Prien: „Volle Gleichstellung der Grundschullehrkräfte wird 2024 erreicht“ – GEW: Quatsch

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Die Einstufung der Gehälter von Grundschullehrern in die höhere Besoldungsstufe A13 in Schleswig-Holstein wird nach Angaben von Bildungsministerin Karin Prien (CDU) im kommenden Jahr abgeschlossen. Die GEW widerspricht.

„Waren mit die ersten“: Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU). Foto: Frank Peter / Land Schleswig-Holstein

Das Programm sei 2020 in Jahresschritten begonnen worden, jetzt stehe man bei 80 Prozent – sagt Prien. Und: «Wir werden im nächsten Schuljahr die volle Gleichstellung der Grundschullehrkräfte erreicht haben und waren damit eines der ersten Bundesländer, die damit begonnen haben.»

«Das wäre schön, ist aber leider nicht der Fall. Erst ab dem Jahr 2025 wird das Land auch die Grundschullehrerinnen- und lehrer nach der Besoldungsgruppe A13 besolden. Da hat die Ministerin wohl leicht den Überblick verloren», erklärt dazu die GEW-Landesvorsitzende Astrid Henke. Von «voller Gleichstellung» könne übrigens auch dann nicht Rede sein, weil die Lehrkräfte im Gegensatz zu ihren Hamburger Kolleginnen und Kollegen keine sogenannte «Studienratszulage» (A13 plus Zulage) erhielten.

«Wenn wir zwei Jahre hinter Hamburg hinterherhinken, drohen wir im Wettbewerb um Lehrkräfte den Kürzeren zu ziehen»

In Schleswig-Holstein bekommen Grundschullehrkräfte laut GEW eine ruhegehaltsfähige Zulage zu ihrer Grundbesoldung A12. Diese wird jährlich zum Schuljahresbeginn um 80 Euro angehoben. Sie beträgt ab diesem Schuljahr 320 Euro. 2025 werden den Angaben zufolge alle Grundschullehrkräfte die Besoldungsgruppe A13 erreicht haben.

Die GEW stellt auch Priens Aussage infrage, dass sich die Besoldungserhöhung positiv auswirke. Es gebe inzwischen viel Zulauf von Lehrkräften, die nicht in Schleswig-Holstein studiert haben – sagt Prien. «Ich glaube, dass das für viele schon ein Thema war, insbesondere für Männer.» In zwei Schritten sei auch die Höherbesoldung der Schulleitungen an Grundschulen auf A14 abgeschlossen worden. Das habe zu einer wesentlich besseren Bewerberlage geführt.

Die GEW-Chefin betont hingegen den Wettbewerbsnachteil gegenüber Hamburg. «Wenn wir zwei Jahre hinter Hamburg hinterherhinken, drohen wir im Wettbewerb um Lehrkräfte den Kürzeren zu ziehen.» News4teachers / mit Material der dpa

Hamburg befördert alle Grundschullehrkräfte zu Studienräten (was bedeutet: A13 plus Zulage). GEW: Vorbildlich!

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lehrer002
10 Monate zuvor

Die Studienratszulage für alle grundständig ausgebildeten Lehrkräfte in allen Bundesländern muss kommen! Erst dann ist das Grundschullehramt genauso attraktiv wie andere bislang besser bezahlte Lehrämter.

Blau
10 Monate zuvor
Antwortet  lehrer002

Die Stundendeputate sind immernoch stark unterschiedlich

Alex
10 Monate zuvor
Antwortet  Blau

Im Moment haben wir aber mehr Stunden UND weniger Geld.

Heidger Brandt
10 Monate zuvor
Antwortet  Alex

Sorry, das ist doch eine Milchmädchenrechnung.

Nicht, dass ich es den Kolleg/innen an den Grundschulen angesichts eines immer schwierigeren „Jobs“ nicht gönne. Zusätzlich halte ich eine Unterrichtsbelastung von 28 Stunden für unverantwortlich hoch. Auch 25 Stunden am Gymnasium sind heute Raubbau an der Gesundheit, weshalb so viele Kolleg/innen in Teilzeit gehen, unter Inkaufnahme erheblicher Gehaltseinbußen.

