Überblick: Wie andere Staaten mit ihren Schulen in der Corona-Krise umgehen

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BERLIN. Als zweites Bundesland nach Mecklenburg-Vorpommern ist Hamburg an diesem Donnerstag ins neue Schuljahr gestartet. Nordrhein-Westfalen, Berlin, Brandenburg und Schleswig-Holstein folgen in der kommenden Woche. Begleitet wird der Schuljahresbeginn weiterhin von Diskussionen, wie ein halbwegs normaler Betrieb unter Pandemiebedingungen gelingen kann. Wie regeln das andere Staaten?

Einschränkungen im Schulbetrieb gibt es in praktisch allen Ländern – mal mehr, mal wenige. Foto: Shutterstock

In ÖSTERREICH startet das neue Schuljahr erst Anfang oder Mitte September. Bisheriges Ziel ist ein normaler Schulbetrieb. Um die Lage in den Schulen zu überprüfen, sollen ab Herbst die Kinder bei Verdacht einen Test mit Gurgelwasser machen, der den Nasen-Rachen-Abstrich ersetzen oder ergänzen soll. Sollte es positive Fälle geben, wird erst die Klasse und bei größerem Ausmaß auch wieder die Schule vorübergehend geschlossen. Um die neuen Herausforderungen bewältigen zu können, will Österreich bis zu 1000 Langzeitarbeitslose und Wiedereinsteiger ausbilden, die die Lehrer und Direktoren bei der Verwaltung unterstützen sollen.

In der SCHWEIZ beginnen die ersten Schulen am 10. August wieder mit dem Unterricht. Es soll Präsenzunterricht geben, aber mit welchen Schutzmaßnahmen, entscheidet jeder der 26 Kantone und Halbkantone für sich. In mindestens drei Kantonen müssen Schülerinnen und Schüler in Gymnasien und Berufsschulen Masken tragen, wenn der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann. In einigen Schulen sollen nur die Lehrer, nicht die Kinder und Jugendlichen den Unterrichtsraum wechseln. Familien, die in letzter Minute aus Risikoländern zurückkehren und in Quarantäne müssen, verstoßen gegen die Schulpflicht und könnten mit einem Bußgeld belegt werden.

In Frankreich gilt Abstand – oder Maskenpflicht in der Schule

In FRANKREICH steht die «rentrée» (Rückkehr) in die Schulen traditionell für Anfang September auf der Agenda. Das Bildungsministerium setzt darauf, dass alle Beteiligten – Eltern, Lehrer, Schüler – bei den Vorsichts- und Vorbeugemaßnahmen gegen die Corona-Pandemie mitziehen. Schüler ab elf Jahren müssen eine Maske tragen, falls der Mindestabstand von einem Meter nicht gewährleistet ist. Das gilt für Innen- und Außenbereiche von Schulen und auch für Ausflüge oder Reisen. Eltern werden angehalten, ihre Kinder zu Hause zu lassen, wenn sie mehr als 38 Grad Fieber oder Covid-19-Symptome haben.

Nach den Sommerferien sollen die Schulen in den NIEDERLANDEN ab dem 17. August in drei Stufen wieder voll den Betrieb aufnehmen. Erstmals seit Ausbruch der Corona-Krise Mitte März können alle Schüler wieder in die Schule. An den Grundschulen wird es keinerlei Einschränkungen geben. Dort entfällt auch der sonst übliche Sicherheitsabstand von 1,5 Metern. Auch die 12- bis 18-Jährigen auf den weiterführenden Schulen müssen untereinander keinen Abstand mehr halten – nur gegenüber den Lehrern gilt die 1,5-Meter-Regel.

Die Schulen in BELGIEN öffnen nach den Sommerferien wieder am 1. September. Wie genau der Unterricht dann aussieht, entscheidet ein vierstufiges Ampelsystem basierend auf dem Infektionsgeschehen im Land. Für Grundschüler soll es auf jeder Stufe an jedem Wochentag und in voller Klassenstärke Präsenzunterricht geben. Eine Maskenpflicht ist für sie nicht vorgesehen. Für weiterführende Schulen ist zunächst eine Mischung aus Präsenz- und Fernunterricht geplant.

