„Inklusion findet faktisch nicht statt“: Verriss von Schwerpunktschulen-Modell

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MAINZ. Um die schulische Inklusion im Land ist es schlecht bestellt – den Befund des Wissenschaftszentrums Berlin (WZB) teilen auch Eltern von Kindern mit einer Behinderung. Das Land hält aber bislang an dem System von Schwerpunkt- und Förderschulen fest.

Von echter Teilhabe kann in vielen Bundesländern keine Rede sein. Foto: Shutterstock

Die Vorgaben der Vereinten Nationen zum gemeinsamen Unterricht von jungen Menschen mit und ohne Behinderung werden nach Einschätzung von Wissenschaftlern in Rheinland-Pfalz nicht erfüllt. Zwölf Jahre nach Unterzeichnung der UN-Behindertenrechtskonvention sagte Michael Wrase vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) am Freitag, «dass Inklusion in Rheinland-Pfalz faktisch nicht stattfindet». Das Bildungsministerium in Mainz will sich die Studie des WZB «genau ansehen».

Eltern von Kindern mit einer Behinderung haben in Rheinland-Pfalz die Wahl zwischen einer von 299 Schwerpunktschulen, in der drei bis vier Schüler und Schülerinnen «mit sonderpädagogischem Förderbedarf» gemeinsam mit anderen unterrichtet werden, und 131 Förderschulen, wo ausschließlich Schülerinnen und Schüler mit «sonderpädagogischem Förderbedarf» unterrichtet werden.

«Schwerpunktschulen sind Soziale-Brennpunkt-Schulen – das ist gegen das Ziel der UN-Behindertenrechtskonvention»

«Die Eltern sind sehr dankbar, dass ihre Alltagserfahrung fachwissenschaftlich untermauert wird», sagte am Freitag die Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft Gemeinsam Leben – Gemeinsam Lernen (GLGL), Christine König, zu den Ergebnissen der Studie. Die Eltern stünden vor dem Dilemma, ihr Kind auf eine «schlecht ausgestattete Schwerpunktschule» zu schicken oder auf eine Förderschule – dort gebe es kompetente Lehrer, «aber da ist das Kind separiert». Sie verstehe alle Eltern, die sich deswegen für die Förderschule entschieden, wo es keine Inklusion gebe.

Schwerpunktschulen seien nur sinnvoll, wenn es eine besondere Ausrichtung gebe, etwa für die Unterrichtung von autistischen Kindern, sagte der Bildungsjurist Wrase. In Rheinland-Pfalz aber seien Schwerpunktschulen vor allem dort angesiedelt, wo es einen hohen Anteil von Hartz-IV-Beziehern gebe. «Schwerpunktschulen sind Soziale-Brennpunkt-Schulen – das ist ganz klar gegen das Ziel der UN-Behindertenrechtskonvention.» An Standorten mit sozialen Problemen erhielten auch vermehrt Kinder mit sich daraus ergebenden Auffälligkeiten «das Label Behinderung oder sonderpädagogischer Förderbedarf».

Die sogenannte Exklusionsquote, das ist der Anteil der schulpflichtigen Kinder und Jugendlichen, die eine Förderschule ohne Inklusion besuchen, ist in Rheinland-Pfalz im Unterschied zu fast allen anderen Bundesländern von 2009 bis 2018 sogar gestiegen, um 0,4 Prozentpunkte auf 4,2 Prozentpunkte. «Über 70 Prozent verlassen die Förderschule ohne berufsqualifizierenden Abschluss», sagte Wrase.

«Schülerinnen und Schüler mit und ohne Handicap sollen mit und voneinander lernen»

Die Kritik wird von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaften (GEW) geteilt, die von einem «beschämenden und alarmierenden Fazit für die rheinland-pfälzische Bildungspolitik» sprach. Der Fachkräftemangel an Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen verschärfe die Situation zusätzlich. «Selbst wenn die Landesregierung zeitnah eine weitere, dringend benötigte Fakultät für Sonderpädagogik in Koblenz installieren sollte, werden mindestens weitere sechs Jahre vergehen, bis die ersten Lehrkräfte in den Schulen ankommen», erklärte der Landesvorsitzende Klaus-Peter Hammer. Die GEW kritisiert, dass das «politische Festhalten an der Doppelstruktur von Schwerpunkt- und Förderschulen ziemlich in Zement gegossen» sei.

Die rheinland-pfälzische Grünen-Bundestagsabgeordnete Corinna Rüffer sprach von einem erschreckenden Befund: «Rheinland-Pfalz verstößt systematisch gegen seine völkerrechtlichen Verpflichtungen, das Recht aller Kinder und Jugendlichen auf eine inklusive Beschulung umzusetzen.» Der Trend gehe in Rheinland-Pfalz seit Jahren in die falsche Richtung. «Es spricht viel dafür, dass der rheinland-pfälzische Sonderweg, „Schwerpunktschulen“ mit der Durchführung inklusiven Unterrichts innerhalb des Regelschulsystems zu beauftragen, gescheitert ist.» Die Grünen stellen gemeinsam mit der SPD und der FDP die Regierung in Rheinland-Pfalz.

«Schülerinnen und Schüler mit und ohne Handicap sollen mit und voneinander lernen», sagte Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) zu den Ergebnissen der WZB-Studie. Im Frühjahr 2020 habe das Ministerium eine Lenkungsgruppe eingesetzt, «die sich genau darum kümmert und die sich selbstverständlich auch die Ergebnisse der WZB-Studie genau ansehen wird».

