Bildungsministerin offen für landesweiten Islam-Unterricht – unter Erdogans Einfluss?

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MAINZ. Vier islamische Verbände sitzen mit der Landesregierung an einem Tisch, um sich auf einen Religionsunterricht in Rheinland-Pfalz zu einigen – darunter der umstrittene türkische Moscheeverband Ditib, dem enge Verbindungen zum türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan nachgesagt werden.

Wie viel Erdogan steckt in Ditib? Foto: Shutterstock / Ververidis Vasilis

Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) spricht sich für einen landesweiten und flächendeckenden Ausbau des islamischen Religionsunterrichts in Rheinland-Pfalz aus. Dieser Unterricht werde bei einer Einigung mit den vier islamischen Verbänden aber nur an den Schulen eingerichtet, die auch tatsächlichen Bedarf für das Angebot anmelden und es dann eine Mindestgröße von acht Kindern und Jugendlichen dafür gibt, sagte die Ministerin  in Mainz. Grundsätzlich soll sich das Angebot perspektivisch an alle Jahrgangsstufen richten.

Die vier islamischen Verbände verhandeln derzeit mit der Landesregierung über einen grundlegenden Vertrag in Rheinland-Pfalz. Dabei geht es neben einem islamischen Religionsunterricht um Themen wie die Begräbnisvorschriften, die Seelsorge auch in Gefängnissen, religiöse Feiertage und wie darauf Rücksicht genommen werden sollte sowie die theologische Ausbildung an den Hochschulen.

Die vier Verbände sind die Islamische Religionsgemeinschaft Ditib Rheinland-Pfalz, die Schura Rheinland-Pfalz Landesverband der Muslime, der Landesverband Islamischer Kulturzentren Rheinland-Pfalz (LVIKZ) und Ahmadiyya Muslim Jamaat. Der Vertrag soll noch in der laufenden Legislaturperiode bis zum Jahr 2025 ausgehandelt werden. Ditib steht immer wieder in der Kritik wegen seiner Nähe zur autokratischen türkischen Regierung.

«Staatsverträge mit dem organisierten Islam unter Beteiligung der Ditib sind das falsche Signal»

Ditib bezeichne sich selbst als Religionsgemeinschaft, sei aber «personell, strukturell und finanziell abhängig vom türkischen Staat, der sie kontrolliert», schrieb der Kölner Publizist Eren Güvercin erst unlängst in einem Beitrag für das Magazin „Publik-Form». Güvercin nannte als Beispiel unter anderem Auftritte von AKP-Politikern in Ditib-Gemeinden vor der Wahl in der Türkei, die für Erdogan geworben hätten.

Güvercin forderte die Politik auf Bundes- und Länderebene sowie die Kirchen auf, die Verbindung zur Türkei bei Zusammenarbeiten mit Ditib zu berücksichtigen. «Staatsverträge mit dem organisierten Islam unter Beteiligung der Ditib sind das falsche Signal», so der Publizist. Er betonte: «Es kann keinen interreligiösen Austausch mehr geben ohne Probleme anzusprechen wie den türkischen Nationalismus, antidemokratische Haltungen und die Abhängigkeit von einem Autokraten.»

Der Grünen-Politiker und heutige Bundesverbraucherschutzmininster Cem Özdemir hatte vor zwei Jahren die geplante Wiederaufnahme der Kooperation der nordrhein-westfälischen Landesregierung mit der Islam-Organisation Ditib bei der Ausgestaltung des islamischen Religionsunterrichts scharf kritisiert (News4teachers berichtete). «Ich könnte vor Wut explodieren und verstehe die Naivität nicht», sagte Özdemir seinerzeit. Ditib sei Teil einer hierarchischen Organisation, deren Zentrale in Köln der türkischen Religionsbehörde Diyanet in Ankara unterstellt sei, so der Grünen-Bundestagsabgeordnete und ehemalige Parteivorsitzende. «Und die bekommt ihre Anweisungen vom türkischen Staatspräsidenten.»