Polen und Tschechien setzen auf weitgehend normalen Unterricht

In POLEN sollen die Schulen zum Start des neuen Schuljahrs am 1. September wieder im normalen Betrieb laufen, sofern die epidemiologische Situation dies zulässt. Eine Maskenpflicht für Schüler während des Unterrichts soll es nicht geben, dafür eine Pflicht zum Händewaschen für Schüler und Lehrer direkt nach dem Betreten der Schule, vor dem Essen und nach dem Gang auf die Toilette. Auch sollen die Gebäude regelmäßig desinfiziert werden. Für den Fall, dass örtliche Corona-Ausbrüche auftreten, könnten die Schulleiter nach Absprache mit den Gesundheitsämtern je nach Lage einen Teil der Schüler in den Fernunterricht schicken oder den gesamten Schulbetrieb auf Fernunterricht umstellen.

Die Schulen in TSCHECHIEN öffnen nach den Sommerferien regulär am 1. September. Der Unterricht soll in voller Klassenstärke stattfinden. Es wird auf häufigere Desinfektion gesetzt. In den nächsten Wochen sollen die Schulen einen Hygieneleitfaden erhalten. Ein Mundschutz soll nur dann Pflicht sein, wenn es allgemein in Innenräumen vorgeschrieben ist, wie aktuell nur noch in der östlichen Verwaltungsregion Mährisch-Schlesien.

Als die Corona-Krise Mitte März über Europa hereinbrach, reagierten die Skandinavier schnell: DÄNEMARK (Schulstart am 10. August) und NORWEGEN führten strikte Corona-Maßnahmen ein und entschlossen sich dabei auch dazu, die Schulen zu schließen (zu Dänemark – siehe auch Beitrag unten). Auch FINNLAND stellte weitgehend auf Fernunterricht um. Während dänische und norwegische Kinder bereits seit April nach und nach und unter strengen Abstands- und Hygieneregelungen wieder zurück in den Schulunterricht geschickt wurden, zogen die Finnen im Mai nach. Nur SCHWEDEN ging einen Sonderweg und ließ neben Restaurants, dem Einzelhandel und vielem weiteren auch seine Schulen ununterbrochen offen. Dort laufen – ebenso wie andernorts in Skandinavien – gerade die Vorbereitungen für das neue Schuljahr.

Spanien plant mit kleinen Klassen

In SPANIEN beginnt das neue Schuljahr je nach Region erst Anfang bis Mitte September. Einige Schulverbände haben in den vergangenen Tagen angesichts einer Zunahme der Neuinfektionen eine Verschiebung des Präsenzunterrichts gefordert. Die verschiedenen Regionen des Landes haben für den Neustart bereits zahlreiche Regeln erstellt: Es soll unter anderem eine Maskenpflicht und Temperaturmessungen, maximale Klassenbelegungen von 12 bis 20 Schülern, feste Schülergruppen in den Klassenräumen, Kantinen und Schulbussen, Krankenpfleger in den Schulen und auch Unterricht im Freien geben. Einige Regionen, in denen es besonders viele Neuausbrüche gibt, erwägen eine Fortsetzung des Onlineunterrichts.

In GRIECHENLAND und in der REPUBLIK ZYPERN sollen alle Schulen am 7. September öffnen. Ob es Sonderregelungen geben wird, ist noch unklar. Wie die griechische Bildungsministerin Niki Kerameos immer wieder sagt, solle später geklärt werden, ob es eine Maskenpflicht oder andere Maßnahmen geben wird.

In RUMÄNIEN will die Regierung erst am 15. August entscheiden, wie es weitergeht. Hier sind die Infektionszahlen noch sehr hoch. Zur Diskussion steht, ob der Unterricht normal stattfindet, ob Schulklassen verkleinert werden oder ob man den Online-Unterricht fortsetzt oder ausweitet. Nicht alle Kinder – vor allem in den ärmeren Schichten auf dem Land – sind technisch dafür gerüstet. Regulärer Schulbeginn wäre am 15. September.

