Coronavirus: Müssen Schüler und Lehrer schon bei Schnupfen zu Hause bleiben? Unterschiedliche Vorgaben sorgen für Verwirrung

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DUISBURG. Eine Corona-Infektion kann sich in exakt den gleichen Symptomen äußern wie eine banale Erkältung. Heißt das also, dass alle Schüler und Lehrer mit Schnupfen zu Hause bleiben sollten? Das könnte die Schulen auf einen Schlag leeren. Von den Gesundheitsbehörden gibt es unterschiedliche Antworten auf diese Frage – und das sorgt für Verwirrung, sogar Ärger. Der Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte warnt vor Überreaktionen.  

Reicht ein Schnupfen aus, um ein Schulkind zu Hause zu halten? Diese Frage dürften sich derzeit Hunderttausende von Eltern stellen. Foto: Shutterstock

Das Corona-Virus sorgt zunehmend für Störungen im Unterrichtsablauf der Schulen. Immer mehr stellen ihren Betrieb zeitweilig ein (Fokus online liefert eine aktuelle Zusammenstellung – hier). Andere streichen Klassenfahrten oder bemühen sich darum, die Hygiene zu verbessern. Für Unsicherheit sorgt jetzt die Frage, ob Schüler und Lehrer schon bei ersten Erkältungssymptomen – beileibe keine Seltenheit zu dieser Jahreszeit – zu Hause bleiben sollen. Sich widersprechende Vorgaben von Gesundheitsbehörden sorgen für Verwirrung.

Rundschreiben vom Schulamt

In Duisburg sorgt der „Westdeutschen Zeitung“ zufolge ein Rundschreiben des Schulamtes für Aufregung vom Mittwoch. Inhalt: Kinder mit Erkältungssymptomen sollen ab sofort vom Unterricht ausgeschlossen und nach Hause geschickt werden. Schulen haben bereits darauf reagiert. „Wir sind angehalten wegen der hohen Ansteckungsgefahr anders als in ,normalen’ Zeiten Sie zu bitten, dass bereits bei ersten Anzeichen einer Erkrankung (dies können z.B. Schnupfen, Halsschmerzen, Husten, etc. sein) Ihr Kind zu Hause zu lassen und nicht in die Schule zu schicken“, so heißt es beispielsweise in einem Schreiben einer Grundschule an die Eltern.

Im benachbarten Oberhausen gelten dagegen andere Regeln. „Wir überlegen solch eine Anordnung nicht, weil die Wahrscheinlichkeit, dass ein Schüler mit Erkältungssymptomen tatsächlich den Coronavirus in sich trägt, äußerst gering ist. Die Quote liegt hier bei 0,1 Prozent“, so heißt es laut einem anderen WAZ-Bericht dort.

Reicht in Duisburg wirklich schon ein Schnupfen aus, dass ein Schüler – oder ein Lehrer – zu Hause bleibt oder gar vom Unterricht ausgeschlossen wird? Michael Fuchs, Vorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) in Duisburg, hält die Vorgabe dem Bericht zufolge für überzogen. „Wenn bei einem Kind die Nase läuft, bekommt es ein Tempo, aber ich schicke es doch nicht gleich nach Hause“, meint der Grundschullehrer. „Und ein Großteil meiner Kolleginnen und Kollegen macht das auch nicht anders.“ Er habe sich auch an anderen Schulen umgehört. Allerdings seien viele Lehrer durch das Schreiben verunsichert worden. „Wir sind ja keine Ärzte und jeder hat ein anderes Empfinden, ob es sich um einen vergleichsweise harmlosen Husten oder etwas Schlimmeres handelt.“

Dass kranke Lehrer und kranke Kinder nicht in die Schule gehören, sei klar. „Das galt vor der Ausbreitung des Coronavirus und wird auch danach gelten“, sagt Fuchs.

Schulfrei bei Erkältung? 25 Kinder husten

Auch der GEW-Vorsitzende in Duisburg, Rüdiger Wüllner, zeigt sich unglücklich über das Rundschreiben. „So wird den Lehrern unnötigerweise noch mehr Verantwortung aufgebürdet.“ Im Bericht ist die Rede davon, dass Eltern in sozialen Medien bereits Lehrer beschimpft haben. Wüllner erzählt eine Anekdote, wozu die Anordnung führen kann: Eine Lehrerin einer Grundschule habe ihrer Klasse das Rundschreiben vorgelesen. Schulfrei bei Erkältung? 25 Kinder hätten im Chor gehustet.

Woran sehen Eltern denn, dass ihr Kind Coronavirus haben könnte? „Gar nicht. Und das ist das Gemeine“, so heißt es beim Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte. „Eine Erkrankung an Coronavirus lässt sich nicht einfach so feststellen. Eine schwere Erkrankung ähnelt der Influenza, mit der wir jetzt massenhaft zu tun haben, wie ein Ei dem anderen.“ Leichtere Infektionen bestünden einfach aus „Hustenschnupfenheiserkeit. Wie jede Erkältung. Und deshalb merkt der Patient erstmal nichts und der Arzt kommt auch nicht drauf. Aber angesteckt habe ich dann schon alle möglichen Leute.“ Eine Coronainfektion bei einem Kind sei „unsichtbar“.

Allerdingt waren die Kinderärzte Eltern vor Panik. „Die Erkrankung an Coronavirus ist nicht harmlos“, so schreiben sie und betonen: „Aber bei Kindern unter 10 Jahren in 0% tödlich! NULL Prozent!“ News4teachers

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

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1 KOMMENTAR

  1. An der diesjährigen Grippe-Epidemie sind nach geschätzten Hochrechnungen des RKI Robert-Koch-Instituts auf Grund serologisch und anderweitig gemeldeter Erkrankungen über die Hausarzt- und Kinderarztpraxen in der laufenden Wintersaison von der 40. Kalenderwoche 2019 bis zur 9. Kalenderwoche 2020 2.300.000 Personen erkrankt, von denen 200 Personen an den Folgen der Grippeerkrankung durch nachfolgende Pneumonien/Lungenentzündungen verstorben sind.
    Die betroffenen Verstorbenen lagen allesamt über 60 Jahre.

    Zum Vergleich erkrankten bisher in Deutschland seit dem Ausbruch des Coronavirus in 2020, Stand 9.3.2020 15 Uhr, 1.139 Personen am Coronavirus, von denen bisher 2 Personen verstarben bei 290 Fälle mit Kontakten nach Heinsberg, und diese Erkrankungen lassen sich alle zurückführen auf eine einzelne Karnevalsveranstaltung durch den Besuch eines einzelnen erkrankten Rückkehrers aus der Provinz Wu-Han .
    Das Virus scheint also ähnlich dem Masernvirus besonders kontagiös zu sein, was in diesem Maße nicht für das Grippevirus gilt.

    Populisten, wie zum Beispiel ein Herr Trump, halten die Maßnahmen und Empfehlungen zur Eindämmung des Coronavirus, wie etwa die Einschränkung sozialer Kontakte und die Vermeidung von Großveranstaltungen, für übertrieben.
    Soviel zu dessen Verantwortungsbewusstsein und rhetorischem Umgang und dessen fehlenden Empfehlungen zur Eindämmung der weiteren Ausbreitung dieser hochansteckungsfähigen Viruserkrankung, die in besonderem Maße ältere Mitmenschen und immunsupprimierte Personen schädigen wird, so wie bei der Grippe, die allerdings eine geringere Ansteckungsfähigkeit beinhaltet als das Coronavirus.

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