Gespräche und Verhandlungen über Curricula und Lehrpläne für den islamischen Religionsunterricht könnten erst beginnen, wenn der grundlegende Vertrag mit den Verbänden geschlossen worden ist, betonte unterdessen Bildungsministerin Hubig. Grundsätzlich würden aber die allgemeinen fachlichen und pädagogischen Vorgaben für schulischen Religionsunterricht für das Angebot gelten.

Das beinhaltet nach Angaben des Bildungsministeriums die Offenheit für den Dialog mit anderen Religionen und Weltanschauungen, die Wahrung von Religionsfreiheit auch im Religionsunterricht und die Tatsache, dass im schulischen Religionsunterricht keine Religionspraxis stattfindet.

Islamischer Religionsunterricht wird in Rheinland-Pfalz bereits modellhaft erprobt. Der Unterricht erfolgt in deutscher Sprache, wird von Lehrkräften im Landesdienst und auf Basis eines staatlichen Lehrplans erteilt. Dieser Unterricht steht laut Bildungsministerium unter staatlicher Schulaufsicht. In der Regel finde er an den Schulen zeitlich parallel zum anderen Religionsunterricht und zum Angebot in Ethik statt. Rund 2.400 Schülerinnen und Schüler nehmen daran teil. Nach Angaben von Hubig werden derzeit noch Lehrkräfte für den Unterricht gesucht. News4teachers / mit Material der dpa

Islamunterricht: Ditib entscheidet wieder mit. Regiert Erdogan in deutsche Schulen hinein?

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33 Kommentare
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Der Zauberlehrling
11 Monate zuvor

Man stelle sich im Gegenzug landesweiten katholischen oder evangelischen Religionsunterricth in der Türkei vor.

Reizender Gedanke.

Wenn wir das für jede Religion einrichten, dann ist es fair und gerecht.

Die Trennung von Staat und Religion/Kirche ist auch so ein Ding, das nicht funktioniert und auch im Grundgesetz nicht klar formuliert ist.

Walter Hasenbrot
11 Monate zuvor

Bisher richten wir ja nur für die christliche Religion Schulunterricht ein. Es ist alsonach Ihrer Aussage nicht gerecht.

In der Türkei gibt es übrigens nur 100.000 Christen. (Etwa so viele Mitgleider haben die jüdischen Gemeinden in Deutschland Und es gibt hier auch keinen landesweiten jüdischen Religionsunterricht.) Deshalb hinkt der Vergleich.

Ich gehe aber davon aus, dass Sie es gut fänden, wenn es in der Türkei mehr Religionsfreiheit und christlichen Religionsunterricht gäbe.

Und wenn Sie Religionsfreiheit und Religionsunterricht für alle Religionen gut finden, dann sollten Sie für muslimischen Religionsunterricht sein.

Das EIntreten für mehr Trennung von Staat und Kirche kann ich aber nachvollziehen. Eine Abschaffung des Religionsunterrichts sehe ich aber zumindest für das nächste Jahrzehnt nicht als realistisch an. Wahrscheinlich dauert es eher noch mehrere Jahrzehnte.

Walter
11 Monate zuvor
Antwortet  Walter Hasenbrot

Religionsfreiheit – Religionsunterricht in der Türkei ist obligatorisch islamisch
„Seit Jahrzehnten kämpfen rund 14.000.000 Aleviten in der Türkei um die offizielle Anerkennung als Religionsgemeinschaft. Bislang ignoriert der Staat diesbezügliche Gerichtsurteile und verweigert den Aleviten finanzielle Förderung.“ (DW – Deutsche Welle)

Konsequenzen?
11 Monate zuvor

Unglaublich ❗

Melissentee
11 Monate zuvor

Warum kann man sich nicht endlich drauf einigen, einen religionsübergreifenden statt einen konfessionellen Unterricht anzubieten? Oder gar ganz auf Ethik umschwenken? Religionen zu vergleichen, kritisch zu durchleuchten, Kultur vs Religion thematisieren, psychologische Mechanismen besprechen etc. fände ich sinniger. Wird zum Teil in Ethik gemacht. Finde ich gut.

