Katholische Religionslehrkräfte outen sich als queer: „Gott würde es nicht wollen, dass ich das verstecke“

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BERLIN. In einer bisher beispiellosen Aktion haben sich 125 Priester und andere Beschäftigte der katholischen Kirche – darunter Lehrkräfte – als queer geoutet und eine Reform des Arbeitsrechts gefordert. Als queer bezeichnen sich Menschen, die nicht heterosexuell sind oder sich nicht mit dem traditionellen Rollenbild von Mann und Frau oder anderen gesellschaftlichen Normen rund um Geschlecht und Sexualität identifizieren.

In der Kirche – hier die ökumenische Kirche Elisabethen in Basel – bewegt sich etwas. Foto: Shutterstock / Altosvic

„Ich lebe zusammen mit meiner Frau in einem kleinen Dorf am Niederrhein“, so berichtet Lisa Reckling, Lehrerin für Katholische Religion. Für ihren Beruf benötige sie die Missio canonica, die Lehrerlaubnis der Katholischen Kirche also. Um diese zu erhalten, habe sie unterschreiben müssen, dass sie nach den Vorgaben der Katholischen Kirche lebe – konkret: „dass ich so mit meiner Partnerschaft lebe, wie es von der Katholischen Kirche gewünscht ist, nämlich entweder als Frau alleine oder verheiratet mit meinem Partner. Damit habe ich natürlich gelogen.“ Sie habe ausgeblendet, was sie unterschrieben habe. Im Fokus habe gestanden, das Fach zu unterrichten. Dabei habe sie nichts zu verstecken. „Gott würde das schon gar nicht wollen, dass ich das verstecke.“

Reckling hat sich nun geoutet – im Rahmen von „#OutInChurch Für eine Kirche ohne Angst“. Die Aktion – über die die ARD heute groß berichtet -, fand am Montag viel Zustimmung. „Was für ein Mut!“, twitterte Sven Lehmann (Grüne), der Beauftragte der Bundesregierung für die Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt. Carolin Kebekus zeigte sich ebenfalls begeistert: „Diese tolle Initiative hat mich so ins Herz getroffen“, sagte die Komikerin, die sich in ihren Sendungen oft mit der Kirche beschäftigt.

„Eine Kirche, in der man sich wegen seiner sexuellen Orientierung verstecken muss, kann nicht im Sinne Jesu sein“

„Wie viele Menschen für die Kirche tätig sind und in ständiger Angst leben müssen, von ihr sanktioniert zu werden, lässt einen erneut fassungslos zurück. Sie zeigt aber auch: Es gibt mittlerweile innerkirchliche Institutionen, die absolut bereit sind für eine Modernisierung, Reformen wollen und dies auch öffentlich kundtun.“ Auch einzelne Bischöfe stellten sich hinter die Aktion. „Eine Kirche, in der man sich wegen seiner sexuellen Orientierung verstecken muss, kann nach meinem Dafürhalten nicht im Sinne Jesu sein“, sagte der Hamburger Erzbischof Stefan Heße.

Der als Reformer bekannte Bischof von Aachen, Helmut Dieser, forderte als erster katholischer Oberhirte ein Schuldbekenntnis seiner Kirche gegenüber Homosexuellen: Sie seien durch die Kirche „abgewertet und kriminalisiert“ worden. „Hier ist auch ein Schuldbekenntnis fällig“, sagte Dieser der „Kölnischen Rundschau“. „Daran arbeiten wir.“

 

Der Kirchenrechtler Thomas Schüller sagte, das kirchliche Arbeitsrecht könnten die deutschen Bischöfe eigenverantwortlich ändern, ohne dass dafür der Vatikan seine Zustimmung geben müsse. Tatsächlich werde das katholische Arbeitsrecht aktuell überarbeitet. „Mehrheitlich wünschen die Bischöfe und vor allem die übergroße Zahl der Generalvikare, die täglich mit der Untauglichkeit dieses Rechts zu kämpfen haben, dass sämtliche Loyalitätsobliegenheiten, die die persönliche Lebensführung betreffen, ersatzlos gestrichen werden“, sagte Schüller. „Ich begrüße diese Entwicklung.“

