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Bildschirmzeiten rauf, PISA-Ergebnisse runter: IW-Studie zeigt auf, wie stark Social Media das Lernen behindern (und was dagegen zu tun ist)

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KÖLN. Die Nutzung sozialer Medien gehört für viele Kinder und Jugendliche inzwischen selbstverständlich zum Alltag. Gleichzeitig häufen sich Hinweise darauf, dass dies drastische Folgen hat – für die psychische Gesundheit ebenso wie für schulische Leistungen. Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft verknüpft nun Nutzungsdaten mit internationalen Leistungsvergleichen und macht damit die Dimension des Problems anschaulich. Besonders im Fokus stehen Schülerinnen und Schüler mit ohnehin erschwerten Startbedingungen. Die zentrale Frage lautet damit nicht mehr, ob Social Media sich negativ auf Schülerinnen und Schüler auswirken – sondern wie sich die Effekte begrenzen lassen.

Brain Drain (Symbolbild.) Illustration: News4teachers

Die psychische Situation vieler Kinder und Jugendlichen in Deutschland hat sich seit der Corona-Pandemie nicht wieder auf das vorherige Niveau stabilisiert. Darauf verweist eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft. Demnach berichten zahlreiche Minderjährige weiterhin von Angstsymptomen, Einsamkeit und Sorgen über globale Entwicklungen. „Die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen hat sich während der Corona-Pandemie deutlich verschlechtert“, erklärt Studienleiter Prof. Axel Plünnecke. „Auch heute ist die Mehrheit der Indikatoren psychischer Gesundheit, wie Angstsymptome oder Einsamkeit, noch nicht auf das Niveau der Vor-Corona-Jahre zurückgekehrt.“

Parallel dazu dokumentiert die Untersuchung eine Entwicklung, die sich seit Jahren in internationalen Vergleichsstudien zeigt. Die Kompetenzen deutscher Schülerinnen und Schüler in den Bereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften sind seit über einem Jahrzehnt rückläufig. Diese Entwicklung betrifft alle Bundesländer, auch wenn sich die absoluten Leistungsniveaus unterscheiden.

Vor diesem Hintergrund richtet die Studie den Blick auf Veränderungen im Freizeitverhalten. Digitale Medien haben erheblich an Bedeutung gewonnen. Jungen verbrachten im Jahr 2022 durchschnittlich eine Stunde und 46 Minuten täglich mit Computerspielen, nahezu doppelt so viel Zeit wie noch 2013. Bei Mädchen hat sich die Nutzung sozialer Netzwerke und digitaler Kommunikationsformen im selben Zeitraum nahezu verdreifacht.

Die Autoren verknüpfen diese Entwicklung mit Daten aus der PISA-Studie und kommen zu einem klaren Befund. Schülerinnen und Schüler, die mehr Zeit in sozialen Medien verbringen, erreichen im Durchschnitt geringere Kompetenzwerte. Auf Basis eigener Berechnungen zeigt das IW, dass eine Erhöhung der Social-Media-Nutzung um eine Indexeinheit mit einem Rückgang von 21,6 Punkten im Lesen und 19,5 Punkten in Mathematik einhergeht.

Hintergrund: „Indexeinheit“ bezieht sich hier auf einen statistischen Nutzungsindex, den die PISA-Studie verwendet. Dabei wird die Social-Media-Nutzung nicht einfach in Minuten gemessen, sondern in einem standardisierten Wert zusammengefasst. Dieser Index bildet verschiedene Nutzungsangaben ab (zum Beispiel Häufigkeit, Dauer, Aktivitäten) und wird so skaliert, dass der Durchschnitt aller Schülerinnen und Schüler bei null liegt. Eine „Einheit“ entspricht dann einer bestimmten Abweichung von diesem Durchschnitt (technisch meist eine Standardabweichung).

„Das Risiko von Bildungsarmut und die Ungleichheit der Bildungschancen nehmen durch die digitale Mediennutzung in der Freizeit zu“

Die Studie arbeitet heraus, dass diese Entwicklungen nicht unabhängig voneinander verlaufen. „Zunächst zeigt sich deutlich, dass Kinder, die viel Zeit auf Social Media verbringen, deutlich schlechtere Kompetenzwerte aufweisen“, schreibt Plünnecke. Besonders relevant ist dabei der soziale Zusammenhang: „Kinder, die unabhängig von Social Media, besonders von Bildungsarmut betroffen sind (Kinder aus bildungsfernen Haushalten, wenig Bücher zu Hause, kein Deutsch im Elternhaus) verbringen besonders viel Freizeit mit digitalen Medien.“ Daraus folgt laut Studie: „Im Ergebnis bedeutet dies: Das Risiko von Bildungsarmut und die Ungleichheit der Bildungschancen nehmen durch die digitale Mediennutzung in der Freizeit zu.“

Die ergänzenden Auswertungen der Studie zu den Bildungswirkungen vertiefen diesen Zusammenhang. Sie zeigen zunächst anhand der PISA-Daten, dass mit steigender Nutzungsdauer digitaler Medien die durchschnittlich erzielten Kompetenzpunkte systematisch sinken. Schülerinnen und Schüler, die mehr als fünf oder sogar sieben Stunden täglich in sozialen Netzwerken oder mit digitalen Spielen verbringen, erreichen deutlich geringere Werte als Vergleichsgruppen mit geringerer Nutzungsdauer.
Zugleich wird deutlich, dass sich hinter diesen Unterschieden auch soziale Faktoren verbergen. Jugendliche mit hoher Nutzungsdauer leben häufiger in Haushalten mit geringerer Bildungsnähe, weniger Büchern oder ohne deutsche Alltagssprache. Dennoch zeigt eine weiterführende Regressionsanalyse, dass der negative Zusammenhang zwischen Social-Media-Nutzung und Leistung auch dann bestehen bleibt, wenn diese Faktoren statistisch kontrolliert werden.