Wer „mehr“ Religion will, darf das gerne zuhause tun.

PaPo
11 Monate zuvor
Antwortet  Melissentee

Ein schöner Traum… 🙁

Teacher Andi
11 Monate zuvor

Es wird Zeit, dass der Religionsunterricht grundsätzlich aus den Schulen herausgenommen und dafür Ethik mit kritischem Blick auf extreme religiöse Strömungen etabliert wird. Es ist erschreckend, inwieweit der Islam hier schon Einfluss nehmen kann, und keiner kann mir erzählen, dass dies eine ausschießlich friedliche und demokratische Religion ist.

Last edited 11 Monate zuvor by Teacher Andi
PaPo
11 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Ist nicht das Thema, aber zur Vollständigkeit:
Da ist aber eine Menge(!) an Verklärungen am Werk.

„Der Koran lehre die ‚absolute Glaubensfreiheit‘ und rufe nicht zum Krieg gegen Andersgläubige auf.“
Falsch.
„Glaubenfreiheit“ gilt ausschl. insofern, dass niemand zum Islam zwangskonvertiert werden darf (s. Sure 2:256), was nicht bedeutet, dass der Koran nicht unter muslimischer Regentschaft (d.h. in einem muslimischen Staat) extreme Einschränkungen der Glaubensfreiheit von Nichtmuslimen vorsieht, Christen und Juden lediglich als sog. Dhimmi duldet, die die Dschizya (eine Kopfsteuer) als Zeichen der Unterwürfigkeit zu entrichten haben (s. Sure 9:29) und auch ansonsten in ihrer Religionsausübung massiv eingeschränkt sind. und diese ‚Toleranz‘ beschräntk sich auch auf Christen und Joden, alle anderen sind nach islamischer Auffasung Götzendiener, Polytheisten oder sonstige Unglläubige (bspw. Atheisten), die Schirk (eine seitens Allah i.d.R. unverzeihliche Sünde) begehen, diese ‚Freiheiten‘ nicht haben. Apostaten erwartet zudem die Todesstrafe (s. https://www.news4teachers.de/2022/09/umfrage-mehrheit-der-schueler-ist-in-der-schule-mit-rassismus-konfrontiert/#comment-473993).

Und Koran und Sunna rufen natürlich zum Krieg gegen Andersgläubige auf, der sog. Schwertvers (s. Sure 9:5) ist ja mittlerweile (trotz aller relativerenden Apologetikversuche, auch i.V.m. definist fallacies ggü. dem begriff der Selbstverteidigung u.ä.) berüchtigt, ebenso die antisemitische islamische Eschatologie, die Devalvierung von Christen und Juden durch Mohammed an seinem Sterbebett, in Sure 98:6 etc.

Etc.

Da müssen wir doch bitte Religion (und es geht um Kritik an der Religion, nicht an den menschen) nicht derart verklären. Und weder Islam noch Christentum sind demokratische Veranstaltungen.

Teacher Andi
11 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Ich sagte bewusst „ausschließlich friedlich und demokratisch“. Und der Imam relativiert die Sache dennoch, dass Gewalt im Selbstverteidigungsfall angewendet werden darf. Da ist viel Interpretationsspielraum gegeben. Außerdem geht es bei Ihrem Link um ein Einzeltreffen mit einem Imam aus Ägypten, auch schon mehr als 7 Jahre her. Da hat sich erstens schon etliches getan und zweitens ist dieser Besuch des Imam, sicher ein fähiger und geschätzter Professor und Kapazität seiner Universität, nicht zwingend respräsentativ für das Gesamtsprektrum des Islam und die Auslegungsmöglichkeiten des Koran.

