Lehrerverband lehnt Legalisierung von Cannabis ab (Meidinger: Allenfalls Modellversuche)

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BERLIN. SPD, FDP und Grüne könnten bald entscheiden, ob sie Koalitionsverhandlungen aufnehmen. Sind diese erfolgreich, könnte ein Ergebnis auch eine kontrollierte Freigabe von Cannabis sein. Dafür ist nun auch der bekannteste Gesundheitsexperte der SPD. Der Deutsche Lehrerverband stellt sich dagegen.

Das Kraut des Anstoßes: Marihuana. Foto: Shutterstock

Die Debatte über eine Legalisierung von Cannabis in Deutschland nimmt Fahrt auf. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sprach sich dafür aus, in einem möglichen Koalitionsvertrag von SPD, Grünen und FDP eine Legalisierung von Cannabis festzuschreiben. In einem Interview der «Rheinischen Post» (Mittwoch) plädierte er dafür, eine kontrollierte Abgabe an Erwachsene zu erlauben, um dem Handel von mit Heroin versetztem Cannabis einen Riegel vorzuschieben.

Das Bundesgesundheitsministerium ist weiter gegen eine Legalisierung, wie ein Sprecher von Minister Jens Spahn (CDU) am Mittwoch in Berlin deutlich machte. Bei Cannabis handle es sich um eine gefährliche Substanz, eine Legalisierung sei daher nicht angezeigt, sagte er. In bestimmten medizinischen Fällen könne die Verwendung von Cannabis helfen. Auch Vertreter von Polizeigewerkschaften hatten vor einer Legalisierung gewarnt. Sie argumentieren unter anderem, bei Cannabis handle es sich um eine oft verharmloste Droge, die gerade bei Jugendlichen zu erheblichen Gesundheitsproblemen und sozialen Konflikten führen könne.

«Jahrelang habe ich eine Cannabis-Legalisierung abgelehnt. Mittlerweile komme ich als Arzt aber zu einem anderen Schluss»

Lauterbach sagte der Zeitung: «Jahrelang habe ich eine Cannabis-Legalisierung abgelehnt. Mittlerweile komme ich als Arzt aber zu einem anderen Schluss.» Immer häufiger werde dem illegal verkauften Straßencannabis neuartiges Heroin beigemischt, das sich rauchen lasse. «Damit werden Cannabis-Konsumenten schnell in eine Heroin-Abhängigkeit getrieben.» Dieses Phänomen sei neu und verändere die Lage. Mit einer Legalisierung von Cannabis ließe sich der Handel mit verunreinigtem Haschisch unterbinden, sagte der SPD-Politiker. «Ich bin deswegen dafür, dass wir in einem möglichen Koalitionsvertrag mit Grünen und FDP einen Passus zur legalen und kontrollierten Abgabe von Cannabis an Erwachsene formulieren.»

Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, warnte hingegen vor einer Legalisierung. Den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Online Mittwoch, Print Donnerstag) sagte er: «Aus medizinischer Sicht ist die Freigabe von Cannabis deutlich abzulehnen.» Es gebe keinerlei medizinische Notwendigkeit, Cannabis – über die zulässigen Indikationen hinaus – zu legalisieren. «Es mag hierzu soziale oder strafpräventive Überlegungen geben. Die haben aber nichts mit Medizin zu tun, sondern sind politisch begründet.»

Auch der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, meldete Bedenken an. «Am Beispiel der Niederlande sieht man, dass die Legalisierung von weichen Drogen auch zu einer drastischen Ausweitung der harten Drogenszene geführt
hat», sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). «Die Grenze zwischen harten und weichen Drogen wird zunehmend verwischt.» Meidinger plädierte dafür, allenfalls erst einmal Modellversuche einzurichten.

«Die Cannabislegalisierung ist eine überfällige Selbstverständlichkeit. Stigmatisierung, Prohibition & Kriminalisierung sind gescheitert»

Der Bundesvorsitzende der Jungen Liberalen (JuLi), Jens Teutrine, sprach sich für eine Entkriminalisierung von Cannabis aus. «Die Cannabislegalisierung ist eine überfällige Selbstverständlichkeit. Stigmatisierung, Prohibition & Kriminalisierung sind gescheitert», schrieb der FDP-Bundestagsabgeordnete am Mittwoch auf Twitter. Zugleich machte er deutlich, dass es für eine Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP mehr brauche als «legales Kiffen». Teutrine nannte eine Agenda für den sozialen Aufstieg, eine BaföG-Reform, eine «enkelfitte Rente» und die Erhöhung der Minijobgrenze.

Im Wahlprogramm der FDP wird eine kontrollierte Freigabe von Cannabis gefordert: «Wir setzen uns dafür ein, den Besitz und Konsum für volljährige Personen zu erlauben. Nur mit einem Verkauf in lizenzierten Geschäften können die Qualität kontrolliert, die Weitergabe von verunreinigten Substanzen verhindert und der Jugendschutz gewährleistet werden.»

Im Grünen-Wahlprogramm heißt es, das derzeitige Verbot von Cannabis verursache mehr Probleme, als es löse. «Deshalb werden wir dem Schwarzmarkt den Boden entziehen und mit einem Cannabiskontrollgesetz auf der Grundlage eines strikten Jugend- und Verbraucherschutzes einen regulierten Verkauf von Cannabis in lizenzierten Fachgeschäften ermöglichen und klare Regelungen für die Teilnahme am Straßenverkehr einführen.» Die SPD spricht sich dafür aus, eine regulierte Abgabe von Cannabis an Erwachsene in Modellprojekten von Ländern und Kommunen zu erproben. Zudem solle bundeseinheitlich geregelt werden, dass der Besitz kleiner Mengen von Cannabis strafrechtlich nicht mehr verfolgt werde.

