Lehrermangel: Keine Lehrkraft mehr verfügbar – Klasse muss nach Hause gehen

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ERFURT. In Südthüringen ist die Personalnot an den Schulen so groß, dass eine Grundschulklasse nach Hause geschickt werden musste. Die CDU wirft dem Bildungsministerium vor, zu wenig Anreize zu setzen, Lehrer aufs Land zu locken. Distanzlernen auch ohne Corona – kein Einzelfall.

Der Lehrermangel ist spürbar. Foto: Shutterstock

Im südthüringischen Schmalkalden ist eine ganze Grundschulklasse wegen akuten Lehrermangels nach Hause geschickt worden. «Wir haben an der Grundschule eine verschärfte Situation aufgrund plötzlicher Krankheitsfälle», sagte ein Sprecher des Bildungsministeriums am Mittwoch in Erfurt. Zuvor hatten mehrere Medien darüber berichtet.

Demnach arbeiten an der betroffenen Schule insgesamt 16 Lehrer, wobei es bereits einen Fall einer Langzeiterkrankung gibt sowie eine Lehrerin, die in Elternzeit ist. Als nun noch zwei Lehrer krank wurden, konnte das Personaldefizit den Angaben zufolge nicht mehr aufgefangen werden. Betroffen ist eine Klasse der Klassenstufe zwei. Eine weitere zweite Klasse wird derzeit von Horterzieherinnen betreut und löst von Lehrern vorbereitete Aufgaben.

An der Grundschule gibt es laut dem Ministeriumssprecher insgesamt fünf Klassen in dieser Klassenstufe. Eltern der nach Hause geschickten Schüler könnten ihre Kinder im Notfall zur Betreuung trotzdem zur Schule bringen, wenn sie keine andere Möglichkeit hätten. An der betroffenen Schule lernen 355 Schülerinnen und Schüler in 15 Klassen. Aufgrund der Erkrankungen steht damit pro Klasse nicht mehr mindestens ein Lehrer zur Verfügung, obwohl bereits die Schulleiterin als Klassenlehrerin eingesetzt wird.

«Auch das Schulamt hat nur noch sehr wenig Reserven», sagte der Ministeriumssprecher. Die Situation sei insgesamt sehr angespannt. Demnach sind im Bereich des Schulamtes 19 Lehrerstellen unbesetzt – 14 davon in der Region Schmalkalden-Meiningen. Um des Mangels Herr zu werden, hatte das Bildungsministerium bereits im Juli elf Lehrer an die Schulen mit dem höchsten Bedarf abgeordnet. Nun hoffe man, dass sich die Lage im November leicht entspannt, weil dann zwei Neueinstellungen in Suhl und in Meiningen zu erwarten seien.

«Lehrer sind Beamte. Wenn die Situation so drastisch ist, müssen welche abgeordnet werden»

Immer wieder hat in Thüringen Lehrermangel Aufmerksamkeit erregt. So drohte im Jahr 2018 einer Zwergschule im Ostteil des Landes die Schließung, weil nicht genügend Lehrer da waren. Ein Jahr später kam es an einer Grundschule in Gera zu Engpässen und es fiel eine Woche lang der Unterricht aus.

Der Thüringer CDU-Abgeordnete Christian Tischner kritisierte das Bildungsministerium, nicht ausreichend steuernd in die Verteilung der Lehrer einzugreifen. «Lehrer sind Beamte. Wenn die Situation so drastisch ist, müssen welche abgeordnet werden», sagte Tischner. In den größeren Städten wie Erfurt oder Jena sei der Lehrermangel weniger schlimm.

Zwar könne man nicht einem Lehrer aus Erfurt zumuten, plötzlich im weit entfernten Sonneberg zu arbeiten. Aber es sei denkbar, dass man einen Lehrer nach Arnstadt abordnet und dafür einen aus dem Ilm-Kreis nach Südthüringen. «Wenn ein Schulleiter wie in Schmalkalden eine ganze Klasse nach Hause schickt, muss die Situation ganz dramatisch sein», sagte Tischner.