Teacher Andi
11 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Alle Religionen haben schon Leid über die Menschen gebracht und tun es leider heute noch. Das Christentum hat in vielen Bereichen keine friedliche Gesinnung, ich habe dies nicht in Schutz genommen. Aber ein militanter Moslem unter zwei Milliarden? Das ist nun auch nicht glaubhaft. Ich zähle auch die Islamisten zu einer krankhaften Entwicklung des Islam, und die haben doch nun wirklich schon viele grausame Verbrechen getätigt. Mir fehlt etwas die klare Distanzierung und Verachtung der Muslime gegenüber den Taten dieser mordenden Horde. Man hat so das Gefühl, dass darüber nicht gesprochen wird.

Teacher Andi
11 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Sehr oft, wie Sie an den unzähligen Austritten erkennen können.

Georg
11 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Getauft sein und gläubig sein sind beim Christentum in der westlichen Welt zwei paar Schuhe. Der durchschnittliche Moslem dürfte nicht weit weg vom streng religiösen Christen sein.

Walter
11 Monate zuvor
Antwortet  Teacher Andi

Erst wer getauft ist, wird damit zum Christen und in die Glaubensgemeinschaft mit Glaubensbekenntnis aufgenommen.
Die Taufe gilt ein Leben lang und erlischt auch nicht bei einem Kirchenaustritt.

Teacher Andi
11 Monate zuvor
Antwortet  Walter

Aber man kann damit den Kirchen den Rücken kehren, wenn man mit deren Religionsauslegung und dem Verhalten der „Würdenträger“ nicht einverstanden ist.

Georg
11 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Distanzierung ist ganz einfach. Man verhält sich so muslimisch, wie die durchschnittlichen Christen aus Deutschland sich christlich verhalten.

Teacher Andi
11 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Frauen degradieren, Kinderehen, „Ungläubige“ diskriminieren, Tiere schächten, Polizei und Gesetze missachten gehört auf alle Fälle nicht zu den erwünschten Phänomenen der islamischen Kultur, die hier ins Weltbild passen. Und das sehen zum Glück auch viele Muslime so. Und trotzdem hat ihre Religion viel zu viel Einfluss auf Politik und Leben der Bevölkerung.

Freiya
11 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Nein, man hält sich an die von Bassam Tibi geforderten „europäische Leitkultur“ – fie allerdings noch auszudiskutieren wäre.

PaPo
11 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Dass ein Gros der Muslime weltweit offenbar den IS kritisieren, ist tatsächlich der Fall, s. (u.a.) https://www.pewresearch.org/short-reads/2015/11/17/in-nations-with-significant-muslim-populations-much-disdain-for-isis/. Aber dies ist nicht unbedingt der Fall, weil der IS die vermeintl. Prinzipien der „absolute[n] Glaubensfreiheit“ oder zum Krieg gg. Andersgläubige aufrufen würde, nicht für Gerechtigkeit, Freiheit und Gleichheit eintrete. Das tut der IS natürlich nicht, aber das sind auch keine Grundwerte des Islam, die dieser (ohne concept creep, definist fallacy, rabulistische Apologetik und Co. zu bemühen) vertreten würde – Koran und Sunna widersprechen dem eindeutig (s.o.), egal was Ahmad Mohammad al-Tayyeb diesbzgl. verklärend behauptet (er hat diesbzgl. auch keine entsprechende Deutungshohheit, wie bspw. der Papst ggü. den Katholiken), Homophobie, Antisemitismus, Sexismus, Sklaverei und Co. sind essenzielle, obligatorische Elemente des Islam, in Koran und Sunna als absolute (überzeitliche) Handlungsmaxime kodifiziert (s. emeine Ausführung zur Verbdinlichkeit entsprechender Ge- und Verbote hier: https://www.news4teachers.de/2022/09/umfrage-mehrheit-der-schueler-ist-in-der-schule-mit-rassismus-konfrontiert/#comment-473993).

