EU-Kommission: Deutsche Lehrer in Europa unter den bestbezahlten Lehrkräften

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eutsche Lehrerinnen und Lehrer gehören im Europa-Vergleich zu den am bestbezahlten Lehrkräften. Einem aktuellen Bericht der EU-Kommission nach liegt Deutschland in den Jahren 2021 und 2022 gemeinsam mit den Niederlanden, Luxemburg, Österreich, der Türkei und der Schweiz im Spitzenfeld bei Einstiegsgehältern für Lehrerinnen und Lehrer.

Sind Lehrkräfte in Deutschland reich? Die EU-Kommission erweckt den Eindruck. Foto: Shutterstock

Den Angaben zufolge erhalten die Lehrkräfte in diesen sechs Ländern jährlich 34.000 Kaufkraftstandards (KKS) oder sogar mehr an Gehalt. Für einen besseren internationalen Vergleich werden die Gehälter in dem Bericht in KKS angegeben. Ein KKS entspricht einem Euro, wenn die Preise für Lebensmittel, Mieten und andere Ausgaben überall in der Europäischen Union gleich wären.

Die Einstiegsgehälter in Deutschland seien dabei besonders hoch – ab 50.000 KKS pro Jahr für alle Ausbildungsstufen, hieß es weiter. Die schlechteste Bezahlungen erhalten Lehrkräfte unter anderem in Bulgarien, Griechenland, Lettland, Ungarn, Polen oder Rumänien mit unter 20.000 KKS Gehalt im Jahr.

Ab dem 26. Oktober wird in Deutschland über einen neuen Tarifvertrag für die Angestellten der Länder in der ersten Runde verhandelt. Viele Lehrkräfte sind davon unmittelbar betroffen. News4teachers / mit Material der dpa

Tarifstreit: Was haben Lehrkräfte zu erwarten? Krach in Kiel um Beamtenbesoldung lässt nichts Gutes erahnen

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Hysterican
9 Monate zuvor

Hmmm, ja, das mag allein gemessen an der Gehaltshöhe Fakt sein und die statistische Größe entsprechend abbilden.
Aber:
Warum kommt mir beim Lesen einer solchen Schlagzeile gleich der Gedanke, dass diese Art der Feststellung möglicherweise eine vorweggenommen Argumentation zugunsten des Staates hinsichtlich eingefrorener Gehälter für die nächsten Jahre im Lehramt sein könnte?

Nichts ist in einer enger werdenden und sich verhärtenden Tarifverhandlung besser, als wenn man als Zahlungsverpflichteter darauf verweisen kann, dass die dtsch Lehrkräfte im europäischen Vergleich sowieso schon bevorteilt sind..

Auch hübsch, dass eine supranationale Organisation, wie die EU-Kommission solche Zahlen erhebt und auswertet, während wir in der BRD allein 16 verschiedene KuMis und Besoldungssysteme haben, die nicht einmal im gesamtstaatlichen Kontext vereinheitlicht werden können.

Realist
9 Monate zuvor
Antwortet  Hysterican

eine vorweggenommen Argumentation zugunsten des Staates hinsichtlich eingefrorener Gehälter für die nächsten Jahre im Lehramt“

Ja, so ein Zufall aber auch. Passend zur Tarifrunde der Länder. Und dabei sind Lehrkräfte bekanntermaßen die zahlenmäßig größte und (dank noch Studium) auch die teuerste Personalgruppe bei den Ländern… wenn man da bloß was drehenkönnte…

Prognose: Es wird zwar keine nominalen Kürzungen geben, aber dank Mini-Erhöhungen wird die Inflation das schon richten. Andere Berufsgruppen bei den Ländern (IT, Ingenieure, Juristen,. …) werden einfach spezifische Zulagen erhalten, die Lehrkräfte nicht bekommen können. ITler in der Verwaltung erhalten das ja jetzt schon (der IT-Lehrer bekommt selbstverständlich nichts extra außer einer Entlastungsstunde für die Pflege der gesamten Schulischen IT…)

Gen Z: „Lehramt? Ich bin doch nicht blöd!“

Kevin Stein
9 Monate zuvor

„gemeinsam mit den Niederlanden, Luxemburg, Österreich, der Türkei und der Schweiz“

Ein paar Gedanken dazu
1 Im Vergleich mit den ganzen anderen Ländern (die in dieser Aufzählung fehlen) sind alle Berufe in Deutschland sehr gut bezahlt oder möchte jemand in Abrede stellen, dass das Gehaltsniveau in allen Berufen über dem von z.B. Rumänien liegt?
Auch, wenns nur durch die Blume suggeriert wird, der Handwerker, die Krankenschwester, die Verkäuferin usw. sind somit „überbezahlt“.