Er mahnte zudem an Anreize wie Prämien für Lehrer, die sich verpflichten, eine gewisse Zeit in einer ländlichen Region zu unterrichten, endlich umzusetzen, wie er sagte. «Mich ärgert, dass die Mittel, die der Landtag zur Verfügung gestellt hat, um Lehrer zu gewinnen, nicht genutzt werden», sagte Tischner. dpa

Lehrermangel verschärft sich drastisch – „alarmierende“ Schulleiter-Umfrage

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56 KOMMENTARE

  1. Tja, so schauts aus … Und es wird noch schlimmer werden. Diesen Zustand habe ich schon längst prophezeit, nachdem der Lehrerberuf derart minderwertig geschätzt wird, Lehrer sogar von Politikern als „faule Säcke“ bezeichnet werden, und die Öffentlichkeit schlägt natürlich auch in diese Kerbe. Hausgemacht … wie alles in der Politik … nun schauen alle dumm aus der Wäsche … wer hätte das gedacht? In der Grundschule fängt es an, der Mangel wird sich weiter entwicklen bis in die weiterführenden Schulen, wenn da nicht eine bildungspolitische Richtungsänderung erfolgt, in allen Bereichen. Die Lehrer haben genug davon, der Prellbock der Nation zu sein. Ich jedenfalls werde keine Werbung für den Lehrberuf machen.

    • Genau das sind die Probleme:
      1. die geringe Wertschätzung des Lehrerberufs und 2. die Tatsache, dass jeder sogenannte Bildungspolitiker, der einmal an einer Baumschule vorbeigelaufen ist, sich für einen unangreifbaren Experten hält. Diesen Fachleuten aufgrund eigener Ermächtigung bzw. aufgrund von nicht nachvollziehbaren Ernennungen kann man mit Dieter Nuhr nur entgegnen: „Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten.“

  2. Bei uns kommt es inzwischen recht oft vor, dass ganze Klassen aufgrund von Lehrkräfteerkrankung zumindest tageweise im Wechsel eine Eigenlernzeit zu Hause haben.

    Dabei heißt es immer – die Schüler(zahlen) seien das Wichtigste…..

    Und wir sind erst kurz vor den Herbstferien. Eas wird das ein Spaß, wenn sich keiner mehr von uns zum Dienst schleppen kann….

  3. Also auch ein Kultusminister von der Linkspartei kann keine Wunder vollbringen, die Probleme sind dieselben wie andernorts. Geschimpft wird natürlich weiterhin vorwiegend auf Frau Gebauer und andere Minister/innen, die nicht der „richtigen“ politischen Richtung verpflichtet sind. Welche bildungspolitischen Impulse sind eigentlich je von der Linkspartei ausgegangen? Was Frau Wagenknecht in ihrem Buch zu den „Lifestyle-Linken“ sagt, kann ich nur zum Nachlesen empfehlen.

    • Ein Kultusminister der Linkspartei könnte aber, wie er das auch von anderen Arbeitgebern fordert, vernünftige Arbeitsbedingungen jenseits der Ausbeutung von engagierten Lehrkräften schaffen. Macht er aber nicht, sondern zeigt lieber auf „die Bonzen“ und „das Kapital“ oder auf was die Linkspartei sonst so schimpft.

  4. An der Grundschule meiner Kinder in SH sieht es leider nicht anders aus. Von den 17 Lehrkräften sind aktuell 4, die eigentlich schon längst pensioniert sind. So kann der Unterricht gerade noch aufrecht erhalten werden.
    Es ist ein Trauerspiel wie mit der Zukunft unserer Kinder umgegangen wird.

    • Bei uns in SH sind auch es PensionärInnen und alte LehrerInnen, die den Unterricht in der GS aufrecht erhalten.
      Aber irgendwann einmal sind auch diese ausgebrannt! In dieser Woche waren von den jüngeren Kolleginnen durchschnittlich 4 pro Tag krank.
      Ohne die Alten hätten wir nicht gewusst, wie wir die Verlässlichkeit aufrecht erhalten könnten!
      Jede betreute weit über 30 Kinder!