Die einseitige Ausrichtung der katholischen Kirche auf heterosexuelle Ehen hatte bisher oft ein jahrzehntelanges Versteckspiel zur Folge. Davon kann zum Beispiel Monika Schmelter (65) aus Lüdinghausen im Münsterland erzählen. Sie hat die Beziehung zu ihrer heutigen Frau 40 Jahre verheimlicht, weil sie selbst bei der Caritas arbeitete und ihre Partnerin Religionslehrerin war. Sie hätten beide lange Anfahrtswege zu ihrer Arbeit in Kauf genommen, um nicht entdeckt zu werden, sagte Schmelter. Auch an ihrem Wohnort seien sie immer nur „dezent“ aufgetreten – nie als Liebespaar. „Das war sehr belastend.“

„Die Kirche steht mächtig unter Druck, besonders seit der Veröffentlichung des Münchner Gutachtens“

Als es irgendwann doch durchgesickert sei und sie sich ihrem Chef anvertraut habe, sei von dem die Ansage gekommen: „Wenn ich das weiter geheim halte, dann kann ich meinen Job behalten. Aber wenn ich das an meinem Dienstort offen gemacht hätte, hätte das zu meiner Kündigung geführt.“

2019 ging Monika Schmelter in Rente, ein Jahr später heirateten sie und ihre Partnerin Marie Kortenbusch. Jetzt wollen sich beide dafür einsetzen, dass anderen ein solcher Leidensweg erspart bleibt. Die Gelegenheit dafür erscheint ihnen günstig: „Die Kirche steht mächtig unter Druck, besonders seit der Veröffentlichung des Münchner Gutachtens“, sagt Monika Schmelter. „Die können sich eigentlich keinen weiteren Skandal leisten.“ News4teachers / mit Material der dpa

Hier – in der ARD-Mediathek – lassen sich der Beitrag sowie 100 Interviews mit Betroffenen anschauen. 

Kaum noch Religionsunterricht – stattdessen Ethik: Modell für Deutschland?

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PaPo
3 Monate zuvor

Ich finde es bedrückend, welche Blüten religiöse Indoktrination treibt, wie man letztlich Teil einer Religion sein möchte, die die eigene Identität derart abwertet und kriminalisiert. Es ist kein ausschl. institutionelles Problem, sondern eines der Glaubensfundamente.

Ich finde es bedrückend, dass selbst Priester, Beschäftigte der katholischen Kirche und (kath.) Religionslehrer, die qua ihrer Profession Lev 18,22;* 20,13; 1 Kor 6,9;** Röm 1,26f.; 1 Tim 1,10 etc. kennen sollten und wissen müssten, dass diese Abwertung und Kriminalisierung nicht (nur) in der Praxis ihrer Kirche fundiert ist, sondern in den Fundamenten ihres christlichen Glaubens, typischen Fehlern bei der Auflösung und Reduktion der kognitiven Dissonanz zwischen ihrer Identität und den Fundamenten ihrer Religion erliegen, weil sie weiterhin an die an die Wahrhaftigkeit des Übernatürlichen glauben und folglich einen Platz für sich in ihrer Religion finden wollen, wo diese Religion nur Abwertung und Kriminalisierung kennt:
Entweder man beugt sich und verleugnet sich selbst. Oder es werden fundamentale Glaubensinhalte ignoriert, verleugnet u./o. in einer Art und Weise interpretiert, die den Mitteln einer nüchternen Textanalyse (bzw. Exegese) entsagen (so man nicht ohnehin ausschl. ekletisches, lückenhaftes Wissen von der eigenen Religion hat ). Man belügt sich am Ende selbst, wenn man fabuliert „Gott würde das schon gar nicht wollen, dass ich das verstecke“ oder „Eine Kirche, in der man sich wegen seiner sexuellen Orientierung verstecken muss, kann nach meinem Dafürhalten nicht im Sinne Jesu sein“ etc. – bedrückend!

Und für einen Katholiken geziemt sich das auch nicht: Als bekennender Katholik hat man sich gefälligst den Dogmen und Weisungen des Vatikans unterzuordnen, sonst hat man grundsätzlich am Katholizismus etwas nicht verstanden. Das gilt nicht nur für die Teilnehmer an der im Artikel thematisierten Aktion, katholischen Symapthisanten u.ä., sondern auch Bewegungen wie Maria 2.0 und Co. Diese Aktionen und Bewegungen sind aus meiner Perspektive total verstörend, weil von Selbsttäuschung getrieben.