In ESTLAND, LETTLAND und LITAUEN beginnt das Schuljahr traditionell am 1. September. Erklärtes Ziel der Regierungen in Tallinn, Riga und Vilnius ist bislang ein regulärer Schulstart und die Öffnung der Schulen unter zusätzlichen Sicherheitsanforderungen. Dafür werden derzeit verschiedene Optionen diskutiert. Endgültige Entscheidungen stehen noch aus.

In den USA wird über die Öffnung der Schulen noch diskutiert

In den USA wird heftig darüber gestritten, ob und wie Schulen nach den Sommerferien (üblicherweise Ende August/Anfang September) wieder öffnen sollen. Eigentlich entscheiden die Schulbezirke über solche Dinge, doch auch die Gouverneure der Bundesstaaten können mit Erlassen Einfluss nehmen. Viele Gemeinden fühlen sich wegen einer hohen Anzahl von Corona-Fällen nicht bereit, den vollen Schulbetrieb wieder aufzunehmen. Selbst in New York City, das eine der niedrigsten Infektionsraten im Land hat, verfolgt der Bürgermeister ein Modell, in dem Schüler an nur wenigen Tagen pro Woche physisch anwesend sind. US-Präsident Donald Trump hatte zuletzt darauf gedrängt, alle Schulen wieder zu öffnen.

In RUSSLAND sind noch Millionen Schüler in den Sommerferien. Das neue Schuljahr im flächenmäßig größten Land der Erde beginnt traditionell am 1. September. «Die Kinder werden zur Schule gehen», sagte Bildungsminister Sergej Krawzow im Staatsfernsehen. Fernunterricht wie im Frühjahr sei nicht geplant. Nach Empfehlung der Behörden soll bei Schülern und Lehrern morgens die Temperatur gemessen werden. Schüler sollten nur in einem Raum zusammen lernen und sich regelmäßig die Hände desinfizieren. Der Sportunterricht sollte je nach Wetter nach draußen verlegt werden. Schulen sollen auch spezielle Luftfilter einsetzen, damit Schüler keine Masken im Unterricht tragen müssen.

In CHINA waren laut Regierungsangaben bis kurz vor den Sommerferien Mitte Juli rund 75 Prozent der Schüler zurück in den Schulen. Über die Wiederöffnung wurde von Region zu Region je nach Stand der Pandemie entschieden. Stellenweise – etwa in Peking – mussten Öffnungen auch wieder rückgängig gemacht werden, weil es neue lokale Ausbrüche gab. Auch die Sonderverwaltungsregion Hongkong nahm die Öffnung der Schulen wieder zurück und schickte Schüler zwei Wochen früher als geplant in die Sommerferien. Über die Planungen im kommenden Schuljahr ist noch nichts bekannt.

In Japan und Südkorea sollen Sommerferien gekürzt werden

JAPAN hatte zwar nie einen Shutdown, hatte die Schulen aber Anfang März zunächst geschlossen und ab Ende Mai schrittweise wieder geöffnet mit reduzierten Stundenzahlen und alternierenden Unterrichtstagen. Eltern wurden gebeten, die Temperatur ihrer Kinder am Morgen zu messen und in einen Bericht zur Gesundheitsverfassung einzutragen, der von den Lehrern bei Ankunft der Kinder überprüft wurde. Andere Maßnahmen sind, dass die Schüler an ihren Pulten zu Mittag essen, dabei nach vorne ausgerichtet sind und beim Essen nicht sprechen. Und natürlich regelmäßiges Händewaschen sowie Tragen von Masken, Schüler wie Lehrer. Weil Japans Schulen wegen der Corona-Krise vorübergehend geschlossen waren, sollen viele Schüler jetzt auf einen Teil der Sommerferien verzichten. Die meisten Schulbehörden planen eine Verkürzung, um den Stoff aufzuholen.

In SÜDKOREA beginnt das neue Schuljahr normalerweise Anfang März. Es gab zwar nie einen flächendeckenden Lockdown, doch der Unterrichtsbeginn wurde wegen Corona mehrmals verschoben. Erst im Mai konnten die ersten Schüler schrittweise wieder in die Klassenzimmer zurück. Masken waren vorgeschrieben. Die Lehrer empfingen sie am Eingang mit Fieberthermometern und Handdesinfektionsmitteln. In einigen Schulen wurden Tische im Klassenraum mit Plexiglasscheiben voneinander getrennt. Um das Ansteckungsrisiko zu verringern, kommen noch immer nicht alle Schüler am selben Tag in die Schule. An manchen Schulen beginnen die Sommerferien wegen Corona erst später und können bis in den September hinein dauern. Zudem ist eine Verkürzung von Ferien geplant, damit verpasste Zeit wieder ausgeglichen wird.