2 Was hat die Türkei in dieser Auflistung zu suchen? Zufälligerweise kenne ich mich in dem Land sehr gut aus und das stimmt schlicht nicht (oder ich kann die Berechnungsgrundlage nicht nachvollziehen). Istanbul klagt beispielsweise nämlich aktuell über einen noch gravierenden Lehrermangel als in Deutschland. Warum? Weil die Gehälter so gering sind, dass sich die Lehrer keine Mieten in der Stadt leisten können und daher wegziehen oder gar nicht erst kommen (und das, obwohl frische Lehrerabsolventen sogar in ihrem ersten Jahr auf einen Dienstposten im ganzen Land versetzt werden).

Realist
9 Monate zuvor
Antwortet  Kevin Stein

Ja, Türkei ist natürlich offensichtlicher Schwachsinn in diesem Vergleich (hier gilt wirklich: Traue keine Statistik, die du nicht selber gefälscht hast). Liegt aber vielleicht daran, dass alle Berufsgruppen mit festen Gehältern in der Türkei unter der dort herrschenden hohen Inflation leiden (inoffzielle 70-80% in den letzten Jahren). Vielleicht geht’s vielen anderen noch mieser („Was jammerst du? Kannst dir keine Wohnung leisten? Andere können sich nicht einmal ein Zelt leisten!“)?

Dil Uhlenspiegel
9 Monate zuvor

Neue gesucht für Spitzengeld bei „all inclusive“ ;o)

Alter Pauker
9 Monate zuvor

So eine Aussage muss immer in Bezug gesetzt werden!!!
Z.B. zu den Pflichtstunden, zu den Klassengrößen, zu den zusätzlichem Personal wie IT und Schulkrankenschwestern, etc, etc ….
Alles andere ist reine Polemik!!!!

GS in SH
9 Monate zuvor
Antwortet  Alter Pauker

Deutsche LK haben eine der höchsten Unterrichtsverpflichtungen weltweit.
Während in Deutschland viele Tätigkeiten mit dem Grundgehalt abgedeckt sind, werden Tätigkeiten wie Klassen- oder Fachleitung, Begleitung von Junglehrern, Teilnahme an Fortbildungen …. in den meisten Ländern zusätzlich vergütet.
Und das sind nur einige der Unterschiede.

Katinka
9 Monate zuvor
Antwortet  Alter Pauker

Danke, ich kann diese Vergleiche auch nicht leiden, weil nur ein Aspekt des Berufes verglichen wird; in vielen anderen Berufsfeldern kann man wahrscheinlich Ähnliches konstatieren, also ist es nicht wirklich aussagekräftig. In einem OECD-Bericht (leider habe ich den auf die Schnelle nicht im www gefunden), der zwar auch mit die höchsten Gehälter bei deutschen Lehrern ausweist, ist auch ganz deutlich zu lesen, dass deutsche Lehrer auch die höchste Arbeitszeit haben. Das sollte man fairerweise schon mit dazu sagen! Alles andere ist mal wieder typisches Lehrerbashing.

Katinka
9 Monate zuvor
Antwortet  Alter Pauker

mit die höchste Arbeitszeit (wollte ich schreiben).

Lambada
9 Monate zuvor

Huch. Das will niemand hören!!
Auch wenn diese Meldung vielen nicht in den Kram passt – es ist so.
Und da sind die Vorzüge des Beamtentums noch nicht berücksichtigt.

Dil Uhlenspiegel
9 Monate zuvor
Antwortet  Lambada

Wenn es niemand hören will, sagen wir es den zahllosen Lehramtseinsteigern besser nicht.

Katinka
9 Monate zuvor
Antwortet  Lambada

Genauso wie auch die Nachteile nicht.

ABC
9 Monate zuvor
Antwortet  Lambada

Na dann, TANZ` mal schnell zum Schulamt und melde dich für ,,besten“ Job des Jahres an! Aber hinterher bitte nicht jammern…

Sekundarstufenfrau
9 Monate zuvor

Ref. grottig bezahlt und wer nach 10 J Studium im Beruf ist, bekommt monatlich sein Akademikergehalt.