Es ist vielmehr so, (a) dass das Gros der Opfer bspw. des IS und auch der Terrorakte anderer gewalttätiger islamischer Gruppierungen andere Muslime sind (die dem IS in ihrer literalen Exegese von Koran und Sunna diese Muslime keine ‚richtigen‘ Muslime, Also Apostaten und Co. sind) und (b) dass ein Gros der Muslime schlichtweg (glücklicherweise) besser ist, als ihre Religion, von der sie regelmäßig ähnlich viel Ahnung haben, wie der durchschnittliche Katholik vom Katholizismus… also recht wenig. Da kennen die Gläubigen regelmäßig – auch weil sie die fundamentalen Glaubenstexte, Koran und Sunna nie gelesen haben, iccht lesen können, weil Ihnen Kontexte oder Kenntnisse des Arabischen fehlen etc. – nur die cherry picking-Wohlfühlvarianten dieser Textinhalte (man verdeutliche sich bspw. wie viele Muslime k.A. haben, dass Aischa bint Abi Bakr 6 Jahre alt gewesens ein soll, als Mohammed sie heiratete, 9 Jahre bei Vollzug der Ehe), sie vielleicht auchw estlich sozialisiert wurden, folglich an eine Variante des Islam glauben, die im deutlichen WIderspruch zu unverändlichen Fundamenten dieser Religion stehen……… und am Ende einem IS einfach vorwerfen, no true scotsmen zu sein (https://en.wikipedia.org/wiki/No_true_Scotsman), während IS und CO. das eben diesen Muslimen vorwirft (und damit ihre Gewalt gg. sie legitimiert). Das ist es auch, was Ahmad Mohammad al-Tayyeb im Endeffekt getan hat, ein no true scotsman-Argument formulieren.

Man tut aber gut daran, diese Kritik an der Religion nicht mit einer Pauschalverurteilung der Muslime gleichzustellen, als kuvriertes Vehikel für allerlei -ismen und -phobien zu devalvieren, denn so unterbindet man jede dringen notwendige Progression, jede Emanzipation, jede konkrete Problemanalyse und -lösung.

Und man tut auch gut daran auf beiden Seiten, Religionsangehörige nicht mit Fundamentalisten derselben Religion zu synonymisieren: Eine Sippenhaft für alle Muslime für die Ansichten und Taten einzelner Muslime ist ebenso falsch, wie die Annahme, dass alle Muslime konkludent diesen Ansichten und Taten zustimmen, wenn sie sich nicht explizit distanzieren. Das Gegenteil wird hoffentlich in unseren westlichen Gesellschaften der Fall sein, auch weil die überwiegende Mehrheit der Muslime nur über eklektisches Wissen über den Koran und die Sunna resp. Hadithen vefügen wird – das Gros der Muslime wird weder den Koran einerseits und insb. die Hadithe andererseits (in Gänze) gelesen haben, noch über Kenntnisse bzgl. der Geschichte des Islams verfügen, die über revisionistisch-rudimentäre Verklärungen hinausgehen, sondern bspw. via familiärer Tradierung, Koranschulen und durch muslimische Geistliche selektiv, oftmals dekontextualisierend und euphemistisch/apologetisch etc. mit den fundamentalen Inhalten ihres Glaubens und den Taten, Charakteristika etc. der Akteure des Korans konfrontiert. Das ist kein exklusives Phänomen, das ausschl. Muslimen vorbehalten wäre, sondern trifft das Gros aller Gläubigen: Auch der normale Katholik weiß wohl ad hoc kaum, was Transsubstantiation sein soll und dass er (infolge des sog. Tridentinums) zwingend daran glauben muss, um überhaupt Katholik zu sein.

