„Effektiv und zeitsparend“ – VBE-Workshop mit Tipps für die Rechtschreibförderung

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MÜNSTER/MÜNCHEN. In der Sekundarstufe sollte das Erlernen der Rechtschreibung weitgehend abgeschlossen sein. Doch immer mehr Kinder verlassen die Grundschule, ohne flüssig lesen und ausreichend gut schreiben zu können. Daraus ergibt sich ein eklatanter Förderbedarf, den Lehrkräfte kaum noch decken können. Wie kann es dennoch gelingen, die Lese-Rechtschreibfähigkeiten von Kindern und Jugendlichen zu verbessern? Das war das zentrale Thema des Online-Seminars „Rechtschreibkompetenzen effektiv und zeitsparend fördern – Voraussetzungen kennen, gezielt unterstützen“ – Teil zwei von vier Veranstaltungen, mit denen die VBE-Länder Akademie in Zusammenarbeit mit dem Lernserver-Institut auf den Weiterbildungsbedarf für Lehrkräfte und andere pädagogische Fachkräfte eingeht.  

Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte sollen die Rechtschreibung ihrer Schüler:innen fördern. Doch dazu brauchen sie eine gezielte Unterstützung. Denn immer mehr Kinder haben drastische Defizite im Lesen und Schreiben bei zeitgleichem Personalmangel. Die VBE Länder Akademie bietet deshalb gemeinsam mit den Rechtschreib-Experten des Lernserver-Instituts eine Reihe von Online-Workshops. Foto: Shutterstock

„Lehrkräfte befinden sich zunehmend in einem Spagat, der sie zu zerreißen droht“, konstatierte der Bildungsforscher und Mediendidaktiker Prof. em. Friedrich Schönweiss als einer der Referent:innen des Lernserver-Instituts zu Beginn der Online-Veranstaltung, zu der sich rund 90 Teilnehmer und Teilnehmerinnen angemeldet hatten: „Auf der einen Seite haben sie die Verantwortung, die in den Lehrplänen vorgesehenen Bildungsinhalte in einem bestimmten Zeitraum zu vermitteln, auf der anderen müssen sie den individuellen Lernstand und Bildungsbedarf eines jeden Kindes im Blick haben.“ Als nachvollziehbaren Ausweg aus diesem Spagat versuchten Lehrkräfte dann allzu oft, Unterricht für ein fiktives Durchschnittskind machen. „Aber kein Mensch und auch kein Kind ist Durchschnitt“, betonte Schönweiss, „erst recht dann nicht, wenn manche Kinder nicht mit den eigentlichen Lerninhalten Schwierigkeiten haben, sondern damit, Aufgabenstellungen zu entziffern, weil sie noch nicht flüssig lesen und schreiben können.“

Umso wichtiger ist die gezielte Unterstützung von Lehrkräften und pädagogischen Fachkräften, die deren aktuelle Situation berücksichtigt. Denn: Für die erfolgreiche Förderung der drastisch zunehmenden Zahl von Kindern, die auch nach Abschluss der Grundschule nicht richtig lesen und schreiben können, braucht es Zeit, Personal und sinnvolle Tools. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Niedersachsen hat deshalb im April gemeinsam mit den Rechtschreib-Experten des Lernserver-Instituts unter dem Motto „Handschrift und Rechtschreibung auf dem Rückzug? Worauf es jetzt ankommt.“ eine Reihe mit Online-Fortbildungen gestartet. Sie können über die VBE-Länder Akademie unabhängig vom Wohnsitz oder von einer Verbandsmitgliedschaft besucht werden. Das Ziel: Lehrkräften und anderen pädagogisch Arbeitenden Instrumente an die Hand zu geben, die sie bestmöglich dabei unterstützen, ihren Bildungsauftrag zielgerichtet, zeitsparend und stressfrei zu erfüllen.

Rechtschreibprobleme bei der Wurzel packen

Nachdem im ersten Teil der vierteiligen Fortbildungsreihe die Handschrift im Fokus stand, ging es nun im zweiten Seminar Anfang Mai um die Förderung von Rechtschreibkompetenzen.

