„Wirklich schlechte Idee“: SPD-Sozialminister kritisiert Ampel für Kürzungspläne beim Freiwilligendienst

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Niedersachsens Sozialminister Andreas Philippi hat sich einem Zeitungsbericht zufolge gegen geplante Kürzungen beim Freiwilligendienst ausgesprochen. «In Sonntagsreden mehr gesellschaftlichen Zusammenhalt einfordern und montags den Freiwilligendienst zusammenstreichen – da fallen Worte und Taten völlig auseinander», sagte der SPD-Politiker der «Hannoverschen Allgemeinen Zeitung».

Die Bundesregierung will bei den Freiwilligendiensten den Rotstift ansetzten, gleichzeitig wird über einen sozialen Pflichtdienst diskutiert. Foto: Claudia Hautumm / pixelio.de

Die Kürzungen schwächten soziale Einrichtungen, Seniorenheime, Kitas und Schulen, aber auch Kultur, Sport und Naturschutz. Er sprach von einer «wirklich schlechten Idee» und einem fatalen Signal der Politik an engagierte junge Menschen.

Die zuständige Bundesfamilienministerin Lisa Paus (Grüne) hatte Anfang Juli angesichts des Spardrucks im Bundeshaushalt 2024 klargestellt: «Für einen Ausbau der Freiwilligendienste stehen (…) keine Mittel zur Verfügung.» Stattdessen komme zu bereits geplanten Einsparungen fürs kommende Jahr eine weitere Absenkung der Mittel für 2025 hinzu. Nach Angaben von Sozialverbänden sollen laut Bericht 78 Millionen Euro für 2024 gestrichen werden. Das entspreche rund 24 Prozent aller Bundesmittel. Bis 2025 sollten die Zuschüsse insgesamt um rund 35 Prozent gekürzt werden.

Philippi mahnte: «Wir brauchen mehr freiwilliges Engagement, nicht weniger.» Er warnte davor, jungen Menschen den ersten Kontakt mit sozialen Berufen zu erschweren. «Dabei haben wir vor allem in Pflege- und Erziehungsberufen einen eklatanten Fachkräftemangel.» Der Freiwilligendienst sei ein Türöffner zu diesen Berufen. Der SPD-Politiker kritisierte auch Vorschläge, einen sozialen Pflichtdienst einzuführen: «Wenn wir es nicht einmal schaffen, ausreichend freiwillige Angebote für alle, die sich für die Gemeinschaft einbringen möchten, bereitzuhalten, dann können wir auch keine Pflicht einfordern.»

In Niedersachsen setzten sich laut Sozialministerium rund 4000 junge Frauen und Männer in Jugendfreiwilligendiensten ein, schrieb die Zeitung. Das Land fördere das Freiwillige Soziale Jahr demnach jährlich mit 737.000 Euro. News4teachers / mit Material der dpa

Jugendpolitik in Deutschland: Debatte um Dienstpflicht kocht wieder hoch (und bei den Freiwilligendiensten wird gespart)

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