STUTTGART. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat vor einer Rückkehr zum Gymnasium in neun Jahren wie etwa in Bayern gewarnt. Alle Eltern und Lehrkräfte, die sich per Volksantrag für G9 einsetzen, sollten genau überlegen, ob sie den «Rückwärtsgang» einlegen wollten. «Ich würde davon abraten», sagte der Grüne am Dienstag in Stuttgart.

«Ich bin ein sehr klarer Befürworter von G8», so Kretschmann. Er habe sich schon schwer getan, die Modellversuche mit beiden Zügen an 43 allgemeinbildenden Gymnasien zu verlängern. Wissenschaftliche Untersuchungen belegten, dass weder das Freizeitverhalten noch die Ergebnisse der G8-Schüler diese Kritik rechtfertigten. Es gehe eher mal wieder darum «am Gewohnten festzuhalten».
Der Regierungschef verwies darauf, dass der Weg in acht Jahren zum Abitur internationaler Standard sei. Er räumte ein, dass die Reform Anfang der 2000er Jahre «sehr abrupt» eingeführt worden sei. Auch sei an den Bildungsplänen zunächst nicht viel geändert worden, sodass die Schülerinnen und Schüler den gleichen Stoff in acht Jahren bewältigen sollten. «Das war ein schwerer Webfehler.» Das habe sich aber inzwischen geändert. Die Elterninitiative «G9 jetzt» hatte am Samstag die Sammlung von Unterschriften für einen Volksantrag für die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium gestartet.
«Den Spruch, ‚was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr‘, muss man in die Mülltonne treten»
Kretschmann sagte, bei einer Rückkehr zu G9 würden zusätzliche 1000 bis 2000 Lehrerstellen gebraucht. «Dann geht das wieder ins Gymnasium», warnte der Grüne. Dabei müssten andere Schularten in den Mittelpunkt gerückt werden. Die schwachen Ergebnisse der Viertklässler in der IQB-Studie zeigten zum Beispiel, dass die Grundschulen gestärkt werden müssten. Grundsätzlich sei er dagegen, die Ausbildungszeiten wieder zu verlängern. Den Spruch, «was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr» müsse man «in die Mülltonne treten». Die Menschen müssten sich daran gewöhnen, im Laufe ihres Lebens immer wieder Weiterbildungsphasen einzubauen, weil die Arbeitswelt sich stark verändere.
Baden-Württemberg ist eines der wenigen westlichen Bundesländer, die an G8 festhalten. In Ostdeutschland ist das Abitur nach zwölf Schuljahren die Regel. News4teachers / mit Material der dpa
„Keine Strukturdebatten“: Baden-Württemberg bleibt – trotz aller Widerstände – beim Turbo-Abitur










„Am Gewohnten festhalten“, Herr Kretschmann, was soll diese Pauschalkritik ohne Tiefgang?
Und es geht natürlich wieder um die Lehrerstellen, die gebraucht werden. Nun, das wurde lang und breit diskutiert. Lösungen liegen auf der Hand (Gehalt, Wertschätzung, Unterstützung…), aber wieder mal gibt das Budget nichts her.
Sind wir doch mal ehrlich, auch hier zählen pädagogische Überlegungen und zielgerichtete Vorstöße sehr wenig. Und der internationale Standard ist deshalb ein schlechter Vergleich, wird aber immer wieder gerne genommen, da international ganz andere Voraussetzungen herrschen und diese ihren Standard von langer Hand entwickelt haben, während wir hier hopplahopp ein funktionierendes System von heute auf morgen über den Haufen werfen, ohne Einbezug der Konsequenzen und ohne fundierte Gestaltung der Voraussetzungen. Und dann wieder lange Gesichter bei den Entscheidern, hatte man alles nicht erwarten können …… Same procedure …….
Stichwort: Empirie.
Es hat sich bewährt, immer das Gegenteil von dem zu tun, was ein Kretschmann möchte.
Ich rate auch davon ab. Es gibt keinen Grund für die Rückkehr zu G9-Gymnasien.
Ich glaube, es könnten uns viele Gründe für die Rückkehr zu G9-Gymnasien einfallen, wenn wir bspw. auf die Schulen, die Wirtschaft, die Universitäten etc. hören – warum sind dort, wo es den Schulen freigestellt war, die meisten zu G9 zurückgekehrt?