Problem: Unternehmen 32 -25 Std. Woche, gleicher Lohn, oft noch mehr
Jahresbonus und Dienstwagen
Schon vom üppigen Weihnachtsgeld oder 13. gehalt woanders gehört?

sie sehen es, es bringt nichts, weil unattraktiv

ABC
9 Monate zuvor

Bitte nicht das vom AG bezahlte Weihnachtsessen in der Wirtschaft vergessen! Wir LuL laden uns selbst ein und bezahlen auch selbst die Zeche. Frage mich schon lange, warum wir dann nicht lieber mit Familie, Freunden essen gehen.

potschemutschka
9 Monate zuvor
Antwortet  ABC

Ach ja, es gibt auch Arbeitgeber, die Ihren Angestellten alle zwei Jahre eine prophylaktische Kur spendieren, um deren physische und psychische Gesundheit zu erhalten (Fluglotsen). Vor Jahren habe ich mal eine Studie gelesen, in der die Berufe Lehrer-Fluglotsen verglichen werden (Stressbelastung). Das war sehr interessant. Leider habe ich die Studie nicht wiedergefunden, aber ein mir gut bekannter Fluglotse hat mir bestätigt, dass wir uns vor Jahren über diese Studie ausgetauscht haben. Wir kamen damals zu dem Ergebnis: die einzigen großen Unterschiede, sind nur der Schichtdienst und dass Fehler im Beruf beim Lotsen „sichtbar“ Menschenleben kosten können.

Hans Malz
9 Monate zuvor
Antwortet  ABC

Deshalb lassen wir schulintern das Essen weg und trinken nur noch.

Lambada
9 Monate zuvor

Mit welcher Berufsgruppe woanders vergleichen Sie sich denn?
Sie werden es sehen, woanders ist auch nicht zwingend attraktiv.
Wäre mir neu, dass Deutschland in florierendem Übermaß lebt und die Unternehmen nicht wissen, wohin mit dem Geld.

Hans Malz
9 Monate zuvor
Antwortet  Lambada

Ich vergleiche mit anderen Akademikern, die einen ähnlich hohen Verantwortungsgrad und komplexen Aufgabenbereich haben. Die verdienen fast alle mehr.
Bevor jetzt wieder irgendwas kommt: Ich weiß aus Erfahrung wovon ich rede, denn ich habe lange genug was anderes gemacht.
Übrigens kamen alleine im letzten Monat drei Jobangebote über mein Xing Profil … alle besser bezahlt.

Emcy
9 Monate zuvor

Mit eingerechnet sind bereits tatsächliche Arbeitszeit, Arbeitsbelastung, Aufgaben, Zusatzaufgaben, Bereitstellung von Lehrmaterialien, Eigenbeschaffung von Materialien, Finanzierung von Lehrwerken, Ausflügen, Fahrtkosten etc.?

Isa
9 Monate zuvor

Ach so, jetzt verstehe ich- deshalb gibt es so viele Bewerber:innen und man findet keine Stelle!

Doro
9 Monate zuvor

Ich habe mich in letzter Zeit öfter mit Schweizern unterhalten. Dort unterrichtet man in der Primarstufe nach Mittlerem Bildungsabschluss und 3-4 Jahren Lehrerseminar.
Das könnten wir ja hier auch so machen, dann bräuchte man weniger als ein Erzieher:innengehalt ausgeben und der Vergleich würde prima aufgehen.

EinGrundschullehrer
9 Monate zuvor
Antwortet  Doro

Die Schweiz hat einen mindestens genauso großen Lehrermangel. Und das obwohl Lehrer dort recht gut verdienen. Im Kanton ZH beginnt es mit ca. 100.000 Euro im Jahr.