Die Autoren beschreiben mehrere Mechanismen, über die digitale Medien den Bildungserfolg beeinflussen können. Ein zentraler Punkt ist die Verdrängung von Lernzeit: Je mehr Zeit für soziale Medien verwendet wird, desto weniger bleibt für schulische Aufgaben, Lesen oder andere förderliche Aktivitäten. „Entsprechend weniger Zeit steht dann für andere Aktivitäten wie Schulaufgaben, Lesen oder Sport zur Verfügung. So kann eine umfangreiche tägliche Nutzung von digitalen Medien die Lernzeit so sehr reduzieren, dass die Kompetenzen und Lernergebnisse entsprechend schlechter ausfallen“, so heißt es.

Hinzu kommen Effekte auf die Aufmerksamkeit. Studien, auf die sich das Gutachten stützt, zeigen, dass hohe Bildschirmzeiten mit geringerer Konzentrationsfähigkeit und Problemen beim selbstgesteuerten Lernen verbunden sein können. „Durch das Modell lässt sich erklären, dass eine höhere Bildschirmzeit die verfügbaren Kapazitäten verringert, was sich negativ auf die Erledigung von akademischen Aufgaben, das akademische Zeitmanagement und die Produktivität auswirken kann“, schreiben die Autoren.

Darüber hinaus verweisen sie auf Ablenkungseffekte auch im Unterricht. Ein erheblicher Anteil der Schülerinnen und Schüler gibt an, sich durch digitale Geräte regelmäßig gestört zu fühlen. „Ergänzend dazu zeigen weitere auf den PISA-Daten basierende Analysen, dass sich im OECD-Durchschnitt rund 30 Prozent der Schülerinnen und Schüler durch digitale Geräte im Mathematikunterricht ‚in jeder Stunde‘ oder ‚in den meisten Stunden‘ abgelenkt fühlen.“

Ein weiterer Aspekt betrifft den Umgang mit Informationen. Die Studie hebt hervor, dass ein Teil der Jugendlichen Schwierigkeiten hat, die Qualität von Online-Inhalten einzuschätzen. „Viele Jugendliche vertrauen den Informationen, die sie online lesen und gleichen sie nicht mit anderen Quellen ab oder prüfen sie anderweitig kritisch.“ Vor dem Hintergrund sinkender informationsbezogener Kompetenzen verschärft dies die Anforderungen an Schule, insbesondere in der politischen Bildung und der Vermittlung von Urteilskompetenz. „Dadurch steigt die Herausforderung für die Schulen, ihrer Verantwortung in der Demokratiebildung, der politischen Bildung und in der Medienerziehung noch stärker gerecht zu werden und die Informations- und Urteilskompetenz von Schülerinnen und Schülern noch gezielter zu fördern.“

Neben den Bildungswirkungen analysiert die Studie die bestehenden Regelungen in Schulen und leitet daraus konkrete Handlungsoptionen ab. Zunächst zeigt die Bestandsaufnahme, dass der Umgang mit Smartphones und digitalen Medien in Deutschland uneinheitlich geregelt ist. In einigen Bundesländern bestehen landesweite Verbote der privaten Handynutzung, in anderen liegt die Ausgestaltung bei den einzelnen Schulen.

Die Spannbreite reicht von generellen Verboten über Einschränkungen im Unterricht bis hin zu offenen Regelungen mit pädagogischem Fokus. Einheitliche Standards existieren nicht. Gleichzeitig verweist die Studie darauf, dass bestehende Regelungen nicht immer konsequent umgesetzt werden und ihre Wirkung entsprechend begrenzt bleibt.

„Es braucht unbedingt Maßnahmen, um Kinder und Jugendliche psychisch zu entlasten und einen gesunden Umgang auch in Hinblick auf schulische Leistungen zu fördern“

Aus dieser Ausgangslage entwickeln die Autoren eine doppelte Stoßrichtung. Zum einen sehen sie in klareren und verbindlicheren Regeln für die Nutzung digitaler Geräte einen Ansatzpunkt, um Lernzeiten zu schützen und Ablenkung zu reduzieren. Dabei verweisen sie auch auf internationale Befunde, nach denen restriktivere Regelungen mit besseren Lernbedingungen einhergehen können, auch wenn die Studienlage insgesamt uneinheitlich bleibt.

Zum anderen betonen sie, dass Regulierung allein nicht ausreicht. Entscheidend sei die systematische Vermittlung von Medienkompetenz im Unterricht. Schülerinnen und Schüler müssten lernen, ihre Nutzung zu reflektieren, Informationen kritisch zu prüfen und digitale Angebote zielgerichtet für Lernprozesse einzusetzen. Dazu gehöre auch die entsprechende Qualifizierung von Lehrkräften – sowie eine stärkere Einbindung der Eltern.

Eine zentrale Rolle schreiben die Autoren auch dem Elternhaus zu. Die Studie zeigt, dass Unterschiede im Umgang mit digitalen Medien bereits im familiären Kontext entstehen und sich im Bildungssystem fortsetzen. Eltern verfügen demnach in unterschiedlichem Maß über Wissen, Zeit und Möglichkeiten, die Mediennutzung ihrer Kinder zu begleiten und zu begrenzen. Gerade in Haushalten mit geringerer Bildungsnähe fehlen häufiger klare Regeln oder unterstützende Strukturen. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit intensiver, wenig gesteuerter Nutzung. Die Autoren leiten daraus ab, dass Maßnahmen zur Stärkung der Medienkompetenz nicht auf Schule beschränkt bleiben dürfen, sondern gezielt auch Eltern erreichen müssen – etwa durch bessere Aufklärung über Risiken, konkrete Steuerungsmöglichkeiten und niedrigschwellige Unterstützungsangebote.

