Koch

Lena Huynh
13. Klasse, Friedensschule Münster Gesamtschule, Nordrhein-Westfalen
»Das Leben mit der Krise. Vietnamesische Boatpeople als Folge des Vietnamkrieges«
Tutor: Christoph Heeke

Julius Klingemann
9. Klasse, Einstein-Gymnasium Potsdam, Brandenburg
»Verleugnete Krise. Die Gruppenflucht der Potsdamer Einsteinschüler 1950«
Tutor: Dr. Dieter Rauchfuß

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