Man findet ja einiges an entsprechender Rabulistik, die als Exegese von Theologen daherkommt, um die (eigene) Religion oder ihren vermeintl. Religionsstifter Jesus in Schutz zu nehmen, aus den Widersprüchen im Christentum zu den aufgeklärten Werten einer freiheitlich-demokratischen, pluralen Gesellschaft ein Problem der (alten) Kirche machen zu wollen, bisweilen mit weiteren Reformvorschlägen, die die Essenz von Religion einfach ignorieren und zum willfährigen Objekt demokratischer Mehrheitsentscheidungen von Menschen machen will.

Die religiöse Indoktrination sorgt dafür, dass man den naheliegenderen Schluss gar nicht erst in Betracht zieht: Der Religion samt und sonders zu entsagen. Bedrückend…

Und falls das zu kompliziert war:
Ich bin voll und ganz dafür, dass jeder nach seiner Façon selig werden soll. Menschen, die dem heteronormativen Lebensstil nicht ungezwungen folgen, weil sie Bi, Schwul etc. sind, werden im Christentum aber nie selig werden, wenn sie nicht extrem erfolgreich sich selbst verleugnen oder eine DIY- bzw. cherry picking-Variante des Christentums leben, die mit dem Christentum im eigtl. Sinne ncihts mehr zu tun hat.

* Und wer meint zumindest Leviticus relativieren zu können, weil dies eine Anleitung zum Tempeldienst und kein Gebot sei, dem empfehle ich Mt 5,17-37.

** Und wer meint den einschlägigen Vers im 1. Korintherbrief relativieren zu können, wie die Theologin Uta Ranke-Heinmenn, die meint, dass das Wort „Knabenliebe“ eine falsche Übersetzung sei und dies auch nichts mit Homosexualität zu tun habe, dass der vemreintl. Paulus mit dem Brief lediglich eine unter wohlhabenden Griechen verbreitete Praxis, Sklavenjungen zu missbrauchen gerügt hätte, es also um gewaltsam forcierte Päderastie gegangen sei, dem entgegne ich:
Der im griechischen Originaltext verwendete Begriff „Arsenokoitēs“ (gr. αρσενοκοίτης) ist ein griechisches Hapax legomenon ist, ein Portmanteau aus „arsen“ (Mann) und „koite“ (Bett), das weder in der 1 Kor 6,9 und 1 Tim (wo der Begriff auch erscheint) antezedierenden noch kontemporären griechischen Literatur vorkommt (außer derjenigen, die Lev 18,22 referiert), wobei der Kontext ersterer Textstelle indiziert, dass hier der dominante Partner des homosexuellen Geschlechtsaktes gemeint ist (das Gegenstück wäre gr. μαλακός).
Es gibt absolut kein Indiz dafür, dass hiermit (violente) Pädasterie gemeint sein könnte, wie einige liberale Christen postulieren. Es gibt keinerlei historisch-/textreferentiell-kontextuelles Indiz, dass „Arsenokoitēs“ eine unter reichen Griechen verbreitete Praxis, Sklavenjungen zu missbrauchen meinen könnte, das ist vollkommen aus der Luft gegriffen.
Da hat man sich ggf. nämlich nicht am Griechischen orientiert, sondern an der mittelalterlichen Vulgate Clementina und ihrem „masculorum concubitoribus“, das zu solch einer Apologetik verführen mag (M. Luther machte daraus dann „Knabenschänder“, aber auch das hat mit dem originären Begriff nichts zu tun).

Ich weiß, dass das für viele Religiöse problematisch ist, gerade für diejenigen, deren identität und Lebensführen in so krassem Widerspruch zu ihrer Religion steht, aber vielleicht ist damit der Zeitpunkt gekommen, sich etwas kritischer mit dem eigenen Glaubensfundament auseinanderzusetzen. Die Gelegenheit für den ersten Schritt… statt einen atavistischen Moloch reformieren zu wollen, wäre es an der Zeit, diesen Atavismus aussterben zu lassen.

Irinja
3 Monate zuvor

Von mir aus queer in alle Himmelsrichtungen, nur nicht in die der Pädophilie….und als alte Frauenrechtlerin: Zeit, endlich aufzuwachen im Jahr 2022. Übrigens bin ich aktiv aus der Kirche ausgetreten mit 18 Jahren. Heute bin ich 60!