Schüler in MEXIKO sollen im kommenden Schuljahr per Fernsehen und Radio unterrichtet werden. Die Regierung hat eine entsprechende Vereinbarung mit vier privaten Sendergruppen unterschrieben. Für die rund 30 Millionen Schüler des Landes sei es nicht sicher, zu Beginn des neuen Schuljahres ab dem 24. August in die Klassenzimmer zurückzukehren, sagt Bildungsminister Esteban Moctezuma. Das nordamerikanische Land hat weltweit die drittmeisten Todesfälle nach einer Covid-19-Erkrankung registriert. Die Schüler sollen durch 4550 Sendungen im Fernsehen und 640 im Radio – auch in 20 indigenen Sprachen – Unterricht für alle Stufen erhalten.

INDIEN gehört zu den Ländern mit den meisten Corona-Fällen. Trotzdem reden einige Bundesstaaten darüber, ihre Schulen in den kommenden Wochen oder Monaten wieder zu öffnen. In Indiens Nachbarland NEPAL sollen die Schulen übernächste Woche (17. August) wieder öffnen dürfen, wenn sie gewisse Sicherheitsstandards erfüllen. Wie diese genau aussehen sollen, ist unklar. Auf dem Inselstaat SRI LANKA, wo die bekannten Fallzahlen relativ klein sind, wurden je nach Klassenstufe der Schüler verschiedene Rückkehrdaten bekanntgegeben. Die ersten werden bereits wieder unterrichtet.

Die Schulen im IRAN wurden kurz nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie Ende Februar geschlossen. Danach gab es Online-Unterricht und Online-Prüfungen. Bis zum 6. September sind Sommerferien. Ob die Kinder danach wieder in die Schule gehen können, ist weiterhin unklar. Angesichts der steigenden Fallzahlen, wird es wohl zunächst wieder Online-Klassen geben.

In Thailand findet Unterricht im Wechsel statt – mit Masken

In THAILAND, das bisher recht glimpflich durch die Pandemie gekommen ist, haben die meisten Schulen am 1. Juli wieder geöffnet, nachdem sie seit Mitte März geschlossen waren. Um die Klassen klein zu halten, wurden die Schüler in vielen Schulen aufgeteilt. Die Schüler wechseln sich zumeist wochenweise zwischen Regelunterricht und Online-Lernen ab. Alle Lehrer und Schüler sind aufgerufen, während des Unterrichts Masken zu tragen. Ähnliche Regeln und abwechselnder Regel- und Online-Unterricht gelten etwa auch in MALAYSIA und SINGAPUR. In dem Stadtstaat wird in den Schulen zudem täglich die Temperatur gemessen und die Kinder gehen zu unterschiedlichen Zeiten in die Pause.

In AUSTRALIEN entscheiden die einzelnen Bundesstaaten und Territorien über die Schulöffnungen. In den meisten Regionen wurde der Regelbetrieb Mitte Mai wiederaufgenommen, nachdem die Schulen zuvor sechs Wochen lang geschlossen waren. Die örtlichen Regierungen entscheiden auch über die genauen Regeln. Vielerorts gibt es in Schulen keine Maskenpflicht. Wegen einer zweiten Corona-Welle in Victoria mit der Millionenmetropole Melbourne mussten die Schüler dort mittlerweile wieder zum Online-Unterricht zurückkehren.

Einen anderen Weg geht NEUSEELAND, wo die Schulen Ende März geschlossen, aber bereits am 29. April wieder für Kinder unter 14 Jahren geöffnet wurden. Am 18. Mai wurden alle Schulen wieder geöffnet. Es gibt keinerlei Beschränkungen: Weder müssen Masken getragen, noch besondere Sicherheitsabstände eingehalten werden. Die Kinder sollen sich lediglich häufig die Hände waschen und diese desinfizieren.