«Für uns steht die Beratung der Eltern und Kinder im Vordergrund», sagte Hubig. Daher wurden bislang 32 Förderschulen zu «Förder- und Beratungszentren» entwickelt, die eng mit allgemeinen Schulen zusammenarbeiten. Dies könne ein Mittel für einen Übergang in ein inklusives Schulsystem sein, sagte Wrase. Erforderlich dafür sei aber eine grundsätzliche Entscheidung, das System aus Schwerpunkt- und Förderschulen im Sinne der UN-Konvention zu transformieren. News4teachers / mit Material der dpa

Studie zeigt auf: Die Inklusion stagniert. Dabei sind die Erfahrungen der Lehrer, die inklusiv arbeiten, meist gar nicht so schlecht

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35 KOMMENTARE

  1. Vielleicht könnte noch jemand nachtragen, was denn die rheinland-pfälzische Regierung bewogen hat, diese Schwerpunktschulen einzurichten. Vielleicht eine wissenschaftliche Beratung? Oder war’s der Finanzminister?

  2. Der Artikel hat den Tenor, dass die GEW an der Schließung der Förderschulen festhalten möchte, auch wenn das (meiner Meinung nach absehbar) scheitern musste. Dass die bildungsnahen Eltern von behinderten Kindern kein Interesse an Brennpunktschulen haben, ist durchaus verständlich, weil erstens die Klientel die falsche ist und die Förderung des Kindes auch nicht funktioniert. Ich kann mir darüber hinaus auch nicht vorstellen, dass signifikant weniger als 70% der Förderschüler die Schwerpunktschule ohne Abschluss verlassen. Gewisse kognitive Voraussetzungen setzt ein Abschluss voraus. Die behinderten Kinder mit absehbar keine Chance auf einen Abschluss brauchen ganz andere Kompetenzen, die im Normalfall überhaupt nicht gelehrt werden, z.B. Kochen, Waschen, Einkaufen usw.

    Daher wiederhole ich meine Meinung zum Thema Inklusion: Alle Kinder unabhängig von der Herkunft oder einer Behinderung an die Schulform, die sie kognitiv und sozial vertragen können. Wer mit Großgruppen nicht klarkommt, hat an Regelschulen nichts verloren, wer dem Unterricht kognitiv an Schulform X nicht folgen kann, geht eine oder zwei oder drölf Stufen runter.

    • Dem kann ich mich nur anschließen. Unterrichte an einer Brennpunktschule und muss einfach anmerken, dass Inklusion hier nicht möglich ist. Wir können uns einfach nicht zusätzlich zu den überfüllten Klassen mit teils schwierigen Kindern auch noch um Pflegefälle wie geistig behinderte Kinder oder ESE-Kinder kümmern. Unter der Situation leiden dann die starken und die schwachen Kinder.

      Wie ein starkes hochbegabtes Kind von einem Kind mit Förderschwerpunkt geistige Entwicklung profitieren soll muss mir nochmal ein Professor erklären. Ich kann es nicht erkennen

      • „ Wie ein starkes hochbegabtes Kind von einem Kind mit Förderschwerpunkt geistige Entwicklung profitieren soll muss mir nochmal ein Professor erklären. Ich kann es nicht erkennen.“

        Schade, dass Sie es nicht erkennen können, womöglich trotz einer Ausbildung in Pädagogik samt Anteilen aus dem Bereich Pädagogische Psychologie.
        Ein sehr begabtes oder hochbegabten Kind lernt im Umgang mit eingeschränkten, dass der Umgang mit diesen in den Alltag gehört, weil Menschen unterschiedliche Begabungen haben, aber alle gemeinsam die Gesellschaft bilden. Wenn man diese Gemeinschaft als Gesellschaft achten will, muss man u.a. lernen, wie man alle mit einbezieht. Dazu gehört auch, dass man sich selbst nicht separiert, sondern lernt, auf andere Menschen zuzugehen und adressatengerecht zu kommunizieren und miteinander in Beziehung zu treten.
        Kinder können das sehr oft erstaunlich gut, Erwachsenen fällt es viel schwerer, vielleicht haben sie es verlernt, vermutlich fehlen ihnen aber auch einfach die Erfahrungen, weil sie vom Kindergarten an nie Berührungspunkte mit Menschen mit Beeinträchtigungen hatten.

        Den Begabteren fällt es z.T. bei den GE-Kindern leichter, sich auf diese einzustellen, weil sie dort eher verstehen, dass diese eine andere Ansprache benötigen, die jedoch auch im Umgang mit anderen notwendig sein kann.

        • Geistige Verkümmerung und geistige oder soziale Überforderung gewichten Sie also niedriger als emotional-moralischen Umgang?

          Wie passt dieser Kommentar von Ihnen zu Ihrem anderen weiter unten über die Situation in Niedersachsen?

          • Sie machen es indirekt, indem Sie einerseits das soziale Lernen der guten Schüler hochleben, andererseits aber die fehlende Förderung aller Schüler beklagen.

          • Sie unterstellen da Inhalte, die gar nicht da sind.
            Ich habe als einen Aspekt herausgenommen, dass in der Inklusion alle SuS Soziales lernen können,
            dass zudem alle SuS gefördert und herausgefordert werden sollen, steht ohnehin im Bildungsauftrag.

