Kaum noch Zuwachs an Kita-Plätzen, obwohl immer noch Zig-Tausende fehlen

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DÜSSELDORF. Die Zahl der Kita-Plätze für Kinder über und vor allem unter drei Jahren reicht noch lange nicht aus. Das gilt auch für Nordrhein-Westfalen. Tatsächlich hält der Zuwachs dort mit dem stark ansteigenden Bedarf nicht Schritt.

Die Personalnot bremst den Kita-Ausbau aus (Symbolbild). Foto: Shutterstock

Der Zuwachs an Kitaplätzen ist in Nordrhein-Westfalen drastisch eingebrochen – vor allem beim Angebot für Unter-Dreijährige (U-3). Laut einer aktuellen Liste des Düsseldorfer Familienministeriums lieg der Zuwachs an dringend benötigten U-3-Plätzen zum Kindergartenjahr 2024/25 nur bei 466 – auf dann rund 221.000 Plätze. Für 2023/24 war es demnach noch ein Plus von 3980 Plätzen.

«Das ist mit Abstand der niedrigste Wert, den es seit Bestehen des Rechtsanspruchs gegeben hat», sagte der familienpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Dennis Maelzer, am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf. Familienministerin Josefine Paul (Grüne) habe beim Zuwachs «einen Allzeit-Negativrekord» zu verantworten. Die FDP nannte das kleine Plus «lächerlich».

«Noch vor fünf Jahren war der Zuwachs 24-Mal höher», bilanzierte Maelzer. Für das Kita-Jahr 2019/20 weist die Liste des Ministeriums bei den U-3-Angeboten noch ein Plus von mehr als 11.000 Plätzen aus – damals auf gut 202.500. Tatsächlich fehlten aktuell mehr als 110.000 Kita-Plätze in NRW, kritisierte der Oppositionspolitiker.

Dennoch gebe es mehr Kita-Plätze in NRW denn je und die Zahl wachse weiter, hielt Paul auf Anfrage dagegen, räumte aber ein, dass der Ausbau noch nicht Schritt halte mit dem schneller wachsenden Bedarf. Die Herausforderung bestehe allerdings schon lange und sei «kein Sprint, sondern ein Marathon».

Seit Jahren gehe der Trend auch bei den Plätzen für Überdreijährige (Ü-3) nach unten, stellte Maelzer fest. Laut Aufstellung des Familienministeriums gibt es hier für das Kita-Jahr 2024/25 ein Plus von 3140 Plätzen auf gut 543.000 (2023/24: plus 4842). Demnach gingen die Zuwachszahlen bei den Ü-3-Plätzen seit 2019/2020 (plus 14.879) kontinuierlich nach unten.

«Für berufstätige Familien, die dringend auf einen Kita-Platz hoffen, sind die Zahlen eine Hiobsbotschaft – für die schwarz-grüne Landesregierung kommen sie einem Offenbarungseid gleich», kommentierte Maelzer die Entwicklung. «Die zuständige Ministerin lässt die Kitas mit Millionendefiziten in Richtung Insolvenz schliddern.» So sei der weitere Ausbau nicht zu stemmen.

Das Ministerium wies dagegen auf das landeseigene Förderprogramm hin: Jährlich würden rund 115 Millionen Euro für Kita-Investitionen bereitgestellt. Damit stehe die Grundlage für den Ausbau der Kindertagesbetreuung zunächst bis Ende 2026. Zudem würden die Fördersätze an die inflationsbedingt gestiegenen Baukosten angepasst.

Der familienpolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Marcel Hafke, warf der Ministerin dagegen vor: «Pauls Missmanagement riskiert unseren Wohlstand, zwingt zahlreiche Arbeitsplätze beim gut ausgebildeten Kita-Personal in die Knie und katapultiert Frauen zurück an den Herd.» Diesen gesellschaftlichen Rückschritt könne sich das Land nicht leisten.

Auch die Gewerkschaften Erziehung und Wissenschaft (GEW) sowie Verdi kritisieren die mangelhafte Entwicklung. Die politischen Maßnahmen reichten auch mit Blick auf den weiter steigenden Personalbedarf in den Kitas nicht aus, sagte die GEW-Landesvorsitzende Ayla Çelik der «Westdeutschen Zeitung». Immer schlechter ausfallende Bildungsstudien, steigende Geburtenzahlen und zunehmend reduzierte Öffnungszeiten in vielen Kitas machten deutlich: «Der Personalschlüssel in den Kitas muss dringend neu bewertet werden.» News4teachers / mit Material der dpa

Seit dem Rechtsanspruch werden immer mehr Kinder unter drei Jahren betreut

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Ernst
2 Monate zuvor

Gebt endlich den Lehrern die Freiheit, aus ihren täglichen realen Situationen das zu tun, was ihnen pädagogisch notwendig erscheint. Es ist nicht die Frage nach mehr Geld, sondern nach dem sinnvollen pädagogischen Handeln. Bildung darf keine pölitische Spielweise werden. Sie ist für die Zukunft eines Landes wichtiger als die wechselnden politischen Anschauungen. Der Staat hat das Recht auf Bildung und das Verhindern von Straftaten zu sichern. Je weniger Schule von den Beteiligten als gedtaltbarer Lebensraum erfahren wird, desto mehr werden kreative und an den Kindern interessierte Menschen – die es zum Glück immer noch gibt – den Lehrerberuf meiden. Digitalisierung und Zentralisierung sind nicht, was Kinder, Eltern und Lehrer als Weg zur Humanisierung, Kreativität und verständnisvollem Interesse am Anderen fördern kann. Stattdessen werden Gewalt und Narzismus gesteigert.

Mona
2 Monate zuvor
Antwortet  Ernst

Verrutscht, verlesen oder nehmen Sie sich vielleicht doch selbst etwas zu wichtig?

In dem Artikel geht es dieses Mal (für das Portal n4t natürlich ausnahmsweise) mit keinem Wort um Lehrer und Schulen…

potschemutschka
2 Monate zuvor
Antwortet  Mona

… aber um die Zukunft unseres Landes und dafür ist ein gutes Bildunggssystem, beginnend mit der frühkindlichen Bildung enorm wichtig. Auch in den KiTas herrscht Personalmangel und eine Ursache dafür ist mMn. auch das, was @Ernst für die Schulen und Lehrer beschreibt.

SchadeMarmelade
2 Monate zuvor

Ich würde die Arbeitszeit erhöhen, die Gruppengröße ebenfalls, Arbeitsplatzwechseö ablehnen, mit allen Arbeitgebern im Umland Gentleman Agreements eingehen das Erzieher, die ihren Job kündigen nur zu viel schlechteren Konditionen eingestellt werden, das Weihnachtsgeld streichen, das Gehalt nicht der Inflation anpassen, mich öffentlich über die faulen Erzieher aufregen, mehrfach, einfach irgendwelche Leute abwerden und dann klappt das schon.

Mona
2 Monate zuvor
Antwortet  SchadeMarmelade

Das alles ist gar nicht nötig. Findet nämlich ohnehin bereits statt.

Mr. Magu
2 Monate zuvor

„.. katapultiert Frauen zurück an den Herd .. „

Ach, in dem Fall ist das Geschlecht nicht *innen?

Na, Spaß beiseite: Eltern sei Home-Krippe empfohlen, ist auch klimafreundlich.

potschemutschka
2 Monate zuvor
Antwortet  Mr. Magu

Haben Kinder erst ab ihrem 3. Geburtstag einen Vater?