Wenn ich aber als Gymnasiallehrer in einem geisteswissenschaftlichen Fach für nur eine 6-stündige LK- bzw. Profilfachklausur, (28 Arbeiten, fast ein ganzes A4-Heft vollgeschrieben), 72 Korrekturstunden bei hocheffizienter Korrekturtechnik benötige, also fast zwei 8-Stunden-Arbeitswochen zusätzlich benötige, beim Abi mit Gutachten etc. noch mehr und fast alle „Ferien“ bis auf die Sommerferien durchkorrigiere, komme ich auf Arbeitszeiten, die bereits innerhalb der gymnasialen Fächerbelastung (versus Mathe etc.) bei gleicher Bezahlung hochgradig ungerecht sind.

Hinzu kommen auch im Wiederholungsfall zeitaufwendige inhaltliche Vorbereitungen des Unterrichts, die im Grundschulbereich nicht anfallen.

Auch die Unterschiede des Studiums lassen Zweifel an der Gerechtigkeit dieser Maßnahme aufkommen: Die Regelstudienzeit für meine Fächerkombination inklusive Auslandsjahr betrug 16 Semestern plus ungleich höherer Anforderungen versus 6 Semester Grund-Hauptschullehramt. – Der Unterschied von 5 Jahren Arbeitszeit lässt sich durch A 13 nicht aufholen.

Das ganze Programm ist lediglich der Versuch, den aufgrund immer schwierigerer Unterrichtsverhältnisse immer weiter wegbrechenden Lehrernachwuchs durch finanzielle Kosmetik und Abwerbung auszugleichen. Auf Dauer wird das nicht funktionieren.
Viel wichtiger wäre, an den Grundschulen etc. wieder die Unterrichtsbedingungen zu schaffen, die früher zur Wahl dieses Berufes geführt haben, unabhängig von einem vermeintlich ungerechten Einkommen.

Egvina
10 Monate zuvor
Antwortet  Heidger Brandt

„Hinzu kommen auch im Wiederholungsfall zeitaufwendige inhaltliche Vorbereitungen des Unterrichts, die im Grundschulbereich nicht anfallen.“
Inwiefern sollte die Unterrichtsvorbereitung in der SekII aufwendiger sein als in der Grundschule, wenn man den zu unterrichtenden Stoff beherrscht, wovon ich doch bei den entsprechend ausgebildeten Kollegen doch ausgehe?

Juulekind
10 Monate zuvor
Antwortet  Egvina

In Hamburg gibt es beispielsweise in Englisch und Deutsch, meine Fächer, alle zwei bis drei Jahre komplett neue Themen in der Oberstufe. Da muss man sich sehr wohl aufwändig einarbeiten und vorbereiten, auch wenn man die Fächer studiert und ein Referendariat abgeschlossen hat, also entsprechend ausgebildet ist. Nur mal so zur Info….

Reisinger
10 Monate zuvor
Antwortet  Heidger Brandt

16 Semester vs. 6? Wo leben sie denn 😀

Fräulein Rottenmeier
10 Monate zuvor
Antwortet  Reisinger

Es soll auch Langzeitstudenten geben….vermutlich hat dieses Exemplar die Studienfächer nacheinander studiert, ist eben nicht multitaskingfähig 😉

mediavo
10 Monate zuvor
Antwortet  Blau

die Korrekturzeiten auch

Hornveilchen
10 Monate zuvor

Auf die GEW pfeifen hier doch ganz viele. Sollen die es doch alleine durchsetzen!

Silberfischchen
10 Monate zuvor

«Wenn wir zwei Jahre hinter Hamburg hinterherhinken, drohen wir im Wettbewerb um Lehrkräfte den Kürzeren zu ziehen»
Dieses Argument ist ausgelutscht. Es wurde und wird ständig hervorgebracht, um mehr Geld zu fordern. Und überall gibt es mehr Geld für die Lehrer, aber mehr Lehrer gibt es nicht.

Egvina
10 Monate zuvor
Antwortet  Silberfischchen

Aber vielleicht nicht noch weniger. Ich glaube auch nicht, dass viele Lehrer werden, weil Gehälter besser werden. Ich könnte mir aber vorstellen, dass es durchaus Leute gibt, die eigentlich gerne Lehrer geworden wären, sich aber von der immer größer werdenden Diskrepanz der Gehälter haben abschrecken lassen. Und die kann man mit besserer Bezahlung wahrscheinlich davon abhalten, sich gegen den Lehrerberuf zu entscheiden.