Unsere Schule hatte sich mit G8 arrangiert und auch aktiv an Verbesserungen mitgearbeitet, aber zum Ende der Mittelstufe wurde es halt so knapp, dass außer Unterricht z.B. keine zusätzliche Angebote mehr möglich waren, da sie nicht mehr im Stundenplan unterzubringen waren. Deshalb ist man, wie die meisten Schulen in NRW zurück zu G9 gewechselt. Mir persönlich war es egal, wenn meine Kinder auch jetzt nach den Corona-Ausfällen von G9 profitieren. Ich hätte ihnen auch G8 zugetraut.
????
Ihr Ernst?
Haben Sie Kinder, die aufs Gymnasium gehen?
Ja, G8.
Exakt.
„Der Regierungschef verwies darauf, dass der Weg in acht Jahren zum Abitur internationaler Standard sei.“
Merkwürdig, dass jemand mit Kretschmanns Vergangenheit hier so irren kann. Zum Mitschreiben:
Herr Kretschmann, international hat es ein Abitur nach deutschen Maßstäben nie gegeben. Eine Hochschulzugangsberechtigung implizieren die sog. Abschlüsse in den meisten Ländern überhaupt nicht. Wer in USA (oder überhaupt im angelsächsischen System) die High School abschließt, muss sich bei einer Hochschule bewerben, und der Abschluss als solcher zählt gar nichts, nur die Noten zählen, aber auch anderes. Und alle wissen, dass dort das erste Studienjahr mehr unserem 12. oder 13. Schuljahr ähnelt als dem ersten Studienjahr in Deutschland (in Mathematik ist das der Unterschied zwischen Calculus und Analysis). Das deutsche Abitur lag jedenfalls noch vor ein paar Jahrzehnten zwischen High School — Abschluss und dem Bachelor. Und der Bachelor lag zwischen Abitur und deutschem Studienabschluss. Und ein zweijähriges Studium an einem Junior College führt nur pro forma, aber nicht inhaltlich zu einem Hochschulabschluss.
In Frankreich ist es kompliziert:
https://www.hausarbeiten.de/document/84553
Zitat: „Faktisch besitzen allerdings nur die Abiturienten der naturwissenschaftlich ausgerichteten Zweige der gymnasialen Oberstufe die vollkommene Freiheit der Studienfachwahl, für die übrigen Abiturienten ist sie stark eingeschränkt.“
Na das könnten wir doch in Deutschland auch mal probieren !! Was halten Sie davon, Herr Kretschmann?
Und noch ein Widerspruch: Wenn es internationaler Standard ist, 12 Jahre insgesamt zu haben, warum benötigen denn gerade die Gesamt- und Gemeinschaftsschulen (die Lieblingskinder der Grünen) 13 Jahre? Ei, was ist denn da der Grund?
Das Kostenargument ist eigentlich keines, weil ja nach Abschaffung der Gymnasien alle wieder 13 Jahre bis zum Abitur haben werden, denn anderes wird man den Prestigeprojekten (den Gemeinschaftsschulen) nicht zumuten können. Also wird die G8-Reform am Ende ihre Kinder fressen.
Das Thema hatte wir doch schon so oft bei n4t. Vielleicht gehören so manche Schüler eben nicht auf ein Gymnasium, auch wenn die Eltern das grundsätzlich anderes sehen. Aber da hilft G9 zur Korrektur auch nichts. Gern G8 lassen und die Bedingungen für die Aufnahme in die Gymnasien optimieren, und zwar im Sinne des Wortes „Gymnasium“.
Das ginge vielleicht, aber dann müsste man den Elternwillen wieder stutzen und andere Kriterien einführen. Und dann gibt es Zank um diese Kriterien. Welche sollen das sein?
Verbindliche Gymnasialempfehlung, höherer Notenschnitt als 2,33 in Deutsch, Mathe und Sachkunde, Aufnahmeeprüfungen.
Also wie in Bayern? Was sagen denn da die „progressven“ Leute, die gerne Bayern ein Schulsystem aus früheren Jahrhunderten bescheinigen?
Auf jeden Fall sollten es nicht die Kriterien sein, dass man SuS, die in der Grundschule in Deutsch und Mathe eine 4 hatten, auf ein Gymnasium schicken kann!!!
