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Schulen sollen sich ständig weiterentwickeln – doch ausgerechnet Schulleitungen fehlen dafür oft die nötigen Voraussetzungen

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KARLSRUHE. Schulleitungen gelten als Schlüssel für erfolgreiche Schulentwicklung. Gleichzeitig wachsen ihre Aufgaben schneller als die Rahmenbedingungen, unter denen sie arbeiten. Zu diesem Ergebnis kommt ein Forschungsteam des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg, das 19 wissenschaftliche Studien zur Rolle von Schulleitungen in Deutschland ausgewertet hat. Die Autor*innen sehen Schulleitungen heute in einer zunehmend komplexen Rolle. Die Ergebnisse unterstrichen „die Notwendigkeit integrierter Führungsansätze, die pädagogische und managementbezogene Verantwortlichkeiten ausbalancieren und zugleich auf unterschiedliche Schulkontexte reagieren“.

Stellenausschreibung Schulleitung. (Symbolbild.) Illustration: News4teachers

Schulleitungen übernehmen heute deutlich mehr Aufgaben als noch vor wenigen Jahrzehnten. Sie sollen nicht mehr nur den Schulbetrieb organisieren, sondern Unterricht weiterentwickeln, Personal fördern, Veränderungsprozesse steuern, datenbasierte Entscheidungen treffen und zwischen den Erwartungen von Schulaufsicht, Kollegium, Eltern und Politik vermitteln. Die Autoren beschreiben damit einen grundlegenden Rollenwandel. Historisch galten Schulleiterinnen und Schulleiter vor allem als „die besten Lehrkräfte“. Die Entwicklung beschreiben sie als einen Wandel „von der ,besten Lehrkraft‘ als Schulleiter über die ,beste Lehrkraft‘ als Administrator oder Manager bis hin zur ,besten Lehrkraft‘ als pädagogische Führungskraft, die diese Aufgabe neben weiteren – überwiegend unterrichtlichen – Verpflichtungen wahrnimmt“.

Diese Doppelrolle bringt Schulleitungen nach Einschätzung der Forschenden zunehmend an Grenzen. Einerseits sollen sie als pädagogische Führungskräfte Unterrichtsqualität sichern und Schulentwicklung vorantreiben. Andererseits beanspruchen Verwaltungsaufgaben, Personalangelegenheiten und organisatorische Pflichten einen erheblichen Teil ihrer Arbeitszeit. Die ausgewerteten Studien beschreiben Schulleitungen deshalb als Führungskräfte mit einer „janusköpfigen“ Funktion: Sie müssten ihre Kollegien einerseits vor äußerem Druck schützen und andererseits eine datenbasierte Schulentwicklung voranbringen.

Nach Auffassung der Autor*innen entscheidet sich erfolgreiche Schulentwicklung heute nicht mehr an einem einzelnen Führungsstil. Gefragt seien vielmehr Schulleitungen, die pädagogische Führung, Organisationsentwicklung, Personalentwicklung und Zusammenarbeit im Kollegium miteinander verbinden. Die Auswertung der Studien spreche für einen integrierten Führungsansatz, der unterschiedliche Führungsstile mit strategischer Schulentwicklung verbindet.

„Strukturelle Hindernisse wie begrenzte Zeit und konkurrierende Verwaltungsaufgaben schränken die Möglichkeiten von Schulleitungen ein, sich intensiv mit Unterrichtsfragen zu befassen“

Besonders wichtig sei dabei die Unterrichtsentwicklung. Schulleitungen sollten Lehrkräfte durch Unterrichtsbesuche, pädagogische Gespräche und gemeinsame Zielvereinbarungen unterstützen sowie die Qualität des Unterrichts systematisch weiterentwickeln. Gerade dafür fehle jedoch häufig die nötige Zeit. „Strukturelle Hindernisse wie begrenzte Zeit und konkurrierende Verwaltungsaufgaben schränken die Möglichkeiten von Schulleitungen ein, sich intensiv mit Unterrichtsfragen zu befassen“, heißt es in der Studie.