Plünnecke formuliert dies so: „Die Signale sind klar. Es braucht unbedingt Maßnahmen, um Kinder und Jugendliche psychisch zu entlasten und einen gesunden Umgang auch in Hinblick auf schulische Leistungen zu fördern.“ Als zentrale Ansätze nennt er sowohl regulatorische Maßnahmen – konkret: einen besseren Jugendschutz – als auch die Stärkung von Kompetenzen: „Wenn Kinder und Jugendliche den gesunden Umgang mit digitalen Medien lernen sollen, sollten ihnen die notwendigen Medienkompetenzen in den Schulen vermittelt werden.“

Oder – als Fazit der Studie: „Insgesamt ist davon auszugehen, dass nur das Zusammenspiel regulatorischer Maßnahmen und umfassender Kompetenzförderung dazu beitragen kann, dass Kinder und Jugendliche durch eine intensive Nutzung sozialer Medien weder ihre psychische Gesundheit noch ihren Bildungserfolg gefährden.“ News4teachers 

Hier lässt sich die vollständige Studie herunterladen. 

Social-Media-Verbot für Schüler in Deutschland rückt näher – Erfahrungen eines Lehrers aus Australien: Teenager lachen darüber 

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ed840
1 Monat zuvor

Ich finde auch nicht ganz uninteressant wie sich die getesteten SuS bei PISA zum Thema digitale Medien geäußert haben.

Bei PISA-2022 gaben in DE z.B. 28% an während des Unterrichts von digitalen Medien abgelenkt zu werden.

In anderen EU-Ländern, z.B. in welchen die von manchen Leuten bisweilen als Vorbilder für DE genannt werden, waren es zwischen Mitte 30% bis Mitte 40%.

ed840
1 Monat zuvor

Schülerinnen und Schüler, die mehr Zeit in sozialen Medien verbringen, erreichen im Durchschnitt geringere Kompetenzwerte. 

Bei Mädchen hat sich die Nutzung sozialer Netzwerke und digitaler Kommunikationsformen im selben Zeitraum nahezu verdreifacht.”

Dann müsste man eigentlich davon ausgehen, dass sich die PISA-Werte der Mädchen in DE im Vergleich zu 2012 deutlich stärker verschlechtert hätten als die der Jungs.

ed840
1 Monat zuvor
Antwortet  Redaktion

Dann ist die Aussage “die mehr Zeit in sozialen Medien verbringen,” also nicht korrekt formuliert?

Monika, BY
29 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Eben. Mein älteres Kind arbeitet an Open-Source-Projekten. Sie nutzt Programmiersprachen, arbeitet damit, programmiert und hat sich dabei unglaublich viel selbst beigebracht – all das hat sie in der Schule weder gelernt noch vermittelt bekommen. Soziale Medien bedeuten eben nicht nur, Fotos zu verschicken. Natürlich wird sie von zu Hause aus begleitet, und dort wurden ihr auch die Möglichkeiten und Perspektiven des Internets eröffnet. In der Schule dagegen leider nichts davon.

DerechteNorden
1 Monat zuvor

So ganz allgemein frage ich mich, wie Schulen sämtliche gesellschaftlichen Probleme eindämmen bzw. sogar beheben und gleichzeitig Wissen vermitteln sollen.

Pit2020
1 Monat zuvor
Antwortet  DerechteNorden

@DerechteNorden

Das fragt sich das Fußvolk an der Basis (= Manege?) vom Bildungszirkus doch schon länger – nur durfte lange Zeit nicht laut gefragt werden und gerne gesehen und gehört ist das ja immer noch nicht.

Vermutlich ist die Hoffnung, dass das Denken (weiter?) reduziert wird um das “Machen” (= sich “auf einen guten Weg begeben” – was ja eine beliebte leere Worthülse ist) stärker in den Fokus nehmen zu können, natürlich mit Kompetenz-Kompetenz.
Scherz! Na klar!

Anders ausgedrückt:
“Ach, wie gut, dass niemand weiß ….” 🙁

dickebank
29 Tage zuvor
Antwortet  Pit2020

Da es ja um “der Königin ihr Kind” geht, haben es die KultusministER natürlich besser als ihre Kolleginnen.

Realist
29 Tage zuvor
Antwortet  DerechteNorden

So ganz allgemein frage ich mich…”

Guten Morgen! Auch schon aufgewacht? Ich dachte, Sie lesen hier schon länger mit…

DerechteNorden
28 Tage zuvor
Antwortet  Realist

“So ganz allmählich” möchte ich als Ironie verstanden wissen.

Steißtrommler
29 Tage zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Spätestens nach ein paar Jah Monaten fragt man sich das nicht mehr.

Katze
1 Monat zuvor

„Bildschirmzeiten rauf, PISA-Ergebnisse runter“ – ja, wer hätte DAS kommen sehen.