  5. Ist in anderen Bundesländern auch nicht besser, manchmal fällt es einfach nicht so sehr auf, weil es andere Konstrukte zur Betreuung gibt.
    Wo in Berlin offenbar ErzieherInnen aus dem Ganztag einspringen,
    sind es anderswo pädagogische MitarbeiterInnen zu sehr geringem Gehalt, die die Klassen beaufsichtigen.
    Aber auch da reicht die Versorgung nicht einmal, um eine Lehrkraft mit 28 Stunden Deputat in der Woche vertreten zu können.

    Bisher haben die Schulen immer irgendwie versucht, die Klassen dennoch zu versorgen.
    Im Ministerium kommt offenbar an, dass es ja gut läuft und dass man ruhig noch mehr einsparen kann.
    Jetzt ist es so knapp, dass die Versorgung nicht mehr ausreicht und auch die Betreuung nicht mehr gewährleistet werden kann. Es wird Zeit, dass das bekannt wird.

    • @Palim
      Um das bekannt zu machen, müssten die SL sich mal ehrlich machen und die Zustände gemeinsam mit den Kollegen nach oben melden. Und nicht, auf Teufel komm raus, alles irgendwie am Laufen halten. Aber keiner hat den Mut, warum auch immer. Klar, das einer alleine nichts erreicht,.Aber ich verstehe nicht, warum sich verschiedene SL und viele LUL, KuK nicht zusammenschließen. Sind das alles Feiglinge? Auf die Gewerkschaften warten bringt jedenfalls gar nichts. Aber anscheinend sind die Zustände an vielen Schulen noch nicht schlimm genug.

      • Weil nach dem „nach oben melden“ genau WAS passieren soll?

        Es müssen Vertretungen beantragt werden, das ist ja schon deutlich genug.
        Auch weiß das Land doch ganz genau, wie viele Stellen der ausgeschriebenen nicht besetzt wurden
        und wie viele gar nicht erst ausgeschrieben wurden.

        Und es gibt Statistiken ohne Ende, die ja die SL immer wieder ausfüllen müssen, in denen die Fehlstunden stehen …

        Aber es stimmt. Anscheinend sind die Zustände noch immer nicht schlimm genug. Es wird erst reagiert, wenn viele Klassen ihre Tage zu Hause verbringen müssen und nur noch eine Not-Betreuung gewährleistet wird.

        • Fehlstunden gibt es eben kaum, weil irgendwie versucht wird, die Kinder zu betreuen (aufzubewahren), von ordentlicher Vertretung kann schon lange keine Rede mehr sein. Diese Stunden erscheinen nirgendwo in der Statistik als Ausfall. Somit ist doch alles in Ordnung? Das meinte ich, mit „ehrlich machen“ – keine „Vertretung“ auf Kosten der verbliebenen KuK und SuS! – einfach mal wirklich ausfallen lassen, was nicht ordentlich vertreten werden kann und das dann auch in den Statistiken erfassen!

  6. Offensichtlich gibt es noch immer nirgendwo aussagekräftige Statistiken die „wahr“ und „echt“ sind -und nicht im politischen Sinne verbogen, wie wir dies nicht erst seit Corona laufend erleben. Mit einer falschen (oder etwa gefälschten?) Statistik kann man natürlich auch nicht voraussagen, welche Zahlen auf die Kindergärten zukommen, wie viele LehrerInnen so etwa 6 Jahre nach der Geburt von Kindern gebraucht werden, welche Mittel bereitstehen und welche Raumkapazitäten vorhanden sein müssen, wie sich der ÖPNV anzupassen hat, etc., etc.
    Dieses Chaos bestand schon , als ich mein Studium an der PH 1975 begann und überall nach Lehrern gesucht wurde. Als wir alle das 2. Staatsexamen abgeschlossen hatten, gab es auf einmal keine Arbeitsplätze für uns und wir mussten jahrelang auf eine Stelle warten – anstatt dass die Klassengrößen reduziert worden wären, um effektiveren Unterricht hinzubekommen, statt KuK als „Einzelkämpfer“ mit Klassengrößen mit 35 bis hin zu 40 Schülern zu beschäftigen. Genau den gleichen Problemen war schon mein Vater ausgesetzt, der ab 1960 Sonderschulrektor war, was wir zuhause immer topaktuell mithören konnten.
    Diese Misswirtschaft hat also lange Tradition – und ich frage mich, warum wir in den Schulleitungen jährlich vor einem Moloch von Statistik saßen und unendlich viele Arbeitsstunden dafür aufwenden mussten und müssen. Offensichtlich hat diese Lebenszeit-zehrenden Vorarbeiten keiner in den zuständigen Ämtern für Statistik korrekt ausgewertet – und tut es noch immer nicht, sonst würden solche Pannen, die alle Kollegen und Kolleginnen aufreiben, das Ganze auf dem Rücken unserer Schülerinnen und Schüler, nicht wiederholt geschehen! Eigentlich müssten sich die Entscheider in den Ministerien wegen fortgesetzter Untätigkeit verantworten müssen.