            Dennoch kann man zu dem Schluss kommen, dass die Ausstattung der Schulen derzeit sehr schlecht ist, ohne Inklusion und mit um so mehr.

            Das hat auch damit zu tun, dass es in dem einen Beitrag um die Begründung der Inklusion als solcher geht, in dem anderen um die Ausstattung der reellen Umsetzung.
            Man kann doch aber die derzeitigen Bedingungen in der Schule nicht gleichsetzen mit gelungener Inklusion.

        • Sie picken einen winzigen Punkt heraus („adressatengerecht kommunizieren“, steht das nicht auch als Phrase in den KMK-Bildungsstandards?) und lassen unter den Tisch fallen, dass in der Grundschule ja primär ganz andere Dinge gelernt werden sollen: Lesen, Schreiben, Rechnen. Und dabei werden die Begabteren dann sich selbst überlassen und bleiben unter ihren Möglichkeiten, weil die Lehrer komplett ausgebucht sind eben durch die Inklusion. Wir fangen an, unser ganzes Schulsystem immer von den schwachen Lernern her zu denken und zu gestalten. Und zur Begründung gibt’s dann die Phrasen, dass genau das unseren „Wirtschaftsstandort Deutschland“ erfolgreich in die Zukunft führen wird. Merkt denn niemand, dass das widersprüchlich ist? Die Zukunftstechnologien wie erneuerbare Energien, Elektroautos usw. werden später nicht von den schwachen, sondern von den starken Lernern entwickelt werden. Das wird offenbar vergessen oder jedenfalls missachtet. In China (oder überhaupt Fernost) stellt man sich schon darauf ein, da wird auch nicht so viel über „Diversität“ erzählt, sondern es geht fachlich zur Sache. Wir haben dann künftig die Inklusion und die Diversität und die Chinesen die Technologie. Ich denke, wir täten gut daran, anders zu verfahren.

          • Ich lasse nichts unter den Tisch fallen, sondern habe auf die Frage geantwortet, wie Kinder unterschiedlicher Begabungen voneinander lernen können.

            Wo ist Ihre Antwort dazu?

            Meine Meinung ist, dass dies möglich und sinnvoll ist.
            Ich persönlich erlebe jeden Tag Kinder unterschiedlicher Begabungen gemeinsam im Klassenraum, ja, auch Kinder mit hoher Begabung neben Kindern mit Unterstützungsbedarf (auch GE) und sehe, wie sie miteinander umgehen und voneinander lernen.

            Dennoch finde ich die Bedingungen, unter denen es geschieht, erbärmlich und würde mir für alle generell und für das Gelingen der Inklusion im Speziellen bessere Ausstattung wünschen, weil ich auch täglich sehe, was nicht möglich ist, weil nicht einmal die erlasslich geregelte Versorgung gewährt wird.

          • Palim: Meine Antwort steht eigentlich schon oben. Wir denken das ganze Schulsystem zu sehr von den schwachen Lernern her. Dass alle irgendwas von irgendwem lernen können, ist doch allein ein schwaches Argument. Die Braven lernen ja auch die Frechheiten von den Frechen, die körperlich schwachen lernen, den Brutalitäten der körperlich starken nachzugeben, in der Pubertät lernen sie voneinander, wie man „pornografische Seiten“ auf das Handy zaubert, usw. usw.. So altruistisch und lieb, wie Sie das immer darstellen, sind Kinder im allgemeinen nicht. Da gibt es z.B. die Rangordnungskämpfe, und die Inklusionskinder sind natürlich meist am unteren Ende.
            Um das alles in Absurde zu treiben, werden neuerdings auch begabte Kinder unter die Überschrift „Inklusion“ gestellt, so als drohte denen jemals eine „Abschiebung“ an eine „exklusive Begabtenschule“. Ziel ist dann ein „Einfügen in die Gemeinschaft“ am besten derart, dass alle einander ähnlicher werden und ähnlich ticken. Da bin ich sehr skeptisch. Das kann im speziellen Fall gut sein, muss es aber nicht. Oder ist das Mobbing von Außenseitern durch die Inklusion quasi automatisch abgeschafft, weil die anderen gerne von den Außenseitern lernen?

          • Hier steht, wie sich die Theoretiker im „Referat für Inklusion“ des Kultusministeriums die Inklusion der Begabten vorstellen:
            https://www.begabungslotse.de/specials/laenderspecial-niedersachsen/begabungsfoerderung-inklusiven-schule
            Man redet von Kooperationsverbünden ‚“Förderung besonderer Begabungen“ und formuliert die Phrasen :
            „Die inklusive Schule ist die Schule für alle“, „Schulisch induzierte Lernprozesse werden so angelegt, dass sie der heterogenen Schülerschaft gerecht werden“, „Die zusätzlichen Lehrerstunden … werden als systematische Ressource … vergeben“, „In einem jährlichen Controlling-Verfahren wird der Einsatz der Stunden im Verbund erhoben und evaluiert“.
            Große Sprüche. Und wie mag das praktisch aussehen? Verwaltet man nur den Mangel?