Seit Jahren dokumentieren wir in kostenlosen “Studien” in unseren Klassen- und Fachräumen denselben Befund: Lernverlust, Konzentrationsverlust und eine Unterrichtskultur, die wir nie bestellt haben, die aber das Freizeit‑Gaming‑Daddel‑Verhalten direkt in die Schule getragen und dort zur Norm erhoben hat. Nur eben mit WLAN, App‑Icons und dem pädagogischen Etikett „digital“.
Und dann wundert man sich ernsthaft, dass Jugendliche nicht mehr beurteilen können, ob eine Quelle verlässlich ist. Laut Studie übernehmen viele einfach das Erstbeste aus dem Netz, ohne irgendeine Form von Prüfung oder Vergleich. Das ist das direkte Resultat einer Lernkultur, die Reiz und Tempo über Tiefe und Verstehen gestellt hat.
Wir hätten uns nicht nur eine Dekade Lernverlust sparen können, wenn man früher auf diejenigen gehört hätte, die täglich mit Kindern arbeiten und nicht auf die, die glauben, Bildung sei ein Software‑Update, sondern gleich eine Dekade Konzentrationsverlust in Klassen‑ und Fachräumen, weil man schulisches Lernen durch dieselben Muster der Freizeit‑Daddelkultur überlagert und den Unterricht darauf ausgerichtet hat.
Genau so ist es passiert. So wurde und wird bestellt.
Also tobt im neuen Normal die Schlacht der Junglehrer um den iPad‑Koffer, als hinge die Zukunft der Bildung davon ab, wer sich zuerst die tollen Bildschirm-Geräte für seine Klasse oder seinen Kurs sichert.
Dabei stehen im selben Raum eigentlich drei seriöse Quellen bereit:
Lehrbuch. Lehrkraft. Fachlich fähiger Mitschüler.
Aber klar – das blinkt nicht, das ploppt nicht, das verteilt oft auch keine Lobpunkte und Gefälligkeitshäkchen für “Richtig”.
Mit und von diesen seriösen Quellen und Autoritäten (Pfui!) zu lernen, spült nicht weich. Es führt zu eigenen Misserfolgen, deckt diese gnadenlos auf und ermöglicht überhaupt erst Selbstreflexion.
Genau das, was Lernen eigentlich ausmacht – und genau das, was die digitale Schule systematisch weichgekocht hat.
Und während man das Lehrbuch jahrelang als „altmodisch“ abgewertet hat, wundert man sich jetzt, dass Schülerinnen und Schüler ihr eigenes, teuer angeschafftes Lehrwerk nicht mehr verstehen. Seriöse, zusammenhängende, wissenschaftspropädeutische Texte? Für viele inzwischen völlig unverständlich und “überfordernd”, weil man ihnen nie zugemutet hat, sich länger als drei Sekunden auf etwas zu konzentrieren, das nicht animiert ist.
Ich nutze das Smartboard gern – aber als Werkzeug eines agilen Frontalunterrichts, mit von mir didaktisch konzipierten Tafelbildern, klarer Struktur und einem wissenschaftspropädeutischen roten Faden, der meine Fächer trägt.
Nicht als Dauer‑Bespaßungsmaschine, die jede kognitive Anstrengung sofort weglächelt.
Die digitale Schule wurde zur pädagogischen Wunderwaffe hochgejazzt.
Geliefert hat sie vor allem eins:
Ablenkung auf Knopfdruck.

Katze
1 Monat zuvor
Antwortet  Redaktion

Herzlichen Dank an die Redaktion für die Klarstellung.
Dann ergänze ich gern:
Mir geht es selbstverständlich nicht um den pädagogischen Einsatz digitaler Lernmedien.
Nein, nein – ich beschäftige mich ausschließlich mit der Frage, wie sinnvoll es ist, schulische „Lernarbeit“ immer mehr auch auf Bildschirmarbeit auszurichten. Ein völlig anderes Thema, selbstverständlich.
Und ja, ich gestehe:
Die von mir erwähnte „Unterrichtskultur, die wir nie bestellt haben, die aber das Freizeit‑Gaming‑Daddel‑Verhalten direkt in die Schule getragen und dort zur Norm erhoben hat“ – das war natürlich nur ein Missverständnis.
Das hat selbstverständlich gar nichts mit bestimmten „digitalen Lernmedien“ zu tun, die zufällig exakt dieselben Muster bedienen. Reiner Zufall.
Das „wir“ schränke ich übrigens gern ein:
Wir, das ist die kleine, verschämte Fraktion der Oldschool‑Konservativlinge, die noch an ein Bildungssystem glauben, das von Leistung, Konzentration, fachlicher Tiefe und echter geistiger Arbeit getragen wird.

Aber gut, wenn es nur um das unkontrollierte Freizeit‑Nutzungsverhalten geht, dann bin ich beruhigt. Dann ist ja alles in bester Ordnung.

Thomass
28 Tage zuvor
Antwortet  Katze

Liebe Katze, wie immer in Beitrag, der mir aus der Seele spricht. Und nein, sich als Oldschool-Konservativling zu schämen, ist der falsche Weg. Wir sind das gallische Dorf, dass nicht aufhört, dem Eindringling Widerstand zu leisten und damit Leuchtturm, nicht Klippe des „Systems“.

447
28 Tage zuvor
Antwortet  Katze

Diese Drohne, die hat fesgestellt
dass auch ihr Bauch Chips enthält!

Von diesem Segen – Mechanicus sei dank!-
ist der Weg nicht weit
zur schul’schen Medienbank.

Omnissa, der Du sitzt im Mars,
schicke uns gottgleiche Strahlen,
die manchem Kind das Hirn schon stahlen!

“Smartphone raus zum Gebet”,
der Kult der Maschine lebt!

Ob ADHS oder bildungsungleiche Norm,
ob Fernunterricht oder digitale Form,
Pubertätshintergrund oder einfach nur frech,
bildungsentwöhnt oder forsch-adrett,
als neugeborener Didaktikfetischist
digitalisier ich alles was ist!

Denn siehe, in der Kirche des Stromes da herrscht Ruh’,
friedlich schwebt die Bildungsdrohne dazu,
kein Geschrei und Beschwerden,
für jeden ‘ne vier,
das verkauft sich wie kaltes Bier.

Und jetzt,
gerad’ in diesem Moment,
roll ich den Balkobstuhl aus und penn’,
Sie habe bestellt und wollten es haben,
den Bildungstod und Spaß auf Raten,
gerne bin ich zu Diensten,
ihr Büttel und Blagen!

dickebank
28 Tage zuvor
Antwortet  447

Aufklärungsdrohne, Abwehrdrohne oder doch Kamikazedrohne.
Oder doch nur so ein “Bienerich”, der, nach dem er die Königin begattet hat, pflichtschuldigst ablebt.