    Aber es scheint immer unverändert weiterzugehen, frei nach dem heiteren Motto: The same procedure as last year!

    Und welche*r Ober-Amts -was-weiß-ich-was -Direktor*in kann die 4 Jahre bis zur nächsten Wahl nicht aussitzen? Von Untätigkeit dürfte bisher noch kaum eine*r einen Burnout bekommen.

  7. «Lehrer sind Beamte. Wenn die Situation so drastisch ist, müssen welche abgeordnet werden», sagte Tischner.

    Tja, wäre ja schön, wenn das stimmen würde. Ich arbeite in einer Bedarfsregion und werde mitnichten verbeamtet, weil ich schulartfremd angestellt bin. Und dass, obwohl mir die Schulleitung regelmäßig bestätigt, dass ich einen besseren Job mache und engagierte arbeite als viele Langzeitbeamte. Aber Leistung zählt halt im Thüringer Schuldienst nicht.

    Hauptsache, die Beamten werden werden stufengleich in die E13 gesteckt, während den Angestellten die Erfahrungsstufe gekürzt wird.

    • Ach, und angeordnet wird man übrigens auch als Angestellter. Das wird völlig unabhängig vom Beamtenstatus gehandhabt. Ich durfte auch schon Anfahrtswege von anderthalb Stunden pro Strecke zu Abordnungsschule fahren – also drei Stunden am Tag.

      Dafür wurde meine eigentliche Klasse mit der Parallelklasse zusammengelegt, was dann deutlich über 30 Kinder waren. Und das trotz der Kinder mit teils sonderpädagogischen Förderbedarf.

      So geht Personalpolitik in Thüringen: Zu Lasten der Schüler.

      • Irgendwie erinnert mich das Ganze an die „gute, alte Zeit“ ,der meine Verwandten in Thüringen, zwischen Suhl und Meiningen, nach-jammern, denn in der DDR war alles besser. Sagen sie. und meinen sie auch so.
        Es waren, weil mein Vater Lehrer war, genau solche Geschichten über die man klagte, wenn wir zu Besuch „drüben“ waren.

        Alles OK – es hat sich wohl nicht all zuviel geändert?

  8. In Berlin wäre jetzt die Verbeamtung gefordert worden. Dumm nur, dass es sie Thüringen bereits gibt. Warum mangelt es dann also in Thüringen an Lehrern? Mir scheint, auch hier sucht sich nun jeder den Grund, der ihm am besten nützt.

  9. Vielleicht hätte Thüringen vor knapp 10 Jahren nicht jahrelang alle fertigen Referendar*innen gehen lassen und das, obwohl in meiner Ausbildungsschule der Alterdurchschnitt bereits bei 55 lag (Referendar*innen eingerechnet). Viele von uns wären gern geblieben, aber uns Jahre lang von Job zu Job zu hangeln, nur um darauf zu warten, dass Thüringen sich bequemt, uns einzustellen, nein danke.