          • @carsten60
            Das, was Sie schildern, betrifft das soziale Lernen in der Schule.
            Wenn es Rangkämpfe, Frechheiten, Außenseiter oder Mobbing gibt, sind dies Gruppenprozesse, die es in jeder Gruppe geben kann und denen man pädagogisch begenen muss, an jeder Schule.

            Auch wenn man ein mehrteiliges Schulsystem hat, kann dies alles in allen Gruppen stattfinden, ganz unabhängig vom Grad der Umsetzung der Inklusion. Findet keine Inklusion statt, wird man andere Individuen in der Gruppe finden, die man als vermeintlich Schwächere selektieren kann.

            Dass Begabte in der Inklusion mitgenannt werden, versteht sich von selbst, schließlich geht es um die Teilhabe für alle in einer Gesellschaft.
            https://www.aktion-mensch.de/dafuer-stehen-wir/was-ist-inklusion
            Dabei geht es gar nicht um die Angleichung der Individuen.
            Es verlangt niemand von Begabten, weniger begabt zu agieren, es verlangt ja auch niemand, dass alle blind oder motorisch eingeschränkt sein sollen.

          • Es verlangt tatsächlich niemand, dass Begabte wenig begabt agieren. Es wird aber aufgrund des Lehrplans und der vielzahl überforderter Schüler verhindert, dass sie ihre Begabung voll entfalten und ausbauen können.

          • @ Palim: Mir ist schon klar, dass das Genannte in allen Schulklassen passieren kann. Aber neu ist eben dieses penetrante Preisen der Heterogenität als große Quelle des Glücks. Sie schrieben oben, wie schön die heterogenen SuS voneinander lernen. Aber kann man das erzwingen, wenn einige verfeindet sind?
            Dass die Begabten „inkludiert“ werden sollen, finde ich gar nicht selbstverständlich, waren sie doch immer ein zentraler Teil der Klassen und nie in Förderschulen ausgelagert, ausgegrenzt und somit ihrer Teilhabe beraubt. Aber was ist mit dem Strebervorwurf? Dazu gibt es interessante Studien von Prof. Boehnke (findet man leicht im Internet). Sollen jetzt im Interesse der Inklusion die stärkeren Schüler als billige Hilfslehrer missbraucht werden, nur weil sie dann angeblich Sozialkompetenz lernen und „adressatengerecht kommunizieren“? Wird dabei nicht Sozialkompetenz hoffnungslos überschätzt gegenüber lesen, schreiben, rechnen, Sprachbeherrschung usw.? Es sind die letzteren Fähigkeiten, die den allgemein angepriesenen Weg über das Abitur in die Hochschulen ebnen, die Sozialkompetenz mag sein oder auch nicht, nur in sozialen Berufen hängt viel davon ab. Wenn die Inklusion so stark von der Sozialkompetenz der Mitschüler abhängt, dann ist sie eben falsch konzipiert. Man macht aus der Not eine Tugend.
            Die Frage bleibt, was für die stärkeren SuS besser ist: tendenziell mit ihresgleichen in relativ „leistungshomogenen“ Klassen zu lernen oder in besonders leistungsheterogenen ?
            Was Sie schreiben, klingt für mich so wie das, was die GEW wünscht. Man tut dabei so, als sei ein Ausgleich unter den Schülern eines der ZIele: jeder lernt von jedem, nur keine großen Streuungen bei den Fähigkeiten, das gilt auch in PISA-Berichten schon als eine Tugend: Länder mit einer großen Streuung sind nicht wohlgelitten. Das betrifft auch die Ausgangsfrage von Marc oben 8.10. um 20:03.

          • Das Bild, das Sie von Inklusion zeichnen, kann ich nicht sehen und feststellen.

            Wenn SchülerInnen nicht sozial miteinander umgehen, ist das kein Aspekt der Inklusion selbst, sondern von Klassen mit schlechtem Sozialverhalten.
            Die Ausgrenzung spiegelt sich zudem in der Segregation von Behinderten ebenso wie im mehrteiligen Schulsystem, wo spätestens ab Klasse 3 die Gedanken um das Sortieren beginnen, eigentlich aber schon durch die Wahl von Kindergarten oder besonderer Schule mit gut situiertem Klientel erfolgen. Das ist unabhängig von der Inklusion, zeigt aber, wie sehr die Gesellschaft das Sortieren und Abgrenzen forciert.

            Auch den Strebervorwurf gab es schon weit vor der Umsetzung der Inklusion, er hat damit gar nichts zu tun.

            Voneinander Lernen in einer Umgebung, in der jeder zählt, hat nichts mit einer Angleichung der Leistung zu tun, sondern mit gegenseitiger Wertschätzung. Ich kann anerkennen, dass jemand auf dem Einrad fahren und jonglieren kann. Dabei lerne ich es nicht, aber der andere fällt davon auch nicht vom Rad, sondern wird durch die Anerkennung gestärkt und ermutigt.
            Bei solchen Beispielen fällt das Nachvollziehen leichter, beim Lesen, Schreiben und Rechnen geht das aber auch. Ich kann anerkennen, dass bestimmte Kinder mit ihren Fähigkeiten nach 4 Jahren selbstständig Wörter erlesen können, weil sie es sich hart erarbeitet haben. Die gleichen Kinder sind Stützen in der Klasse, weil sie sich gut organisieren können, weil sie immer alle im Blick behalten, weil sie in Konflikten anderer vermitteln oder weil sie ganz andere Stärken mitbringen und sich täglich einbringen.

