Die Verwandlung – Aus Smartphone wird Netbook

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Für Smartphones ist der Weg in den Schulunterricht weiterhin steinig. Obwohl sie im Alltag allgegenwärtig sind, hält sich weiterhin hartnäckig die Meinung, dass Smartphones den Anforderungen einer digitalen Lernumgebung nicht genügen. Zudem sei es sozial ungerecht, Privatgeräte im Unterricht zu verwenden. So lauten jedenfalls die Standardargumente der BYOD-Kritiker.

Soziale Gerechtigkeit

Die Kritik zu mangelnder sozialer Gerechtigkeit ist schnell widerlegt. Natürlich gibt es Smartphones unterschiedlichster Preiskategorien. Das Äußere eines Smartphones besteht jedoch im Wesentlichen aus dem Touchscreen, drei Bedienknöpfen, der Ladebuchse und einem Deckel, der wiederum bei über 90% der Nutzer von einer Schutzhülle verdeckt wird. Somit lässt sich der Wert des Geräts, anders als bei Kleidung oder Schmuck, kaum am äußeren Erscheinungsbild ableiten. Und ja, 1% besitzen kein Smartphone und etwa 5% bringen ihr Smartphone nicht zur Schule mit. Aber im Hinblick auf die katastrophalen Arbeitsbedingungen beim Abbau der Rohstoffe ist eine Lösung mit Leihgeräten sozial weitaus gerechter als 11 Millionen Schüler*innen ein zusätzliches Gerät zu kaufen. Zur Unterstützung einer sozial gerechte Versorgung mit Leihgeräten gibt es die Möglichkeit, einen Teil der 200 Millionen ungenutzten Geräte für die Bildung zu spenden. Apropos, wenn Sie beim Aufräumen ein gutes Zweitgerät in der Schublade finden, spenden Sie es doch bitte an die gemeinsame Kampagne des Berliner ReUse e.V. und des StartUps kaputt.de unter https://www.kaputt.de/schulspende/.

Ein echtes Argument gegen den Einsatz von Smartphones im Unterricht sind die fehlende Tastatur und die geringe Bildschirmgröße. Hier stellt sich die Frage, ob sich als Alternative zum Schul-Tablet nachhaltige und vor allem langlebige Alternativen finden lassen.

Bluetooth-Tastatur für das Handy

Bei der Tastatur lautet die Antwort, ja. Es gibt ausgezeichnete Bluetooth Tastaturen, die sich problemlos mit Smartphones nutzen lassen. Dieser Artikel wurde mit einer solchen Tastatur auf einem Smartphone geschrieben. Sie hat 23€ gekostet und funktioniert mit gängigen Geräte unter Windows, Android oder iOS. Viele Smartphones erkennen die Tastatur bereits unmittelbar nach der Bluetooth-Koppelung. Damit das Layout der Tastatur richtig erkannt wird, muss bei einigen Android Versionen noch die zugehörige App installieren werden. Neben den Tasten gibt es auf dem von mir genutzten Modell auch ein praktisches Touchpad. Derzeit lässt es sich allerdings noch nicht unter iOS verwenden. Hier hat Apple aber eine zeitnahe Lösung in Aussicht gestellt. Unter Android lässt sich das Touchpad als Maus wie auf einem Computer verwenden. Bei der Bedienung mit meinem Smartphone nutze ich die Tastatur und Maus jedoch erst, wenn ich in der App zur Textverarbeitung bin. Das Starten der App über den Touchscreen finde ich angenehmer, weil sich mein Startbildschirm nicht im Querformat bedienen lässt. Dazu braucht mein Betriebssystem eine zusätzliche App. Insgesamt ist die Kombination aus Bluetooth-Tastatur und Smartphone aber absolut ausgereift. Bleibt das Problem der Bildschirmgröße.

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Bei der von mir verwendeten Anzeige lassen sich im Querformat 14 Zeilen a 60 Zeichen darstellen. Das ist für das Verfassen und Bearbeiten von Texten  völlig ausreichend. Die Größe des Display ist hingegen mit einer Bildschirmdiagonalen von etwas über 14 cm zu klein für längeres Arbeiten. Ein Weg zur größeren Bildschirmfläche ist das Koppeln an eine größere Anzeige über WiFi oder ein Kabel. In dieser Kombination hätte man bereits für deutlich unter 100€ ein Smartphone in ein Netbook mit Tastatur und großem Bildschirm verwandelt. Will man eine noch nachhaltigere Variante, kann man den Monitor durch eine Tisch- oder Bildschirmlupe ersetzen. Hier liegt die Preisspanne zwischen 5€ und 50€. Bei den Lupen gibt es unterschiedliche Typen von Linsen, die sich hinsichtlich ihrer Vergrößerung kaum unterscheiden. Egal ob es sich um eine Fresnel-Linse aus Kunststoff oder eine herkömmliche Glaslinse handelt, die Vergrößerung liegt in der Regel beim Drei- bis Vierfachen. In der Bildqualität gibt es hingegen deutliche Unterschiede. Bei günstigen Modellen zeigen sich Verzerrungen am Bildrand und Probleme bei der Farbdarstellung. Weiterhin sollte man unbedingt darauf achten, dass das Smartphone oder Tablet fest in der Halterung sitzt und sich der Blickwinkel einstellen lässt. Ist beides der Fall, kann man auch in dieser Kombination gut arbeiten.

Schulbank von morgen

Es lohnt sich also die Vision der Schulbank von morgen zu diskutieren. Schulen komplett mit Tablets auszustatten ist nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung eine milliardenschwere Daueraufgabe, wobei die Anschaffung von Endgeräten mit einem jährlichen Volumen von 800 Millionen Euro knapp 30 Prozent des von der Bertelsmann-Stiftung prognostizierten Investitionsrahmens ausmacht. Eine verhältnismäßig schnelle, kostengünstige und vor allem

nachhaltige Alternative scheint die Einbindung von privaten Mobilgeräten in den Unterricht (BYOD) zu sein. Die dazu passende Schulbank könnte aus einem Tisch mit Ladebuchse bestehen. Wird ein Netbook benötigt, schließen die Schüler*innen eine Tastatur an ihr Smartphone. Ob die Schulbank über ein koppelbares Display oder eine Vergrößerungsoptik verfügt, darüber lässt sich streiten. Unstrittig ist hingegen, dass diese Lösungen im Vergleich zum Kauf eines Tablets langlebiger und ökologisch wie ökonomisch deutlich sinnvoller sind. Oliver Laux

Über den Autor
Oliver Laux ist Gründer und Betreiber der Plattform smart-learn.online. Als Lehrer hat Oliver im Laufe der Jahre die ersten Tablet-Klassen begleitet und die Digitalisierung im Schulalltag erlebt. Aufgrund der dabei gemachten Erfahrungen ist das BYOD-Projekt Smart-Learn entstanden, dass sich die Einbindung privater Schülerhandys im Unterricht zum Ziel gesetzt hat.

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