Btw Drohnen haben mit der Aufzucht des Nachwuchsrs, also der Blagen nicht das Geringste am Hut.

Du bist folglich ne klassische Fehlbesetzung.

447
27 Tage zuvor
Antwortet  dickebank

Das ist nur leider ganz egal –
der Dienstherr zahlt es Jahr für Jahr,
gelobet wurd ich manches mal,
wie gut ich mich “entwickelt” hab,
da beisst die Maus kein’ Faden ab.

Was ich tue das ist gut
und auch sehr gerecht,
mithin “schülerorientiert”
und auch kompetenzversiert.

~~Geliiiiieeeefert, oh ja, geliiiiieeeefert, oh ja, wie besteeeeeelllllt! ~~

dickebank
27 Tage zuvor
Antwortet  447

Jau, jeder wird bis zum Grad der höchst möglichen Unfähigkeit befördert/hochgelobt

447
26 Tage zuvor
Antwortet  dickebank

Wie wissenschaftsfeindlich,
fast querdenkerisch,
das Ergbnis liegt
bildungswissenschaftsfaktengecheckt
hier auf dem Tisch:

Ich hab mich gemacht
und bin gut geeignet
das bedeutet doch ganz klar
das dies ja vorher nicht so war.

Vorher gabs nur böses Wissen,
Anspruch und gemeine Qual,
da muss man doch was gegen tun,
gut dass es vorher nur so war.

Die “Kriterien” der Beurteilungsmaschine,
die sind doch modern und kompetenziert
wissenschaftlich ausgebrütet
IQB- und ministerialgecheckt
was wiederum bedeuten tut
dass wer dies’ Gutachten kritisiert

..
.
nun wirklich ein ganz doll Böser ist!

Follow the science!

Mika BB
1 Monat zuvor
Antwortet  Redaktion

Nur dass dieses Verhalten nicht auf die Freizeit beschränkt ist, sondern ebenso während Schule und Unterricht stattfindet. Solange ein für Social Media nutzbares Gerät da ist, wird es dafür genutzt.
Wie kann man auch ernsthaft glauben, dass sich noch entwickelnde Gehirne in der Lage sind, suchterzeugenden Mechanismen zu widerstehen, denen selbst Unmengen Erwachsener verfallen?

Tino
29 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Meine Computerspielzeit lag so um 1990 herum locker bei 2 Stunden täglich und eskalierte weiter, mein Nutzungsverhalten würde ich als süchtig bezeichen. Erst 30 (!) Jahre später wurden mir die Zusammenhänge klar; so gekonnt hat die Familie auf heile Welt gemacht, war aber tatsächlich richtig psycho.

Der ganze digitale Lernhype hat wenig mit guter Pädagogik, aber viel mit Profistreben zu tun. Der Staat ist immer ein gern gesehener Kunde, Geld vom Steuerzahler sitzt stets lockerer in der Tasche als das eigene. Am besten beim eigenen schulischen und privaten Nutzungsverhalten von Digitalgedöns mal anfangen, Kinder lernen im wesentlichen durch Nachahmung.

Maybe
1 Monat zuvor

Also sowas, also ne:
Es soll schaden
– wenn KJ mediengestützt
täglich an sämtliche Überlastungs- und Konzentrationsgrenzen gehen
– wenn KJ deshalb psychische Erkrankungen entwickeln und körperlich krank/ immobil werden
– wenn KJ im net bestens lernen, zB mit Osaft getränkte Wattebäuschchen zu futtern, um so Gewicht zu verlieren, bzw. lernen, Kotzattacken zu vertuschen
– wenn KJ sich im net prostituieren, weil es der Papaersatz so gerne möchte
– wenn KJ im net dermaßen bedrängt und gemobbt werden, dass Suizid zur einzigen Lösung wird
– Wenn……..noch viele wenns ( jeder ergänze seine ), noch eine wichtige
– Wenn Eltern und peers den Medienmissbrauch zulassen, zB um sich selbst zu entlasten oder selbst schon mediensüchtig sind – das soll schaden ?
IRONIE inside

Hat uns unser Umgang mit den Medien schon so sehr geschadet, dass wir allen Ernstes eine Studie statt gesunden Menschenverstand brauchen, um wenigstens einige Annahmen bestätigt zu bekommen…

Maybe
1 Monat zuvor
Antwortet  Maybe

Ohje, war wütend: * KJ = Kinder und Jugendliche

mama51
29 Tage zuvor

Es überrascht mich seit Wochen/ Monaten immer wieder, dass es immer noch sooo unendlich viele Berichte, Kommentare, Studien braucht, um darzulegen und ( wen auch immer?) zu überzeugen, dass übermäßiger und unkontrollierter SozialMediakonsum von Kindern und Jugendlichen im privaten Bereich in vielfacher Hinsicht einfach nur schädlich und Müll ist.
Den “Operateuren” (= LK) an der Basis (= Schule) glaubt/e man einfach nicht, obwohl die seit Jaaaahren darauf hinweisen Und nun sind alle “Verantwortlichen” (ja, wer ist das eigentlich?) total von der Rolle, dass da mit den Gehirnen und den Seelen der Kinder geistig und mental “was richtig Blödes” passiert.
Aber alles brav unter dem Deckmäntelchen medialer und digitaler “Erziehung”! Sooo wichtig!
Wer hätte das ahnen können?
Wer hätte es gar wissen (!) können?
Wer hätte vll sogar gegensteuern können?
Jetzt waschen alle (= Politik + Eltern) ihre Hände in Unschuld, es wird gejammert und geklagt und “man” versucht zu retten, was mMn nicht mehr zu retten ist.