Eine Schlüsselrolle schreiben die Autorinnen und Autoren außerdem der datenbasierten Steuerung von Schulentwicklung zu. Von Schulleitungen werde heute erwartet, Ergebnisse aus Vergleichsarbeiten, Evaluationen und anderen Rückmeldungen gezielt zu nutzen, um Unterricht und Schulentwicklung weiterzuentwickeln. Angesichts wachsender Erwartungen an Rechenschaftspflicht und evidenzbasiertes Handeln gilt der Umgang mit Daten als eine Schlüsselkompetenz von Schulleitungen. In der Praxis bleibe dieses Potenzial jedoch vielfach ungenutzt. „Die Datennutzung bleibt häufig oberflächlich oder fragmentiert; zugleich gibt es nur wenige systemweite Strukturen, die eine nachhaltige und sinnvolle Nutzung unterstützen“, schreiben die Autor*innen. Vielen Schulleitungen fehlten dafür Zeit, Qualifizierung und geeignete Unterstützungsstrukturen.

„Strategische Abstimmung, langfristige Planung und unterstützende Führungsstrukturen sind notwendig, um die professionelle Entwicklung von Lehrkräften langfristig zu fördern“

Eine zentrale Bedeutung kommt nach Ansicht der Autoren außerdem der Personalentwicklung zu. Schulleitungen sollen Lehrkräfte gezielt fördern, Fortbildungsbedarfe erkennen, regelmäßige Rückmeldungen geben und die fachliche Entwicklung des Kollegiums langfristig begleiten. In vielen Schulen geschehe dies jedoch noch nicht systematisch, sondern vor allem anlassbezogen oder in einzelnen Projekten. „Viele Maßnahmen bleiben isoliert oder kurzfristig angelegt. Strategische Abstimmung, langfristige Planung und unterstützende Führungsstrukturen sind notwendig, um die professionelle Entwicklung von Lehrkräften langfristig zu fördern.“

Entsprechend groß sehen die Forschenden den Bedarf an einer besseren Qualifizierung von Schulleitungen. Die Anforderungen an das Amt seien in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen, Ausbildung und Fortbildung hätten sich jedoch nicht überall gleichermaßen weiterentwickelt. Zwischen den Bundesländern gebe es große Unterschiede bei Umfang und Inhalt der Qualifizierungsangebote. Die Autoren sprechen sich deshalb für „kontextsensitive und evidenzbasierte Strategien“ aus, die Schulleitungen besser auf ihre vielfältigen Aufgaben vorbereiten.

Mehr Verantwortung bedeutet nach den ausgewerteten Studien allerdings nicht automatisch mehr Gestaltungsmöglichkeiten. Zwar sollen Schulleitungen Schulentwicklung eigenverantwortlich vorantreiben, bei zentralen Entscheidungen – etwa in Personalfragen – bleiben ihre Handlungsspielräume jedoch häufig begrenzt. Viele wesentliche Entscheidungen lägen weiterhin bei den Schulbehörden.

Im internationalen Vergleich sehen die Autor*innen darin eine Besonderheit des deutschen Schulsystems. Während Schulleitungen in anderen Ländern häufig über weitergehende Personal- und Budgetkompetenzen verfügen, blieben ihre Handlungsmöglichkeiten hierzulande vielfach begrenzt. Gerade deshalb komme ihrer Fähigkeit, Kollegien zu überzeugen und Veränderungen gemeinsam zu gestalten, besondere Bedeutung zu.

Allerdings gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den Bundesländern. Aufgaben, Zuständigkeiten und Entscheidungskompetenzen von Schulleitungen sind im föderalen Bildungssystem nicht einheitlich geregelt. Wie viel Einfluss Schulleitungen tatsächlich auf Personal, Organisation oder Schulentwicklung nehmen können, hängt deshalb wesentlich vom jeweiligen Land und den dort geltenden rechtlichen Rahmenbedingungen ab.  Als Beispiel für größere Handlungsspielräume nennen die Autoren Hamburg. Dort seien Leitungsaufgaben gesetzlich klar definiert, zudem werde ausdrücklich Zeit für Führungsaufgaben eingeplant. Das schaffe bessere Voraussetzungen dafür, dass sich Schulleitungen kontinuierlich mit Schulentwicklung befassen können.