@Carsten60, das Wort „Gemeinschaftsschule“ muss Ihnen ja mächtig zusetzen…
„„Der Regierungschef verwies darauf, dass der Weg in acht Jahren zum Abitur internationaler Standard sei.““
Kretschmann redet wieder wirres Zeug. Er ist halt der Biden der deutschen Politik…
Zitat: „Auch sei an den Bildungsplänen zunächst nicht viel geändert worden, sodass die Schülerinnen und Schüler den gleichen Stoff in acht Jahren bewältigen sollten. «Das war ein schwerer Webfehler.» Das habe sich aber inzwischen geändert.“
Wurde tatsächlich was geändert? Vergleiche ich meine Schulzeit (G9) mit dem aktuellen Unterricht meiner Kinder (G8) bin ich nur entsetzt. Bisher kann ich nicht erkennen, dass es irgendwelche Erleichterungen bzw. Reduktionen beim Bildungsplan gab. Ihr dürft mich aber gerne belehren und mir die von Kretschmann angesprochenen Stoffreduzierungen mitteilen.
Schwache Ergebnisse bei den Grundschülern? Das wurde doch schon das letzte Jahrzehnt immer wieder so kommuniziert. Wäre ja ein Skandal, wenn die letzten Studien plötzlich eine Trendwende angezeigt hätten. Woher hätte die kommen sollen? Von den vielen Testungen und Diagnosen, die nach der Auswertung doch wieder ohne Folgen (sprich mehr Förderstunden) bleiben? Solange Lernbehinderungsaktionen in Klassen wie Inklusion, Flüchtlingskinder ohne Sprachkenntnisse,… gepaart mit zu wenigen Lehrkräften den Karren („Ihr Benzle Herr Kretschmann“) aus dem Dreck führen sollen, wird es weiterhin zu Leistungsabfällen bei den Grundschülern kommen.
Dann können Sie nicht in NRW wohnen oder Sie sind noch deutlich unter 40 Jahre alt. Spätestens mit dem Umbau der Leistungskurse auf fünf Stunden ab 12/1, dem Zentralabitur oder G8 sind die Anforderungen deutlich gesunken. Sie sehen das an der steigenden Abiturientenquote, der besser werdenden Abiturschnitt und Der Bestnoteninflation. Mit G9 wurden die Anforderungen nicht wieder erhöht.
Ehemalige Großbaustelle Oberstufenreform. Es treibt mir immer noch die Zornesröte ins Gesicht. Was für ein Irrsinn!
Ihr letzter Satz drückt das Dilemma aus.
Ist das Liedblatt ganz verschwunden,
guter Ton dem Hals entwunden,
singt man eben da
nur noch la-la-la.
Auf ein gutes Neues!
Herr Kretschmann ist mittlerweile ganz schön alt. In meinem Umfeld sehe ich, dass Menschen irgendwann abbauen, nicht mehr so flexibel im Denken sind und an reflexartigen Routinen und Ritualen hängen. Man sollte rechtzeitig aufhören können.
G8 führt zu längeren Schultagen und somit zu weniger Freizeit der Schüler. Sie sitzen länger, Rückenschmerzen und mehr Kurzsichtigkeit sind die Folge. Im Alter drohen dann wegen G8 mehr Netzhautablösungen. Keine gute Sache, oder?
Ihre Argumentation ist doch sehr skuril. Demnach muessten die Gymnasiasten in den neuen BL (G8)in Massen mit schweren Augen- und Rueckenleiden zu kämpfen haben. Davon habe ich noch nie gehört. Sie etwa?
Für eine entsprechende Entwicklung eines jungen Menschen ist auch während der gesamten Schulzeit ein entsprechender Ausgleich notwendig. Es muss Zeit bleiben Hobbys nachzugehen wie z.B. freiwillige (Jugend)feuerwehr, Vereinsmitgliedschaften, Pfadfinder und was es sonst so gibt. Bei G8 hat man weniger Zeit für soetwas, weil der Stoff identisch ist. Und das laucht die Schüler aus und tötet viele Innovationen. Die von @Gelbe Tulpe angeführten Folgen könnten in der Tat so eintreten. Wir sind schliesslich nicht z.B. in China wo das Leben der jungen Menschen ausschliesslich auf Drill ausgerichtet ist. Und da hat China eben Probleme, wenn diese Leute dann heranwachsen.
Das Grundproblem ist, dass lange nicht jeder Schüler, der von der Grundschule auf ein Gymnasium wechselt, dort tatsächlich auch hingehört. Ursächlich hierfür dürfte ein überzogener Elternwille sein. Gerade bei den betroffenen Eltern ist der Ruf nach dem G9 laut. Ein Schüler, der mit G8 prima klarkommt, der braucht das Jahr mehr auf der Schulbank nun wirklich nicht… Für G9 gibt’s tolle Alternativen als Gymnasien… Und ich versichere gern aus eigenem Erleben, dass auch bei G8ern Zeit zum Ausgleich vorhanden ist (z.B. im Vereinssport) und zum Aufbau und zur Pflege von Freundschaften, auch außerhalb des Klassen- und Schulverbandes.