Monika, BY
28 Tage zuvor
Antwortet  mama51

Solche Aussagen kann ich einfach nicht nachvollziehen. Wir befinden uns in einem neuen Zeitalter, das sich mit unglaublicher Geschwindigkeit entwickelt. Ganze Strukturen verändern sich, ebenso die Art zu arbeiten, zu denken und zu handeln. Das Schulsystem hingegen ist auf dem Stand von vor 50 bis 100 Jahren stehen geblieben, ebenso viele seiner Beschäftigten.

Schule heute formt und erzieht für ein System und eine Gesellschaft, die so längst nicht mehr existieren.

Und dann wundern sich alle, von den Lehrern bis zu den Eltern, warum sich Kinder und Jugendliche dagegen sträuben.

Vielleicht, weil sie das neue Zeitalter intuitiv besser verstehen als wir.

Die Schulsysteme müssten grundlegend umstrukturiert werden. Aber wie so oft geht es bei Massenbetrieb bzw. staatlichen Systemen vor allem um billige und schnelle Lösungen und wir alle wissen, dass das nicht funktioniert.

So haben wir jetzt in den Schulen eine wilde Mischung aus Mittelalter und neuer Zeit quasi. Schon geschehen, schon gesehen:

Reformstau
Strukturträgheit
Obrigkeitsdenken
Konformitätszwang
Fabrikmodell der Schule
analoges Denken in digitaler Zeit

Ulla
28 Tage zuvor
Antwortet  Monika, BY

In den Schulen hat sich schon sehr viel verändert. In einigen mehr, in anderen weniger. Trotzdem: Ich bin vielleicht altmodisch, aber sollten Kinder nicht eine Eiche von einer Buche unterscheiden können und eine Schlange von einem Regenwurm? Und zwar in der Natur und nicht am Bildschirm?

Monika, BY
26 Tage zuvor
Antwortet  Ulla

Eine so große Menge von dem, was in den Schulen gelernt wird, wird nach dem Prinzip des Bulimie-Lernens gelernt. Man lernt gerade so viel, dass man den Test besteht. Diejenigen, die Einser bekommen, wissen meistens trotzdem nichts, das wurde im Klassenverband sogar getestet. Gerade die, die von Test zu Test vor allem für die Note 1 lernen und völlig darauf fixiert sind, nur Einser zu bekommen, haben in Wirklichkeit oft keine wirkliche Ahnung. Von den meisten Dingen jedenfalls nicht.

Diejenigen dagegen, die zuhause ihre eigenen Projekte verfolgen unabhängig von und neben der Schule, haben sich als deutlich kreativer und kompetenter erwiesen. Sie verknüpfen Fakten auf eine ganz andere Weise, die langfristig erhalten bleibt, ganz unabhängig von den momentanen Schulnoten, die ohnehin nur eine Momentaufnahme sind.

Nein, Kinder müssen heute nicht mehr alles bis ins Letzte auswendig unterscheiden können , das ist Unsinn. Sobald der Test geschrieben ist, erinnert sich ohnehin kaum noch jemand an etwas. Es sind schließlich 16 Fächer pro Woche. Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass das Gehirn all das langfristig speichern kann. Welche Information wir heute auch immer brauchen, um einen Aufsatz, eine Rezension oder irgendeine andere Arbeit zu schreiben ein Mausklick genügt, und die Information ist da.

Die ganz andere Frage ist, wie kreativ ein junger Mensch ist und wie gut er auf mehreren Ebenen gleichzeitig denken und Zusammenhänge erfassen kann.

Das ist ein völlig anderes Thema und hat mit Schule im Grunde überhaupt nichts zu tun, denn Schule verlangt vor allem Linearität und kurzfristiges Auswendiglernen. Leider.

Monika, BY
26 Tage zuvor
Antwortet  Ulla

Und Latein…so nebenbei…diese ewige Debatte über Latein … Unsere Schule bietet Latein, Spanisch, Französisch und Wirtschaft an.

Also haben die Kinder, die Latein und Wirtschaft gewählt haben, in einer Stunde sowohl die Französisch- als auch die Spanischklasse regelrecht übertroffen. Die Lateiner konnten alles übersetzen, sogar aus dem Französischen und aus dem Spanischen, während die Französisch- und Spanischklasse nur dastand und niemand von ihnen überhaupt wusste, wie man an die Anforderungen herangehen sollte. Also … hm … interessant.

Der erste Blick täuscht, der zweite zweifelt, und erst der dritte beginnt zu verstehen.

Monika, BY
26 Tage zuvor
Antwortet  Ulla

Muss ich überhaupt all die zahlreichen Studierenden erwähnen, die wegen Sprachen Jahre verlieren und an den Universitäten sogar Professoren verklagen, weil sie in der Schule immer eine 1 in der Sprache hatten?

Daran sieht man doch, wie fähig jemand wirklich ist und wie viel er tatsächlich kann, meist aus eigener Kraft, hat nur begrenzt mit der Schule zu tun. Das zeigt sich erst im echten Leben, wenn all diese jungen Menschen aus den Schulen herauskommen.

Schulen sind abgeschottete Biotope, die oft nur noch sich selbst dienen, losgelöst vom realen Leben und von den wirklichen Anforderungen der Welt außerhalb der Schule.

Monika, BY
26 Tage zuvor
Antwortet  Ulla

Liebe Ulla,
die Kinder lernen vieles einfach auswendig, nur um den Test zu bestehen, und schon am nächsten Tag erinnern sie sich an fast nichts mehr. Da kann man sich noch so sehr bemühen, ihnen den Unterschied zwischen Buche und Eiche zu erklären, davon bleibt langfristig kaum etwas hängen. Die heutige Welt ist viel zu schnell geworden.