Insgesamt sehen die Autoren Schulleitungen als Schlüsselfiguren für die Weiterentwicklung des deutschen Schulsystems. Reformen könnten nur dann nachhaltig wirken, wenn Schulleitungen die notwendigen Voraussetzungen erhielten, um ihre Aufgaben tatsächlich wahrzunehmen. Dabei seien auch die unterschiedlichen Bedarfe je nach Standort zu berücksichtigen. „Diese Übersichtsarbeit plädiert für kontextsensitive und evidenzbasierte Strategien zur Unterstützung nachhaltiger Schulentwicklung“, schreiben die Autoren. Im Klartext: Immer neue Aufgaben zu übertragen, reicht nicht. Schulleitungen brauchen auch die Möglichkeiten, sie zu erfüllen. News4teachers

Hier lässt sich der vollständige Aufsatz herunterladen. 

Hier geht es zu allen Beiträgen des News4teachers-Themenmonats Beruf Schulleitung. 

Und tschüss… Eine Schulleiter-Generation geht in den Ruhestand – und zieht Bilanz: „Das Abitur wird immer leichter? Quatsch“

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10 Kommentare
Fräulein Rottenmeier
11 Tage zuvor

Klar, und gerade kleine Schulen mit wenigen Kollegen sind besonders belastet, weil von ihnen verlangt wird, dass sie agieren wie große Schulen mit vielen Kollegen …..viele Hände, schnelles Agieren, ist hier halt nicht. Dafür noch mehr Belastung für die SL und die wenigen KuKs. Aber Frau Feller goutiert nur die SLs der großen Schulen und verlangt aber das gleiche Pensum von den kleinen. Danke dafür!

dickebank
11 Tage zuvor

Bei den großen Schulen (mindestens vierzügig) gibt es dafür dann auch noch eine DiDaLei:), Stufen-/Abteilungsleitungen und ein ORGA-Team, weil viele Stellen eben auch viele Funktionsstellen und Beförderungsämter mit sich bringen. Da die Funktionsstellen besser – in Abhängigkeit von der angemeldeten Schülerzahl – vergütet werden, finden sich auch wesentlich leichter geeignete Kandidaten als in den kleinen Systemen.

Lera
11 Tage zuvor
Antwortet  dickebank

Abgesehen davon, dass es sich finanziell nicht lohnt und karrieremäßig eine Sackgasse ist, gibt es an Grundschulen – egal welcher Größe – genau zwei Möglichkeiten für Funktionsstellen: SL und stv. SL.

Fassen wir zusammen:

gleiche/ ähnliche Aufgaben,

keine wirkliche Hilfe bis auf eine Schulsekretärin in Teilzeit, keinerlei echtes SL-Team – außer Kollegen machen das für lau / symbolische Entlastung unter der Hand

gar kein finanzieller Anreiz

praktisch keine weiteren Aufstiegsmöglichkeiten (von gaaanz wenigen Stellen im „Landesinstitut“ (Schauder), die an die krassesten Speichellecker gehen, mal abgesehen

lächerlich geringe Reduktion des Deputats

—> Warum nur will DAS keiner machen?

dickebank
10 Tage zuvor
Antwortet  Lera

Versteh ich auch nicht, obwohl ich Lehrberechtigung in meinen Fächern von Jahrgang 1 bis 10 habe. Und nur aus reiner Kinderfreundlichkeit auf einen Einsatz an einer GS verzichtet habe.