@Maja: In eins gebe ich Ihnen Recht: Nur wer wirklich für ein Gymnasium geeignet ist soll auch dahin. Es ist bei weitem nicht so, dass jeder dafür geeignet ist und viele sich auch erst später entwickeln und rechtfertigen, doch für einen akademischen Abschluss geeignet zu sein was man nach der vierten Klasse noch nicht unbedingt so sagen kann. Aber ich kenne definitiv Fälle wo es eine lupenreine Gymnasialempfehlung nach der vierten Klasse gegeben hat und dann derjenige bei G8 doch etwas überfordert war. Folge war eine Schrägversetzung auf eine Gemeinschaftsschule. Nach ein paar Jahren sind diese trotzdem jetzt da wo sie hin wollten und befindet sich jetzt im Studium sogar mit einem kleinen Zeitgewinn. Eltern müssen sich im Klaren sein, dass auch solche Wege ggf. besser sind.
Aber auch wer dann am Gymnasium mithalten kann will weiter leben. Und da sollte man den Kindern diese Zeit doch schenken. Ihre beschriebene Zeit auch bei G8 für Vereinszeiten sehe ich eher nur bei Schülern, die das Pensum ohne grossen weiteren Aufwand dort schaffen also ohne grosse Zusatzförderungen einfach mitlaufen. Und ich wette bei G9 würden viele auch einen besseren Abschluss schaffen.
@Georg drückte es treffend aus: „Mit (der Rückkehr) zu G9 wurden die Anforderungen nicht wieder erhöht.“ Es ist doch so, dass man in der guten alten Zeit in einem Gymnasium viel mehr leisten musste.
Auch ich kenne Fälle, in denen Schüler mit lupenreinen Gymnasialempfehlungen nicht den Anforderungen auf einem Gymnasium genügten. Im Fach Mathematik zeigt sich das gnadenlos. Für mich ist eine Erklärung, dass bei der Erteilung solcher Empfehlungen noch viel „Luft nach Oben“ gewesen war. Markant zu sein scheint mir, dass in der GS-Zeit schwache schriftliche Leistungen durch imaginären mündlichen Mitarbeitsnoten aufgehübscht wurden. Da waren wohl so manche GS-Schüler die Lieblinge ihrer GS-Lehrer gewesen.
Es gibt in BW bestimmt Alternativen zu den Gymnasien, um ein Abitur zu erweben. Gäbe sie es nicht, dann wären die Gymnasien mit G9 doch faktisch Gemeinschaftsschulen.
z.B. Johannes-Brenz-Gemeinschaftsschule in Schwäbisch-Hall…
Welche Auswirkung kann die Aufstockung von G8 auf G9 bei unveränderten inhaltlichen Anforderungen haben? Möglicherweise findet ein weiterer Run auf die Gymnasien von SuS statt, die noch weniger dafür geeignet sind, so frei nach dem Motto: „Och, G9 schaffen wir bestimmt mit links. Wir haben das Abi jetzt schon in der Tasche.“ Dann kommen vermutlich noch mehr Schüler mit Note 4 in Mathe und Deutsche (GS) auf die Gymnasien. Jeder Schüler geht aufs Gymnasium. Allein der Elternwille zählt. Wenn die Anforderungen und Bedingungen nicht erhöht bzw. verschärft werden, wird G9 (neu) faktisch inhaltlich die verhasste GMS werden. Nur das Eingangsschild am Schultor ist ein anderes. Fragen Sie sich nochmal selbst, worin der Unterschied zwischen G9 (alt) und G9 (neu) besteht.
Ja, ich bin für starke G8-Gymnasien. G8 ist der Trumpf für Gymnasien. Leider geht der Trend in Richtung Rückwärtsrolle. Für mich hat jedes Abitur (egal von welcher Schulform) seine absolute Berechtigung und ist gleichwertig. Großen Respekt habe ich persönlich z.B. vor den SuS, die nach ihrem anstrengenden Berufsalltag ein Abendgymnasium besuchen… Auch in BW gibt es andere Möglichkeiten als Gymnasien, um ein Abitur zu erwerben.