            Inklusion führt einen von einer Ausrichtung weg, in der die SchülerInnen mit den besten kognitiven Leistungen als StreberInnen ausgegrenzt werden. Das lernen SchülerInnen schneller als die Gesellschaft. Aber in der gleichen Umgebung haben SchülerInnen mit schwächeren kognitiven Begabungen dann auch das Recht, dazuzugehören.

            Auch ist die gemeinsame Begegnung von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Beeinträchtigungen meines Erachtens besonders wichtig in einer Gesellschaft, in der es diese Begegnung über Jahrzehnte nicht gab, weil Menschen mit Beeinträchtigungen in anderen Einrichtungen waren. Gerade deshalb müssen sehr viele, auch und gerade Erwachsene, den Umgang miteinander erst lernen.

            Dabei ist aber wichtig, dass man es begleitet und entsprechend unterstützt und die Menschen nicht mit dieser Aufgabe sich selbst überlässt. Das ist aber gerade jetzt zu beobachten, weil Schulen nicht zusätzlich ausgestattet werden, sondern mit der üblichen Versorgung auch diese Aufgabe zu vielen anderen übernehmen sollen.

            Wenn man Inklusion will, wird man es unterstützen und ausstatten müssen, will man es nicht, muss man das selektierende System aufrecht erhalten und auch da für eine angemessene Ausstattung sorgen, also ausreichend Lehrkräfte in allen Schulformen UND weitere MitarbeiterInnen in spezialen Klassen beschäftigen UND die Übergänge gestalten.
            Und man muss genau das transparent gestalten, damit in der Gesellschaft und bei Eltern bekannt ist, dass Inklusion nicht dort beginnt, wo eine Plakette ans Haus geschraubt wird, sondern Personal, Material und Räume braucht. Die gesellschaftliche Forderung und die Erwartungen der Eltern kann man ansonsten nicht erfüllen und das darf man auch an die Politik geben, die es verantworten muss.

          • „adressatengerecht kommunizieren“…braucht es da nicht das Lesen, Schreiben und ggf. das Rechnen???

        • Ich würde Inklusion begrüßen, wenn das Setting in den Regelschulen entsprechend wäre. Einfach mal eben gemeinsames Lernen zu initiieren ohne die personelle, materielle und räumliche Ausstattung, finde ich fahrlässig. Leider glauben viele Eltern von Kindern mit Förderbedarf, allein die Tatsche, dass ihre Kinder eine Regelschule besuchen, befreie sie von einer Stigmatisierung und bedeute eine größere Teilhabe. In NRW hat man sehr gut arbeitende Förderschulen aufgelöst zugunsten einer halbherzigen Förderung der SuS in Regelschulen mit gemeinsamen Lernen. Ohne kontinuierliches Teamteaching von Regelschullehrkräften und SonderpädagoInnen ist gemeinsames Lernen oft ein „Murks“.
          Wir müssen zudem aufpassen, dass wir die Kinder mit Förderbedarf nicht zu „Lernobjekten“ für soziales Lernen der anderen SuS „degradieren“. Inklusion JA – aber nicht so wie oft praktiziert, weil systemisch indiskutabel schlecht angelegt und „ausgestattet“.

    • Ich bin seit 10 Jahren im inklusiven System der Regelschule. Ich sehe es anders: Nur bei wenigen SuS sehr zumindest ich Probleme, die auch mit einem guten Setting und einem Team kaum gelöst werden können. Aber auch für diese tut der gemeinsame Unterricht gut. Und bei den meisten Kindern schaffen wir einen Abschluss, auch wenn die Regelschulzeit länger dauert. Und was mich umtreibt: Es ist für viele Eltern dramatisch, wenn die Kinder eine Förderschule besuchen sollen. Die sind in Hessen aber bei weitem nicht so gut ausgestattet, weil scheinbar in RP

      • Geht mir genauso… nur, dass ich damit vollkommen alleine gelassen bin. 9 SuS (inklusive Beschulung), keine Förderlehrkraft seit 3 Monaten. Das schlimmste ist, dass man mit den Eltern auch nich kooperieren kann, weil die bei 90% selbst keinen Abschluss haben.

        Wenn du denkst es geht nicht mehr,
        clap your hands up in the air.

        Wisst ihr was? Es ist mir auch mittlerweile egal. Da sitzen Förderschullehrkräfte und weigern sich regelrecht zu Unterricht, da es nicht ihre Aufgabe sei. „Wir sind nur beratend tätig.“

        Mir auch egal. Wenn Inklusion mit der ausschließlichen Kraft des Regelschullehrers funktionieren soll, dann wird jede Regelschullehrkraft daran scheitern oder mit Burnout zugrunde gehen.
        Ich mach da auch nichts mehr großartig.