Auf den PHILIPPINEN, hat der umstrittene Präsident Rodrigo Duterte angekündigt, dass die Schulen so lange geschlossen bleiben, bis es einen Impfstoff gibt. Der Politiker ist davon überzeugt, dass dieser im Dezember zur Verfügung steht. Die Schulen würden dann im Januar 2021 wieder öffnen.

In Kenia öffnen die Schulen erst im nächsten Jahr wieder

Die Regierung von KENIA hat wegen der Corona-Pandemie das gesamte akademische Jahr 2020 gestrichen. So sollen die Schulen erst im Januar 2021 wieder öffnen. Die Sorge ist groß, was das für die Kinder bedeutet. Die Regierung hat zwar TV- und Radio-Programme sowie eine Online-Plattform gestartet, damit die Schüler und Schülerinnen Zuhause lernen können. Doch einer Studie zufolge haben weniger als die Hälfte der Kinder Zugang zu dem TV-Angebot, noch weniger zu Radio oder Internet. Auch können viele Eltern ihren Kindern kaum beim Lernen helfen.

In SÜDAFRIKA wurden die Schulen im März geschlossen. Als die Maßnahmen im Kampf gegen Corona schrittweise gelockert wurden, durften im Juni auch einige Klassen wieder starten. Schulen mussten dabei die Temperaturen der Kinder messen, Kinder und Lehrer mussten stets Maske tragen und 1,5 bis 2 Meter Abstand halten. Wegen der steigenden Corona-Fälle wurden die öffentlichen Schulen Ende Juli aber erneut geschlossen. Von den dpa-Korrespondenten

Vorbild Dänemark?

Die Nationalakademie Leopoldina hat gestern eine umfangreiche Stellungnahme veröffentlicht, in der sie sich kritisch zum geplanten Normalbetrieb in den deutschen Schulen ohne Abstandsregel zeigt – und stattdessen Maskenpflicht in den weiterführenden Schulen auch im Unterricht sowie kleine feste Lerngruppen vorschlägt (News4teachers berichtet ausführlich darüber – hier). Die Leopoldina-Wissenschaftler äußern sich auch zu Dänemark, das gerne von Lockdown-Gegnern als Beispiel dafür herangezogen wird, wie ein Land ohne große Beeinträchtigungen im Schulbetrieb durch die Krise kommt. Das stimmt zwar – war und ist aber an bestimmte Voraussetzungen gebunden. Wörtlich heißt es in dem Bericht:

„Ein Land, dessen Schulbetrieb trotz Lockdown in der Pandemie weitgehend ungestört fortgesetzt wurde, ist Dänemark. Dies war möglich, weil dänische Schulen seit Jahren sehr stark auf die Nutzung digitaler Anwendungen setzen. In Dänemark hat mit der Jahrtausendwende die Digitalisierung des Schulbetriebs begonnen. Schulen erhielten in der Folgezeit die dazu notwendige Infrastruktur – Internetanbindungen, Computerausstattungen, Smartboards etc. – gekoppelt mit Lernplattformen und Software zum kollaborativen Arbeiten.

Darüber hinaus geben zwei Drittel der dänischen Lehrkräfte an, dass sie sich regelmäßig über die Nutzung digitaler Lernanwendungen im Unterricht austauschen und diesbezüglich kooperieren. Nahezu alle Lehrkräfte und Lernenden nutzen Software zum kollaborativen Arbeiten (Eickelmann et al., 2019), und 85 % der Schülerinnen und Schüler arbeiten inner- und außerhalb der Schule regelmäßig online zu schulischen Themen zusammen (Fraillon et al., 2020). Aufgrund dieser bereits bestehenden digitalen Lernstrukturen konnte man in Dänemark relativ schnell und flexibel auf die Erfordernisse zur Eindämmung der Pandemie reagieren.