Außerdem heißt es nicht umsonst: Wiederholung ist die Mutter der Weisheit. Ohne ständiges Wiederholen bleibt kaum etwas dauerhaft im Gedächtnis. Stattdessen kommt in der Schule ständig nur neu, neu, neu, jede Woche wieder etwas Neues. So funktioniert das Gehirn einfach nicht.

Es gibt Kinder, die das System durchschaut haben und sie lernen ganz glatt auswendig, schreiben super Noten und gehen weiter. Und die Lehrer sind glücklich, weil sie wenigstens ihre „Top-Bullimie-Schüler“ in der Klasse haben.

Die Enttäuschung kommt dann aber sehr schnell, wenn sich einmal einer dieser etwas spezielleren Lehrer daran erinnert, die Schüler zu allgemeinem Wissen oder zu echten Zusammenhängen zu befragen, dann scheitern gerade diese Top-5-Bulimie-Lerner oft.

Tja, tut mir Leid, aber das ist die Realität.

Monika, BY
26 Tage zuvor
Antwortet  Ulla

Und übrigens, i ch schätze Lehrkräfte sehr, die AKLs statt Exen schreiben.

Diejenigen, die AKLs schreiben, wollen oft wirklich, dass die Kinder etwas lernen egal auf welche Weise, aber Hauptsache, sie lernen etwas. Für eine AKL gibt es nämlich mehr Stoff, und die Kinder fangen dann tatsächlich eher an zu lernen, weil sie wissen, dass sie schreiben werden. So bleibt wenigstens etwas hängen.

Dieses System mit den Exen ist dagegen Unsinn. Jeden Tag in x verschiedenen Fächern jederzeit bereit zu sein, ist irrational. Und diejenigen, die das tatsächlich schaffen, reduzieren das Lernen meist auf reines Auswendiglernen für genau diesen einen Tag und schon morgen erinnern sie sich an nichts mehr. Auch das ist Realität.

447
26 Tage zuvor
Antwortet  Ulla

Auf keinen Fall!

Wie soll man den Leuten sonst eine Schlangensteuer aufquatschen, weil sie Regenwürmer im Garten haben?

Oder Sperrholzplatten als “massive Eiche” andrehen?

Nenene, den eigen Augen zu glauben ist schlecht und anekdotisch!

vhh
29 Tage zuvor

Klare und verbindliche Regeln – die Jugendliche und Kinder bekanntlich nie umgehen würden.
Reflektierte Nutzung und Medienkompetenz – ach ja, mal wieder: ‘Sucht’ ist das Zauberwort, reflektierte Nutzung funktioniert ja bei Alkohol und Tabak auch perfekt
Wer setzt sich seit Jahrzehnten, Stichwort Globalisierung, für möglichst wenig Regulierung globaler Großkonzerne ein, dazu gehören speziell Facebook &Co? ‘Die Wirtschaft’, und die kommt auch im Institut der deutschen Wirtschaft und der Initiative neue soziale Marktwirtschaft vor. Freie Entfaltung der Social Media-Unternehmen, das war sooo wichtig, damit wir ‘nicht den Anschluß verlieren’. Gut, aber jetzt die Schulen zu beauftragen, die negativen Seiten zu reparieren, durch Aufklärung und ‘Kompetenzförderung’, das ist Heuchelei. Es ist auch ungefähr so erfolgversprechend wie die Idee, entsprechende Kampagnen des ADFC könnten dazu führen, dass auf den Autobahnen nur noch 100 gefahren wird.
Bildungsferne Haushalte nehmen übrigens besonders dann zu, wenn beide Geringverdiener-Eltern arbeiten müssen, Miete und Nebenkosten steigen, weniger Zeit für die Kinder bleibt, weil ‘das normale Leben’ alle Energie frisst. Ja, das sind die Eltern, die ‘angesprochen’ werden sollen, von wem eigentlich, ich habe da so einen Verdacht…Aber ich vergaß, das ‘sozial’ im Namen des Autraggebers soll eigentlich nur rechtfertigen, sich immer wieder zum Sozial- und Bildungsbereich zu Wort zu melden. Oft mit dem Hinweis auf gefährdete zukünftige Verdienstmöglichkeiten, manchmal auch zum ‘Arbeitskräftepotential’ oder wie hier, besorgt, dass nicht endlich jemand das Problem löst. Aber bitte ohne über Rahmenbedingungen nachzudenken oder, bewahre, über eine Gesellschaft, in der die Besorgnis dem Menschen und nicht dessen Nutzen gilt. Ja, ich bin ein paar Jahrzehnte zu spät…

Einer
29 Tage zuvor

Zitat: Es braucht unbedingt Maßnahmen, um Kinder und Jugendliche psychisch zu entlasten und einen gesunden Umgang auch in Hinblick auf schulische Leistungen zu fördern.
Spricht also für ein vollständiges Verbot der asozialen Medien. So viele Studien und persönliche Erlebnisse von jedem der mit Kindern/Jugendlichen arbeitet zeigen doch alle ich die gleiche Richtung. Die Nutzung der asozialen Medien hat ein sehr starkes Suchtpotenial. Wir als Gesellschaft scheiben auch vor, dass die legalen Drogen (Nikotin, Alkohol, Gras) erst ab einem bestimmten Alter gekauft und konsumiert werden dürfen. Nur bei den asozialen Medien lamentieren wir rum.
Und ja natürlich gibt es immer Jugendliche, die Verbote umgehen und kiffen und saufen. Wird beim Verbot der asozialen Medien auch so sein. Aber das Verbot schafft eine Aufmerksamkeit und ein Bewusstsein. Und genau wie bei den legalen Drogen werden sich viele an Verbote halten.