Sara
3 Monate zuvor
Antwortet  Irinja

„Queer“ und „pädophil“ in einem Atemzug zu verwenden sollte dringlichst vermieden werden!

Ich weiß, dass Sie es eigentlich positiv meinten, aber wenn beides weiterhin ständig zusammen genannt wird, bleibt (oder entsteht) immer eine gedankliche Verbindung

Indra Rupp
3 Monate zuvor
Antwortet  Sara

Eben! Deswegen mein Post vom 26.1. um 9.10 Uhr – quasi als Spiegelung.
Es suggeriert, das würde zusammen gehören, auch wenn das nicht ausgesprochen wird.

Sara
3 Monate zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Hab’s schon gefeiert 😉
Leider verstehen bei diesen „dezenten Andeutungen“ immer noch zu viele bloß HÄÄ?

ysnp
3 Monate zuvor

Was da auch noch zu diesem Thema gehört: Das Zölibat.
Immer mehr katholische Gemeindepriester leben mehr oder weniger offen eine Beziehung zu einer Frau. Sollen doch die Oberen der katholischen Kirche das Heuchlertum ablegen. Ich fände es schön, wenn sich Priester, die in einer heterosexuellen Beziehung leben, sich dieser Bewegung anschließen würden! Die Zeit ist günstig dafür, denn die katholische Kirche entlarvt sich immer mehr.

Quacksalber
3 Monate zuvor

Ich finde es gut, dass sich diese Leute zu ihrer Sexualität bekennen (= outen). Es erinnert mich ein wenig an die Zeitschrift im Westdeutschland der 1970er Jahre, als hunderte Frauen sich dazu bekannten, abgetrieben zu haben.

Nur die Argumentation stört mich, wenn gesagt wird, Gott wollte nicht, dass man das verstecke. Wenn man mit Gott argumentiert, den niemand befragen kann, ob das stimmt, dann müsste man auch darauf verweisen, dass Gott laut Bibel Homosexualität nicht akzeptiert. Und nun?

Wie kommt man als Gläubiger aus diesem Dilemma?

gehtsnoch
3 Monate zuvor

Nicht ohne Grund wird sich ein eigenes Kirchenrecht, wie kirchliches Arbeitsrecht gegönnt.

In Deutschland handelt es sich bei den Kirchen nach dem öffentlichen Dienst um den zweitgrößten Arbeitgeber. Die evangelische oder die katholische Kirche bzw. ihre Organisationen (Diakonie und Caritas) beschäftigen ca. 1,3 Millionen Mitarbeiter, für die entsprechend kirchliches Arbeitsrecht gilt.(10/2021)
https://www.arbeitsrechte.de/kirchliches-arbeitsrecht/

EKD (evangelische Kirche in Deutschland): Für Streitigkeiten aus dem Individualarbeitsrecht kirchlich angestellter Mitarbeitender sind die staatlichen Arbeitsgerichte zuständig. Das Kollektivarbeitsrecht, also die Rechtsetzung im „Dritten Weg“ und das gesamte Mitarbeitervertretungsrecht, ist dagegen Kirchenrecht. Eine Zuständigkeit staatlicher Gerichte ist hier nicht gegeben. Die Kontrolle des selbst gesetzten Rechts muss also durch Kirchengerichte erfolgen.

Die römisch-katholische Kirche erkannte auch, dass ein neues Kirchenrecht notwendig wurde. Es wurde am 2. Adventssonntag 1983 verbindlich und setzte das im Jahre 1917 erlassene Gesetzbuch außer Kraft. In den 752 Paragraphen (Canones) haben die Dekrete und Weisungen des Zweiten Vatikanischen Konzils ihre zeitgemäße rechtliche Prägung erhalten.

Das verfassungsrechtlich garantierte Selbstbestimmungsrecht aus Artikel 140 GG i.V.m. Artikel 137 WRV räumt den Kirchen das Recht ein, ihre eigenen Angelegenheiten durch kirchliche Gesetze zu ordnen. Diese müssen sich aber innerhalb der Schranken des für alle geltenden Gesetzes bewegen. Es gibt auch Kirchengerichte nebst Richtern.

S.
3 Monate zuvor

Den Katholik*innen, die sich outen, gebührt höchster Respekt. Schlimm, dass sie Repressalien erwarten müssen. Gut, dass es auch andere Kirchen gibt, die menschenfreundlicher sind.

