Reinhard Genzel: Mit humanistischer Bildung zum Nobelpreisträger für Physik

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GARCHING. Über Jahre blickt Reinhard Genzel mit einem Teleskop ins All. Das Zentrum der Milchstraße und die Bahnen der Sterne faszinieren den Astrophysiker besonders. Für eine bahnbrechende Entdeckung dabei wird er nun mit der bekanntesten Auszeichnung der Physik geehrt.

„Fragen gestellt, die an den Kern der Sache gehen“: Astrophysiker Reinhard Genzel. Foto: MPE / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Schwarze Löcher gehörten lange zu den größten Rätseln der Astronomie. Der Astrophysiker Reinhard Genzel vom Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik (MPE) in Garching bei München hat entscheidend dazu beigetragen, Licht in dieses Dunkel zu bringen. Er beschäftigt sich mit dem gigantischen Schwarzen Loch im Zentrum unserer Galaxie. Und er brauchte sehr viel Geduld: Es dauerte mehr als ein Vierteljahrhundert, bis er dort ein gigantisches, supermassereiches, kompaktes Objekt nachwies. Dafür wurde dem 68-Jährigen nun am Dienstag der Nobelpreis für Physik zuerkannt.

Genzel hatte zugleich mit der US-Forscherin Andrea Ghez das supermassereiche Schwarze Loch im Zentrum unserer Milchstraße entdeckt. Dafür erhalten die beiden die eine Hälfte des Preises, wie die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften am Dienstag in Stockholm mitteilte. Die zweite Hälfte geht an den Briten Roger Penrose, der erkannte, dass die Bildung von Schwarzen Löchern eine robuste Vorhersage der Allgemeinen Relativitätstheorie ist.

Genzel lernt Latein und Griechisch – und interessiert sich seitdem für Geschichte

Genzel wird am 24. März 1952 im hessischen Bad Homburg geboren. In Freiburg geht er aufs Gymnasium, ein humanistisches, wie er 2008 anlässlich der Verleihung des Shaw-Preises schreibt. Er lernt Latein und Griechisch: «Vielleicht hat mich das zu einem lebenslangen Interesse an Geschichte und Archäologie geführt.» Sein Vater sei ein experimenteller Festkörperphysiker gewesen, «und ich habe den größten Teil meiner frühen Physik von ihm gelernt».

Jahrelang treibt Genzel intensiv Sport. «Bis heute bin ich stolz darauf, einer der besten jungen Speerwerfer Deutschlands gewesen zu sein», schreibt er. «Ich schaffte es sogar in die deutsche Leichtathletik-Nationalmannschaft der Junioren, die für die Olympischen Spiele 1972 in München trainierte.»

Nach einer allgemeinen physikalischen Ausbildung an den Universitäten in Freiburg und Bonn promoviert Genzel 1978 am Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn. 1976 heiratet er seine Frau, eine Ärztin, das Paar hat zwei Töchter. Danach ist Genzel viele Jahre in den USA tätig, unter anderem als Professor für Physik an der University of California in Berkeley. Seit 1986 ist er Direktor und wissenschaftliches Mitglied am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik, arbeitet aber auch an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina listet zahlreiche Auszeichnungen für seine Arbeit auf, darunter die Otto-Hahn-Medaille der Max-Planck-Gesellschaft (1980), den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (1990), den Balzan Preis 2003, den Tycho-Brahe-Preis (2012), das Große Verdienstkreuz (mit Stern) der Bundesrepublik Deutschland (2014) sowie mehrere Ehrendoktorwürden.

Der Deutsche ist Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften und zahlreicher weiterer Organisationen. 2014 wurde er in den Orden Pour le mérite für Wissenschaften und Künste aufgenommen. Dem Orden gehören mehr als ein Dutzend Nobelpreisträger an.

„Er hat weniger Wert darauf gelegt, immer nett und höflich zu sein“

Anton Zensus ist Direktor am Bonner Max-Planck-Institut für Radioastronomie und kennt Genzel seit mehr als 40 Jahren. «Ich kenne ihn als hervorragenden Sportler und in seiner Frühzeit als Tischtennisspieler», erzählt er nach der Bekanntgabe der Preisträger. «Er hat eine unglaubliche Begeisterung für die Wissenschaft und für sein Feld. Er hat die Forschung auch bei der Max-Planck-Gesellschaft so unterstützt, dass wir auf Weltklasse-Niveau mitspielen.»

Dieter Breitschwert, Astrophysiker der Freien Universität Berlin, sagt: «Mich hat beeindruckt, dass Herr Genzel Fragen gestellt hat, die an den Kern der Sache gehen. Er hat weniger Wert darauf gelegt, immer nett und höflich zu sein, sondern war eher wissenschaftlich direkt.» Von Angelika Resenhoeft, dpa

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Was der Nobelpreis mit der Idee zu tun hat, Klassen nicht mehr nach Alter zu bilden

 

 

 

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