Schulgebäude schließen, ohne Unterrichtsgeschehen zu unterbrechen

Da Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte über die notwendigen digitalen Endgeräte und die notwendige Praxis in der Online-Zusammenarbeit verfügten, war es möglich, in der Hochphase der Corona-Pandemie die Schulgebäude relativ frühzeitig zu schließen, ohne dadurch das Unterrichtsgeschehen unterbrechen zu müssen. Zugleich boten die bereits gut etablierten Praktiken des Distanzlernens auch die Möglichkeit, die Wiedereröffnung der Schulen mit großer Flexibilität zu gestalten. So wurden zunächst nur die jüngeren Schülerinnen und Schüler unter strengen Abstands- und Hygieneregelungen wieder in den Präsenzunterricht geholt. Die Abstandsregelungen konnten auch dann aufrechterhalten werden, als die älteren Jahrgänge wieder zum Präsenzlernen übergingen, indem Wechselmodelle zwischen Präsenz- und Distanzlernen einen Schichtbetrieb in kleinen Gruppen an den Schulen ermöglichten (Couzin-Frankel et al., 2020; Stage et al., 2020).“

Hier lässt sich die vollständige Stellungnahme der Leopoldina herunterladen.

Spiel mit dem Feuer: Wenn sich die Schulen als Infektionstreiber erweisen, steht Deutschland ein schlimmer Corona-Herbst bevor

 

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12 KOMMENTARE

  1. Zu dem Kommentar aus Dänemark: Was hat Digitalisierung an Schulen mit Eindämmen einer Pandemie zu tun. Was die strikten Regeln betrifft, die wurden im 10 Tage Rhytmus lockerer gehandhabt. Zuerst im Schulhof, dann gab es im Klassenzimmer keine Abstände mehr, im Mai war in Dänemark wieder Regelbetrieb bis 15 Jahre ohne Masken, Norwegen ab 1. Juni Regelbetrieb. In den Niederlanden war ab Mai Regelbetrieb bis 13 Jahren. Übrigens werden unsere Kinder in diesen Ländern bemitleidet, denn die Maskenpflicht ist Kindern bis 14 Jahren definitiv nicht zuzumuten. Siehe Fernsehen Niederlande vor 2 Tagen. In Dänemark gehen die Kinder seit 3. August wieder normal zur Schule. Weder in Skandinavien, Niederlande, Tschechien, Österreich, Schweiz, Belgien gab es dieses Theater mit den Lehrern, die sich nun mit Präsenzunterricht schwer tun. Aber erschreckenderweise haben Kinder in Deutschland keine Lobby. In der Coronazeit wurde in den Niederlanden ganz offiziell den Kindern gesagt, dass sie weiterhin mit ihren Freunden spielen sollen, die Spielplätze wurden nie abgesperrt. Keine Masken und Abstände unter 13 Jahren. Was Deutschland als eines der wohlhabenden Staaten der Welt seinen Kindern antut ist nicht zu überbieten. Zuerst Isolieren und dann Masken.

    • Sie haben offenbar den Text nicht verstanden – dann nochmal zum Mitdenken:

      „Zugleich boten die bereits gut etablierten Praktiken des Distanzlernens auch die Möglichkeit, die Wiedereröffnung der Schulen mit großer Flexibilität zu gestalten. So wurden zunächst nur die jüngeren Schülerinnen und Schüler unter strengen Abstands- und Hygieneregelungen wieder in den Präsenzunterricht geholt. Die Abstandsregelungen konnten auch dann aufrechterhalten werden, als die älteren Jahrgänge wieder zum Präsenzlernen übergingen, indem Wechselmodelle zwischen Präsenz- und Distanzlernen einen Schichtbetrieb in kleinen Gruppen an den Schulen ermöglichten.“

      Sie verbreiten mal wieder Fake News. Bis hin zur Behauptung, dass „unsere Kinder in diesen Ländern bemitleidet werden“ – woher haben Sie denn den Quatsch? Die Niederlande verzeichnen mehr als 6.100 Todesfälle durch Corona, eine mehr als dreimal so hohe Quote wie in Deutschland. Die Niederlande als Vorbild zu verkaufen, ohne solche Fakten zu nennen, ist schon fast kriminell. Leute wie Sie hetzen Menschen gegen wichtige Corona-Schutzmaßnahmen auf. Sie spielen mit Menschenleben.