Karl Heinz
11 Tage zuvor

weitere Facetten der Realität sind aber auch:

  • einige Schulen haben gar keine Leitung, weil es niemand machen will
  • andere Schulen haben eine Leitung, die aber nicht wirklich dafür ausgebildet ist
  • es gibt auch Schulleitungen, die wollen gar nicht die Kollegien überzeugen und Veränderungen gemeinsam gestalten
  • und nicht zuletzt ist für einige Schulleitungen die digitale Datenverarbeitung schlichtweg ein Graus

„Wie kann eine Digitalisierung von Schule und Unterricht stattfinden, wenn in vielen Kollegien eine „digitale Kluft “ (Dijk, 2005) herrscht?“

Schulleitung in der digitalisierten Welt. Empirische Befunde zum Schulmanagement

IPSOS-Befragung_Zwei-Drittel-der-deutschen-Lehrkraefte-sehen-in-digitaler-Technologie-noch-keine-Hilfe-fuer-besseren-Unterricht.pdf

Lera
11 Tage zuvor

Ein ganzer Artikel über die Überlastung von Schulleitungen, ohne ein Mal den Elefanten im Raum anzusprechen:

SL müssen zu viel unterrichten, insbesondere (natürlich ^^) bei Grundschulen. Rein zeitlich wird SL eher als 1/3-Stelle eingepreist, dabei ist es ein Vollzeitjob.

Naja, Evidenzbling ist bestimmt auch ein super wichtiges Thema… dem sich die SL dann ja in der Kunststunde widmen können, während die Kinder malen… oder so. Läuft!

Chris
11 Tage zuvor

Der Elefant im Raum ist doch die Tatsache, dass sich das Ministerium einen schmalen Fuß macht und die Schulen die Suppe vor Ort auslöffeln sollen. So gab es früher z.B. Stoffverteilubgspläne und es war bis ins Detail vorgegeben welche Unterrichtsthemen in den jeweiligen Fächern in den Klassen abzuarbeiten waren. Heute gibt es Rahmenlehrpläne und jede Schule muss daraus für sich didaktische Jahrespläne erarbeiten. Was für eine Verschwendung von Arbeitsleistung. Aber wir Lehrer arbeiten ja zu den „eh da“-Kosten. Wir sind ja eh da, denn alles außerhalb der Unterrichtsverpflichtung wird nicht fakturiert und damit auch nicht bezahlt. Entsprechend hat unsere Arbeitsleistung keinen Wert. :‘-(

DienstnachVorschrift
10 Tage zuvor
Antwortet  Chris

Naja, also diese didaktischen Jahrespläne sehe ich nicht so kritisch. Man muss da das Rad nicht neu erfinden, sondern kann Inhalte aus alten verwenden, ggf. auf andere Schulen zurückgreifen und am Schluss organisiert/formatiert die KI den Plan entsprechend der Vorgaben. Ich persönlich habe meine djP sehr schnell geschrieben.

Ein großes Problem sehe ich aber auch in den vakanten Stellen. Wir haben zwar Funktionsstellen, aber die Schulleiterstelle ist unbesetzt (Klageverfahren). Das heißt, der stellvertretende Schulleiter übernimmt die Aufgabe zusätzlich kommissarisch. Zusätzlich ist die eine Koordinatorin langzeiterkrankt.
Die Folge ist, dass a) Absprachen fehlen/nicht eingehalten werden und b) viele Fehler passieren.

Das ist dann so. Ich bin zum Glück nur einfacher Lehrer und werde ganz sicher nicht in diesem System mehr Verantwortung übernehmen.

Chris
10 Tage zuvor

Wir kriegen am Berufskolleg halt jedes Jahr neue Rahmenlehrpläne „zur Erprobung“. Manchmal kommen die Pläne auch erst im Oktober, nach denen wir aber schon rückwirkend ab August hätten unterrichten müssen.

Lachmöve
9 Tage zuvor

Es gibt bestimmt sehr viele engagierte Kollegen, die sich den Aufgaben als “ Schulleitung“ stellen. Die jeden Tag das Pensum an Vorgaben bewältigen wollen . Denen tue ich Unrecht! ….denn ich habe auch das Gegenteil erlebt: Mobbing gegenüber Kollegen, die kritische Anmerkungen machen, Machtspielchen gegenüber Kollegen, Eltern Schülern…auch , dass man eine eine Kollegin mit einem Abschluss als Grundschullehrerin als stell. SL in einer Regionalschule einsetzt, fehlende soziale Kompetenz….alles möglich in MV. Ich frage mich, warum reagiert niemand ( das Schulamt vielleicht).