Realist
9 Monate zuvor

Liegt daran, dass die Gehälter in der Schweiz durchschnittlich sowieso deutlich höher sind:
https://www.watson.ch/schweiz/wirtschaft/436798183-einkommen-so-viel-verdienten-herr-und-frau-schweizer-im-jahr-2022

Dort liest man:
Medianeinkommen (Akademiker): 112.200 SFR (ca. 116.000€) (Männer), 92.000 SFR (ca. 96.000€) (Frauen)

100.000€ für eine akademisch ausgebildete Lehrkraft ist da eher leicht unterdurchschnittlich. Und hinsichtlich der Arbeitsbedingungen wird auch der Lehrerberuf in der Schweiz nicht der attraktivste sein…

Torsten
9 Monate zuvor

Wieder eine Statistik, die nichts/ wenig aussagt.
Ja, Gehälter mögen hoch sein- Lebenshaltungskosten jedoch auch.
Ja, Gehälter mögen hoch sein, jedoch ich und meine Frau E11 wirklich hoch im Vergleich?
Ja, Gehälter mögen hoch sein, jedoch im deutschen Wirrwarr von 16 Bundesländern hinkt ein internationaler Vergleich.
Ja, Gehälter mögen hoch sein, doch vergleicht mal die Bezüge von Staatsführenden und Parlementariern.

potschemutschka
9 Monate zuvor
Antwortet  Torsten

Interessant wäre auch ein Vergleich der Gehälter mit der Zahl der zu erteilenden Unterrichtsstunden und zusätzlichen Verpflichtungen.

Achim Albrecht
9 Monate zuvor

tatsächlich ist die Gehaltshöhe nicht das drängendste Problem – aber in der Realität verdienen viele Lehrkräfte nicht so viel, weil sie wegen der hohen Unterrichtsverpflichtung pro Woche „auf Teilzeit gegangen“ sind, um die Belastung auszuhalten, und deswegen nur 2/3 oder 50% des Lehrergehalts bekommen. Bei Schulleitungsstellen z.B. versuchen die Kultusministerien es traditionell mit der preiswerten Lösung: Statt Leitungszeit für gesamte Schulleitungstemas an großen Schulen einzuräumen, wird mit einer A-14-oder A-15-Stelle gelockt – aber mit lächerlicher Leitungszeit statt Unterrichtsverpflichtung. Welches Unternehmen würde überleben, wenn der Chef einen Tag in der Woche in der Produktion arbeitet, die Prokuristin zwei bis drei Tage und die Leitung der Forschungs-und Entwicklungsabteilung oder des Materiallagers 4 Tage in der Woche?

Realist
9 Monate zuvor
Antwortet  Achim Albrecht

Schöner Vergleich!

Septen
9 Monate zuvor

Welch Wunder, dass sich Niedersachsen ausgerechnet jetzt bereiterklärt, für Grundschule, Haupt- und Realschule auf A13 zu erhöhen. Dann ist natürlich kein Geld mehr für Inflationsausgleich da, versteht das doch, liebe Kollegis, hier nehmt 2% …

Bernd
9 Monate zuvor
Antwortet  Septen

Die hochstufung kann man ja wunderbar als 10% Gehaltserhöhung verkaufen. Die A13er am Gymnasium schauen in die Röhre.

Palim
9 Monate zuvor
Antwortet  Bernd

Nein, die Hochstufung kann man nicht derart verkaufen.
Die Hochstufung entspricht einer angemessenen Entlohnung nach 10 Semestern Studium und Master, die auch GHR-Lehrkräfte seit längerem in NDS absolvieren. Man hätte die Bezüge auch damals gleich anheben können. Inzwischen haben die umliegenden Bundesländer längst angehoben und Lehrkräfte an der Grenze zum anderen BL wählen dann HH oder NRW als Arbeitgeber. Eine deutliche Reaktion kam aus HH, die nun plötzlich nicht länger am Ländertausch und Wechsel der LuL in andere Länder interessiert sind.
Der Zeitpunkt entsteht zudem, weil der bisherige Finanzminister Hilbers (CDU) immer eine Höherstufung verhindert hat, obwohl es das Wahlversprechen gab. Dieses wurde vor der letzten Wahl (10/22) von allen größeren Parteien erneuert und wird jetzt von der rot-grünen Landesregierung zu 2024 umgesetzt.

Die Gymnasiallehrkräfte bekommen diese Besoldung schon länger, haben also bisher nicht in die Röhre geschaut, sie verlieren nichts von ihren bisherigen A13-Bezügen.

Dass der TvL neu ausgehandelt wird, ist auch kein plötzliches Ereignis, sondern vorab bekannt, die Länder kennen ja die Laufzeit des letzten Abschlusses und wissen, wann eine neue Vereinbarung kommt und dass ein Inflationsausgleich erwartet wird.