      Aktuelle Nachricht übrigens: „Niederlande droht zweiter Lockdown“. Quelle: https://rp-online.de/panorama/coronavirus/mark-rutte-verschaerfte-auflagen-niederlaendischer-premier-warnt-vor-zweitem-lockdown_aid-52634705

      • Hallo ich bin Krankenschwester und Mutter dreier Kinder im Krankenhaus arbeiten wir ohne Abstand zu unseren Patienten wir haben alle einen Mundschutz an normaler Mundschutz keine ffp2 Maske. Unsere Patienten haben keinen Mundschutz an und trotzdem gehen wir unsere Arbeit weiter nach. Es ist wirklich eine gute Frage meiner Meinung nach warum in Deutschland so viel zuhören war von Lehrern die sich nicht geschützt fühlen. Ich habe gute Kontakte in den Niederlanden es ist wirklich wahr dass dort die Lehrer einfach gearbeitet haben wie bei uns die Krankenschwestern z.b. Hier wird ja auch keiner der Risikogruppe ist freigestellt. Das gibt’s nur bei den Lehrern. Bei uns arbeiten alle Risikogruppen weiter mit Mundschutz natürlich. Wäre es eine Idee wenn alle Lehrer im Unterricht einfach einen Mundschutz anziehen die Gefahr einer Infizierung ist dann laut Krankenhaushygiene Gesellschaft minimal. Und da es sich bei Krankenschwestern und Lehrern um systemrelevante Berufe wichtige Berufe handelt auf die man nicht verzichten kann würde ich das sehr begrüßen. Als Mutter dreier Kinder weiss ich die Arbeit der Lehrer sehr zu schätzen ,darum lese ich auch schon mal auf dieser Seite und bin oft erschrocken wie Lehrer über Eltern und Kinder denken. Aber Gott sei Dank kenne ich aus der Praxis viele viele viele tolle Menschen die Lehrer sind aber das ganze Gejammer n der Krise von Lehrern find ich ein bisschen übertrieben herzliche Grüße

  2. Wenn man die vielen Kommentare hier zu unterschiedlichen Artikeln liest, welche einen gemeinsamen Unterricht einer Klasse in Deutschland zum Teil vehement ablehnen, so liest man jetzt mit Genugtuhung, dass 90% der Welt eine Normalbeschulung unter Beachtung von Hygiene als einzig sinnvollen Weg betrachtet.

    Es erscheint daher wenig sinnvoll, unsere Kultusminister als zu optimistische, zu wenig nachdenkende Vorreiter anzugreifen.

  3. Es gibt eben Unterschiede zwischen „Kohorten“, die teilweise jeweils 2 komplette Jahrgangsstufen umfassen sollen, und „Kleingruppen“.

  4. @ Bernd. Hier wurde u.a. eine Schule vorsichtshalber geschlossen, weil eine Lehrerin, die noch gar nicht wieder in der Schule war, infiziert ist.

    Nachwievor alle Daumen hoch für alle deutschen Bundesländer und auch 90% aller anderen Länder.

    • Wir sind doch nicht beim Fußball, wo der gewinnt, der die am lautesten grölenden Fans hat. Das Coronavirus hat keine Ohren – und interessiert sich auch mehr für Ihre Innereien als für Ihre Daumen.

    • Nee, die hat sich in den „ferien“ mit ihren Kollegen und Kolleginnen und der Schulleitung aus lauter Spa0 an der Freude getroffen.
      Die Infizierte war noch nicht im Unterricht eingesetzt, sie hat sich aber vor dem Schulstart bei den Vorbereitungstagen bereits mit den Kolleginnen und Kollegen getroffen – also bei Gesamtlehrkräftekonferenzen, bei Fachkonferenzen, bei Jahrgangsteamtreffen oder dergl. mehr.

  5. Beste Lösung:
    „Schüler in MEXIKO sollen im kommenden Schuljahr per Fernsehen und Radio unterrichtet werden. Die Regierug hat eine entsprechende Vereinbarung mit vier privaten Sendergruppen unterschrieben.“

    Zweitbeste Lösung:
    „Die Regierung von KENIA hat wegen der Corona-Pandemie das gesamte akademische Jahr 2020 gestrichen. So sollen die Schulen erst im Januar 2021 wieder öffnen.“

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