Rüdiger Vehrenkamp
29 Tage zuvor

Man kann es doch drehen und wenden, wie man will: Ob Leistungsminderung, Konzentrationsschwäche, geringe Aufmerksamkeitsspannen, psychische Belastung – am Ende landet man immer wieder bei horrenden Bildschirmzeiten und überbordendem Medienkonsum. Streaming beim Essen, TikTok auf der Toilette, stundenlanges Doom Scrolling vor dem Einschlafen, ein Youtube-Video zum Einschlafen… Dieses Dauerfeuer aufs Gehirn tut natürlich keinem Kind gut (und keinem Erwachsenen).

Udo Beckmann
29 Tage zuvor

Die Ergebnisse der Studie sind alarmierend – aber eigentlich nicht überraschend. Denn sie zeigen vor allem eines: Social Media ist längst nicht nur ein Freizeitproblem, sondern ein Verstärker sozialer Ungleichheit im Bildungssystem.
Besonders betroffen sind Kinder aus bildungsfernen Elternhäusern. Gerade sie verbringen überdurchschnittlich viel Zeit in sozialen Netzwerken – nicht aus mangelnder Motivation, sondern weil ihnen oft das fehlt, was andere Kinder selbstverständlich mitbringen: klare Regeln, Unterstützung beim Lernen, Zugang zu Büchern oder Orientierung im Umgang mit digitalen Medien. Während in bildungsnahen Familien Bildschirmzeiten begrenzt und Inhalte eingeordnet werden, bleibt Nutzung in anderen Haushalten häufiger ungesteuert. Das verschärft bestehende Nachteile zusätzlich.
Damit entsteht eine neue Form digitaler Bildungsungerechtigkeit. Wer ohnehin schlechtere Startbedingungen hat, verliert noch mehr Lernzeit, entwickelt schwächere Lesekompetenzen und hat geringere Chancen auf schulischen Erfolg. Social Media wirkt hier nicht neutral – es verstärkt Unterschiede.
Gerade deshalb darf die Debatte nicht bei allgemeinen Appellen zur Medienkompetenz stehen bleiben. Kinder aus privilegierten Familien profitieren davon automatisch stärker. Wenn Bildungsgerechtigkeit tatsächlich ein politisches Ziel sein soll, braucht es verbindliche Regeln zur Nutzung digitaler Geräte an Schulen, gezielte Unterstützung für Eltern sowie zusätzliche Förderangebote für besonders belastete Schülerinnen und Schüler.

Canishine
29 Tage zuvor
Antwortet  Udo Beckmann

Ich halte es für wichtig, dass in der Debatte und der damit verbundenen Suche nach Lösungen die Begrifflichkeiten zutreffender verwendet werden.
Es wird häufig von privilegierten Familien gesprochen, meint damit aber keineswegs die königlichen Familien oder die Trumps und Putins, sondern z.B. Familien mit akademischen Hintergrund. Die „Privilegien“ sind in diesen Fällen aber eben nicht unrechtmäßige Vorteile, sondern können auch schlicht erarbeitet sein. Dass dadurch Vorteile für die Kinder entstehen, war vielleicht sogar von den Eltern in ihrem beruflichen Streben und ihren Anstrengungen beabsichtigt. Vielleicht könnte man es neutraler beim Begriff „Vorteile“ belassen.
Damit geht auch der Begriff „Bildungsungerechtigkeit“ im Zusammenhang mit Social-Media-Verhalten aus meiner Sicht zu weit. Dass „Rumdaddeln“ häufig verschwendete Zeit ist, ist inzwischen so bekannt wie die Schädlichkeit vom Rauchen. Dass sich Menschen trotzdem darauf einlassen, hat damit wohl weniger mit Ungerechtigkeiten sondern eher mit unterschiedlichem und teils sehr individuellem Umgang mit Lebensumständen zu tun. Sonst müssten wir auch konsequenterweise von einer Ungerechtigkeit im Gesundheitssystem sprechen, die dazu führt, dass in unterschiedlichen Schichten unterschiedlich stark geraucht wird.
Die Verwendung von bestimmten Begrifflichkeiten verschieben und verschleiern ggf. die Verantwortlichkeiten. Dies heißt nicht, dass Unterstützung und Hilfestellungen nicht notwendig oder gar unangebracht werden. Man entbindet nur den Menschen nicht von der eigenen Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit.

Hans Malz
29 Tage zuvor

Die Studie sagt überhaupt nicht, was zu tun ist, sondern zählt wieder Allgemeinplätze auf (zumindest in der Zusammenfassung im Text hier).

„Wenn Kinder und Jugendliche den gesunden Umgang mit digitalen Medien lernen sollen, sollten ihnen die notwendigen Medienkompetenzen in den Schulen vermittelt werden.“

Bla bla bla … Wer? Wann? Mit welchen Ressourcen? Was fällt dafür weg? Wie verläuft die Fortbildung dazu? Soll für jeder Schule was ausgearbeitet werden? Wie soll die Zusammenarbeit mit den Eltern passieren?

Die Antworten auf diese Fragen sagen mit “was zu tun ist” und nicht der Blabla-Käse der Wirtschaftswissenschaftler. Es wird ein Problem aufgezeigt und das gesagt: “Macht mal, dass das aufhört!” Aber das gehört ja mittlerweile zum guten Ton bei den “Wissenschafltern”.

Und wenn dann aus der Praxis Skepsis dazu aufkommt, ist man “wissenschaftsfeindlich” – Genau mein Humor….

Omg
25 Tage zuvor

Wir haben seit mehr als einem Jahrzehnt ein klare Regelung zur Nutzung von digitalen Endgerät ( ganz gemein ubd böse konservativ) und weit überdurchnittliche Ergebisse in IQB. Dafür hat jeder SuS aber Pflicht kurse im Bereich NM. Als ganz normale Schule. Weil wir eben selbst nachgedacht haben, vieles selbst entwickelt haben und den Rat der Fachleute anderen überlassen haben. Passt. Manchmal hilft eine gute pädagogische Ausbildung und gesunder Menschenverstand