Herr Kretschmann ist ein politisches Auslaufmodell. Viel zu starres Denken!
„für jeden etwas“
Aber nicht für die GEW, die Grünen, die Linkspartei usw., auch nicht für Herrn Schleicher, für Wissenschaftlerinnen wie Frau Allmendinger usw.
Ihr Vorschlag macht Sinn, das sehe ich auch so, aber er wird kaum durchsetzbar sein. Die KuMis agieren im Rausch der immer höheren Abiturquoten, die angeblich unseren Wohlstand garantieren.
Eine Rückkehr zu G9 wäre der Todesstoß für die GMS – und Kretschmann weiß das.
Ein G9 wird zur GMS.
Ich glaube nicht, dass Gymnasien eine starke Lobby besitzen. Dafür gibt es deutschlandweit einfach zu viele davon. Sicher gibt es dort auch mitunter eine Elternschaft bestimmten Typs. Aber mal ehrlich, die Eltern, welche es sich leisten können, lassen ihre Kinder solche Bildungseinrichtungen wie z.B. Salem oder Louisenlund besuchen. Staatliche Schulen leben von Steuermitteln.
Nein. Bildungseinrichtungen wie Salem, Louisenlund u.a. gehören dazu. Wer kann es sich leisten und vor allem- Warum bringt jemand seine Kinder lieber dorthin anstatt auf staatliche Gymnasien?
Habe aktuell bei n4t gelesen dass aktuell 40% der Studierenden armutsgefährdet sind. Das Abitur als Voraussetzung für eine akademische Laufbahn sollte doch zu einer tatsächlichen Perspektive führen.
Ostdeutschland bzw. die DDR haben gezeigt und zeigen, dass ein 8-jähriges Gymnasium problemlos möglich ist.
Hamburg zeigt das auch. Es stellt sich die Frage nach dem Warum das möglich ist.
Und warum wohl hat man in der DDR dann nicht daneben eine 13-jährige Schule für die schwächeren Schüler eingeführt? Schließlich wollte man doch eine sozialistische Bildungsgerechtigkeit haben, oder etwa nicht?
In der DDR gab es die Möglichkeit, auf der EOS (11.+12. Klasse) das Abitur zu erwerben. Weiter gab es die Möglichkeit der Berufsausbildung mit Abitur. Diese dauerte 3 Jahre. Für beide Formen bestanden sehr hohe Zugangsvoraussetzungen (extrem gute Noten).
Sie vergessen, dass
Und dass Sie nicht verstehen wollen, was ich zu der Spaltung in 12-jähriges Gymnasium und 13-jährige Gesamtschule (mit prinzipiell demselben Ziel und dann noch mit einem föderalen Chaos) geschrieben habe, soll wohl ein Witz sein. Das ist einzig in der Welt und passt bestimmt zu keinem Sozialismus.
Welche Standards sollte SuS mindestens erfüllen, um ein Gymnasium zu besuchen?
Wie wäre es mit der nachgewiesenen Erfüllung der sog. „Optimalstandards für die Grundschule“ im Sinne des IQB? Dann würde G8 Sinn machen.
Heute zeigt VerA 8, dass an den Gymnasien Leute sind, die nicht einmal die KMK-Regelstandards erfüllen. Und beim Übergang in die Oberstufe sollten die Optimalstandards für den MSA erfüllt sein. Jetzt genügt deutlich weniger.
Das wäre eine grobe Skizze. Die Details könnte man aushandeln (auch was kürzliche Zuwanderer betrifft), aber bitte nicht für jedes Bundesland anders.
OFFIZIELL gibt es Spezialschulen nur für Sport und Musik, nicht für anderes. Aber richtig ist, dass sich inoffiziell — zum Teil gegen die Ideologen in der Schulverwaltung — einige Spezialschulen erhalten haben, sie dürfen aber nicht so heißen, und der Genosse Trend arbeitet in der anderen Richtung — also gegen sie. Von der Propaganda für „die inklusive eine Schule für alle“ haben Sie sicher auch gehört. Ich weiß gar nicht, worin der Streit bestehen soll. Das formale System der DDR ist sicher kein Vorbild, das ist doch offensichtlich („zwei Schüler pro Klasse machen Abitur“, da würden die GEW-Leute Schreikrämpfe bekommen). Positiv war nur, dass Mathe und Naturwiss. einen höheren Stellenwert hatten. Und die Disziplin war angeblich auch besser. Herr Möller, was meinen Sie zur DDR? Wie stand es da um die Chancengerechtigkeit und die Ausschöpfung der Begabungen?