Markus Maienschein
3 Monate zuvor

Sehr gut, mutiger Schritt!

Madeleine
3 Monate zuvor

Wie viele Menschen, die sich im Raum der Staatskirchen bewegen, beschäftigen sich nachhaltig und hörenderweise mit der Ordnung der Bibel und dem Wort Gottes? Diese queere Aktion scheint für mich ein weiterer PR-Versuch zu sein, die eigene Lebensphilosophie um jeden Preis mit dem Willen Gottes „unter einen Hut“ zu bringen und sich dadurch zu legitimieren.

Und: Wie kann man sich über das Arbeitsrecht und die ethisch-moralischen Normen seines Arbeitgebers beklagen, wenn man sich dort vorher hat freiwillig anstellen lassen? Niemand zwingt diese Menschen, mit ihrem Lebensentwurf bei dieser Kirche zu bleiben. Wenn ihr so auf eure Freiheit (und euren persönlichen Willen) pocht – dann nutzt sie doch bitte auch hier.

Indra Rupp
3 Monate zuvor
Antwortet  Madeleine

Lgbti* und Hautfarbe und ähnliches ist kein persönlicher „Wille“! Man kann auch nichts dafür, Hetero zu sein…
Es ist wohl so, dass Menschen mehrheitlich gerne einem Glauben folgen und einer Gemeinschaft angehören. Deshalb verdrängen sie gerne widersprüchliches oder unangenehmes aus dem christlichen Glauben oder aus der Anthroposophie.
Aber Frage : Was ist so schlimm daran, Glauben zu verändern? Warum soll man nicht seinen „Gott gegebenen“ Verstand gebrauchen und solche Schriften und Anweisungen kritisch überprüfen? Nach dem christlichen Glauben sind wir weder Engel noch Teufel, sondern Menschen, die an sich „arbeiten“ sollen. Warum also nicht solche Schriften überarbeiten? Definitiv fließt in diese Schriften der Geist der Zeit mit ein. Eine Zeit, wo Menschen noch nicht so sehr die Augen der Gesellschaft bezüglich ihres Gewissens auf sich spürten und Naturphänomene fürchteten aufgrund fehlender Aufklärung und Information. Wenn jeder per Ehevertrag einen Partner zugesprochen bekommt und dieser ihm per Vertrag „sicher“ ist, dann bleibt das Volk friedlich. Keine Entführungen, keine Machtkämpfe untereinander – machte damals Sinn! Dafür die Macht der Kirche – man macht mit, ist dafür „sicher“, hat einen „sicheren“ Partner, kommt angeblich noch in den Himmel und wird von Naturkatastrophen verschont…. Aber dann stellte noch irgendwer fest, dass nicht nur das Volk auf diese Weise ruhig und regulierbar bleibt, sondern dass man so auch unterdrücken und Macht erlangen kann. Das war dann wieder die Kehrseite der Medaille – wie immer…. und dafür war der „Frieden“ dann auch wieder egal!
Ehrlich – das ist wirklich überholt. Trotzdem möchten Menschen mit einer Gemeinschaft an das Gute glauben und letzten Endes kann keine Wissenschaft der Welt WIRKLICH erklären, wie alles anfing und warum wir DA sind. Am Anfang gab es Gase und Atome…. und woher kamen die? Wie man es auch dreht und wendet – jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Ich glaube an diesen Zauber und das Menschen den unbewusst spüren und deshalb so ein Bedürfnis haben, dass zu erklären- genau wie das wissenschaftliche Bedürfnis. Aber das werden wir kleinen, dummen Menschen nie können. Deshalb basteln wir uns einen Murks aus Religionen, Esoterik und Co zusammen, von Menschenhand gemacht und überholungsbedürftig. Aber genau das ist doch eine schöne Aufgabe für uns Menschen! Immer wieder kritisch überprüfen, was menschlich, moralisch, ethisch richtig ist. Wie passt es zusammen, dass man jeden Menschen lieben soll – aber nicht Gleichgeschlechtliche?
Das Problem mit dem Glauben ist, dass er dogmatisch ist. Aber zum Glück stellt man auch immer wieder fest, dass Menschen stärker sind als ihr Glaube (natürlich leider auch im negativem Sinne), sonst hätten wir uns in Glaubenskriegen längst ausgerottet.
Wenn es doch nur soviel Demut und Einsicht gäbe, dass man zwar Glauben kann, aber nicht dogmatisch Wissen und das deshalb unsere eigenen Regeln unter uns Menschen stets Vorrang vor dem Glauben haben sollten. Menschenrechte, Ethik und Moral müssen über dem Glauben stehen! Wenn ich Supermarkt arbeiten möchte, habe ich ein Recht darauf menschlich behandelt zu werden und habe meine Menschenrechte – da heißt es auch nicht „such dir im Zweifelsfall was anderes…“. An solche Regeln sollten sich auch die Kirchen halten. Brauchen Arbeitgeber sich nicht an Menschenrechte halten und müssen die Angestellten sich bei Unmut dann halt was anderes suchen, dann bricht unser System zusammen – und zufällig brauchen wir Diakonie, Caritas und zufällig auch Lehrkräfte. Es sollten wohl eher im Zweifelsfall die Arbeitgeber wechseln oder ihren Einfluss verlieren! Wir können nicht von Einrichtungen abhängig sein, die unsere Gesetze missachten.