„Alle Kinder sind neugierig, wollen etwas lernen und für sich die Welt erschließen. Dass Schreiben und Lesen bei alledem eine besonders große Rolle spielt, weiß jedes Kind“, zeigte sich Schönweiss überzeugt. Doch für Lehrkräfte sei es eine echte Herausforderung, hier eine für sie wie die jeweiligen Kinder passende Mischung aus strukturierenden Vorgaben und selbstentdeckendem Lernen zu finden: „Unserem genialen Schriftsystem liegt eine Kulturleistung von mehreren tausend Jahren zugrunde. Da kann man doch nicht einfach hoffen, dass dann alle miteinander und doch unabhängig voneinander bei dem landen, was unsere Schriftsprache ausmacht. Man muss den Kindern ernsthaft zur Seite stehen und ihnen wichtige Strukturelemente begreifbar machen“, so Schönweiss weiter.

Der Bildungsforscher beschäftigt sich seit über 40 Jahren mit digital gestützter Rechtschreibförderung und hat gemeinsam mit einem interdisziplinären Team aus Sprachwissenschaft, Informatik, pädagogischer Praxis und Lerntherapie an der Universität in Münster ein Analyse-Verfahren entwickelt, das als Münsteraner Rechtschreibanalyse (MRA) deutschlandweit bekanntgeworden ist. Dieses digitale Diagnose-Tool des Lernserver-Instituts liefert nicht nur differenzierte Ergebnisse, sondern auch gleich passendes Fördermaterial für jedes einzelne Kind. Lehrkräfte, aber auch Förder-Pädagog:innen, Nachmittagsbetreuungen und Eltern erhalten zusätzlich didaktische Anleitungen und bei Bedarf auch Schulungen.

Termine

Teil 3 und 4 der VBE-Online-Veranstaltungsreihe „Handschrift und Rechtschreibung auf dem Rückzug? Worauf es jetzt ankommt.“ finden im neuen Schuljahr statt:

  1. Schreibanfänger in der Sekundarstufe? – 19.09.2024
  2. Praxisbeispiele aus der Rechtschreibförderung – 12.11.2024

Die Veranstaltungen sind öffentlich zugänglich und gratis.

Hier geht es zur Anmeldung.

Weitere Veranstaltungen:

Sichere Basis – Vorläuferfähigkeiten: 11.09.2024

Sichere Basis – Einstieg in die Schrift: 18.09.2024

Sichere Basis – Schriftsprache und sozioemotionale Kompetenzen: 25.09.2024

Die Veranstaltungen sind öffentlich zugänglich und für VBE-Mitglieder kostenfrei. Für Nicht-Mitglieder fällt eine Gebühr von 15 Euro an.

Hier geht es zur Anmeldung.

Was Lehrkräfte generell für eine effektive und zeitsparende Rechtschreibförderung beachten sollten, beantwortete Maria-Valentina Westermann, Leiterin des Lernserver-Projekts, während der Veranstaltung (siehe auch Info-Kasten unten). Eine erfolgreiche Rechtschreibförderung setze zunächst beim Aufbau orthografischen Regelwissens an, so Westermann. Das reine Einprägen von Wortbildern sei nicht der richtige Weg und laufe oftmals ins Leere. Kinder und Jugendliche sollten die Möglichkeit bekommen, Regelmäßigkeiten zu erforschen, zu verstehen und dann Richtiges zu automatisieren. Zentral sei, bei den möglicherweise fehlenden Grundlagen anzusetzen, auch in höheren Klassen: „Das Kind dort abholen, wo es steht, diese pädagogische Regel gilt auch für die Rechtschreibförderung“, erklärte Westermann. Dazu brauche es eine differenzierte Analyse der Rechtschreibkenntnisse des jeweiligen Kindes.