In den neuen Bundesländern gibt es seit der Wiedervereinigung das G8. Die DDR gibt es schon lange nicht mehr.
Sollten denn nicht nur die tatsächlich leistungsstarken SuS auf ein Gymnasium gehen? @Georg merkte bereits ab, dass mit der Rückkehr von G8 zu G9 die Anforderungen nicht wieder erhöht wurden. Insofern ist G9 (neu) doch nur eine Mogelpackung. Die Lösung des Problems liegt vermutlich in meiner hier eingangs genannten Frage.
Und „… nicht mehr klar“ heißt doch, dass die SuS damit mal klar gekommen sind? Was hat sich verändert?
Schauen Sie in den IQB-Bildungstrend 2018. Da sind die brandenburgischen Gymnasiasten ganz erheblich abgerutscht, besonders in Mathematik. Ob das an der Bildungsministerin liegt, ist nicht ganz klar. Es könnte auch daran liegen, dass man bei allen Regelungen und Vorgaben sich Berlin anschließt, z.B. ist G8 dort nur G6 wegen der 6-jährigen Grundschule. 🙂
Naja, so einfach kann man es sich mit Ihrem letzten Satz nicht machen. Ist es denn nicht so, dass bundesweit der Trend zur Verschlechterung besteht, und auch gerade in Mathematik?
In Brandenburg war der Abstieg von 2016 bis 2021 besonders auffällig, innerdeutscher Rekord, und zwar bei allen Testdisziplinen. In Berlin waren die Werte auch vorher schon schlecht, jetzt sind beide Länder ungefähr gleichauf. Aber die regierenden Genossen haben kein schlechtes Gewissen, Hauptsache, die richtige politische Richtung regiert, die mit der Bildungsgerechtigkeit in den Sonntagsreden (aber nicht in der Realität).
Aktuell habe ich an anderer Stelle bei n4t gelesen, dass wohl 40% der Studierenden armutsgefährdet sind. Das heilige Abitur öffnet bei weitem nicht jedem die Tür zum später viel Geld verdienen. Insofern sehe ich die Eltern vorrangig in der Pflicht, ihren Kindern realistische Perspektiven nahezulegen. Ein Studierendenleben kostet viel Geld und Darlehen müssen auch zurückgezahlt werden.
Jaja, den Mythos der 12-jährigen Schule der DDR preisen (ging doch problemlos) und dann darauf hinweisen, dass aus jeder Klasse der gepriesenen einheitlichen Schule nur 2 Leute Abitur machen durften. Das ist genau der Rat, den wir brauchen. 🙂 Wie war das mit dem Ausschöpfen von Begabungen?
https://www.news4teachers.de/2022/11/40-prozent-der-studierenden-armutsgefaehrdet-gew-bafoeg-auf-1-200-euro-erhoehen/
Das ist die Kehrseite der Medaille. Für viele ist offensichtlich nach dem Abitur Schicht im Schacht. Und auch Darlehen wollen zurückgezahlt werden.
Was soll das nun mit den zwei Schüler aus jeder Klasse zu tun haben? Geht es nicht neuerdings um das restlose Ausschöpfen aller Begabungen? Dazu hat Herr Möller hier was gesagt, er findet, das ist immer noch nicht ausreichend trotz einer mehr als 50-prozentigen Hochschulzugangs-berechtigungsquote. Und das geht nur, wenn das BAFöG sauf 1200 € erhöht wird? Vielleicht sollte man besser die Freibeträge erhöhen?
Warum eigentlich wollte man in der DDR die Begabungen nicht ausschöpfen?
Ist es nicht so, dass jeder Mensch seine eigene Begabung hat? Oder sagt man Talent? Das heilige Abitur ist nicht das Ende der Fahnenstange… Die DDR gibt es schon lange nicht mehr… Ebenso berechtigt dürfte die Frage sein, warum man beim G9 (neu) in den Anforderungen nicht zum G9 (alt) zurückkehrt.. Im Übrigen, auch in der ehemaligen DDR gab es z.B. sehr fähige Ärzte, und das mit dem DDR-Abitur als Grundlage für Studium.
Dann erklären Sie das mal jenen Leuten, die mit der jetzigen Abiturquote immer noch nicht zufrieden sind und die noch mehr Abiturienten haben wollen, eben um alle Begabungen auszuschöpfen.