Angemerkt
3 Monate zuvor

Wie hatte doch Heinrich Heine so treffend und hochaktuell formuliert? „Heimlich Wein trinken, aber öffentlich Wasser predigen.“
…Oder wer finanziert z B. den Vatikan???
Leider in vielen Bereichen zutreffend. Ein Schlag allerdings derjenigen ins Gesicht, die sich tatsächlich für die Menschen einsetzen, ohne persönlichen Vorteil daraus zu ziehen. Das sind für mich die „stillen Helden“, die es auch heute zum Glück noch gibt, ganz gleich, welcher Religion. Eine Mutter Teresa agierte ohne großen “ Bimbam“, sie handelte..und hat sich durch ihre Einstellung zum Menschen und ihren Einsatz für die Ärmsten der Armen in der Nachwelt unsterblich gemacht. Das nennt man Menschen- und Nächstenliebe.
Komischerweise, und das ist oft so, brauchen die wirklichen Könner und Macher, ganz gleich, wo sie tätig sind, keine unentwegte öffentliche Aufmerksamkeit.
Zu meiner Zeit an der Uni kamen die coolsten Professoren mit dem Fahrrad, hatten Zeit, auch mal für den Studentenkeller…und stets ein offenes Ohr.
Und die waren Prof. Dr. Dr. …wollten aber nicht so genannt werden. Sie genossen gerade deshalb hohes Ansehen. Anders die, die im Namensschild am Kittel ständig auf ihre akademischen Grade aufmerksam machen müssen oder denjenigen gar „rügen“, wenn das mal vergessen wurde…

Alla
3 Monate zuvor

Es tut mir so Leid um all diese Menschen, die glaubten, ihre Heimat in der katholischen Kirche gefunden zu haben.
Und deren Arbeitgeber diese ist! Je nach Wohnort oft auch alternativlos!
Die katholische Kirche ist NICHT reformierbar!

Wie Josef Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI, sagte, kann sich die katholische Kirche nicht „beliebig“ machen! Sie kann keine Veränderungen zulassen, nur weil einige das wollen, sonst würde sie zusammenbrechen. Der Vatikan kann die Menschenrechte nicht ratifizieren, sie passen einfach nicht zu den Dogmen!
Vatikan und Demokratie ist ein Widerspruch an sich!

Papst Franziskus hat schon durchblicken lassen, dass er eher Europa (das in seinen Augen sowieso verloren ist) aufgibt, als an den Dogmen zu rütteln. Er würde dafür sogar auf das deutsche Geld verzichten!

Kirche als Arbeitgeber, die ihr Personal zwar vom deutschen Staat/Krankenkassen usw. bezahlen lässt, verzichtet ungern auf ein eigenes Arbeitsrecht! Und der Staat lässt es geschehen!
Religionslehrer, Erzieher*innen, Ärzte, Pfleger*innen in kirchlichen Institutionen werden zwar nicht aus Kirchenmitteln bezahlt, unterstehen aber der kirchlichen Loyalitätspflicht, die bis in das Schlafzimmer reicht. Und nicht jeder hat die Möglichkeit, den Arbeitgeber zu wechseln, da, je nach Bundesland, sehr viele Schulen, Kitas, Krankenhäuser in kirchlicher Trägerschaft sind, auch wenn die Kirche die Gehälter nicht bezahlt! Deren Arbeitsrecht gilt!

