Digital Detox: Pause von Sozialen Medien verbessert das Körperbild junger Frauen

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TORONTO. Schon eine kurzfristige Social-Media-Abstinenz kann das Wohlbefinden verbessern, zeigt eine aktuelle Studie aus Kanada.

Es gibt eine Vielzahl von Hinweisen auf negative Auswirkungen sozialer Medien auf die psychische Gesundheit – von der Suchtgefahr über Störungen des Schlafverhaltens bis hin zu Auswirkungen auf das Körperbild. Eine neue Studie von Psychologinnen der kanadischen York University zeigt nun, dass junge Frauen, die sich nur eine Woche lang eine Auszeit von den sozialen Medien gönnten, ihr Selbstwertgefühl und ihr Körperbild deutlich verbesserten – insbesondere diejenigen, die am anfälligsten für die Verinnerlichung von Schlankheitsidealen waren.

EIn Mädchen mit angezogenen Knien blickt unzufrieden auf ihr Handy.
Soziale Medien sind nicht förderlich für das Selbstwertgefühl junger Frauen. Foto Monkey Business Images/Shutterstock

„Die Statistikerin in mir war begeistert – in der psychologischen Forschung sehen wir nicht oft so große Effekte, weil menschliches Verhalten kompliziert ist und es eine große Variabilität gibt“, sagt Studienmitautorin Jennifer Mills. „Wir hoffen jetzt, dass diese Studie dazu beitragen kann, junge Menschen zu schützen und die Unternehmen der sozialen Medien dazu zu bewegen, den Nutzern mehr Handlungsspielraum bei der Interaktion mit diesen Plattformen zu geben“.

Bislang hätten sich nur wenige Studien speziell mit Social-Media-Pausen und Körperbild befasst. Wie ihre Mitautorinnen Olivia Smith und Lindsay Samson hatte auch Mills mit Schwierigkeiten bei der Rekrutierung gerechnet. Es habe sich jedoch schnell herausgestellt, dass die 66 Studentinnen im ersten Studienjahr mit Begeisterung eine Social-Media-Pause einlegten. Die eine Hälfte wurde angewiesen, ihre sozialen Medien wie gewohnt zu nutzen, während die andere Hälfte die Anweisung erhielt, eine Woche lang auf Instagram, Facebook, Twitter, TikTok und andere soziale Medien zu verzichten. Vor dem Experiment führten sie Basiserhebungen durch und testeten die Teilnehmer nach Ablauf der Woche erneut.

„Es gibt natürliche Schwankungen darin, wie Menschen ihren Körper und sich selbst im Allgemeinen empfinden, also haben wir das statistisch berücksichtigt, und selbst danach gab es nach einer Woche immer noch signifikante Unterschiede zwischen den Gruppen“, stellt Mills fest. Auch die Unterschiede in der Social-Media-Landschaft seien bemerkenswert im Vergleich zu der Zeit, als die Psychologin mit der Erforschung von Essstörungen und den Auswirkungen von Medien, wie beispielsweise Frauenzeitschriften begonnen habe.

„Damals konnte man nur wenige Minuten oder Stunden damit verbringen, sich Mode- und Schönheitsmagazine anzusehen, und sie erschienen nur einmal im Monat. Es gab eine begrenzte Menge an Inhalten, denen man ausgesetzt war. Mit den sozialen Medien ist das unendlich. Es ist immer neu und neuartig, was das Belohnungssystem unseres Gehirns auslöst, das uns dazu bringt, mehr und mehr von etwas zu wollen“.

Laut Mills könnten die in dieser Studie festgestellten Verbesserungen einerseits darauf zurückzuführen sein, dass die Frauen viel weniger Zeit mit Verhaltensweisen verbringen, die schädliche Auswirkungen haben, zum Beispiel Vergleiche mit anderen, andererseits aber auch darauf, dass sie soziale Medien durch gesündere Verhaltensweisen ersetzt haben. „Wenn wir mehr Zeit im wirklichen Leben verbringen, uns mit Freunden treffen, schlafen gehen, an der frischen Luft sind und Sport treiben, könnte es sekundäre Verhaltensweisen geben, die die Lücke füllen, die die sozialen Medien hinterlassen“, so die Wissenschaftlerin. Es sei Aufgabe zukünftiger Forschung, die tatsächlichen Ursachen zu entschlüsseln und damit die Beratung junger Menschen im Umgang mit sozialen Medien anzupassen.

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4 Kommentare
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RainerZufall
2 Monate zuvor

Für das Bewusstsein der Problematik wichtig, Danke.
In der Praxis haben wir aber massive Schwierigkeiten, die Jugendlichen davon zu überzeugen, OBWOHL sie unsere Meinung teilen. Erlebnispädagogische Angebote wurden z.T. ausgeschlagen, weil es auf Kosten der Freizeit (Handyzeit) gehen würde.
Können wir bitte dazu ne Studie, im Anschluss mit evidenten Handlungsmöglichkeiten haben? -___-

Lisa
2 Monate zuvor
Antwortet  RainerZufall

Das ist das typische Suchtverhalten, craving, Verlangen, Unruhig werden, wenn man an den Stoff nicht kommt, obwohl man weiß, dass es schädlich ist.
Harter Entzug oder weicher ist auch eine Typfrage.

Individualist
2 Monate zuvor

Also gibt es doch wichtige Unterschiede zwischen Frauen und Männern? Vielleicht psychischer Art?

Lisa
2 Monate zuvor
Antwortet  Individualist

Auch Jungs tut es nicht gut, sich ständig mit Bodybuildern zu vergleichen. Die Essstörungen haben hier noch nicht das Niveau unter den Mädchen erreicht, gibt es aber auch. Noch bezeichnender für Jungen ist Sportsucht. Diese ist aber zumindest anfänglich positiv konnotiert und unauffällig.