        • Tja kenne die „Ich als Sopä bin nur beratend hier“ Sonderpädagogen auch zur genüge. Verdienen 500 Euro mehr als ich und machen einen Praktikantenjob. Aber NRW will es nunmal so. Schulfrieden ist egal und A13 zu teuer. Wenn ich bald nicht wenigstens so bezahlt werde wie die eierschaukelnden Sonderpädagogen, dann mache ich auch die Weiterbildung zum Sonderpädagogen und setze mich dann daneben

      • An vielen Grundschulen funktioniert Inklusion leidlich bis gar nicht. Es sitzen 26-29 Kinder in einer Klasse, davon 3 mit dem Förderbedarf Lernen (können eventuell nicht richtig lesen, nicht schreiben, nicht richtig rechnen) und vielleicht noch ein Kind mit einer geistigen Beeinträchtigung.
        Da finden dann parallel zum Unterricht Temporäre Lerngruppen statt (wobei temporär hier relativ ist) meist in den Fächern Deutsch und Mathe. Die betreffenden Kinder sind in dieser Zeit nicht im Regelunterricht. 8 – 10 Unterrichtsstunden in der Woche. Für weitere Deutsch/Mathestunden bekommen die Kinder vom TL-Lehrer Material. Dieses soll eigenständig neben dem laufenden Unterricht der anderen Kinder bearbeitet werden. Dass das nicht funktionieren kann, sollte jedem klar sein. Wir verlangen von diesen Kindern mehr Selbstständigkeit als von den „normalen“ Schülern.
        In anderen Fächern werden die Kinder mitgezogen. Weitestgehend. Ein auf sie ausgerichteten Unterricht wird es nicht geben und natürlich kommen sie fachlich nicht mit. Spätestens ab der 5. Klasse bemerken auch die Mitschüler, dass diese Kinder anders sind, dass sie Spielregeln nicht verstehen, dass ihnen Zusammenhänge oft nicht klar sind, weil sie eben in ihrer Entwicklung doch recht weit zurückliegen. Ab dann ist es schwierig. Diese Kinder leben neben der Klasse auch wenn sie auf dem Papier ein Teil davon sind.

  3. Interessant sicherlich auch die Einschätzung von Horst Weisshaupt: zur Situation der inklusiven Förderung.,
    Er vergleicht in drei Aussetzen Hessen und RP. Beide Schulen haben andere Wege gewählt, beide Länder verweigern sich der Inklusion. Hessen schafft es allerdings, mit einem riesigen BFZ Verwaltungsmonstrum Hunderte Sonderpädagogen stellen für Verwaltungsaufgaben zu verbraten, ohne dass eine wirksame Unterstützung scheinbar ohnehin gewollt ist. Beide Länder sollten sich in Grund und Boden schämen.

  4. „dass signifikant weniger als 70% der Förderschüler die Schwerpunktschule ohne Abschluss verlassen.“

    Genau das denke ich auch! Schade, dass dazu keine Zahlen vorgelegt werden. Ich vermute eher, es sind noch mehr Prozentpunkte.

  5. Beratungszentren, also Bürostellen, wurden in Niedersachsen auch eingerichtet. Sie kontrollieren die Anträge und wiegeln ab und erklären Schulen und Eltern, dass Inklusion ohne zusätzliche Ressourcen auskommen muss und man keine Ansprüche stellen soll.

    Solange der Unterricht generell nicht vernünftig versorgt ist, nicht einmal ausreichend Lehrkräfte für die Pflichtstundentafel hat, keine Vertretungsreserve durch Lehrkräfte vorgehalten wird, unqualifizierte Kräfte die Aufsicht im Unterricht übernehmen müssen, ist schon der normale Unterricht nicht angemessen ausgestattet.

    In diesen Schulen soll dann zusätzlich Inklusion erfolgen, Förderung und Forderung im Brennpunkt mit benachteiligten Schüler:innen gehört genauso dazu wie die Herausforderung von besonderen Begabungen, Unterstützung und Begleitung von Kindern mit Schwierigkeiten, chronischen Krankheiten, Auffälligkeiten oder akuten häuslichen Problemen und natürlich Unterricht mit Kindern unterschiedlicher Unterstützungsbedarfe (Lernen und Sprache sind häufig, Emotional-Soziale Entwicklung, aber auch Geistige Entwicklung, Körperlich Motorische Entwicklung, Sehen, Hören sind vertreten).

    Dazu werden in den Büros der Behörden die Bestimmungen ständig neu gefasst und damit viel zusätzlicher Aufwand in die Schulen gegeben, während über die Jahre der Umsetzung der Inklusion die Zusatzbedarfe immer weiter zurückgefahren werden oder nur auf dem Papier bestehen, in der Praxis aber gar nicht ankommen.

    Wer da von umgesetzter Inklusion spricht, belügt sich selbst und andere auch.
    Wie sehr man als Lehrkraft bemüht ist, allen Kindern gerecht zu werden unter ständiger Überlastung, ist man täglich damit konfrontiert, dass die zwingend notwendige Förderung nicht stattfinden kann, weil das Land nicht für ausreichend Personal sorgt, nicht einmal in der spärlichen Ausstattung, die im Erlass genannt ist.

    Bei allen Forderungen, die an Schulen herangetragen werden, muss man antworten: ja, wichtig, wir setzen es um, sobald wir über entsprechendes Personal verfügen.

    Bis dahin retten wir jeden Tag, was gerade so möglich ist.

    Diese Umstände gehen nicht allein zu Lasten der Kinder mit Unterstützungsbedarfen und diese tragen auch nicht die Verantwortung für die miserable Umsetzung.

  6. Wie haben sich denn die Kosten im Bildungswesen verändert seit Einführung der Inklusion?
    Wie? Ach so, ich soll was anderes fragen … ah ok:
    Wurde etwas eingespart?
    Das auch nicht? Ok … ähm, ähh:
    Wird es als Gewinn verbucht?