Insofern sind „Freizeitmuslime“ und „Freizeitchristen“ auch eigtl. das Maximum, was ein pluraler, freiheitlich-demorkatischer Rechtsstaat tolerieren kann. Aber wir sollten uns gleichzeitig auch maximal davor hüten, so einen uninformierten Unsinn zu erzählen, wie Annalena Baerbock, dass das, was was Mullah-Regime im Iran ausmacht, „[…] nichts, aber auch gar nichts mit Religion oder Kultur zu tun“ habe.

Diesbzgl. auch: https://www.news4teachers.de/2022/10/studie-schulbesuch-wirkt-entscheidend-gegen-rassistische-ressentiments/#comment-477267.

Lisa
11 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Keine monotheistische Religion ist wirklich friedlich. Denn alleine schon mein Wahrheitsanspruch läuft immer Gefahr, gegen den Wahrheitsanspruch einer anderen Religion zu gehen. Doch es gibt außer in USA vielleicht gerade keinen politischen Christanismus. Es gibt aber sehr wohl einen politischen Islamismus. Daher erscheint auf den ersten Blick das Christentum friedlicher.

Georg
11 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Sogar in Deutschland gibt es ein politisches Christentum. Andernfalls wären die Geschäfte in Deutschland Sonntags schon längst regelmäßig geöffnet. Auch verhält sich insbesondere die evangelische Kirche oft genug wie eine den Grünen nahe Partei.

Marko
11 Monate zuvor

Für mich geht dieser Ansatz in die völlig falsche Richtung. In Zeiten akuten Lehrermangels ist es sicherlich effizienter, die Differenzierung endlich aufzugeben und die Klassenverbände auch im Religionsunterricht beizubehalten. Dann hätte man auch mehr Spielraum bei der Gestaltung der Stundenpläne, weil dann nicht immer alle Klassen eines Jahrgangs gleichzeitig Religion (bzw. Philosophie) haben müssten.

Teacher Andi
11 Monate zuvor
Antwortet  Marko

Stimmt, Religion nimmt sehr viele Ressourcen für andere, wichtigere Fächer und blockiert etliche Planstellen, die dringend benötigt würden. Wir haben an unserer Schule mehr Religions/Ethik- als Mathelehrer, obwohl dies kein Prüfungsfach ist. Da passt was nicht.

Freiya
11 Monate zuvor

Das ist ein Skandal und ein Verrat an den Kindern, deren Eltern gerade vor Erdoğan und seiner restriktiven Politik geflohen sind, die Schutz bei uns suchen.
Was ist mit den muslimischen Kindern, die gar nicht aus der Türkei kommen? Was mit Aleviten, die in der Türkei, nun denn, höflich gesagt kein einfaches Leben haben?
Ich bin gegen jedweden konfessionellen Religionsunterricht und favorisiere eine Religionskunde unter dem Namen Ethikunterricht.
Aber WENN Islamunterricht unumgänglich sein sollte, dann NUR von in Deutschland ausgebildeten, deutschsprachigen Islamlehrer*innen!

Lisa
11 Monate zuvor

Das Problem ist wohl, dass es gar keinen verbindlichen Islam gibt. Und die kleinen Syrer, Kosovaren und Afghanen haben wenig mit Erdogan zu tun. Aber warum überhaupt Schule? Der Religionsunterricht gehört abgeschafft und durch Ethik, Psychologie und Philosophie ersetzt. Dann haben auch Noten ihren Sinn. Und wenn jemand den Verlust des Christentum moniert: Das hat damit nichts zu tun. Gerade katholische Länder, in denen wirklich noch die Kirchen voll sind, sind streng laizistisch was Schule angeht.

Georg
11 Monate zuvor

Frage: Wie öffnet man der AfD die Türen am besten?
Ministerium in Brandenburg: JA!!!

Es muss alles objektiv nachvollziehbar transparent veröffentlicht werden, um jegliche Zweifel an irgendwas im Keim zu ersticken.

Rechtsextremismus an Schulen : Scharfe Kritik an Maulkorb-Politik in Brandenburg (msn.com)