  10. Das Damoklesschwert der Weisungsbefugnis des Dienstherren schwebt über uns allen. Erstaunlich, dass bisher wenig passiert. Insonmia mal ausgenommen. Im Gunde werden LuL sehr schonend behandelt, wenn man sieht, welche Bedarfe es gibt und was dienstrechtlich möglich ist. Ich bin mir sicher, dass andere Arbeitgeber hier deutlich weniger zimperlich wären.

    • Wahrscheinlich weil es sinnlos ist, eine Kollegin von einer Schule, an der NUR eine Lehrerstelle fehlt an eine andere Schule abzuordnen, an der 2 Lehrerstellen fehlen!

  11. Ganz ehrlich: ich habe so unglaublich viele KuK (gut, meist K*innen), die Teilzeit arbeiten. Das Problem ist hausgemacht. Sicher, es gibt Bereiche, da brennt es mehr, aber Teilzeit in knappen Zeiten ist ein Luxus, den sich der Staat eigentlich nicht leisten kann.

    • Ohne Teilzeitkräfte kommt eine Grundschule nicht aus. Wenn alle Lehrerstunden an unserer Schule mit Vollzeitkräften besetzt wären, hätten wir 1 1/2 Lehrer weniger als Klassen.
      Vollzeitlehrkräfte unterrichten 28 Stunden, Klassen 1 und 2 sind aber nur 20 Stunden im Unterricht, Klasse 3 und 4 haben 25 Stunden. In der Rush Hour wäre also mindestens immer eine Klasse unbesetzt, da auch ein Lehrer keine 2 Unterrichtsstunden GLEICHZEITIG geben kann.
      Früher, als einige Klassen erst zur 2. oder 3. Stunde kamen, war das kein Problem. Man hätte 30 Stunden zur Auswahl.
      Jetzt müssen alle zur gleichen Zeit kommen! Dadurch brauchen wir besonders in den ersten 4 Stunden mehr Lehrer.

      • Jetzt sind wir dankbar für jeden, der sich mit 20-25 Stunden zufrieden gibt!
        Unteilbare Aufgaben wie Konferenzen, Klassenleitung, Klassenfahrten, Fachleitungen, Sprechtage usw. müssen von Teilzeitkräften zur Gänze ohne Lohnausgleich mit übernommen werden.
        Je geringer das Deputat umso mehr arbeitet man auch gratis!

    • An Grundschulen gibt es nur genug Klassenlehrerinnen, weil viele in Teilzeit arbeiten. Teilzeitkräfte abeiten im Verhältnis mehr als Kolleg/innen in Vollzeit. Ausserdem geht es um Vereinbarkeit von Arbeit und Familie und nicht um Luxus.

      • Kann ich bestätigen und das ist einer der Gründe, warum wir unsere Klassen nicht besetzen können.

        Es ist bekannt, dass Teilzeitkräfte zudem im außerunterrichtlichen Bereich oft weit mehr arbeiten, als sie müssten. Über die Teilzeitkräfte wurden jahrelang die Mängel aufgefangen – zu sehr günstigen Konditionen für das Land.

      • Es gibt KEINEN Beruf, bei dem die Vereinbarkeit von Beruf und Familie besser klappt als sen Lehrberuf, v.a. an GS. Und alleine das sehe ich schon als Luxus und großes privileg. Und das wird augh so bleiben, solange man auf Vormittagsschulen setzt.

        • Ist das so? Merkwürdig!
          Ich kenne viele KollegInnen, die gar keine Kinder haben, und andere mit Kindern, die gar nicht wissen, wie sie es bewerkstelligen sollen,
          übrigens auch, weil es keine ausreichenden Betreuungsangebote für Kinder gibt und Lehrkräfte nicht wissen, wie sie ihre Kinder unterbringen sollen, wenn die Aufgaben, die auch außerhalb des Unterrichts liegen, anstehen.

          Auch Lehrkraft an einer „Vormittagsschule“ ist kein Halbtagsjob.

    • Teilzeit ist, zumindest bei meinen Kolleginnen und Kollegen, eine Reaktion auf die Überfrachtung mit Aufgaben klar zu kommen.