Einfaches, kostenloses Screening

Das Screening der Rechtschreibkompetenz von Schüler:innen inklusive Normierung ist für Schulen kostenlos. Damit haben Lehrkräfte die Möglichkeit, den Förderbedarf ihrer Schülerinnen und Schüler anhand eines Ampelsystems einzuschätzen und bekommen auch Hinweise auf eine möglicherweise vorliegende LRS. Die Testunterlagen sind über das Lernserver-Portal online abrufbar. Für die Testung sollten bis zu 30 Minuten eingeplant werden, anschließend werden die Schreibungen in das Lernserver-Portal übertragen und mit einem Klick digital ausgewertet.

Die individuelle Diagnose der Rechtschreibkompetenzen sowie das nach der Fehleranalyse passgenau zusammengestellte Fördermaterial kann einzeln oder auch als Klassenlizenz für bis zu 30 Kinder erworben werden. Gruppen- und Einzelförderung lassen sich flexibel kombinieren. In Bundesländern, die eine Landeslizenz erworben haben, können Schulen sämtliche Digitalangebote des Lernservers kostenlos nutzen.

Die Lern-Materialien sind nach Klassenstufen und individuell differenziert und für Schüler:innen ab Klasse 2 bis Klasse 13, aber auch für Lernende im Erwachsenenalter geeignet. Auch für inklusiv beschulte Kinder sei der Lernserver explizit geeignet, so Maria-Valentina Westermann.

„Mit unserem Fördermaterial möchten wir Kinder dabei unterstützen, agil mit Sprache umzugehen“, hob Schönweiss hervor. Ob Einzeltraining, Gruppenarbeit oder Lernen nach dem „10-Minuten-Modell“ – die Materialien lassen sich vielfältig einsetzen und für Unterricht, Förderung und andere Kontexte nutzen. Ehrenamtliche, Nachhilfe-Einrichtungen, Therapeuten und Mentoren können sie ebenfalls nutzen. Für Eltern gibt es eine spezielle Eltern-App.

Detaillierte Informationen rund um den Einsatz und die Kosten sowie Videoanleitungen finden Sie unter www.lernserver.de

Tipps zur Rechtschreibförderung in der Schule

Was können Lehrkräfte in ihrem Schul- und Unterrichtsalltag grundsätzlich für die Verbesserung der Lese- und Rechtschreibfähigkeiten ihrer Schüler:innen tun? Einige Anregungen:

  • Schaffen Sie bei den Schüler:innen ein Bewusstsein für die Bedeutung einer korrekten Rechtschreibung. Das korrekte Schreiben von Buchstaben und Wörtern ist eine Grundvoraussetzung dafür, dass Texte klar und eindeutig lesbar sind und die Botschaften verstanden werden. Automatische Rechtschreibprüfungen und -korrekturen können eigene Kenntnisse nicht ersetzen und führen mit ihren Vorschlägen nicht selten in die Irre.
  • Weisen Sie darauf hin, dass sich Probleme mit der Rechtschreibung beheben lassen, auch in der weiterführenden Schule. Es ist nie zu spät!
  • Jedes Unterrichtsfach bietet die Gelegenheit, die Rechtschreibung präsent zu halten und einzelne Fehlerschwerpunkte zumindest kurz zu thematisieren.
  • Bauen Sie immer wieder kleine Zeitfenster als „Achtung-Rechtschreibung!“-Phasen ein, in denen die Kinder beim Bearbeiten einer beliebigen Aufgabe besonders gründlich auf ihre Rechtschreibung achten und das Geschriebene anschließend selbst gründlich korrigieren. Die Phase wird dann aktiv beendet.
  • Gehen Sie bei Korrekturhinweisen kleinschrittig vor und konzentrieren Sie sich zunächst auf einzelne Phänomene, zum Beispiel auf die Groß- und Kleinschreibung oder die Dopplung. Beginnen Sie auch beim Üben mit wenigen Wörtern. So erweitert sich der Schreibwortschatz Stück für Stück.
  • Beziehen Sie die Eltern der Kinder in die Bildungsarbeit ein. Der Lernserver bietet für Schulen hierzu beispielsweise spezielle Elternbriefe zum Download an.

Dies ist eine Pressemeldung des Lernserver-Instituts, Verlag für Bildungsmedien GmbH.

 

 

 

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