Eine Trennung von Kirche und Staat wäre zwar wünschenswert, in Deutschland aber wohl nicht durchführbar.

Teacher Andi
3 Monate zuvor
Antwortet  Alla

jEine Trennung von Kirche und Staat ist durchführbar und schon längst überfällig. Man muss nur an den Artikel 140 im Grundgesetz ran, das die historischen Aspekte von Staatsleiostungen und Kirchenrecht regelt und mittlerweile völlig veraltet ist. Wo steht denn geschrieben, dass wir nach den katholischen Dogmen leben müssen? Wenn die alten und hohen Würdenträger das so wollen, dann sollen sie das tun, und konsequenterweise auch auf die vielen Milliarden, die der Staat zuschießt, verzichten. Mal sehen, wie sehr sie dann noch an den Dogmen festhalten. Wir stecken momentan in einer Zeit der größten Krisen für die Menschheit und die Kirche hat nichts anderes zu tun, als ihre Macht auszuspielen und weiter Vermögen anzuhäufen. Die vielgepriesene Nächstenliebe sieht wahrhaft anders aus und bezieht sich wohl nur auf den Bürger (Spendenaufrufe gibt es en masse)?
Angesichts der Machenschaften der Kirche darf diese nicht mehr geschützt werden, diese privilegierte Stellung ist keinem Menschen mehr vermittelbar. Sollen sie ihr mittelalterliches Theater unter sich spielen aber uns damit in Ruhe lassen. Das ganze mutet schon bald an sektenähnliches Verhalten an. Und ich hoffe sehr, dass da endlich Gerechtigkeit einkehrt und die christliche Lehre wieder zu dem wird, wofür sie eigentlich vorgesehen ist. Geld- und Machtgier, Intoleranz und Egoismus hat in der Religion nichts verloren.

Lehrer mit Seele
3 Monate zuvor

Die Bibel ist ein historisches Werk zusammengefasst aus vielen Texten über mehrere Jahrhunderte und sind als solches zu verstehen. Jeder Student der Theologie bzw Religionslehramt weiß das.

Ich bin kein gläubiger Mensch. Aber ich bin mir sicher, dass der Mensch die Lehre mitgestalten sollte.

Und solange jede Abweichung des bisher tollerierten unter den Teppich gekehrt wird, sind Straftaten Tür und Tor geöffnet.

Erst, wenn die Kirche sagt, ja quer wie ihr wollt, aber da (in dem Fall natürlich Kinder) ist die Grenze, kann sich etwas ändern.

Und wie im weltlichen Recht, müssen Täter und die, die besseren Wissen weg gesehen haben, bestraft werden.

Und Kindesmissbrauch schadet ein Leben lang, insofern darf es auch niemals verjähren

Indra Rupp
3 Monate zuvor

Ich habe nichts gegen Heteros, so lange die sich nicht an Kindern vergreifen 🙂

Indra Rupp
3 Monate zuvor

Verrückte Welt, so oder so. Verlieb‘ mich in ’ne Frau, die ich schon sechs Jahre geliebt hatte – nur bis dato platonisch und weniger schmachtend…
Soll sie ruhig die Missio Cannabis oder sonstwas unterschrieben haben. Dann übernehme das mit den Unanständigkeiten halt ich, ich habe ja nichts unterschrieben – und für das Verhalten Anderer kann man ja nichts 😉

Alla
3 Monate zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Solange ihr nicht heiratet und euch auch sonst in der Umgebung unauffällig verhaltet, damit auch ja keine Beschwerden von ewig Gestrigen kommen!, geht das klar, zumindest im Norden und Osten der BRD.
Gerade die Kirche lebt nach dem Motto: „Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß!“

Indra Rupp
3 Monate zuvor
Antwortet  Alla

Och, ich bin noch nicht mal weiter als anständiger Liebesbrief – Rest ist Kopfkino…

Sara
3 Monate zuvor
Antwortet  Alla

@Alla Und wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen bzw. verheiratet ist: Scheidung wäre hier kein Problem und wird sogar von der Kirche angeraten. War ja eh nie eine „richtige“ Ehe.