  12. Wir nicht besser werden, garantiert nicht! Wer will schon täglich vor einer Klasse stehen in der alle paar Tage ein Kind positiv getestet wird, keine Maske getragen wird und keiner mehr Vorsorglich in Quarantäne geht.
    Eine Infektion ist da 100% sicher!
    Selbst geimpft muss man es nicht drauf anlegen sich mehrfach zu infizieren, denn keiner weiß was dieses Virus im Körper Langfristig anrichtet! Und dieses Vorgehen fördert Impfresistente Varianten, jeder der Beruflich täglich mit Infizierten zu tun hat ist besser geschützt als Lehrer und Erzieher!

    • Und wenn es hier um Infektionen ginge: niemand spricht von wollen, sondern vom müssen. „muss man es nicht drauf anlegen…“ – ich wüßte nicht, dass ein Beruf ein unverbindliches Angebot ist, zur Arbeit zu erscheinen. LuL haben eine Dienstpflicht, so ätzend und gefährlich das in Pandemiezeite auch sein mag.
      Niemand wird daran gehindert, eine Maske zu tragen.

      • Wer von Arbeitsrecht keine Ahnung hat. Ein AG darf mit erheblichen Schadensersatzforderungen leben, wenn ein Mitarbeiter wegen Fahrlässigkeit des AG erkrankt. Es gibt keine Dienstpfljcht, die eine Pflicht zur Infektion beinhaltet.

        • Nur leider haben die KuMi schon vor mehr als 1 Jahr verkündet, dass Covid nicht als dienstliche Erkrankung anerkannt wird. Insofern haben sie finanzielle Forderungen von vornherein abgebügelt.

  13. Dann sollte einfach das Studium anders gestaltet sein. Ich persönlich brauche keinen Bachelor in Mathe damit ich in der Grundschule unterrichte. Vielleicht wieder wenn es genug gibt. Aber aktuell is es doch irre

    • Irre ist vor Allem, dass zur Zeit nicht einmal ein Besuch einer Universität nötig ist, um an einer GS zu unterrichten! Einfach weil wir froh sind, überhaupt eine Einzelhndelskauffrau oä zu finden, die einige Stunden unterrichten will!
      Letztens hatten wir eine Mutter, Biologin, die sich zutraute, in einer Klasse Sachunterricht zu erteilen. Sie hatte sogar einen Masterabschluss! Als ich sie über die anstehenden Themen informierte ( Bio, Geschichte, Geografie, Physik, Chemie, Gesellschaftswissenschaften), und ihr dazu auch noch sagen musste, dass es für dieses Fach noch kein vernünftiges Lehrwerk mit Lehrerband gibt, das auch nur annähernd den neuen Fachanforderungen entspricht, fand sie es doch zu anspruchsvoll.
      Jetzt unterrichtet sie 5 Stunden Mathe, das klappt halbwegs. Aber halt besser als gar keinen Lehrer zu haben! Ein Mathekollege arbeitet sich nun in Sachunterricht ein!

      • „Irre ist vor Allem, dass zur Zeit nicht einmal ein Besuch einer Universität nötig ist, um an einer GS zu unterrichten! Einfach weil wir froh sind, überhaupt eine Einzelhndelskauffrau oä zu finden, die einige Stunden unterrichten will!“

        Habt ihr (als Grundschullehrer – für mich in einer anderer Schulform sind solche Zustände vollkommen undenkbar) nicht Angst, dass eure Profession total entwertet wird? Wozu braucht man noch Akademiker mit Referendariat, wenn der Beruf der Grundschullehrer quasi so anspruchslos ist, dass selbst eine „Einzelhndelskauffrau“ ihn ausführen kann? (Wo bleibt da euer Widerstand? Nein, ihr seid sogar noch froh darüber (und sagt das auch noch), dass alle Welt sehen kann, dass euer Beruf anspruchslos ist… (so kommt das nämlich rüber)).

        • Man kann ja auch ganz auf Unterricht verzichten! Wo keine Lehrer sind, kann auch kein Unterricht stattfinden.
          Die Aushilfskräfte bereiten den Unterricht ja nicht vor, das machen Lehrer. Aber sie beaufsichtigen und können auch mal eine Frage der Kinder beantworten.
          Die Einführung macht ein Kollege, aber so müssen halt nicht immer 2 Klassen parallel beaufsichtigt werden.
          An der Schule fehlen 58 Lehrerstunden, die nicht durch Lehrkräfte besetzt werden können, weil es keine gibt!