  7. Vor ca. 11 Jahren (Man verzeihe mir Ungenauigkeit. Das Erlebnis habe ich aus meinem Bewusstsein gestrichen.) durfte ich mit meiner zehnten Klasse am Projekt „Jugend in den Landtag“ teilnehmen. Die Inklusion war aktuell beschlossene Sache, so wählten meine Schüler ihr Thema: „Wir fordern die Bereitstellung von zusätzlichen/m Mitteln und Personal zur bedarfsgerechten Umsetzung der Inklusion“. Sie zogen stolz wie Bolle nach Mainz, hielten ein leidenschaftliches Plädoyer, waren sachkundig und optimistisch, dass ihre Vorstellung bei den Politikern ein offenes Ohr fänden.

    Ich war es auch.
    Ich hätte es besser wissen müssen.
    Ich muss hier nicht erwähnen, dass meine Schüler von unserer damaligen Bildungsministerin (Fr. Ahnen) belächelt, ja geradezu verbal abgebügelt wurden.
    Ich muss auch nicht betonen, dass ich nahezu betäubt in einem stillen Bus mit den Kids den Heimweg antrat.

    Eine Dekade später das erwartete Bild: Ich unterrichte in einer glücklicherweise ungewöhnlich kleinen Klasse (20 SuS) Deutsch, 70% Nicht-Muttersprachler, ein Viertel Kinder mit Förderbedarf (sogenannte I-Kinder). Die Förderkraft ist in einer (!) der 5 Deutschstunden anwesend.
    Es gibt keine Hilfsmöglichkeiten (spezielles Lehrmaterial, Trennwände, Sprachcomputer usw.), in den Arbeitsphasen zerreißt man sich zwischen Sprachförderung und Differenzierung.

    Den einzigen Gewinn, den ich in Inklusion sehe, ist die soziale Akzeptanz beeinträchtigter Kinder in der Klassengemeinschaft. Denn mittlerweile machen die Kids keinen Unterschied mehr, wer auf dem Schulhof Ziel der Anfeindungen ist. Das Thema Mobbing ist aktuell so brennend, dass es selbst durch die am Reißbrett durch unsere Politiker herbeigewünschte heile soziale Welt der Inklusion nicht mehr weg zu ignorieren ist.
    Ja, ich weiß, das europäische Ziel war ja damals, eine gerechte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Wie das mit einem Förderabschluss gehen soll, hat mir noch niemand erklärt.

    Ich habe mal eine „Schülerübergabe“ in einer Förderschule erleben dürfen. Da saßen 7 Kinder in der Klasse, Trennwände zwischen sich. Die Schränke quollen über von Lehr- und Lernmaterial. Mit der Lehrerin schwirrten zusätzlich 2 Förderkräfte durch den Raum. In der Ecke war eine hübsche Ruhe- und Leseecke eingerichtet. Die U-Einheiten und der Inhalt wurden auf die Kinder und ihre Aufnahmebereitschaft abgestimmt. Paradiesisch.
    Warum hat man die Kinder mit speziellen Bedürfnissen dieses Paradieses beraubt?

    Ich wünsche erholsame Herbstferien und schnell zu korrigierende Arbeiten 😉

    • Es war aber nicht überall so paradiesisch, den Lehrkräftemangel gab es auch schon vor der Umsetzung der Inklusion auch an den FöS.

      Auch ich kritisiere die fahrlässige Umsetzung und das Sparen im Bildungsbereich.

      WENN die Bedingungen an den FöS flächendeckend so gewesen wären, wäre auch die die Ausstattung der Inklusion um Längen besser und man hätte pro 8 SuS 3 Kräfte in die Regelschule geben können. Hat man aber nicht, weil Sonderpädagogen nicht da waren und weil man zusätzliche Kräfte eingespart hat.

      Der Lehrkräftemangel fällt natürlich weit weniger auf, wenn die Sonderpädagogen selbst keine Klassenleitung mehr haben, sondern Reisende mit Traglasten sind, die ab und an mal hereinschneien.

    • Auch in BW ist die Inklusion nur als Sparmodell angedacht worden. Wenn Kinder in einer Gruppenlösung in einer Klasse inklusiv unterrichtet werden, schafft man es, den Sonderpädagogen zumindest in der 1/2 Wochenstundenzahl dabei zu haben. Leider wurde der Klassenteiler für IN Klassen nicht verändert. Also besuchen häufig 28 Kinder eine Klasse von denen durchaus 7-8 IN Kinder sind. Da schon in einer regulären Klasse viele Kinder besondere Bedürfnisse haben (ADHS/ADS/Dyskalkulie/LRS/psych. Beeinträchtigungen etc.) kann man sich vorstellen, das es für eine Lehrkraft alleine keine Chance auf individuelle Förderung gibt.
      Es ist eine absolute Katastrophe, was man den Kindern zumutet. Die Förderschulen wurden gegründet, um den Kindern mit besonderem Bedarf auch gerecht zu werden in kleinen Klassen und individueller Ansprache. Man hat dieses System mit versprechen und lautem Getöse zerstört um den Kindern angeblich eine gemeinsame Beschulung zu ermöglichen. Der Grundgedanke ist aus meiner Sicht richtig, nur unter solchen Bedingungen wie wir sie vorfinden nicht umsetzbar.
      28 Kinder sind schon in einer Regelklasse zu viel mit Inklusion ist es ein Verbrechen an den Kindern.
      Jetzt nach der (oder mitten in) der Pandemie hat sich die Zahl der besonderen Kinder maximiert. Uns Lehrern wird keine Entlastung geboten, keine Unterstützung und die Bildungsplattformen in denen Überprüfungen angeboten werden sollen sind Mist.
      On Top sollen wir uns ganz nebenher noch digitalisieren.
      Das System ist zum Scheitern verurteilt. Ich habe den Glauben an die Politik vollständig verloren.

