Elternbeirat: „Die Gesundheit der Kinder ist nicht verhandelbar“

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WIESBADEN. Die Elternschaft ist nach Einschätzung des Landeselternbeirates Hessen mit Blick auf die geplanten Schulöffnungen gespalten. «Wir haben sehr viele Eltern, die sich sehr freuen, dass sich die Schulen nach den Sommerferien komplett öffnen», sagte der Vorstandsvorsitzende des Landeselternbeirates, Korhan Ekinci, am Mittwoch auf Anfrage. «Die sagen, es ist gut, dass wieder Alltag ist,…, es ist gut, dass ich als Mama und Papa jetzt nicht mehr in der Bildungsverantwortung bin.»

Dass Kinder seltener an Covid-19 erkranken, ist bekannt – ob sie womöglich aber trotzdem das Coronavirus weitergeben, das ist wissenschaftlich noch nicht eindeutig geklärt. Foto: Shutterstock

Es gebe aber auch sehr viele Eltern, die eine Öffnung aller Schulen sehr kritisch sähen. «Sie sagen, es kann nicht sein, dass für die Kinder die Kontaktverbote aufgehoben werden,… die außerhalb der Schule noch Gültigkeit haben», sagte Ekinci. «Es gibt auch erste Stimmen die sagen, wir werden dagegen klagen.» Es hätten sich einige Eltern beim Landeselternrat gemeldet, die hätten wissen wollen, ob eine Sammelklage möglich sei.

«Man muss bei dieser Diskussion beide Stimmen berücksichtigen», mahnte Ekinci. Persönlich sei ihm wichtig, dass das Land flexibel bleibe und seine Pläne anpasst, wenn die Infektionszahlen nach den Sommerferien eine Lockerung der Hygieneregeln nicht rechtfertigen sollten. «Die Gesundheit der Kinder ist nicht verhandelbar.»

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Fünf Monate nach Beginn der coronabedingten Zwangspause sollen die Schulen in Hessen Mitte August zu einem weitgehend regulären Präsenzunterricht zurückkehren. Im Unterricht soll das Abstandsgebot dann nicht mehr gelten. dpa

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15 KOMMENTARE

    • Nein, die Eltern werden im Namen des Kindes eine Klage einreichen.

      Ist die Prozessordnung wirklich so schwer zu begreifen? Klageberechtigt ist nur derjenige, der von einer Maßnahme direkt betroffen ist.

  1. „… es ist gut, dass ich als Mama und Papa jetzt nicht mehr in der Bildungsverantwortung bin.“
    Schade, dass Eltern das so sehen.

    • Es ist eher verantwortungslos von Eltern, die das so sehen. Ich fordere von den Eltern meiner Schüler vom ersten Tag an ein, dass sie Ihren Erziehungs- und Verantwortungsauftrag übernehmen. Ich dulde nicht, wenn jemand versucht, das einzig und allein an die Schule zu delegieren. Für die meisten Eltern ist das auch eine Selbstverständlichkeit.

  2. Nicht alle Eltern sind mit ihren Kindern permanent überfordert, naiv und unkritisch. Besonders unter Akademiker-Eltern gibt es sehr viel Unmut über die derzeitigen Vorgänge. Wer kritisch nachdenkt, der merkt schnell, dass die „Supertolle Wir-Öffnen-Ohne-Abstände-Schule“ alles andere als gut für die Kinder ist. Dann gibt es eben noch die überforderten Eltern, die heilfroh sind, wenn sie Erziehung und Betreuung wieder abgeben können. Ich würde aber mal sagen, dass das nicht mal die Hälfte der Eltern sind.

    • @Grundschullehrers „dass das nicht mal die Hälfte der Eltern sind“: Das stimmt wohl – aber leider schreien sie am lautesten.