        • Ganz viele Bundesländer fahren in den Grundschulen ein Vertretungskonzept, nach dem die Lehrkräfte Unterricht vorbereiten und hinlegen (Mehrarbeit, die niemand zahlt) und die SuS die Aufgaben bearbeiten, während sie von Mitarbeiterinnen beaufsichtigt werden, die keine Lehramtsausbildung und z.t. auch keine pädagogische Ausbildung haben.
          Je schlechter die Ausbildung, desto mehr Stunden erhält die Schule von der Person, da sie geringer bezahlt wird, die Schule aber mit dem Geld auskommen soll, was nur klappt, wenn gering Qualifizierte eingesetzt werden.

          Nach außen hin sieht es so aus, als habe Unterricht stattgefunden, weil eine erwachsene Person in den Klassenraum gekommen ist und Unterrichtsmaterialien verteilt hat oder Arbeitsanweisungen gegeben hat.

          Auch da dürften BL gerne mal offenlegen, wie viele Stunden Aufsicht durch gering Qualifizierte den Unterricht ersetzt haben.

    • Man braucht einen Master, um Lehrkraft zu sein, dazu ein 2. Staatsexamen.
      Dass Studium ist nötig, um sowohl fachlich als auch pädagogisch und psychologisch gut aufgestellt zu sein.
      Es geht nicht um die Beaufsichtigung oder ein bisschen Malen und Spielen, sondern um Unterricht, Erziehung, Beratung und differenzierte Förderung in inklusive Klassen.

      Man würde beim Ärztemangel auch nicht auf die Idee kommen, dass man auch ohne Studium auskommen kann, um die Aufgaben des Berufes übernehmen zu können.

    • GERADE für die Grundschule müsste man schon Mathematik mit Schwerpunkt Grundschuldidaktik studiert haben, um es angemessen dort auch unterrichten zu können. Und an Praxisphasen im Studium und am Referendariat dürfte auch nicht gekürzt werden.

  14. Da wir die unteren Klassen ja nicht einfach gehen oder stundenweise unbeaufsichtigt lassen dürfen, wird das bei uns ganz pragmatisch gelöst, wenn KuK ausfallen und zu wenige von uns übrig sind, um zu vertreten:
    Da wird man dann einfach für zwei Klassen gleichzeitig eingeteilt und rennt die ganze Stunde hin und her, wenn man Glück hat, gibt’s sogar Vertretungsaufgaben, ansonsten darf man sich was aus den Fingern saugen. In diesem Sj. musste es schon einige Male so gemacht werden.
    Das zuständige Amt findet aber, dass wir zu viele Lehrkräfte haben, deswegen darf unsere Schule auch noch an die umliegenden Gesamt-, Haupt- und Grundschulen abordnen.

    So haben wenigsten alle zu wenige Lehrer! 🙂

    • Ach ja, dieses hin und her geflitze hört sich stark nach Baden-Wüttemberg an. So versteckt man ausgefallene Stunden. Die SL mussten sich rechtfertigen, indem sie ins Rp wie Schulkinder zitiert wurden, wenn mehr als 10 oder 15% ausfällt. Das wurde unter allen Umständen vermieden, weshalb manchmal eine Lehrkraft sogar 3 Klassen zu gleich „betreute“. Keiner hat was gelernt, aber auf dem Papier sah alles gut aus.