Der Cannabiskonsum bei jungen Erwachsenen ist zuletzt weiter gestiegen. Das ist eines der Ergebnisse des in der vergangenen Woche vorgelegten Jahresberichts der Bundesdrogenbeauftragten Daniela Ludwig. Unter den 18- bis 25-Jährigen stieg demnach der Anteil derjenigen, die nach eigenen Angaben in den vorangegangenen zwölf Monaten mindestens einmal Cannabis konsumiert haben, zwischen 2015 und 2018/19 von 15,3 Prozent auf 24,1 Prozent. dpa

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6 KOMMENTARE

  1. „Bei Cannabis handle es sich um eine gefährliche Substanz, eine Legalisierung sei daher nicht angezeigt, sagte er.“

    Hallo Jens, du alter Gesundheits-Spezial-Agent! 😉
    Wo wir grad beim Thema „gefährliche Substanz“ sind: Da ist so’n Zeugs im Umlauf, das heißt „Covid19“ und das wird derzeit ganz übel in Umlauf gebracht in Kitas und Schulen!
    JA WIRKLICH!!!
    Wie?
    Haste echt noch nichts von der Nummer in den Kitas und Schulen gehört?
    Das hat so’ne Gang angezettelt … Ja, richtig, genau die. Jaaahaaa, die „Schmutzigen Sechzehn“. Klar, ich finde den Gangnamen auch blöd, aber so ist da immerhin eine Linie drin.
    Klar Jens, da haste Recht mit den alten Lateinern von wegen „Nomen est omen.“
    Aber weißte, das richtig blöde – jaahaaa, Wortwiederholung, kenne ich als Lehrer, macht man nicht – aber man macht so vieles nicht.
    Also, Gesundheits-Krümel, unterbrich nicht!
    … von diesem „Covid19“ ist ganz viel im Umlauf, da ist genug FÜR ALLE da!
    Und wahrscheinlich denken alle „YEEEEHA !!! Wenn’s das sogar kostenlos gibt? Issja so voll geil!“
    Nee, neee, Jens, hör doch mal zu und denk mal nach: WO gibt’s denn heute noch was umsonst? – Glaub das bloß nicht, und vor allem lass das nicht den Lindner-Chrissi hören, der ver****** dich dann bis ans Ende aller Tage damit.
    Ne, also da denkste heute abend vor dem Kamin mal in Ruhe nach: WER zahlt denn für die ganzen Spätfolgen??? Das betrifft ja Kinder, die erst noch ins Erwerbsleben eintreten sollen, verstehste? So von wegen KÜNFTIGE BEITRAGSZAHLER … wer nur sehr eingeschränkt oder überhaupt NIE knechten kann, der zahlt nix ein, der KOSTET nur!

    Ach so. DU bist bis dahin auf einem anderen Posten und nicht mehr zuständig.
    Ja, sehe ich ein.
    Ja.
    Ja, da haste Recht – DER Punkt geht an dich.
    Stimmt.
    Die Rechnung zahlt der Pöbel, oder in „Schönsprech“: Die Gesellschaft.

    Danke.

    Also jetzt spreche ich nur für mich:
    Wenn es die Wahl gibt zwischen
    a) einer Covid19-Infektion
    b) einer Jahresration Cannabis
    dann … BOAH … ist nicht leicht.
    Gibt’s einen Telefonjoker?

  2. Warum spricht der alte Mann für einen Lehrerverband?

    Wer hat den eigentlich gewählt?

    Und wann hat er zuletzt mal was Intelligentes gesagt?

    Denkt er sich seine Pressemitteilungen ganz alleine morgens auf dem bayerischen Klo aus?

  3. Ach wie schön, wenn jetzt die Prohibitionisten wieder die alten Horrorstories auspacken. Es ist so armselig.

    Wieso äußert sich Herr Meidinger bei diesem Thema eigentlich? Weiß er überhaupt, dass in Holland das Zeug überhaupt nicht legalisiert ist? Die dortigen Probleme sind ja hausgemacht. Die Grenzen zwischen harten und weichen Drogen verschwimmen doch gerade beim Dealer um die Ecke, der eben nicht nur gestrecktes Gras verkauft sondern auch andere Substanzen. Wenn man keine Ahnung hat, lieber Mal die Fr…. halten.

    Für uns als Lehrer wäre es im Übrigen eine echte Erleichterung im Umgang mit Cannabis affinen Schülern, weil wir ganz anders darüber reden könnten mit den Kids.

  4. Womit sich der Lehrerverband so beschäftigt, ist wirklich ganz dolle.
    Ich lehne auch so vieles ab.
    Dass ich Büromaterialien komplett selber zahlen muss, zum Beispiel.
    Oder dass ich im Winter wieder im Durchzug ohne Luftfilter sitze.

    Ich sachs mal so:

    Nobody cares about.

  5. Was hält der Herr Meidinger eigentlich von Tempo 130 und wie ist seine Position zu Euro-Bonds?

    Das wüsste ich ganz dringend gerne.

    Vielleicht könnten Sie eine Serie starten:

    „Einfach & Fachfremd“ mit Herrn Meidinger

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