  3. @Grundschullehrer @Rotstiftprofi:ehrlich gesagt würde mich ebenfalls interessieren wie die Eltern wirklich denken. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Landeselternvertretung aus NRW eher das Bildungsrecht vorantreiben will als den Schutz aller Beteiligten. Ein Gespräch mit diesem Verein war sehr ernüchternd.
    Vielleicht bin ich ja auch doof, aber ich habe keinen Schlag auf den Kopf bekommen: ich denke der Schutz der Gesundheit geht vor! Mir ist es gerade ziemlich egal, ob ein Schuljahr den Umständen geschuldet anders verläuft und die Schule/Lehrer sich genau wie wir Eltern/Schüler/Arbeitnehmer
    erstmal in diese Situation einfinden müssen.
    Mich nervt die Anspruchshaltung vieler Eltern, die gerade das Recht auf Bildung vor ihre persönlichen Interessen stellen.
    Wir befinden uns in einer Ausnahmesituation. Bei dem derzeitigen Kenntnisstand über die nicht absehbaren Folgen und Effekte einer Infektion mit diesem neuen Erreger, wäre es angesagt bedacht zu Handeln.
    Hier wollen viele möglichst im Galopp zurück in die alte Normalität.
    Das geht gerade nun mal nicht. Dieser Anspruch und dieses menschenverachtende Treiben wird uns fatal im Herbst/ Winter treffen.
    Es wäre jetzt dringend erforderlich neue Konzepte (die hier von vielen bereits zusammengetragen und eingebracht wurden) umzusetzen. Wir müssten jetzt kreativ werden und neue Ideen und Gedanken zulassen …und umsetzen.
    Die jetzt so dringende Digitalisierung wird nicht in dem Maße vorangebracht wie nötig. Es werden keine zusätzlichen Räume geschaffen wie nötig.
    Die Elternvertretungen scheinen zu schlafen- odwr fordern Business as usual ein….die GEW ist ebenfalss nur begrenzt bereit neue Ideen zuzulassen ( Überlegung eine temporäre Bildungspflicht einzuführen müsste ebenfalls diskutierbar sein!)
    Stattdessen wird juristisch der Corona Infektionsschutz so verändert, dass die Aufhebung der Abstandsregeln in Schulen rechtlich abgesichert ist und der Arbeitsschutz gerade mal ausser Kraft gesetzt wird. Ein Skandal!
    Bedingt durch die Anspruchshaltung, Schule als Aufbewahrungsanstalt einzufordern werden wir mit der überforderten Politik, die wieder mal am falschen Ende spart schlicht in das alte Konzept zurück gepresst.

    Ich kann an dieser Stelle nur wiederholt dazu aufrufen, dass wir uns gemeinsam als Eltern in Vertretung für unsere Kinder und Lehrer organisieren und nicht abwarten, bis vielleicht die GEW oder Menschen im Alleingang etwas unternehmen. Ich habe so meine Zweifel, dass da etwas passiert.
    Wir sind doch gerade jetzt alle verfügbar. Wenn wir uns jetzt austauschen und etwas unternehmen habe wir die Möglichkeit etwas zu bewegen. Wenn wir nichts tun wird auch nichts passieren.

    • Ich stimme Ihnen vollkommen zu. Allerdings muss man sich bei dieser Diskussion immer wieder klarmachen, dass die Eltern zwar „Bildung“ aussprechen, aber „Vollzeitbetreuung“ meinen. Und da ist das Problem! Bildung läßt sich ohne volle Klassen organisieren, Betreuung braucht Erwachsene, die im Kindergetümmel stehen. Und damit dem Infektionsrisiko quasi ausgeliefert werden.

      • Ja, genau das ist das Thema: es wird verdeckt argumentiert. Bildungsrecht wird offiziell eingefordert, doch tatsächlich geht es um die ganztägige Betreuung der Kinder 10 Jahre anzuwenden, die offiziell genauso infektös wie Erwachsene sind…Null Logik!
        Ich kann wie gesagt nicht nachvollziehen weshalb Schulpflicht vor dem Grundrecht auf Unversehrtheit stehen soll und weshalb Lehrer und Schüler diesem voraussehbarem erhöhtem Infektionsrisiko ausgesetzt werden sollen.
        Alle regen sich zurecht über die Zustände bei Tönnies auf, aber der Arbeitsschutz in den Schulen soll rechtlich abgesichert ausgesetzt werden. Unter diesen Bedingungen würde kein einziger Politiker im Bundestag an einer Sitzung teilnehmen!…auch nicht Herr Laschet oder Frau Gebauer.

    • Illy,
      Sie sprechen mir aus dem Herzen!
      Ein Platform zum Austauschen:
      FB Gruppe „Gegen Schule ohne Schutzkonzept“

  4. …doch tatsächlich geht es um die ganztägige Betreuung der Kinder 10 Jahre anzuwenden, die offiziell genauso infektös wie Erwachsene sind…Null Logik!

  5. In Deutschland ist es mit dem Kinderschutz nicht weit her. Die derzeitige Situation in den Schulen bestätigt dies abermals. Elternwünsche sind – aus Lehrererfahrung – nicht immer mit dem Kindeswohl konform. Das weiß jeder, der mit Kindern (und Eltern) arbeitet. In Kitas werden im Normalfall Kinder erst abgeholt, wenn das Fieber höher als 38,5 Grad ist. Das sagt schon einiges.

  6. Muss wrst Mitglied bei FB werden,.werde dann der Gruppe beitreten. Danke für die Info.
    Ich hoffe viele „gehen“ mit!

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