  8. Ich finde diese ständige Hetze gegen Förderschule mittlerweile sehr belastend und unmöglich. Die Eltern haben ein Wahlrecht auf welche Schule ihr Kind gehen soll und mit der Forderung nach Abschaffung der Förderschulen wird dieses Wahlrecht beschnitten. Ich als Förderschullehrerin, die auch regelmäßig Gutachten schreibt, erlebe oft, dass sich Eltern bewusst für die Förderschule entscheiden, weil sie ihr Kind dort besser aufgehoben sehen. Oft äußern Eltern dabei aber auch, dass sie Bedenken haben, da sie wissen, dass nun einige Bekannte sie schief anschauen…“Wie, du schickst dein Kind auf diese Schule“.
    Ich als Lehrerin in einer Sek 1Schule kann aus meiner nicht gerade kurzen Berufserfahrung sagen, dass ein Teil der Förderschüler auch besser auf einer Förderschule aufgehoben sind, da nicht alle damit klar kommen, wenn sie ständig merken, dass sie nicht so viel hinbekommen wie andere und das kann auch mit der bestmöglichen Förderung nicht verhindert werden.
    Zum Abschluss der Förderschüler: Das Hauptproblem ist hier doch eher, dass es immer weniger Möglichkeiten gibt mit einem Abschluss der Förderschule etwas interessantes zu machen. Bei immer mehr Ausbildungsberufen werden die Anforderungen angehoben. Die ursprünglichen Helfer/ Assistentenausbildungen sind größtenteils abgeschafft worden. Außerdem können wir einen Schüler, der nach 8 Jahren Schule immer noch nicht das 1×1 oder mehr wie 5 Sätze sinnentnehmend lesen kann, einfach keinen Regelabschluss geben. Ein wenig sollte es dann schon aufs Können ankommen. Hier würde ich mich auch über etwas mehr Einsicht von Seiten der betroffenen Eltern und sonstigen Verfechter der Abschaffung der Förderschulen freuen. Denn es heißt nicht automatisch, dass ein Förderschüler einen Regelabschluss erhält nur weil er eine SPS besucht.

  9. Ich spreche nun aus eigener Erfahrung,mein Sohn kognitive Einschränkung aber er kann Braucht nur länger Zeit ,Konzentration etc. Ist jetzt festgestellt worden. Das er mehr kann und auch will. Grundschule hat er mehr gelernt.Als auf der Förderschule zwei Jahre im Zahlenraum von 1bis 10.weil er die Finger braucht wollte die Klassenlehrerin nicht weiter gehen auf der Förderschule. Grundschule ging über den Zahlenraum hinaus und er kann. Er rechnet im Zahlenraum bis Hundert und weiter .Kleine Einmaleins. IN der Grundschule haben sich die Klassenlehrerin,die gleichzeitig zu diesem Zeitpunkt aucv als Rektorin in Vertretung wahr .Chaotische Klasse und sie hatte trotzdem alles im:Griff und mein Sohn wahr nicht das einzige
    I Kind in der Klasse. Trotzdem hat Inklusion funktioniert. Auch wenn sie alleine in der Klasse wahr oder die Sobderpädagogin ,haben,sich immer mit um ihn gekümmert. Es blieb kein Kind auf der Strecke. Hauptschule genau das Gegenteil. Obwohl oft zwei Lehrer in der Klasse waren. Bekam er seine Sachen hin gelegt. Wenn er Frage hatte.Hatte Keiner Zeit. Von wegen die Lehrer , kümmere sich mehr um die Inklusionskinder. Ja um die,die einen Abschluss machen. Aber die keinen machen ,oder die man abschreibt ,weil man engstirnig schaut.Förderschule ,Werkstatt und Wohngruppe.Aber dies für jeden PASST ist egal . Mein Sohn kann mehr,ist aber im Regelschule System abgeschrieben und auf einer Förderschule, geht er unter weil er ein riesen Wissen hat und sich immer weiter und er möchte weiter normal lernen

  10. Eine gelebte Inklusion ist nur dann möglich, wenn Schulen so ausgestattet sind, dass alle Kinder gefördert werden können. Das bedeutet viel mehr gut ausgebildetes Personal, kleine Klassen und Eltern, die hinter diesen Aspekten stehen. Wenn das alles geschehen ist, dann kann ich gut arbeiten, weil eine Idee zu Ende und im Sinne aller entwickelt worden ist. Es gibt Rückzugsräume usw. Ich kenne keine Schule, die das alles hat. Und ein weiterer wichtiger Aspekt wäre mir wichtig, fragt uns Lehrer doch mal, liebe Politiker, was wir wirklich brauchen, um unsere Arbeit so machen zu können, wie ihr es euch gesellschaftlich vorstellt.

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