      • In Niedersachsen ist so was auch möglich…

        Ja, einmal hatte ich auch drei Gruppen. Eingeteilt war ich für zwei, aber die Vertretung für die dritte kam aus ungeklärtem Grund nicht, eine weitere war nicht verfügbar, also durfte ich wortwörtlich im Dreieck springen. 😉

  15. Tja, es wird leider nicht besser. Wenn ich unsere Abgangsklassen betrachte, dann möchte dort kaum noch jemand Lehramt studieren. Es ist zu anstrengend, bei der Jugend, wie sie sagen….
    Hmmm ich fürchte, es kommt noch schlimmer.
    Der Beruf des Lehrers hat kein gutes Ansehen mehr. Die Eltern wissen alles besser und versuchen das Niveau immer weiter zu drücken, wo es nur geht. Ich persönlich habe nach 20 Jahren Berufserfahrung so na Ja am keine Lust mehr auf freche, schlecht erzogene Kinder und noch weniger auf nervige Eltern. Ich kann den Lehrerberuf absolut nicht weiter empfehlen, obwohl dieser ursprünglich mein Traumberuf war und ich die ersten Jahre sehr glücklich mit dem Job war!

      • Sehr gut erkannt! Tatsächlich wurde ich im letzten Schuljahr von der Abgangsklasse in den Kategorien „Fairste Lehrerin“ und „Bester Unterricht“ ausgezeichnet. In der Kategorie “ Langweiliger Unterricht“ konnte ich leider nicht punkten.
        Nichtsdestotrotz darf ich trotzdem behaupten, dass mich der Lehreralltag zunehmend zermürbt, oder ist das nicht mehr erlaubt?

  16. Lehrermangel gab es auch schon vor 15 Jahren, ist also nichts Neues.

    Allerdings kann der Lehrermangel, besonders in Fächern wie Physik, Chemie, Musik,… nicht real sein. Wie sonst erklärt es sich, dass ich als GHWRS-Kraft mit zwar Schwerpunkt Grundschule, aber der Lehrbefähigung im Fach Physik in nun fast 2 Jharzehnten nie Physik unterrichtete, obwohl ich an Schulämter anfragen stellte, dafür aber fach- und begabungsfremd Musik, Kunst und Sport unterrichte?

    Zudem durfte ich aufgrund Lehrmangel auch schon 2 Klassen ein Jahr lang parallel als Klassenlehrer führen (2. und 4. Klasse).

    Mittlerweile und durch die Corona-Politik des KM in BW zusätzlich gefrustet, warte ich auf den ersehnten Lotto-Gewinn. Dann studiere ich Finanzwesen, was nicht so schön wie Lehramt ist, mich dann aber persönlich weiter bringt.

  17. Ich würde mich gerne im Quereinstieg zur Grundschullehrerin ausbilden lassen,arbeite schon 4 Jahre als Sozialpädagogin dort,mein Vorschlag wäre,dass SchulleiterInnen als Mentoren,Pädagogen in den Grundschulen begleiten und sie ausbilden. Wir alle haben ja schon Erfahrung im Lehramt. Leider ist NRW sehr sturr und beharrt darauf,dass kein Quereinstieg in Mathe und Deutsch möglich ist in der Grundschule. Hoher Anspruch mit wenig Erfüllung in den Schulen für unsere Kinder. Sie werden lieber nach Hause geschickt. Schade.

    • Gott sei Dank, wir brauchen keine Minimal_Lehrkräfte!!! Und Schulleiter und Lehrer sollen nebenbei noch ausbilden???? Was tun Sie eigentlich seit 4 Jahren, wenn Sie die grundlegenden Probleme des Schulalltags noch nicht verstanden haben?

  18. Alle eure Kommentare enthalten ein Fünkchen Wahrheit…..
    GS Lehrer kommen nicht als Quereinsteiger an die Schule…Ausbildung nötig
    Wozu braucht man man für Mathe an der GS Diophantische Gleichungen und den Euklidischen Zahlenalghorythmus…, Aber kaum eine didaktische Ausbildung bzw Praktika?
    Wer fragt an den Schulen nach den Kürzungen des Lehrplans? ..von vornherein fallen planmäßig Stunden aus? Bei 69 planmäßigen Ausfallstunden..wieviel Lehrer fehlen dann?? ..und dann kommen Krankmeldungen dazu.
    Es werden Löcher durch Abordnungen gestopft und andere aufgerissen.
    Abgeordnet an 2 Schulen..unterschiedliche Unterrichtsmaterialien und 2x Klassenlehrer.
    Wer möchte helfen?

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